05-Profis üben viel Eigenkritik

Jörg Schneider. Stuttgart.
Das hatten sie sich komplett anders vorgestellt beim FSV Mainz 05. Zwei Niederlagen nach zwei Bundesligaspielen haben dafür gesorgt, dass das eingetreten ist, was es noch nie gab seit dem Wiederaufstieg: Die 05er stehen nach dem 0:1 in Stuttgart auf dem Relegationsplatz. Die Profis gingen sehr selbstkritisch mit ihren Auftritt am Necker um. Allen voran Fabian Frei, der beim Gegentor nicht aufpasste. „Da müssen wir nicht diskutieren. Ich war zu weit weg vom Badstuber, das ist klar. Das tut mir leid, der Treffer geht auf mich“, sagte der Schweizer.

Mit einem solchen Fehlstart in die neue Saison mit zwei Niederlagen gegen die beiden Bundesliga-Aufsteiger hatte niemand gerechnet beim FSV Mainz 05. Die gute Vorbereitung und das souveräne Weiterkommen im Pokal schienen darauf hinzudeuten, dass die veränderte Spielweise, die der neue Trainer in den sieben, acht Wochen im Sommer mit der Mannschaft eingeübt hatte, schnell Früchte tragen könnte. Die Realität hat Sandro Schwarz und dessen Team nun überholt. Da knirscht es noch heftig im Gesamtgefüge. Da läuft vor allen Dingen in Sachen Torerfolg noch vieles nicht rund. Die Umstellung von alt auf neu, der ganze Entwicklungsprozess, auch die Präsenz der Neuzugänge, dauert doch länger als vermutet. „Nach der Vorbereitung hab ich das Gefühl gehabt, wir kommen in die Champions League. Jetzt ist es so, dass ich nicht alles hinterfrage, weil wir zweimal knapp 0:1 verloren haben“, sagt Stefan Bell, der mittlerweile die Besonderheiten im Profi-Fußball kennt. Es läuft nicht alles falsch bei den 05ern. Momentan aber doch so viel, dass wenige gravierende Fehler mit Niederlagen bestraft werden.

Fabian Frei war beim entscheidenden Eckball zu weit weg von Holger Badstuber, hätte höchstens noch den Elfmeter riskieren können. "Der Treffer geht auf mich", sagt der Mittelfeldspieler. Foto: imagoDie 05-Profis gingen extrem selbstkritisch mit der Niederlage in Stuttgart um. Vor allem Fabian Frei, der bei den Standardsituationen zugeordnet war für Holger Badstuber und dem Ex-Münchner in der 53. Minute bei dessen entscheidenden Kopfballtreffer nur Begleitschutz gab. „Da müssen wir nicht diskutieren. Ich war zu weit weg vom Badstuber, das ist klar. Ich hatte ihn sonst relativ gut im Griff bei den Standards, da ist er nicht annähernd rangekommen. Aber da kam ich einen Schritt zu spät. Das tut mir leid, der Treffer geht auf mich“, sagte der Schweizer nachher. Frei wusste selbst, dass ansonsten sowohl seine eigene Leistung wie auch vieles andere im Mainzer Spiel nicht berühmt war. „Erste Halbzeit war es intensiv, aber da ist nicht viel passiert, obwohl es schon sehr fahrig war. Nach dem Tor konnten wir irgendwie nicht so richtig. Die Ideen haben gefehlt. Viele einfache Fehler haben uns den Zahn gezogen“, erklärte der 28-Jährige. „Letzte Woche waren wir viel ballsicherer. Da hatten wir mehr Linie drin, viel mehr Sicherheit.“ Möglicherweise habe man die Auftakt-Niederlage im Hinterkopf gehabt. „Das soll keine Ausrede sein, es ist aber vielleicht so, dass man etwas mehr nachdenkt.“

Die Mannschaft habe in Stuttgart insgesamt einfach nicht das gemacht, was sie spielen könne und in der Vorbereitung gezeigt habe. „Da war immer klar die Struktur drin im ganzen Spiel. Hier haben wir schon beim hinten heraus spielen in der Mitte zu einfach die Bälle verloren. Dann wird es schwer“, so Frei. Dass dabei auch das Tempo verlorengehe, sei normal. Wenn du den Fehler machst, kannst du noch so viel Tempo haben, dann ist es raus. Wir müssen das Ganze sehr kritisch hinterfragen das ist klar. Doch wir dürfen aber jetzt auch nicht den Teufel an die Wand malen. Wir sind nicht zweimal untergegangen, so dass man sagen müsste, man muss alles über den Haufen werfen. Ich glaube und hoffe darauf, dass bei uns der Knoten platzt, wenn wir einfach mal ein Tor machen.“

Danny Latza, der ebenso wie der Schweizer auf der Doppelsechs ohne Normalform spielte und nicht dazu kam, Akzente zu setzen, wirkte völlig kaputt nach der Partie im Hitzekessels des Neckarstadions. Überhitzt und mit hochrotem Kopf stand der Mittelfeldspieler frustriert in der Mixed Zone und suchte nach Erklärungen. „Ich weiß gar nicht, wie ich dieses Spiel einschätzen soll“, sagte der 27-Jährige. „Wir sind viel hinterher gelaufen. Erste wie zweite Halbzeit. Zum Ende hin hat uns richtig die Kraft gefehlt. Es war ein total gebrauchter Tag. Wir konnten nicht an die Leistung von letzter Woche anknüpfen, nicht das was wir uns vorgenommen haben, umsetzen.“ Er müsse sich das Ganze noch einmal anschauen, um zu begreifen, was man alles falsch gemacht habe. „Ich hatte fest mit Punkten gerechnet. Wir müssen nun versuchen den Kopf frei zu bekommen und die Fehler abstellen.“

Der Plan sei gewesen, wie im letzten Spiel Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte zu haben, um kurze Wege zum Tor zu kriegen. „Das ist uns gar nicht gelungen. Wir haben sie viel zu viel spielen lassen. Bei der Hitze fehlt dann irgendwann die Kraft, den letzten Schritt zu machen, wenn du so wenig Ballbesitz hast, viele Fehler machst in der eigenen Hälfte und immer wieder hinterher rennst. Alles in allem haben wir nicht das umsetzen können, was wir wollten“, betonte Latza.

Die guten Aktionen nach vorne, die einem das Gefühl geben würden, dass man jederzeit in Führung gehen könne, seien zu wenig da gewesen, meinte der 05-Kapitän. „Wir stehen relativ stabil, das ist das Positive. Klar, dass wir nach dem Rückstand aufmachen und mehr Risiko für Konter nehmen. Davor stehen wir aber sehr konstant. Was fehlt, ist die Linie nach vorne. Das Offensivspiel von der ganzen Mannschaft, die klaren Aktionen, die hinten anfangen und vorne rauskommen. Im richtigen Moment in den richtigen Raum reinlaufen.“ Dazu kommt laut Bell, dass man zudem zu oft die falschen Entscheidungen treffe. „Wenn wir die Seite wechseln müssen, versuchen wir es auf der gleichen Seite. Wenn wir klatschen lassen müssten, verdrehen wir. Wenn wir dann mal außen durch sind und flanken, ist es oft so, dass ein, zwei Mann zu wenig im Strafraum sind, dass kein Sechser vorne ist. Das müssen wir in den Griff kriegen“, sagt der 26-Jährige, der selbst die Chance hatte zum Führungstreffer, mit seinem Kopfball jedoch am Stuttgarter Torhüter scheiterte. „Schade, da hat nicht viel gefehlt. Man kann aber nicht erwarten, dass jeder Standard reingeht. Da muss schon auch mehr aus dem Spiel heraus kommen“, sagte Bell für den die zwei Niederlagen trotz aller Enttäuschung noch keine Krise sind. „Schlimmer wäre es, wenn wir 3:0 auf den Deckel bekommen hätten. So haben wir eigentlich das Gefühl, dass wir wenige Torchancen zulassen. Wir müssen sehen, dass wir nach vorne besser werden. Wir haben eine Basis, darauf müssen wir aufbauen, dass wir mal wieder Tore schießen.“

► Alle Artikel zum Spiel beim VfB Stuttgart

► Zur Startseite