05er wehren sich nicht gut gegen die Umstände

Christian Karn/Jörg Schneider. Meyrin.
Mit einer dicken Niederlage beendete der FSV Mainz 05 das Trainingslager in Evian. Im Genfer Vorort Meyrin verloren die 05er im strömenden Regen auf einem bald teilweise nicht mehr bespielbaren Platz 1:5 (1:3) gegen den Champions-League-Viertelfinalisten AS Monaco. Jairo hatte in der 13. Minute zum 1:0 getroffen. Grund zur Unruhe sieht Martin Schmidt aber nicht. "So eine Niederlage muss man in der Vorbereitung mal einstecken", sagte der 05-Trainer. "Wir können viele Schlüsse daraus ziehen und sind auf einem guten Weg."

AS Monaco - FSV Mainz 05 5:1 (3:1)

Mittwoch, 22. Juli 2015, in Meyrin.

FSV Mainz 05: Karius (66. Huth) - Brosinski (72. Kalig), Bell (72. Hack), Bungert (37. Balogun), Park (46. Jara) - Latza (46. Baumgartlinger), Frei (72. Serdar) - Clemens (46. Moritz), Nedelew (46. Malli), Jairo (46. Beister) - Muto (66. Höler).

Tore: 0:1 Jairo (13., Muto), 1:1 Martial (19., Foulelfmeter, Bungert an Martial), 2:1 Martial (20.), 3:1 Cavaleiro (30.), 4:1 Kurzawa (62.), 5:1 Carrillo (80.).

Von guten Bedingungen konnte wirklich nicht die Rede sein beim zweiten Testspiel des FSV Mainz 05 im Trainingslager. Aber das muss gar nicht schlecht sein. "Ich wollte mal sehen, wie man sich gegen die Umstände wehrt", sagte 05-Trainer Martin Schmidt. Die Umstände waren: Späte Ankunft, kaum Zeit zum Warmmachen, Dauerregen, ohnehin ein paar Ausfälle, ein hochkarätiger Gegner, für den das Spiel eine Generalprobe war. Bald der Rückstand. Das Ergebnis: 1:5 (1:3) gegen die AS Monaco.

Florian Niederlechner hatte am Vormittag absagen müssen. Das brachte den Plan durcheinander. Zwar konnten die 05er dank Leon Baloguns Rückkehr trotzdem mit zweimal elf Spielern anreisen, aber die bisherige Statik war schon im Voraus kaputt. Yoshinori Muto begann daher als Mittelstürmer. Julian Baumgartlinger, ebenfalls noch vor kurzem angeschlagen, blieb zunächst draußen. Ansonsten wagte Schmidt, ein Freund einer eingespielten Startelf, nur ein Experiment: Todor Nedelew war Zehner anstelle von Yunus Malli.

Um 19 Uhr sollte die Partie beginnen. Aber die 05er standen im Stau, kamen erst wenige Minuten vorher an, machten sich in aller Kürze warm für den etwas nach hinten verschobenen Anpfiff. Und waren dennoch zunächst die bessere Mannschaft. Die frühe Führung kam nicht unverdient. In der 13. Minute spielten die 05er einen Überzahlangriff in die Breite: Christian Clemens spielte in der 13. Minute flach von rechts in den Strafraum, Muto leitete den Ball weiter auf Jairo und nahm damit den kroatischen Nationaltorwart Danijel Subasic aus dem Spiel. Und Jairo traf ins leere Tor.

Für Yoshinori Muto und die übrigen 05er war die Partie gegen Monaco nicht nur ein Spiel gegen einen hochkarätigen Gegner, sondern auch ein Kampf gegen die Elemente und den inneren Schweinehund. Foto: imago

Ein fürchterlicher Fehlpass von Loris Karius führte in der 19. Minute zum Ausgleich. Die 05er waren schon in der Vorwärtsbewegung, als der Torwart einen kurzen Steilpass dem Stürmer in die Füße spielte. Niko Bungert stoppte den Konter mit einem Foul am Mittelstürmer Anthony Martial. Der verwandelte den Elfmeter selbst und legte schon eine Minute später das 2:1 nach. Schmidt sprach später die Konzentration nach Gegentoren an. Nach dem 1:1 war sie weg.

Die folgenden zehn Minuten waren ein großer Abnutzungskampf mit gelegentlichen Allerweltsfouls. Vor den Toren passierte nichts, bis der Neuzugang Ivan Cavaleiro sich irgendwo auf der linken Seite den Ball schnappte und es mit allen aufnahm. Das Solo durch vier Verteidiger schloss der Portugiese mit dem 3:1 ab (30.).

An vernünftigen Fußball war danach erst einmal nicht zu denken. Der Dauerregen hielt an, der Platz war vor allem vor der Haupttribüne nicht mehr ernsthaft bespielbar. Pfützen standen auf dem Rasen, Fünf-Meter-Pässe kamen nicht an, weil der Ball nach einem Meter einfach schwimmen blieb. 

In der zweiten Hälfte konnte zumindest in der Mitte und auf dem anderen Flügel wieder gespielt werden. Nach gut zehn Minuten hatte Malli die große Chance zum 2:3. Wunderbar freigespielt von Christoph Moritz - diesmal kein Innenverteidiger, sondern als Rechtsaußen eingewechselt, weil Muto schon als Mittelstürmer gebraucht wurde - legte sich der Zehner in Ruhe Ball und Gegner zurecht, traf aber nur den Pfosten. Es war die letzte Chance, mit einem ordentlichen Ergebnis nach Evian zurückzukommen: In der 62. Minute erhöhte Monaco mit einem Kopfball des Verteidigers Layvin Kurzawa nach einer Ecke auf 4:1. Und in der 80. Minute, als Schmidt bereits die komplette Startelf ausgewechselt hatte, traf ebenfalls nach einem Eckball Guido Carrillo zum 5:1.

"So eine Niederlage muss man in der Vorbereitung mal einstecken", sagte Schmidt. Immerhin stand Monaco im Frühjahr noch im Viertelfinale der Champions League, und am kommenden Mittwoch beginnt gar nicht so weit vom heutigen Schauplatz, beim BSC Young Boys in Bern, die Pflichtspielsaison der AS. "Wir können viele Schlüsse daraus ziehen", deutete der 05-Trainer an. Die erwähnte Konzentration ist ein Ansatz für Schmidt, zwei Gegentore nach Eckbällen ein weiterer. "Da müssen wir besser verteidigen", sagte Schmidt. "Wir haben Fehler gemacht, die ein renommierter Klub wie Monaco rigoros ausgenutzt hat." Trotz des 1:5 aber: "Wir sind auf einem guten Weg." Den Niko Bungert trotz seiner frühen Auswechslung ohne Auszeit weiter mitgehen kann: Die Wade des Innenverteidigers machte bei einem Sprint nicht mit; Bungert wurde nur vorsichtshalber ausgewechselt.

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