2x45 Minuten - und ein paar Elfmeter?

Christian Karn. Mainz.
Morgen nimmt der FSV Mainz 05 am Nachfolger des Nachfolgers des Nachfolgers des Supercups teil. Was vor zehn Jahren noch ein offizieller DFB-Wettbewerb war, ist inzwischen ein Einladungsturnier, bei dem die 05er in Düsseldorf um 16.15 Uhr gegen Gladbach und entweder um 17.30 oder gegen 18.30 Uhr entweder gegen Fortuna Düsseldorf oder gegen Bayern München spielen. Während sich bei den Bayern seit dem letzten Spiel gegen Mainz 05 nicht viel getan hat, tritt Gladbach mit einem neuen Innenverteidiger an, die Fortuna mit einem alten Bekannten, die Mainzer noch ohne Neuzugänge.

Im weitesten Sinne - im allerweitesten - ist das tatsächlich der alte Supercup, so mehr oder weniger, um den der FSV Mainz 05 morgen in Düsseldorf spielt. Das war früher mal das Spiel zwischen dem Deutschen Meister und dem DFB-Pokalsieger, und tatsächlich sind Meister (Bayern München) und Pokalsieger (auch Bayern München) dabei. Vom alten Format des Wettbewerbs ist allerdings nichts mehr übrig.

Seine Evolution ist lang und kompliziert. 1997 schon wurde der alte Supercup mit dem inoffiziellen Fuji- bzw. Casio-Cup fusioniert und war ein Turnier für die Top 5 der Bundesligatabelle und den Pokalsieger, die durch die Drittligastadien tingelten, in Erinnerung blieben in erster Linie die Schulklassen auf den Tribünen, die 90 Minuten lang "Kevin Kuraaaaanyi!" piepsten. 2003 und 2004 fand das Finale tatsächlich am Bruchweg statt, der HSV schlug Borussia Dortmund, Bayern schlug Werder Bremen. Und nach drei weiteren Endspielen in Leipzig (wo der heutige Bundesligist noch nicht gegründet war) hatte sich das Format 2007 so totgelaufen, dass es keine weitere Austragung mehr gab. Ein großer Ligapokal für alle Erst- und Zweitligisten war kurz im Gespräch, sogar eine Europapokal-Qualifikation für den Sieger analog zum DFB-Pokal, aber auch daraus wurde nichts.

Als Ersatz dachten sich Bayern München und Borussia Dortmund daraufhin einen inoffiziellen Supercup aus, der von der Telekom übernommen und zum Einladungsturnier aufgeblasen wurde. 2011 fand das Turnier zur Eröffnung der neuen Arena in Mainz statt und die 05er wurden Letzter hinter dem BVB, dem HSV und den Bayern, im Sommer 2016 war kein Termin aufzutreiben, 2017 wurde es in den Winter verlegt.

Und so spielt Mainz 05 morgen, 16.15 Uhr, auf Einladung gegen Borussia Mönchengladbach um den Einzug ins Finale. Der Verlierer der Partie tritt um 17.30 Uhr gegen den Verlierer des ersten Spiels zwischen Gastgeber Fortuna Düsseldorf und Bayern München an, die beiden Sieger treffen sich anschließend (gegen 18.30 Uhr) im Endspiel. Die Partien dauern 45 Minuten, bei Unentschieden folgt sofort ein Elfmeterschießen.

Im Trikot von Mainz 05 hat Julian Koch nicht oft spielen können. Vielleicht tritt er morgen als Düsseldorfer gegen die 05er an. Foto: imagoIhren ersten Gegner kennen die 05er nicht so gut, wie man meinen würde. Seit dem dramatischen 0:1 der 05er in Gladbach am 11. Dezember - das war das Spiel mit dem verweigerten Handelfmeter und dem aberkannten Ausgleichstor von Pablo de Blasis in der 89. Minute - hat sich bei der Borussia manches verändert. Trainer André Schubert wurde nach missratener Hinrunde gefeuert, der nach dem siebten Spieltag erst in Wolfsburg entlassene Dieter Hecking hat nun die Aufgabe, den Tabellen-Vierzehnten flott aus dem Abstiegskampf zu holen und nebenher nach dem Wechsel der Borussia aus der Champions League in die Europa League zunächst gegen den AC Florenz etwas zu erreichen. Als bisher einzigen Winter-Neuzugang bekam Hecking einen neuen Innenverteidiger; der Franzose Timothée Kolodziejczak, der mit dem FC Sevilla 2015 und 2016 die Europa League gewonnen hat, ersetzt Álvaro Domínguez, der Ende 2016 unter heftigen Vorwürfen gegen die Vereinsmediziner seine Karriere aufgegeben hat. Bald werden die Gladbacher noch einen Innenverteidiger brauchen; Andreas Christensen, der Siegtorschütze gegen die 05er im Bundesligaspiel, muss wohl im Sommer zu Chelsea zurück.

Bei den Bayern gibt es wenig Neues. Holger Badstuber wurde soeben an Schalke ausgeliehen, dafür wird wohl im Sommer Niklas Süle aus Hoffenheim kommen und Sebastian Rudy mitbringen. Für den operativen Kader ist das ohne große Bedeutung; Badstuber hat in dieser Saison in der Bundesliga, der Champions League und dem DFB-Pokal nur gut zwei Stunden gespielt.

Und Fortuna Düsseldorf steckt wohl wieder im Mittelfeld der 2. Liga fest. Nur eingangs der Saison sah es kurz so aus, als könnte die Fortuna mit dem Aufstiegsrennen etwas zu tun haben; inzwischen sind 17 Spieltage vorbei, die Aufstiegsrelegation ist sieben Punkte entfernt, die Abstiegsrelegation immerhin sogar elf Punkte. Das hängt in hohem Maße damit zusammen, dass die Fortuna keinen Torjäger hat; die besten Torschützen sind Rouwen Hennings und Ilhas Bebou mit fünf bzw. vier Toren. Bebou, dem ein baldiger Wechsel in die Bundesliga nachgesagt wird, ist morgen nicht dabei, weil er mit der Nationalmannschaft Togos am Afrika-Cup teilnimmt. Dafür werden die Mainzer wahrscheinlich einem alten Bekannten begegnen: Julian Koch, der mit viel Verletzungspech von 2013 bis Ende 2014 keine große Rolle bei den 05ern spielte, ist seit 2015 ein Düsseldorfer.

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