Per 5:0 ins Viertelfinale

Christian Karn. Mainz.
Gonzalo Jara hat sich mit Chile als Gruppensieger fürs Viertelfinale der Copa América qualifiziert. Gegen Bolivien erledigte der Verteidiger des FSV Mainz 05 sein überschaubares Arbeitspensum ohne Mühe, während vorne Charles Aránguiz (zwei Tore), Alexis Sánchez, Gary Medel und Ronald Raldes (ein Eigentor) zum 5:0-Sieg trafen. Der Gegner im Viertelfinale am Mittwochabend wird der beste Gruppendritte des Turniers sein.

Die chilenische Nationalmannschaft mit dem Mainzer Gonzalo Jara in der Abwehr hat sich als Gruppensieger fürs Viertelfinale der Copa América qualifiziert - und mit einem 5:0 gegen den Zweiten der Abschlusstabelle ihrer Gruppe noch einmal als einer der Titelfavoriten in Position gebracht.

Die unerwartete 1:2-Niederlage Mexikos gegen Ecuador wenige Stunden zuvor hatte beiden Teams den Druck genommen. Chile und Bolivien hatten bereits jeweils vier Punkte und wussten vor dem Anpfiff der eigenen Partie, einen Platz im Viertelfinale sicher zu haben. Es ging nur noch um den Gruppensieg und darum, im Viertelfinale gegen den besten Gruppendritten zu spielen und nicht gegen den Zweiten der hochinteressanten Gruppe C, in der nach zwei von drei Spieltagen Brasilien, Peru, Venezuela und Kolumbien punktgleich sind und die gleiche Tordifferenz haben. Alles ist möglich in jener Gruppe, auch dass Brasilien (ohne Superstar Neymar, der nach seiner Tätlichkeit nach der 0:1-Niederlage gegen Kolumbien für vier Spiele gesperrt wurde) der beste Dritte wird.

Und Chile schoss Bolivien gnadenlos ab. Das begann schon in der zweiten Minute: Gary Medel (Inter Milan) spielte einen langen Ball von der Mittellinie auf Eduardo Vargas. Der Stürmer des SSC Neapel legte von zwei Verteidigern bedrängt den Ball geschickt zurück in den offenen Raum in seinem Rücken, wo Charles Aránguiz (SC Internacional/Brasilien) viel Platz hatte, um das 1:0 zu schießen.

Arsenals Alexis Sánchez, dessen Einsatz noch kurz vor dem Spiel wegen einer leichten Verletzung fraglich war, hätte zweimal per Freistoß auf 2:0 erhöhen können, traf aber nur den Außenpfosten (18.) und die Latte (30.). In der 37. Minute bekam Sánchez schließlich sein Tor durch ein weiteres Kunstwerk. Zunächst kam der Rückpass Boliviens in die eigene Hälfte nicht an. Sánchez hatte den ball und trotz Überzahl schafften die Bolivianer den Zugriff auf den entstehenden Spielzug nicht mehr. Zwar rannte Vargas ins Abseits und war nicht mehr anspielbar, aber rechts tauchte aus dem Hintergrund Jorge Valdivia (SE Palmeiras/Brasilien) auf, bekam den Querpass und spielte sofort eine sehr kurze Flanke zurück. Sánchez schickte einen Flugkopfball aus fast 20 Metern ins lange Eck. 

Die bolivianische Abwehr löste sich nun auf. Nach einem Solo von Maurico Isla (Juventus Turin) über die rechte Seite verpassten zwei Verteidiger den Querpass und gaben Vargas allen Platz der Welt, aber der schob den Ball knapp vorbei (41.).

In der Halbzeit wurden der trotz der Verletzung starke Sánchez und der in den ersten beiden Turnierspielen überragende, diesmal nach seinem spektakulären Autounfall eher unauffällige Star Arturo Vidal ausgewechselt. Dem chilenischen Spiel schadete das nicht: Aránguiz traf in der 66. Minute erneut. Verteidiger waren zahlreich anwesend bei diesem Angriff, aber sie schienen keine körperliche Substanz zu haben, ließen die Bälle und Gegenspieler durch, als seien sie nur noch Trugbilder. Zweimal foulten die Bolivianer im Mittelfeld, aber zweimal übernahm lediglich der nächste Chilene den Ball. Der Angriff ging rechts in den Strafraum, der eingewechselte Ángelo Henríquez (Manchester United) spielte den Querpass, Aránguiz ließ sich vom letzten angrätschenden Verteidiger nicht weiter irritieren und schoss aus kurzer Distanz das dritte Tor. Spektakulärer als der Spielzug war nur der chilenische Kommentator, der den letzten Pass mit einer Zunge wie ein Kolibri beschrieb, mit bald 50 Schlägen pro Sekunde.

Gonzalo Jara könnte am Mittwoch im Viertelfinale gegen Brasilien spielen. Neymar würde er nicht wieder treffen; der Star der Brasilianer wurde für seine Tätlichkeit nach dem Spiel gegen Kolumbien für das restliche Turnier gesperrt. Foto: imagoGonzalo Jara wurde kurz darauf ausgewechselt. Als Innenverteidiger im chilenischen 3-5-2 hatte der Mainzer nicht allzu viel zu tun: Mittelstürmer Marcelo Moreno, den ehemaligen Bremer, hatte Jara gut im Griff, die gelegentlichen Standards, die vors Tor kamen, köpfte er aus dem Strafraum.

In der Schlussphase erhöhten die Chilenen auf 5:0. Erst lief Medel mit einem erweiterten Doppelpass über Matías Fernández (AC Florenz) und Valdivia in den Strafraum durch und traf nach missglückter Abseitsfalle mit einem Heber über den Torwart (79.), dann sprang eine Flanke von Henríquez vom Fuß des bolivianischen Kapitäns Ronald Raldes (CD Oriente Petrolero) in hohem Bogen an den langen Pfosten und ins eigene Tor (86.).

Am Mittwoch um 21 Uhr deutscher Zeit spielen die Chilenen ihr Viertelfinale. Wer der Gegner sein wird, wissen sie erst am Montag.

► Die Tore und der Kommentator im Video