Aaron Seydel wechselt zum Pokalgegner

Christian Karn. Mainz
Der Nachwuchsstürmer Aaron Seydel verlässt den FSV Mainz 05 leihweise und ohne Kaufoption in die 2. Bundesliga, dürfte aber schon im Oktober wieder zu seinem Stammverein zurückkommen: Sein neuer Verein ist der Mainzer Pokalgegner Holstein Kiel. Eine Leihe zum Zweitliga-Aufsteiger hat sich schon einmal für einen Nachwuchsspieler des FSV Mainz 05 gelohnt: Robin Zentner war an der Ostsee nicht immer Stammspieler, ist aber aktuell erster Ersatztorwart für René Adler. Und Seydel wird einen alten Kollegen wieder treffen: Sein ehemaliger U17- und U19-Mitspieler David Kinsombi ist Stammspieler beim KSV Holstein.

Die Bundesliga verliert einen ihrer beiden größten Spieler, in gewisser Weise: Der FSV Mainz 05 verleiht zwecks Spielpraxis den 1,99-Meter-Stürmer Aaron Seydel für ein Jahr in die 2. Bundesliga. In Mainz wird man den 21-Jährigen wohl dennoch bald wieder sehen - sein neuer Verein ist der Zweitrunden-Pokalgegner der 05er, der Aufsteiger Holstein Kiel. "Aufgrund der Konkurrenzsituation in der Offensive hätte er wahrscheinlich nicht jene Einsatzzeiten bekommen, die er als junger Spieler mit Entwicklungspotenzial auf sehr gutem Niveau benötigt", begründet der 05-Sportvorstand Rouven Schröder den Transfer. "Daher sind wir froh, dass wir mit Holstein Kiel Einigung erzielen konnten."

Auf den Tag genau neun Monate nach seinem Profidebüt verlässt Aaron Seydel den FSV Mainz 05 - vorübergehend: Bis Saisonende wurde der Stürmer an Holstein Kiel ausgeliehen. Foto: imagoSeydel war zuletzt einer der wenigen Einheimischen im 05-Kader; im Gegensatz zu den beiden Bingern Suat Serdar und Jannik Huth, die ebenfalls jahrelang in den 05-Nachwuchsteams spielten, ist er sogar ein gebürtiger Mainzer, der jedoch seine Grundausbildung ein Stückchen rheinaufwärts beim FSV Oppenheim erhielt, eher er 2005 als Neunjähriger zu den 05ern wechselte. Im Frühjahr 2012 debütierte der Angreifer in der B-Junioren-Bundesliga, im Oktober 2013 schoss er sein erstes U19-Bundesligator, im folgenden Sommer gab er als Spieler des jüngeren A-Jugend-Jahrgangs sein Debüt im Erwachsenenfußball als Einwechselspieler im Aufstiegsrunden-Rückspiel der U23 gegen die TSG Neustrelitz. Ab 2015 war Seydel zwar kein Stamm-Startspieler, aber eine feste Größe im Drittligateam mit 52 Einsätzen, acht Toren und acht Tor-Vorlagen. 2016/17 spielte Seydel achtmal in der Bundesliga und der Europa League. Beim Bundesliga-Debüt - direkt in der Startelf des Spiels bei Hertha BSC - schoss er prompt das Mainzer Führungstor.

Bereits im Laufe der Vorbereitung auf die neue Saison verschwand der Angreifer jedoch aus dem Stammkader. Anfangs (mangels Alternativen - es gab noch Urlauber) als Sechser, bald aber als zentraler Spieler hinter dem Mittelstürmer war er in den ersten Testspielen noch dabei, seit dem Trainingslager wurde er jedoch nicht mehr eingesetzt, auch nicht im Dreimal-45-Minuten-Spiel gegen Twente Enschede, auch nicht in der Regionalligamannschaft.

Holstein Kiel freut sich auf einen "hochtalentierten Angreifer. Neben seinem fußballerischen Können bringt er für sein Alter schon reichlich Erfahrung in unterschiedlichen Wettbewerben mit", sagt Ralf Becker, der sportliche Geschäftsführer des neuen Zweitligaklubs. Seydels Manko deutet Becker dabei zwischen den Zeilen an - das große Talent muss noch zum vollwertigen Profispieler reifen. Seydel fehlt noch eine gewisse Ruhe auf dem Platz, ihm fehlen noch die jederzeit abrufbaren Automatismen. Ihm fehlt die Routine, die in Kiel weiter wachsen soll. "Ich freue mich auf meine Aufgabe bei einem ambitionierten Verein, der mit attraktivem Offensivfußball auf sich aufmerksam gemacht hat", sagt Seydel selbst.

Der KSV Holstein hat bereits Erfahrung mit Mainzer Nachwuchsspielern. Steven Lewerenz mag nur eine Saison in der U23 gespielt haben; aus der Mainzer Jugend stammt Seydels ehemaliger U17- und U19-Mitspieler David Kinsombi, der in diesem Sommer vom Karlsruher SC nach Kiel wechselte und zuletzt den Stammplatz des deutlich älteren Dominic Peitz im zentralen Mittelfeld des 4-1-4-1 eroberte. Gerade erst von einer zweijährigen Leihe aus Kiel zurückgekommen ist der aktuelle Mainzer Ersatztorwart Robin Zentner (auch ein lokaler Spieler, wie Kinsombi ein gebürtiger Rüdesheimer), der zuvor neun Jahre bei den 05ern ausgebildet wurde und für die Kieler 26 Mal in der 3. Liga spielte. Nach heutigem Stand zumindest wird Seydel ebenfalls nicht nur als Gegenspieler zurückkommen. "Wir werden Aarons Entwicklung mit großem Interesse verfolgen", sagte Rouven Schröder. Eine Kaufoption gibt's nicht, seinen (Anschluss-)Vertrag in Mainz hat Seydel erst kurz vor Weihnachten bis 2021 verlängert.

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