Abgeklärt und immer präsent

Jörg Schneider. Mainz.
Die gute Vorstellung der Profis des FSV Mainz 05 gegen den FC Augsburg hat Appetit gemacht auf das nächste Heimspiel gegen Werder Bremen, das am Samstag mal wieder zur normalen Bundesligazeit in der Opel Arena angepfiffen wird. Die Mannschaft hinterließ beim 2:0-Erfolg gegen den Tabellen-Nachbarn einen guten Eindruck. Zwei Spieler, die zuletzt immer wieder mit Problemen zu kämpfen hatten, ernteten anschließend ein Extra-Lob für ihren Auftritt: André Ramalho als abgeklärter Innenverteidiger und Jean Philippe Gbamin als stets präsenter Sechser.

In diesem Konter nach 31 Minuten zur 1:0-Führung lag im Prinzip alles drin, was die Profis des FSV Mainz 05 in der Partie gegen den FC Augsburg ausmachte und was den Unterschied am Ende zwischen den beiden Mannschaften in bedeutete. Gedanken- und Handlungs-Schnelligkeit, Zweikampfstärke, Tempo, Geradlinigkeit und Durchsetzungsvermögen. „Das war ein perfekt gespielter Konter und der Dosenöffner an diesem Abend“, sagte Martin Schmidt nach dem 2:0-Sieg zufrieden. „Daran werden wir uns aufrichten. Den Konter nehmen wir als Vorbild.“ Der 05-Trainer liebt diese Art von Umschalt-Fußball besonders, daraus macht er keinen Hehl. „So etwas macht mir einen Riesenspaß. Das sind schöne Tore. Wir hatten in der zweiten Hälfte noch etliche solcher Umschaltchancen, doch leider hat da jedes Mal der entscheidende Pass gefehlt und wir haben die Leute vorne nicht gefunden. Doch die Mentalität hat bei uns von Anfang an gepasst. Dann steckt man auch Fehler weg, dann muss man über Arbeit und Aufwand kommen. Da hat vieles gepasst bei uns“, erklärte der 49-Jährige.

Viel Lob ernteten André Ramalho (hier im Duell gegen Raul Bobadilla) und Jean-Philippe Gbamin für ihre Leistung beim 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg. Foto: ImagoAndré Ramalho klärte in dieser entscheidenden Szene vor dem eigenen Tor den von Konstantinos Stafylidis hereingebrachten Eckball. Außerhalb des Strafraums gewann Bojan Krkic den zweiten Ball gegen Philipp Max. Der Augsburger foulte, der Schiedsrichter gab Vorteil. Levin Öztunali übernahm, wurde ebenfalls gefoult von Martin Hinteregger. Erneut Vorteil. Jean-Philipp Gbamin übernahm diesmal, trieb den Ball über rechts nach vorne, flankte auf Jhon Cordoba, der mit dem Kopfball von halblinks im Strafraum vorlegte. Öztunali vollstreckte mit dem Kopf.  „Ich weiß gar nicht, wo der Levin herkam. Er machte einen 90-Meter-Sprint in acht, neun Sekunden“, sagte Schmidt erfreut. „Wir haben vor dem Spiel gesagt, wir brauchen wieder Umschaltüberfälle. Das war so einer. Obwohl es der Gegner weiß, tappt er doch in die Falle.“

An diesem Treffer waren etliche Spieler beteiligt, die den Auftritt der 05er gegen den FCA prägten. Natürlich Jhon Cordoba, der als nie zu kontrollierende Kampfeinheit die gegnerische Abwehr beschäftigte, jederzeit anspielbar war und am Ende als Vorbereiter und Elfmeter-Erzwinger seinen wichtigsten Beitrag leistete. Levin Öztunali als Tempo-Läufer auf der Außenbahn, der das erste Stürmertor seit geraumer Zeit erzielte. Aber auch zwei Spieler, die bisher immer wieder mal mit Fehlern und Leichtsinnigkeiten aufgefallen waren, diesmal jedoch sehr konkrete und konzentrierte Vorstellungen ablieferten. Ramalho und Gbamin. „Bei Gbamin muss man sagen, dass er sich enorm gesteigert hat. Gegen Dortmund hatte er diese Stockfehler in der Zentrale. Diesmal hat er ganz einfach gespielt, Zweikämpfe gewonnen, und dann ist er sowas von präsent auf dem Platz. Das war sehr gut“, freute sich Sportdirektor Rouven Schröder nachher für den Franzosen. Der 05-Trainer machte dem Sechser noch auf dem Platz ein Kompliment. „Ich habe ihm sofort gesagt, dass es eines seiner besten Spiele für uns war. Er war auch gegen den Ball aggressiv, hat die Bälle sauberer als zuletzt weggespielt. Er war präsent, hat nach den Fehlern im Dortmund-Spiel den Auftrag angenommen. Jean und Danny Latza waren sehr stark in der Mitte. Das sind wichtige Komponenten für unser Spiel.“  

Eine reife Leistung

Der 05-Trainer zog zudem Ramalho von der sechs zurück auf die zweite Innenverteidiger-Position links neben Stefan Bell, weil ihm das Risiko zu groß war, Niko Bungert zu bringen, der angeschlagen war und kaum trainiert hatte, Leon Balogun noch nicht weit genug  war für einen Startelfeinsatz. „André hat das sehr gut gemacht. Er hat so eine Art, Zweikämpfe zu führen, die gegen Bobadilla genau richtig war. Meist ist der Ball noch in der Luft, wo er den Gegner schon in die für ihn  bessere Position verschiebt. Da ist er sehr abgeklärt. Das haben wir von ihm erwartet. Wir wussten, dass der Bobadilla nicht der allerschnellste ist. Deshalb hat das auch gepasst. André hat ein sehr solides Spiel gezeigt, genau wie die komplette Viererkette, die sich etwas vorgenommen hatte nach dem vergangenen Wochenende“, erklärte Schmidt. „Das war eine reife Leistung“, fügte Schröder hinzu.

Stefan Bell, der souveräne Abwehrchef, fühlte sich wohl im Zusammenspiel mit dem Brasilianer. Im Testspiel im Januar gegen den FC Thun hatte das Duo erstmals in der Konstellation zusammen im Abwehr-Zentrum gespielt. „Ich habe vorher mit André gesprochen. Er hat mir erzählt, dass er eigentlich bis auf die letzten eineinhalb Jahre in Leverkusen immer als Innenverteidiger unterwegs war. Von daher war es für ihn nichts Ungewohntes“, erzählte der Kapitän. „Man hat gesehen, dass er weiß, wie er die Position spielen muss. Er ist relativ beidfüßig, gefühlt mit dem linken Fuß sehr sicher. Er hat auch kein Problem damit, dass wenn er so angelaufen und nach außen gedrängt wird, mit dem linken Fuß den Flugball nach vorne zu kriegen.“ Wie man gegen Raul Bobadilla spielen müsse, wisse man sowieso aus dem täglichen Training. „Der spielt ähnlich wie Cordoba. Das kennen wir. Wir haben es eigentlich ganz gut gemacht, dass wir ihn fast immer gedoppelt haben. Dass einer von uns vor ihm war, einer dahinter, dann kommt man oft in den Zweikampf. Wenn man hinter ihm dran ist, ist das Schlimmste, was passieren kann, dass er den Ball annimmt und ablegt. Er ist ein bulliger Spieler, aber ich habe jetzt sieben, achtmal gegen ihn gespielt, da weiß man, was kommt. Ich denke, wir hatten ihn ganz gut im Griff“, sagte Bell.

Der 26-Jährige glaubt ohnehin, dass die 05-Abwehr nach der Winterpause stabiler auf dem Platz steht. Trotz des Ausrutschers in Hoffenheim. „Auch da haben wir über weite Strecken gut verteidigt. Das Spiel dort hätte nicht mit vier Gegentoren enden müssen“, betonte Bell. „Mit Köln, Dortmund und Hoffenheim hatte wir drei brutal offensivstarke Mannschaften, die wir über fast die ganze Spielzeit gut im Griff hatten. Auch gegen die Augsburger war es jetzt so, dass bis auf ein paar Weitschüsse und eine Flanke nicht viel passiert ist. Das ist ein gutes Gefühl, dass wir langsam eine gute Mischung gefunden haben.“

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