Abstiegskampf? Wettbewerbsverzerrung?

Christian Karn. Mainz.
2014/15 - eine ereignisreiche und spannende Saison für den FSV Mainz 05 in der Bundesliga mit Höhen und Tiefen, aufregend und facettenreich. Mit Erfolgen und Niederlagen, alten und neuen Protagonisten. Die nullfünfMixedZone beleuchtet noch einmal die neunte Bundesligasaison der Fußballer vom Bruchweg mit Geschichten, Bildern und Zahlen, mit Besonderheiten und Randerscheinungen. Heute geht es weiter mit der dritten und abschließenden Folge des Rückblicks auf die Rückrundenspiele, um die Phase, in der die 05er nicht so recht wussten, ob sie eigentlich noch gegen den Abstieg spielen, oder ob schon alles erledigt ist.

Abstiegskampf? Europapokalrennen? Beides? Nichts davon? In der Schlussphase der Saison war es nicht leicht für den FSV Mainz 05, sich für ein Tabellenende zu entscheiden. Letztlich war der Kontakt zu beiden zu diffus, nicht wirklich vorhanden eigentlich. Hin und wieder kamen die Trennstriche im Klassement am Horizont in Sicht, aber ab dem 22. Spieltag blieben die 05er im engen Korridor zwischen Platz zehn und dreizehn. Und griffen nur passiv in den Abstiegskampf ein, indem sie nach dem Sieg in Freiburg gegen Hamburg und in Stuttgart verloren.

 

FSV Mainz 05 - Bayer Leverkusen 2:3 (0:1)

Samstag, 11. April 2015, 31.578 Zuschauer.

Dass es am Ende nochmal so spannend wurde, war eine Überraschung: Gegen Borussia Mönchengladbach und den VfL Wolfsburg hatten die 05er in ihren Heimspielen gepunktet, verdient gepunktet, aber Bayer Leverkusen war eine Nummer zu groß für die Mainzer. Es stand bereits 0:3, ehe zwei Strafstoßtore aus Szenen, in denen es keinen Grund gab, Elfmeter zu verursachen, doch noch zu einer Schlussoffensive, zu einer Dramatik, zu einem großen Lärm im Stadion führten - nicht aber zu noch weiteren Torszenen, am Ende gar zum 3:3.

Ja-Cheol Koo beginnt seinen Doppelpack mit einem Elfmeter, der unbedingt hätte wiederholt werden müssen - bis auf Loris Karius war so ziemlich jeder Spieler im Strafraum. Foto: imagoBereits in der 16. Minute gingen die Gäste in Führung. Nach dem Treffer kamen die 05er gut ins Spiel, näherten sich dem Tor aber nur über Eckbälle und die vielen Freistöße an, die die hart, bisweilen zu hart spielenden Leverkusener verursachten. Torchancen gab es kaum in einem Konterspiel. Bayer ließ die 05er sich abmühen und suchte die schnellen Gegenstöße. Merkwürdigerweise fiel das Kontertor aber erst, als sich Leverkusen wieder mehr um Spielkontrolle bemühte. Loris Karius hätte den Flugball von Roberto Hilbert vielleicht abfangen können, zögerte aber, entschied sich auf dem Weg aus dem Tor nochmal um, setzte so Stefan Kießling nicht unter den Druck, der den Torschuss hätte erschweren können. Frei vor Karius schoss Kießling souverän den zweiten Treffer.

Martin Schimdt stellte um auf ein neues System, was überhaupt nicht funktionierte. Die 05er kamen nun gar nicht mehr an den Strafraum, statt dessen erhöhte Hakan Calhanoglu mit einem Freistoß auf 3:0. 

Anstatt aber den klaren Sieg souverän über die letzten Minuten zu bringen, ließ Leverkusen die 05er wieder ins Spiel. Erst rang Ömer Toprak im Strafraum Shinji Okazaki zu Boden. Ja-Cheol Koo verwandelte den Elfmeter ohne Mühe. Und dann checkte Tin Jedvaj, der bis dahin überragende Mann in der Bayer-Defensive, mit dem Ellbogen den eingewechselten Jairo aus dem Strafraum - ein Foul meilenweit weg von jeglicher Körperverletzung, aber Grund genug für den zweiten Elfmeter und Koos zweites Tor, das 2:3 in der 90. Minute. Aber aller Lärm von den Tribünen, alle Wucht, die die 05er noch zu entfachen versuchten, halfen nicht mehr zum Punktgewinn; die Gäste drückten die Partie nochmal von ihrem Strafraum weg und brachten zumindest einen knappen Erfolg über die Runden.

FSV Mainz 05: Karius - Brosinski, Bell, Diaz, Park - Geis, Baumgartlinger (81. Jairo) - Koo, Malli (89. Bengtsson), de Blasis (66. Soto) - Okazaki.

Tore: 0:1 Son (16., Calhanoglu), 0:2 Kießling (60., Hilbert), 0:3 Calhanoglu (73., direkter Freistoß), 1:3 Koo (77., Foulelfmeter, Toprak an Okazaki), 2:3 Koo (90., Foulelfmeter, Jedvaj an Jairo).

 

SC Freiburg - FSV Mainz 05 2:3 (0:2)

Samstag, 18. April 2015, 24.000 Zuschauer

Es kann spät werden, wenn der SC Freiburg gegen den FSV Mainz 05 spielt. Es wurde spät. In der 94. Minute erst köpfte Gonzalo Jara den letzten Ball aus dem 05-Strafraum, Pierre Bengtsson beförderte ihn irgendwohin nach vorne, einfach nur weg. Und Sascha Stegemann pfiff ab. Die 05er hatten 3:2 gewonnen, drei ungeheuer wertvolle Punkte im Abstiegskampf, vielleicht die, die am Ende die Saison entschieden haben.

Die Mainzer waren nicht die bessere Mannschaft in diesem dramatischen Spiel. Sie waren die konzentriertere, über Phasen die sachlichere, ruhigere Mannschaft, die weniger nervöse Mannschaft vielleicht. Die Mannschaft, die irgendwann das 1:0 schoss und die Führung nicht mehr hergab gegen die druckvolleren, dynamischeren, aber zu selten präzisen Freiburger, die sich ständig die Bälle wieder am eigenen Strafraum zurückerobern, immer wieder von vorne aufbauen mussten.

Aber Chancen bekamen. Wenn die Freiburger direkt spielten, hatten die Mainzer Probleme, sie einzufangen. Admir Mehmedi, Jonathan Schmid, Christian Günter, wieder Schmid, nochmal Schmid kratzten am 0:0. Unterbrechungen des letztlich allerdings doch etwas verhaltenen Sturmlaufs waren die vielen Standards. 

Die Leichtigkeit des Torjubels täuscht. Kurz vor der Halbzeit hat Shinji Okazaki (zweiter von rechts, eingerahmt vom strahlenden Innenverteidiger Junior Diaz und den Torvorbereitern Nikolce Noveski und Jairo) sein zweites Tor geschossen, aber den 05ern sollte noch eine Menge harte Arbeit bevorstehen, bis das Spiel gewonnen war. Foto: imagoAber schon in dieser Phase brachten sich die Freiburger hinten ohne Not in die Bredouille. Aus ihrem eigenen Eckball entwickelte sich die Niederlage des SC. Loris Karius war nämlich schnell wieder am Ball, warf ihn weit ab, in den Lauf von Jairo, der flankte, ehe Günter ihn stellen konnte. Und am langen Pfosten tauchte der Ninja auf. Der unsichtbare Shinji Okazaki. Im Rutschen, im Fallen schoss der Japaner noch den Torwart Roman Bürki an, aber der Ball kullerte rechts ins Tor. 1:0 für die 05er (39.).

Und direkt vor der Halbzeit hatten die Freiburger nur noch kurz Riesenglück. Mit geradezu erschreckender Konsequenz erzwangen sie über etliche Stationen das 0:2. Nach einem gerade so legalen Zweikampf mit Okazaki an der Eckfahne spielte Rechtsverteidiger Sascha Riether den Ball die Grundlinie entlang zu Innenverteidiger Pavel Krmas, der den Querpass verschlief. Bürki grätschte dem Malli den Ball weg, aber nicht weit weg. Jairos Schuss lenkte Bürki mit einem Reflex an den Pfosten. Eckball. Den köpfte der SC-Verteidiger Stefan Mitrovic vom langen Pfosten an den kurzen. Dort schoss Noveski Krmas den Ball über, sicherte den Abpraller, schob ihn ohne die größte Übersicht wieder in Richtung anderen Pfosten. Und wieder kam Okazaki im Tiefflug an die Kugel, wieder schoss der Japaner den Torwart an, wieder rollte der Ball über die Linie. 2:0, Halbzeit.

Die Freiburger drückten, arbeiteten, in der zweiten Hälfte, aber ihnen fehlte die letzte Geschicklichkeit. Auf den Flügeln, den äußersten Bahnen hatten sie weiterhin Platz, aber innen standen die 05er einfach geordneter. Spannend wurde es erst in der Schlussphase, als Mehmedi mit einem herrlichen Schuss zum Anschluss traf. Aber die 05er antworteten schnell. Zwei Minuten später flog Mallis Kopfball zum 3:1 ins kurze Eck. 

Aber in Freiburg kann es lange dauern. Drei Minuten Nachspielzeit zeigte der Vierte Offizielle Deniz Aytekin an. In der ersten Minute der Nachspielzeit verkürzte der SC auf 2:3. Diaz, der tapfere Krieger in der Innenverteidigung, der Turm in der Schlacht, verlor ausnahmsweise ein Kopfballduell, Noveski kam nicht mehr an Schmid heran, der Elsässer schoss den erneuten Anschlusstreffer. Noch zwei Minuten. Dauerdruck. Die 05er schlugen die Bälle weg, kamen nicht mal mehr an die gegnerischen Eckfahnen. Die Freiburger schlugen sie wieder zurück. Gonzalo Jara klärte in der 93. Minute zur soundsovielten Ecke. Bürki kam mit nach vorne. Jemand wollte einen Elfmeter. Die angezeigte Nachspielzeit war schon vorbei, als der letzte Ball in den Mainzer Strafraum flog und Jara ihn abwehrte. Es war spät geworden beim Abpfiff, aber die 05er hatten den wichtigen Auswärtssieg verteidigt.

FSV Mainz 05: Karius - Brosinski, Noveski, Diaz, Park - Geis, Baumgartlinger - Jairo (62. Jara), Malli (89. Soto), Koo (46. Bengtsson) - Okazaki.

Tore: 0:1 Okazaki (39., Jairo), 0:2 Okazaki (45., Noveski), 1:2 Mehmedi (81., Philipp), 1:3 Malli (83., Brosinski), 2:3 Schmid (90+1., Petersen).

 

FSV Mainz 05 - FC Schalke 04 2:0 (2:0)

Freitag, 24. April 2015, 34.000 Zuschauer.

"Noch zwei Minuten bis zum Klassenerhalt!", schrie Klaus Hafner nach 89:50 Minuten in sein Mikrophon. Die grüne 2 stand auf der Tafel des Vierten Offiziellen, die weiße 2 auf den beiden Anzeigetafeln der Coface Arena vor der weißen 0. 2:0 für die 05er durch den unerwartetsten Doppelpack seit Robert Ratkowski. Theoretisch konnten die 05er zwar immer noch Tabellenletzter werden, Hafner zum Trotze waren immer noch nicht alle Sorgen beseitigt, aber grundsätzlich verabschiedeten sich die 05er mit dem Heimsieg gegen Schalke aus dem Abstiegskampf.

Dabei waren die Schalker zunächst die bessere Mannschaft. Sie begannen offensiv. Gefährlich. Mit einer beachtlichen fußballerischen Qualität im Angriff. Loris Karius verhinderte in den ersten zehn Minuten zwei nahezu sichere Tore. Die 05er hatten hinten sehr viel Arbeit. In einer Behandlungspause kam Karius bis an die Mittellinie, um mit seinen Innenverteidigern die Strategie zu verfeinern.

Das funktionierte offenbar, denn große Chancen hatten die Schalker von da an nicht mehr. Die 05er allerdings auch nicht. Sie spielten ordentlich mit, kamen aber nicht vors Tor, weil Schalke zwar explosiv aus der Abwehr umschalten konnte, aber grundsätzlich Catenaccio spielte, sehr schnell sehr tief stand. Das machte Mainz 05 nicht, das gab den Schalkern die Räume, die diese suchten.

Zwei Standards binnen weniger Minuten entschieden das Spiel. Erst flankte Johannes Geis einen Eckball von links vors Tor. Niko Bungert schoss einen Verteidiger an, Stefan Bell staubte zum 1:0 ab. Und bewies schnell, dass das auch einfacher geht: Geis trat diesmal einen Eckball von rechts, Bell köpfte den Ball zum 2:0 ein. 

Stefan Bells Doppelpack, erster Teil: Niko Bungert (rechts) hatte noch einen Schalker angeschossen, sein Kollege in der Innenverteidigung hatte freie Bahn. Foto: imagoGeschlagen waren die Schalker damit noch lange nicht. Allerdings fehlten ihnen die Mittel. Die langen Flugbälle auf die Stürmer, mit denen sie im Hinspiel vier Tore geschossen hatten, brachten im Rückspiel nicht viel. Auch der neue Angriffsplan in der Schlussphase - flache Hereingaben des schnellen Julian Draxler - war schnell durchschaut, führte nur zu Eckbällen. Und die wehrten die 05er ab.

Schließlich schrie Hafner seine Zwei-Minuten-Ansage durch die Lautsprecher, kam Nikolce Noveski als weiterer Defensivbrocken ins Spiel - und spielte Daniel Brosinski einen langen Ball gegen die Abseitslinie auf Soto. Der hätte vielleicht selbst das Tor schießen können, legte den Ball aber quer zum mitgelaufenen Noveski. Zu unpräzise aber für ein drittes Innenverteidigertor. Fährmann schnappte sich den Ball und kurz danach war Schluss.

FSV Mainz 05: Karius - Brosinski, Bungert, Bell, Park - Geis, Baumgartlinger - Jairo (76. de Blasis), Malli (71. Soto), Koo - Okazaki (90+1. Noveski).

Tore: 1:0 Bell (27., Bungert), 2:0 Bell (31., Geis).

 

FSV Mainz 05 - Hamburger SV 1:2 (0:1)

Sonntag, 3. Mai 2015, 34.000 Zuschauer.

Die Niederlage gegen den HSV ist mit "Katastrophe" noch sehr zurückhaltend beschrieben. Dass den Hamburgern eine derart schlechte Leistung reichte, um in Mainz zu gewinnen, mag schlimm genug sein, steht aber völlig im Schatten der furchtbaren Verletzung des Mainzer Volkshelden Elkin Soto. Der Kolumbianer, einer der populärsten und bedeutendsten 05-Spieler der letzten Jahre, verdrehte sich in der 30. Minute nach einer grenzwertigen Attacke von Rafael van der Vaart das Knie. Die erste Diagnose "Totalschaden" wurde bald präzisiert mit der Beschreibung vieler hässlicher Teilverletzungen im Knie; Christian Heidel bot zwar Soto spontan eine Vertragsverlängerung an, was der Kolumbianer einige Zeit später annahm, aber es könnte sein, dass es sein letztes Spiel als Fußballprofi war.

Den Anblick des schwerverletzten Elkin Soto wollen wir unseren Lesern nicht schon wieder zumuten; die Gesichter der Kollegen und Chefs sind deutlich genug.Die 05er waren bis dahin die bessere Mannschaft. Die Mannschaft, die mehr Ordnung, Ruhe und Plan im Spiel hatte, einen Plan, der meistens damit zusammen hing, von der Seite in Richtung Elfmeterpunkt zu kommen. 

Mit Sotos Verletzung war das Spiel zunächst kaputt. Van der Vaart wollte dem Kolumbianer beim Torschuss den Ball stibitzen, traf diesen von hinten wohl auch leicht. Sotos Knie prallte beim Schussversuch hart von unten ans Bein des Niederländers. Selbst für Laien war die Schwere der Verletzung offensichtlich; die 05er waren völlig von der Rolle und brauchten lange, sich von diesem Schock zu erholen. In dieser Phase ging der HSV durch einen völligen Zufall in Führung: Heiko Westermann schoss Julian Baumgartlinger eine Flanke ins Gesicht und der abgefälschte Ball flog in hohem Bogen ins obere linke Toreck.

Erst um die 60. Minute herum arbeiteten sich die 05er wieder einigermaßen ins Spiel. Auch weil der inzwischen rein destruktive HSV sie in den größten Teilen des Spielfelds überhaupt nicht forderte. Schließlich erzwangen die Mainzer den Ausgleich. Sie spielten zum x-ten Mal den gleichen Angriff und diesmal funktionierte es: Daniel Brosinski schickte Jairo los, dessen scharfe Hereingabe bei Yunus Malli ankam. Sotos Einwechselspieler traf ohne Mühe zum 1:1. 

Und trotzdem ging das Spiel verloren. Die 05er bekamen einen Eckball nicht weg - auch deshalb, weil Artjoms Rudnevs im Kopfballduell um den Ball Shinji Okazaki mit einem Schlag an den Kopf aus dem Weg räumte. Aus dem Hintergrund schoss Gojko Kacar zum 2:1 ein. Als das Schiedsrichtergespann zwei Minuten später einen völlig legalen Zweikampf von Daniel Brosinski als Notbremse wertete, war die Laune der 05er endgültig ruiniert. Ein angebliches Stürmerfoul nahm den Mainzern die letzte Chance, die dreiminütige Nachspielzeit bestand größtenteils aus Spielunterbrechungen.

FSV Mainz 05: Karius - Brosinski, Bungert, Bell, Bengtsson - Geis, Baumgartlinger (82. Allagui) - Jairo, Soto (33. Malli), Koo (71. de Blasis) - Okazaki.

Tore: 0:1 Westermann (37., abgefälschte Flanke), 1:1 Malli (76., Jairo), 1:2 Kacar (87., ohne Vorarbeit).

Rote Karte: Brosinski (90., Notbremse).

 

VfB Stuttgart - FSV Mainz 05 2:0 (0:0)

Samstag, 9. Mai 2015, 54.300 Zuschauer

Um vorzeitig auch die allertheoretischste Abstiegsgefahr zu beseitigen, hätten die 05er beim VfB Stuttgart einen Punkt gebraucht. Den gab es nicht; der VfB gewann 2:0. Dafür gab es Gründe. Mehrere. Die nicht gut funktionierende Mittelfeldraute der 05er ist sogar noch einer der marginaleren. Den Stuttgarter Zehner Daniel Didavi bekamen die Mainzer eine Halbzeit lang überhaupt nicht in den Griff, aber das hatte keine Folgen; sie kamen mit einem 0:0 in die Kabine zurück und stellten das System um. 

Ein weiterer Grund für den Spielausgang: Offensiv funktionierte nahezu nichts bei den Mainzern; ein bisschen sah das aus wie in den schlechteren Spielen unter Kasper Hjulmand. Die 05er fanden keine Lücken, kamen schlecht in die Umschaltung, hatten in Umschaltsituationen aber auch das Pech, gegen siebzehn Mann angreifen zu müssen: Der VfB arbeitete sehr intensiv mit taktischen Fouls, unterband nahezu jeden Angriffsversuch der 05er früh mit einem Ringergriff oder einem harten Rempler, verschaffte damit den bereits überspielten Offensivspielern die Zeit, sich wieder hinter den Ball zurückzuziehen. Das funktionierte ganz ausgezeichnet.

Groß war die Lücke nicht beim 2:0, aber Filip Kostic traf sie. Foto: imagoMit dem Ball spielten die Stuttgarter durchaus Fußball - meist über Didavi, der im Dreieck zwischen Sechser Johannes Geis und den Achtern Christoph Moritz und Julian Baumgartlinger viele offene Räume fand, oder über den Linksaußen Filip Kostic. Dass keine von dessen gefährlichen Hereingaben zu einem Tor führte, war mehr Zufall als sonst etwas: Didavi, Daniel Schwaab, Daniel Ginczek wussten mit den Pässen nichts anzufangen. Den gefährlichsten Torschuss feuerte Didavi von irgendwo ganz weit hinten links ab - Pfosten.

In der Halbzeit reparierte Martin Schmidt das Spielsystem. Nach ein paar Minuten funktionierte das. Die 05er verschoben das Spiel etwas nach vorne, lösten sich hinten, aber brachten keinen Fluss in ihr Spiel, auch aufgrund der unzähligen Fouls. Und in einer Szene, in der rein gar nichts nach Tor gerochen hatte, ging der VfB in Führung. Durch einen Aufsetzer von Didavi aus weit über 30 Metern, der direkt vor Loris Karius Bodenkontakt hatte und dem 05-Keeper über die Hände an den Innenpfosten und ins Netz rutschte. Bald war die Partie auch schon entschieden: Von rechts wanderte der Ball über Martin Harnik, Ginczek und Niko Bungerts Unterschenkel zu Kostic, dessen harter Schuss durch eine nicht mal große Lücke zwischen dem 05-Verteidiger und Baumgartlinger passte. Den Fünfer hatten die 05er gut besetzt, aber der Rückraum war zu offen in diesem Angriff. Nach dem HSV holte so auch der VfB drei am Ende entscheidende Punkte gegen die Mainzer.

FSV Mainz 05: Karius - Bell, Bungert (88. Clemens), Noveski, Bengtsson - Geis (75. de Blasis) - Moritz (46. Koo), Baumgartlinger - Malli - Jairo, Okazaki.

Tore: 1:0 Didavi (66., Die), 2:0 Kostic (78., Ginczek).

 

FSV Mainz 05 - 1. FC Köln 2:0 (0:0)

Samstag, 16. Mai 2015, 33.702 Zuschauer.

Einer der Großen verließ am vorletzten Spieltag seine Bühne: Nikolce Noveski wirkte sichtlich gerührt im Moment seiner letzten Auswechslung. Nahezu alle 05-Spieler nahmen ihren Kapitän noch einmal in den Arm, bevor er vom Platz ging. In seinem letzten Heimspiel für den FSV Mainz 05 war der 36-jährige Innenverteidiger noch einmal einer der überragenden Spieler seines Teams.

Die Tränen der Rührung sind getrocknet und Volksheld Nikolce Noveski ist glücklich, diesen so schwierigen Tag so überragend gemeistert zu haben.Der FC begann stark mit dem kleinen Dribbler Bard Finne im Angriff, aber nach rund 20 Minuten bekamen die 05er das Spiel nach und nach unter Kontrolle, aber zunächst ohne Torgefahr zu erzeugen. Und auf einmal wurde es hinten kritisch. Einige Verteidiger wirkten ein bisschen sorglos in der 30. Minute, aber erst kam Finnes Querpass auf Kazuki Nagasawa nicht an, dann war der kleine Stürmer nach einer Flanke gegen die Abseitsfalle völlig frei am Elfmeterpunkt, brachte den Ball aber nicht unter Kontrolle. Yuya Osakos Tor in der 35. Minute war lange vor dem Schuss wegen Abseits abgepfiffen und als Bungert einen Querpass verspringen ließ, machte Finne zu wenig daraus (36.). Karius musste noch einmal stark gegen Osako blocken, dann hatten die 05er die stürmische Phase des FC überstanden. Noch in der gleichen Minute schickte Julian Baumgartlinger einen Kopfball aufs FC-Tor, Keeper Thomas Kessler reagierte sehr, sehr spät, erwischte den Ball aber noch im langen Eck.

Die 05er kamen spät aus der Kabine zurück zur zweiten Hälfte, aber als sie da waren, überfielen sie den FC kurzerhand. Schon vom Anpfiff weg wollten sie sich in den Strafraum kombinieren; sie kamen weit, aber nicht weit genug. Vielleicht nach 100 Sekunden aber schickte Joo-Ho Park eine lange Flanke in den Strafraum. Shinji Okazaki verlagerte den Ball an den linken Pfosten, wo Ja-Cheol Koo das 1:0 schoss.

Das Spiel war total offen in der zweiten Hälfte, weil auf beiden Seiten auch die Abwehr weit offen war. Tore hätten fallen können. Aber wieder lösten die 05er die Probleme nach einigen Minuten. Jairo entschied schließlich das Spiel: Der starke Rechtsverteidiger Pierre Bengtsson zog im Strafraum das Tempo an, der Torwart wehrte seinen Schuss nach vorne ab und der eingewechselte Spanier traf unter die Latte. Ein letzter Fallrückzieher von Junior Diaz flog noch durch den Fünfmeterraum, dann endete die Heim-Saison der 05er mit der großen Noveski-Party.

FSV Mainz 05: Karius - Bengtsson, Bungert, Noveski (87. Allagui), Park - Geis, Baumgartlinger - de Blasis (73. Diaz), Malli, Koo (81. Jairo) - Okazaki.

Tore: 1:0 Koo (47., Okazaki), 2:0 Jairo (83., Bengtsson).

 

Bayern München - FSV Mainz 05 2:0 (1:0)

Samstag, 23. Mai 2015, 75.000 Zuschauer.

Am letzten Spieltag war eines zu sehen: Die Partie gegen die 05er war nur ein untergeordneter Programmpunkt bei der Meisterfeier der Bayern. Noch kurz vor halb vier stellten die Bayern in aller Ausführlichkeit eine hochprominente Altherrenriege vor, von Franz Beckenbauer bis Dieter Hoeneß oder Werner Olk. Blumensträuße mussten an noch aktive Spieler verteilt werden - im Abstiegskampf der Bundesliga hatten Hannover 96 und der SC Paderborn 07 schon jeweils ihr 1:0 geschossen, als in München noch nicht mal die Platzwahl erledigt war. Als das Spiel begann, war der restliche Spieltag schon fast sieben Minuten alt.

Vielleicht die entscheidende Szene: Niko Bungert wehrt Bastian Schweinsteigers Kopfball nicht nur mit dem eigenen Kopf ab. Foto: imagoDie Mainzer verteidigten in einem ungewohnten 4-4-2 ohne Stürmer zunächst gut gegen eine Bayern-Mannschaft, die mit dem bestehenden Kader, die Verletzten ausgeblendet, kaum stärker hätte besetzt sein können, die zwar nicht mit der vollendeten Gier auf Punkte ins Spiel ging, der aber keineswegs Lustlosigkeit vorgeworfen werden konnte. Hatten die 05er den Ball, schlugen sie ihn jedoch zu oft vorschnell nach vorne; sie spielten in der ersten Hälfte keinen Fußball und hatten vorne keinen Zielspieler.

Aber auch die Bayern waren harmlos, bis aus dem Hintergrund Jérôme Boateng abzog und Loris Karius zur Ecke parierte. Aus der entstand der Handelfmeter zum 1:0 - Niko Bungert wollte sicherlich Schweinsteigers Kopfball ebenfalls mit dem Kopf abwehren, hatte auch die Stirn am Ball, aber eben auch den weit hochgereckten Arm. Pfiff und Führung gingen in Ordnung.

Und wenn das Spiel nicht schon durch den Elfmeter entschieden war, dann durch das 2:0 in der 48. Minute. Lewandowski beschäftigte mehrere Verteidiger, legte ab auf Schweinsteiger, der traf. Den Gegenangriff schloss de Blasis aus 20 Metern technisch schon nicht schlecht ab, aber ohne Wucht, damit ohne Gefahr.

Ein erster Ansatz in einer zweiten Hälfte, in der die Mainzer sich wieder gewohnten 4-2-3-1 auch offensiv wehren wollten. Sie näherten sich dem Tor, aber immer noch selten auf eine Weise, dass etwas hätte passieren müssen. In der 55. Minute vielleicht: Die Verteidiger verschliefen einen langen Abschlag von Karius, rechneten nicht mit Malli. Der lief aber nicht so alleine auf Neuer zu, wie es zunächst wirkte, wartete zu lange mit einem Abschluss, so dass ihm Boateng mit langem Fuß und der Torwart mit langen Fingern den Ball unbrauchbar machten.

Insgesamt aber verwalteten sich die Bayern mit der Führung einen einigermaßen lockeren Abschlusssieg zurecht. Nahezu nichts daran war sehenswert, bis Karius dem gerade eingewechselten Claudio Pizarro mit zwei Kuhnert-Blöcken zwei nahezu sichere Tore zunichte machte. Ansonsten fand die Partie mittlerweile am und im Bayern-Strafraum statt, was den Deutschen Meister aber nicht ernsthaft ärgerte.

Letztlich glich die Mainzer Offensive in den letzten 20, 25 Minuten allerdings sehr dem Bayern-Angriff in der ersten Phase des Spiels: Sie war durchaus da und vorhanden, aber für einen konzentrierten Gegner in den meisten Fällen unbedenklich. Daher stand unterm Strich ein den Umständen angemessenes Spiel und eine Niederlage, die den Mainzern weder in ihrem Zustandekommen noch in ihrer Bedeutung ernsthaft wehtat. Platz 11 - im mittleren Tabellendrittel nicht Letzter - das passte.

FSV Mainz 05: Karius - Bell, Bungert, Noveski, Bengtsson - Brosinski (52. Okazaki), Geis (83. Moritz), Baumgartlinger, Jairo - de Blasis, Malli (71. Clemens).

Tore: 1:0 Lewandowski (25., Handelfmeter, Bungert), 2:0 Schweinsteiger (48., Lewandowski).

 

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