Abwarten und genau hinsehen

Jörg Schneider. Evian.
Die Kaderplanung beim FSV Mainz 05 ist weit fortgeschritten. Auf drei Positionen braucht Martin Schmidt noch Verstärkungen. Der Fokus des Managers liegt dabei zunächst auf der Suche nach einem Nachfolger für Nikolce Noveski als Innenverteidiger sowie nach einem zweiten Torhüter. Beim Forschen nach einem Mittelstürmer, der Shinji Okazaki ersetzen kann, will sich Christian Heidel Zeit lassen, den Markt sondieren, die Szene beobachten und abwarten, welche Möglichkeiten der gut besetzte und breit aufgestellte eigene Offensivbereich bietet.

Auf der Terrasse des Mannschaftshotels in Evian gibt Christian Heidel einen Einblick in seine Kaderplanung. Foto: Daniel BongartzChristian Heidel zeigt sich ganz entspannt in diesen Tagen in Evian. Der Manager des FSV Mainz 05 hat den größten Teil seiner Transferarbeit im Vorfeld erledigt und seinem Trainer in den vergangenen Wochen Stück für Stück einen Kader zusammenmontiert, der den Beobachtern im Trainingslager in Frankreich den Eindruck vermittelt, dass der Bundesligist gut aufgestellt in die neue Saison starten kann. Anders als vor einem Jahr, als die Gruppe erst auf den letzter Drücker am Ende der Transferperiode komplett war.

Am Genfer See präsentiert der Klub ein Team, das offenbar bereits als solches funktioniert, das von den Typen und Charakteren her zueinander passt und in dem einiges an Ehrgeiz und Potenzial steckt. „In der Qualitätsbreite haben wir einen Kader wie selten zuvor“, sagt Heidel im lockeren Gespräch auf der Terrasse des Mannschaftshotels und plaudert dabei über seine noch nicht abgeschlossene Kaderplanung. Und darüber, dass er sich in Abstimmung mit Martin Schmidt im Moment auch ganz genau anschaut, was der bisher zusammengestellte Kader anbietet. Beispielsweise in der Offensive. Dort wird nach wie vor ein Nachfolger für von Shinji Okazaki gesucht. Da Torjäger schwer zu finden und meistens teuer sind, lohnt es sich abzuwarten, was auf dem Markt geschieht, wo sich günstige Konstellationen durch Transfers bei anderen, vor allen Dingen größeren Klubs ergeben und wo plötzlich Stürmer auf den Markt kommen, die zuvor vielleicht kein Thema waren für einen Verein wie die 05er. Heidel beobachtet da geduldig die Szene und befasst sich dazu mit der eigenen Situation.

Denn Florian Niederlechner, der aus Heidenheim gekommene Mittelstürmer, zeigt vielversprechende Ansätze als Stoßstürmer im Zentrum, der Torgefahr ausstrahlt. „Da sehen wir bereits eine Entwicklung“, sagt der Manager. „Wir werden intensiv reinschauen und uns auch ansehen ob wir in der breit aufgestellten Offensive positionstechnische Varianten haben. Danach können wir immer noch entscheiden, ob wir noch was tun.“

Ganz klar ist, dass Heidel noch etwas tun muss in der Abwehr. Derzeit stehen mit Niko Bungert und Stefan Bell nur zwei bundesligaerfahrene Innenverteidiger zur Verfügung. Christoph Moritz schult sich im Trainingslager gerade um für diese Position. Ob der gelernte Achter im hinteren Zentrum eine Zukunft hat, muss sich noch zeigen. „Im Endeffekt haben wir Nikolce Noveski noch nicht ersetzt. Wir warten ab, bis wir glauben, den Richtigen gefunden zu haben“, sagt der Manager. Der Richtige ist einer, der auf dieser Position Erfahrung mitbringt. „Der sich der Situation stellt“, sagt Heidel. Der Tatsache also, dass mit Bungert und Bell zwei Stammspieler als Konkurrenz vorhanden sind.

Der Fokus liegt im Moment verstärkt auf der Torhüter-Situation. „Ich glaube, dass wir da was machen müssen“, betont der 52-Jährige. Manz 05 habe erstmals seit Jahren wieder eine veritable Anzahl an jungen Torhütern, „die alle für ihr Alter auf einem Top-Level sind und viel Qualität haben.“ Doch hinter Loris Karius, der Nummer eins, fehlt Bundesligaerfahrung. Stefanos Kapino, die bisherige Nummer zwei im Team, ist bekanntlich nach Piräus gewechselt. „Die Idee ist, einen erfahrenen Mann dazu zu holen“, erklärt Heidel. „Einen, der um die Situation in Mainz weiß und auch, dass ein guter Stammtorhüter da ist.“

Ein Torhüter also, der Druck auf Karius ausüben soll, aber mit der Rolle des Ersatzmannes leben kann und nicht auf Jahre hinweg den Talenten im Klub den Kaderplatz blockiert. Jannik Huth und Robin Zentner drängen nach oben, sollen auch im Profikader gefördert werden und haben die Möglichkeit im Drittligateam professionell zu spielen und sich zu entwickeln. Und im Juniorenbereich warten weitere Keeper mit viel Potenzial.

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