Adler: 31 Gegentore in sieben Jahren

Jörg Schneider. München.
Um ein besseres Ergebnis zu erzielen, hätte beim FSV Mainz 05 sehr viel passen müssen, was letztlich nicht gepasst hat. Einzige Ausnahme war dabei allerdings René Adler. Der Torhüter hielt alles, was zu halten war, verhinderte eine höhere Niederlage beim FC Bayern München und war bei den Gegentoren zum 0:4 chancenlos. Dennoch verzog sich der 05-Keeper nachher frustriert in die Kabine. Adler hat in den vergangenen sieben Spielzeiten bei fünf Einsätzen in der Allianz Arena sage und schreibe 31 Gegentreffer kassieren müssen.

Mehr geht nicht: René Adler hielt in München alles, was ging. Ob gegen Ribéry, Müller, Robben oder wen auch immer. Trotzdem gab es vier Gegentore, bei denen der 05-Keper jedoch keine Chance hatte. Foto: ImagoRené Adler ist normalerweise der Letzte, der sich nach einer Niederlage nicht den Fragen der Journalisten stellen würde. Nach der 0:4-Niederlage am Samstag in der Allianz Arena beim FC Bayern München war dem Torhüter des FSV Mainz 05 allerdings nicht nach Reden zu Mute. Adler verzog sich kommentarlos in die Kabine. Dem ehemaligen National-Torhüter dürfte es einfach mal zu viel gewesen sein. Denn was dem 32-Jährigen in diesem Stadion in den vergangenen Jahren in schöner Regelmäßigkeit wiederfährt, ist schon ausgesprochen bitter und im Grunde unfassbar. Seit einem 1:1, damals noch in Diensten von Bayer Leverkusen in der Saison 2009/10, rappelt es in Adlers Kasten stets gewaltig. Fünf Gegentore beim 1:5 mit Leverkusen 10/11. Dann krasse neun Gegentreffer beim 2:9 des Hamburger SV. Anschließend hatte Adler zweimal Pause, war in zweimal wegen Verletzung nicht bei den Auftritten der Hamburger in München dabei. Dann wieder fünf Gegentore. In der vergangenen Saison,  Anfang dieses Jahres sogar acht, diesmal mit den 05ern deren vier. Da kann man sich schon mal restlos bedient im stillen Kämmerlein verkriechen.

„Vier Tore, das ist doch schon mal besser als zuvor beim HSV“, sagte sein Trainer. „Nächstes Jahr muss René das wieder halbieren und dann noch einmal. Dann haben wir ein 0:0. Nein, Scherz beiseite“, so der Trainer, „René war super. Er hat doch etliches vereitelt.“ Adler hielt im Prinzip die Mainzer Niederlage beim Rekordmeister noch im halbwegs erträglichen Rahmen. Überragend seine Doppelaktion in der 18. Minute nach einer Traumaktion ausgehend von Kingsley Coman, als der Schlussmann sowohl gegen Arjen Robben als auch im Nachschuss gegen Arturo Vidal zweimal ein fertiges Tor verhinderte. Später rettete Adler zweimal gegen Franck Ribéry, oder auch gegen den eigenen Mitspieler, als der Keeper einen Querschläger von Suat Serdar bei dessen verunglückten Rettungsversuch vor dem eigenen Kasten meisterte und schließlich ganz am Ende noch einmal gegen Coman. Der Routinier hielt alles, was zu halten war. Bei den Gegentoren müssen sich wenn schon seine Vorderleute mangelnde Konsequenz vorwerfen. Auch wenn Stefan Bell beispielsweise beim Kopfball von Robert Lewandowski zum 4:0 anführte, der Pole sei einfach ein Killer. „Wie er das Tor im Rückwärtslaufen macht, ist beeindruckend.“ Die Leistung des Torhüters sei ein Top-Job gewesen, fügte Fabian Frei hinzu, sie habe gepasst, um die Chance zu haben, in München etwas zu holen. „Heute hätte aber vieles mehr passen müssen, was nicht gepasst hat.“

„Natürlich findet man jetzt genügend Fehler"

Dass die Bayern in Normalform besser seien als sein Team, sei keine große Überraschung, sagte der Schweizer, der vor allem in der ersten Halbzeit ebenso wie seine Mitspieler überhaupt keinen Zugriff fand auf die Münchner Aktionen. Und wenn das nicht funktioniere und etliches andere auch nicht, werde es schwierig. „Wir hatten Chancen zum 1:0, Chancen auch zum Ausgleich. Wenn solche Dinger nicht reingehen, wird es ganz schwer“, so Frei, der selbst mit einem platzierten Distanzschuss an Manuel Neuer scheiterte. „Natürlich findet man jetzt genügend Fehler, wenn man die einzelnen Bayern-Chancen und die Tore analysiert, ganz klar. Aber nicht jede Woche steht auf der anderen Seite ein Gegner mit solcher Klasse.  0:4 hört sich sehr hoch an und ist eine eindeutige Sache. Es fällt etwas einfacher zu akzeptieren, weil sie nicht gerade ihren schlechtesten Tag hatten, mal zurückhaltend ausgedrückt.“ Es sei einfach mal so, dass man das anerkennen  müsse, im Wissen, man hätte einiges besser machen können. „Wir sind die ersten, die auch mal zugeben können, wenn der Gegner besser war. Das war heute der Fall. Die Überzeugung hinter unseren Aktionen war nicht dieselbe, als wenn wir es geschafft hätten, das Spiel offener zu gestalten. Wir wissen, dass wir Fehler gemacht haben, das ist auch klar, aber die Bayern haben es sehr gut gespielt.“

Der Kapitän empfand die Partie als wieder mal ein Spiel gegen München, in dem man fast von Anfang an chancenlos gewesen sei. „Es ist das passiert, was das Schlimmste ist: ein früher Rückstand und relativ schnell das 0:2. Wir hatten ab und zu eine Chance, haben aber viel zu viel zugelassen“, sagte Stefan Bell. „Wir waren meist zu tief, hatten nicht das beste Gefühl im Anlaufen. Mats Hummel konnte immer bis 20 Meter in unsere Hälfte laufen ohne Druck. Dann wird es brutal schwer, weil du immer tiefer hinten reinfällst. Auch auf den Außenbahnen, wo wir eigentlich unsere Balleroberungen haben wollten, waren wir immer in Unterzahl, weil die Bayern die Seiten immer überladen und wir zu langsam nachgeschoben haben“, sagte der Innenverteidiger. „Bayern ist in guter Form eine andere Hausnummer. Das ist keine neue Erkenntnis. Deshalb ist es auch egal, ob wir 0:1, 0:2 oder 0:4 verlieren. Das ändert nichts an der Vorbereitung auf Mittwoch.“

Am Mittwoch kommt die TSG Hoffenheim zum ersten von zwei Heimspielen in der Englischen Woche nach Mainz. Am nächsten Samstag geht es dann zu Hause gegen Hertha BSC weiter. Ob man denn überhaupt eine Chance haben könne gegen die Hoffenheimer, die doch vor einer Woche die Bayern geschlagen hätten, wurde Fabian Frei in München gefragt. „Diese Rechnung geht zum Glück nicht auf, dass man sagen kann, Hoffenheim hat die Bayern geschlagen, jetzt gewinnen sie auch bei uns. Wir wissen welche Qualität die Hoffenheimer haben, aber es ist ein Heimspiel für uns, der Gegner hat einen Tag weniger zur Vorbereitung und Regeneration. Das ist eine komplett andere Ausgangslage“, erklärte der 05-Sechser. „Wir wollen punkten im Heimspiel, ganz klar.“

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