Adler-Vertreter überzeugt und hat Spaß

Jörg Schneider. Mainz.
Wieder einmal hat eine schwere Verletzung René Adler aus der Spur gebracht. Der Torhüter des FSV Mainz 05 hat sich beim 3:2-Pokalsieg seiner Mannschaft gegen Holstein Kiel eine schwere Muskelverletzung mit Sehnenbeteiligung im hinteren Oberschenkel des rechten Beines zugezogen und fällt längere Zeit aus. Adler-Vertreter Robin Zentner hat sich unterdessen mit einer starken Vorstellung für einen weiteren Einsatz im Derby gegen Eintracht Frankfurt empfohlen. Eine Startelf-Garantie wollte der 05-Trainer dem 23-Jährigen aber noch nicht geben. „Wir haben genügend Torhüter. Wir machen uns in den nächsten Tagen Gedanken darüber, wer am Freitag spielt“, erklärte Sandro Schwarz.

Verletzungen, auch schwerer Art, haben René Adler im Laufe seiner Karriere immer wieder begleitet. Die Hoffnungen des Torhüters des FSV Mainz 05, der seit diesem Sommer mit seinen Leistungen und als Führungsspieler des Bundesligisten überzeugt, mal eine Saison ohne verletzungsbedingten Ausfall über die Bühne zu bringen, sind nun geplatzt. Der 32-Jährige musste beim 3:2-Pokalerfolg seines Teams am Dienstagabend gegen Holstein Kiel bereits nach 40 Minuten vom Platz. Adler hatte beim Versuch, eine brenzlige Situation gegen Holstein-Torjäger Marvin Ducksch zu entschärfen, einen unglücklichen Ausfallschritt gemacht und sich dabei eine schwere Muskelverletzung mit Sehnenbeteiligung im hinteren Oberschenkel des rechten Beines zugezogen. Das ergab die Untersuchung am Mittwoch in der Unimedizin Mainz. Aktuell wird am Bruchweg von einer längeren Ausfallzeit Adlers ausgegangen. Weitere Untersuchungen in den kommenden Tagen sollen über das weitere Procedere Aufschluss geben.

Ablösung im Pokalspiel: Die schwere Verletzung von René Adler ermöglichte Robin Zentner den ersten Profi-Einsatz in einem Pflichtspiel. Der Torhüter überzeugte mit einer starken Leistung und hat nun auch gute Chancen fürs Rhein-Main-Derby am Freitagabend. Foto: ImagoFür Adler übernahm Robin Zentner die Position zwischen den Pfosten. Das 23-jährige 05-Eigengewächs, nach einem zweijährigen Ausleih-Gastspiel beim Gegner in diesem Sommer an den Bruchweg zurückgekehrt, hat nach dieser Vorstellung gegen sein Ex-Team, bei dem Zentner in der Vergangenheit wenig Spielzeit erhalten und meist hinter Kenneth Kronholm angestanden hatte, die besten Chancen, auch am Freitagabend im Derby gegen Eintracht Frankfurt zwischen den Pfosten des 05-Tores zu stehen.

„Es kam als sehr unglückliche Sache im Spiel dazu, dass wir sehr früh auf der Torwart-Position wechseln mussten“, sagte Sandro Schwarz nach der Partie, zu einem Zeitpunkt, an dem der Trainer noch nicht wusste, wie schwer Adlers Verletzung wirklich war. „Aber Robin Zentner hat das sehr gut gemacht. Er hat viel Ruhe ausgestrahlt, gerade auch bei langen Bällen hinten heraus, wo er mutig rausgeht.“ Beim ersten Gegentreffer, dem ersten von zwei Elfmetern, hatte der 194 Zentimeter lange 05-Schlussmann keine Chance. Nicht glücklich war Zentner allerdings mit der Situation, die zum zweiten Strafstoß und zum erneuten Kieler Ausgleich führte. Den Distanzschuss des soeben eingewechselten Aaron Seydel, der in der laufenden Saison an den Zweitligisten ausgeliehenen Mittelstürmer, parierte der 05-Keper, doch seine Abwehr geriet zu kurz. Dominick Drexler setzte nach, Zentner erwischte den Kieler mit der Hand am Fuß. „Das war ein bisschen unglücklich“, sagte Zentner. „Entweder muss ich den Ball komplett zur Seite abwehren oder festhalten“.

Mehrere Rettungsaktionen

Doch der junge Torhüter ließ sich von dieser Aktion nicht herunterziehen, schwang sich im Gegenteil zu einer großen Leistung auf und war derjenige, neben dem Siegtorschützen Daniel Brosinski, der das Erreichen der dritten Pokalrunde mit seinen Aktionen ermöglichte. „Robin hat das Ding richtig gut runtergespielt“, lobte  Sportvorstand Rouven Schröder später, „und er hat ein paar Riesensaves gehabt.“ Die 05-Fans feierten den Keeper mit Robin-Zentner-Sprechchören. „Das hat mich sehr gefreut“, sagte der 23-Jährige strahlend. Da war die Aktion gegen Seydels Direktabnahme in der 76. Minute, die Eins-gegen-eins-Situation gegen eine weiteren EX-Mainzer, Stefan Lewerenz, in der 83. Minute, die Rettungsaktion gegen den einschussbereiten Seydel in der 95. Minute und die Szene in der 99. Minute, als Zentner in einer undurchsichtigen Lage einen Meter vor dem Tor Amara Condé den Ball noch vom Fuß holte. „Die Stürmer können eigentlich alles“, sagte der 05-Keeper, „ich habe einfach versucht, so nahe wie möglich zu kommen und mich so breit wie möglich zu machen.“ Das gelang. Zentner befolgte den Rat, den René Adler seinem jungen Nachfolger bei der Umarmung zur Auswechslung mit auf den Weg gegeben hatte. „Hab Spaß“, habe ihm Adler gesagt, erklärte Zentner später. „Und es hat Spaß gemacht.“ Davon, dass der 23-Jährige bei seinem ersten Profi-Einsatz in einem Pflichtspiel nervös gewesen sein könnte, war jedenfalls nichts zu spüren. Im Gegenteil. Zentner empfahl sich nachdrücklich für die Partie am Freitagabend.

Dass die bisherige Nummer zwei dieser Saison nun auch automatisch den Derby-Einsatz erhält, darauf wollte sich der 05-Trainer nach dem Spiel jedoch noch nicht festlegen. „Wir haben neben Adler drei weitere Torhüter. Wir haben Robin, wir haben Jannik Huth und Florian Müller. Alle sind fit, sagte Schwarz“. Nachwuchs-Keeper Müller hat inzwischen vier Regionalligaspiele nach seiner Verletzung absolviert. Jannik Huth, der Ende der vergangenen Saison Jonas Lössl als Nummer eins im 05-Tor abgelöst, sich dann in der Sommervorbereitung einen Haarriss im Kahnbein der linken Hand zugezogen hatte, ist ebenfalls wieder voll fit. „Wir haben genügend Torhüter. Wir machen uns in den nächsten Tagen Gedanken darüber, wer am Freitag spielt“, erklärte der 05-Coach.  

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