Akzeptieren und lernen

Jörg Schneider. Leipzig.
Neun Gegentore in zwei Spielen. Zwei deutliche Schlappen innerhalb weniger Tage. Die Profis des FSV Mainz 05 hat es kräftig erwischt auf der Zielgeraden dieser dritten Englischen Woche in Folge. Das Team von Martin Schmidt beendete drei Tage nach dem 1:6 von Anderlecht diesen zweiten Siebener-Block der Saison mit einer 1:3-Niederlage in der Bundesliga bei RasenBallsport Leipzig und verabschiedete sich stark lädiert in die dringend benötigte Länderspielpause. Zumal die personelle Ausfall-Liste durch die Muskelverletzung von Suat Serdar weiteren Zuwachs erhalten hat. Die Verantwortlichen waren in Leipzig darum bemüht, das Ganze realistisch einzuordnen und erst gar kein Krisen-Szenario aufzumalen. Die Stimmen dazu.

Torschütze Stefan Bell und Trainer Martin Schmidt bemühten sich in Leipzig, die positiven Aspekte der zweiten Halbzeit in den Vordergrund zu stellen. Foto: ImagoIm mit 42.558 Zuschauern ausverkauften Leipziger Stadion sah es danach aus, als sollte es für die Profis des FSV Mainz 05 sofort so weitergehen, wie es drei Tage zuvor in Anderlecht beim 1:6-Debakel im Europapokal aufgehört hatte. Beim Bundesliga-Shooting-Star RB Leipzig klingelte es bereits nach drei Minuten schon wieder im eigenen Kasten, bis zur Pause noch zwei weitere Mal, und das nächste Fiasko schien sich abzuzeichnen für das in der ersten Halbzeit von den Vollgas-Umschalt-Attacken des Gegners überforderte 05-Team. Mit dem 0:3 zur Pause waren die Mainzer noch gut bedient. Mit einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit und dem Anschlusstreffer durch Stefan Bell hielten die 05er das Ganze dann noch halbwegs im Rahmen und nahmen wenigstens noch ein paar positive Ansätze mit nach Hause, an die sich die Beteiligten am Ende dieser dritten Englischen Woche in Folge klammern und in der nun folgenden Länderspielpause aufrichten können.

„Das war sicherlich keine schöne Woche für uns“, sagte Rouven Schröder nach dem unschönen Ende dieses zweiten Siebenerblocks der Saison mit neun Gegentoren in zwei Spielen und zwei deutliche Schlappen innerhalb weniger Tage. „Wir müssen es so hinnehmen und aus diesen Dingen lernen“, sagte der Mainzer Sportdirektor. „Es war heute ein Spiel, in dem wir uns viel vorgenommen haben aufgrund des Ergebnisses vom Donnerstag. Dass wir dann so schnell in Rückstand geraten, war natürlich kontraproduktiv. Das ist gar keine Frage. Dass die Jungs nicht alles versuchen würden, kann man ihnen definitiv nicht absprechen“, betonte Schröder, der bemüht war das Positive aufzuzeigen und den Blick nach vorne zu richten. „Von daher ist es wichtig herauszustellen, dass wir in der zweiten Halbzeit das Ganze positiv gestaltet haben auch vom Ergebnis her, und dass die Spieler alles dafür getan haben. Die zweite Halbzeit hat den Wert, um darauf anzusetzen. Die Jungs wollten es nicht auf sich beruhen lassen und haben alles daran gesetzt, das Ganze besser hinzukriegen. Das war ein wichtiger Fingerzeig für uns. Jetzt kommt die Pause, und ich denke, alles in allem stehen wir in der Bundesliga mit 14 Punkten nach zehn Spielen aufgrund der Umstände immer noch vernünftig da. In der Liga war es zuletzt ein auf und ab: Sieg Darmstadt, Niederlage Schalke, Sieg Ingolstadt, Niederlage Leipzig. Wir müssen das ganze realistisch angehen von der Erwartungshaltung“, so der 41-Jährige. „Wir sind auch ehrgeizig und wollen die Spiele gewinnen. Wir haben uns nie darüber beschwert, dass uns die Leute verletzt wegbrechen. Das wollen wir auch nicht tun. Wir müssen die Situation realistisch sehen und das Positive mitnehmen. Wir werden weiter unseren Weg gehen“, erklärte Schröder.

„Wenn ich über das Spiel rede, muss ich über zwei verschiedene Halbzeiten reden“, sagte der Trainer nachher. „Die erste war absolut nicht gut. Man hat einen Plan, wenn man ins Spiel geht, einen Ablauf, den man sich vorstellt. Man weiß, dass die ersten 20 Minuten sehr hart werden, bis man aus der Müdigkeit kommt und der Kopf vergessen hat, was in den letzten Tagen alles war. Dann stolpern wir uns selber ganz früh das Tor rein und der Plan ist über den Haufen geworfen. Wir haben dann plötzlich dadurch den Ball mehr, als wir wollten, wir konnten plötzlich herrlich gepresst werden von Gegner. Dann kriegen wir zwei weitere Umschalt-Tore, wo die Leipziger uns läuferisch klar überlegen waren“, sagte Martin Schmidt.

„In der Pause haben wir angesprochen, wie wir in die zweite Hälfte gehen wollen. Da ging es um Ehre und Charakter, welche Power steckt noch im Team, wieviel Saft haben wir noch? Wir haben dann in der zweiten Halbzeit gezeigt, dass wir läuferisch da sind, dass wir kein Fitnessproblem haben. Die Hereinnahme von André Ramalho hat gezeigt, dass wir wieder einen wichtigen Spieler dazu bekommen haben. Wir haben ein Tor gemacht, die zweite Halbzeit gewonnen. Das war unser Ziel in der Pause, um wenigstens einigermaßen mit einem Gefühl aus der Geschichte rausgehen zu können. Jetzt werden wir zwei Wochen Kraft tanken, die Batterien aufladen und dann in den nächsten Block reingehen, um dann mal wieder mit der nötigen Frische das Spiel gegen Freiburg anzugehen.“

Für die Psyche und die Aufarbeitung in den nun anstehenden zwei Länderspielpausen-Wochen sei diese zweite Halbzeit sehr wichtig gewesen, betonte Schmidt. „Wenn das Team nicht funktioniert hätte, kriegen wir hier im zweiten Abschnitt nochmal drei. Da haben wir uns dagegen gestellt. Wir gehen mit dem positiven Gefühl raus, noch ein Tor erzielt zu haben. Das macht die Niederlage nicht besser, aber es fühlt sich besser an und es lässt sich damit besser arbeiten.“

Dass die 05er nach der Pause nicht weiter ins Hintertreffen gerieten, lag auch an der Hereinnahme von Stefan Bell. Der Innenverteidiger verlieh dem Defensivverbund etwas mehr Stabilität. „Die Woche hatte mit dem Ingolstadt-Sieg gut angefangen und ist nun schlecht geendet. Wir haben in der ersten Halbzeit wenig davon auf den Platz bekommen, was wir uns vorgenommen haben. Heute hat es vor der Pause einfach an der Umsetzung gefehlt von den taktischen Sachen. Das ist das, was uns im Moment etwas begleitet, dass wir es nicht schaffen, wenn einer einen Zweikampf verliert, dass der nächste es dann ausbügelt“, sagte der Vize-Kapitän nachher. „In der zweiten Halbzeit lief das deutlich besser. Das  war schon wichtig für uns. Als Außenstehender denkt man, na ja, es ist trotzdem eine 1:3-Niederlage. Für uns aber war es trotzdem ein wichtiges Zeichen an uns selbst, dass wir auch anders können als in der ersten Halbzeit. Das ist gut fürs Gefühl. Um alles wieder ins Normale zu bringen. Wir tun gut daran uns an kleinen, positiven Sachen hochzuziehen. Zum Beispiel, dass André Ramalho uns jetzt mehr Stabilität gibt. Wir haben immer noch jede Menge Verletzte im Kader, die potenzielle Stammspieler sind. Wir können das schon alles einordnen. Und dass wir auch Rückschläge bekommen, ist ganz normal. Wir dürfen uns aber davon nicht verrückt machen lassen.“

► Alle Artikel zum Spiel bei RasenBallsport Leipzig

► Zur Startseite