Als Herausforderer auf Schalke punkten

Jörg Schneider. Mainz
Die Tatsache, dass es im Spitzenspiel der Europaliga gegen den RSC Anderlecht nicht zum ersten Heimsieg in der Gruppe C und zur Tabellenführung reichte, hat der Zuversicht und dem Selbstbewusstsein im Team des FSV Mainz 05 offenbar nicht groß geschadet. Die Mannschaft von Martin Schmidt steht nun in der Bundesliga am Sonntag beim FC Schalke 04 auf der Matte, das sein Gruppenspiel in Russland gewann. Und die 05er haben in Gelsenkirchen offenbar einiges vor. „Unser Ziel ist ganz klar dort zu punkten“, sagt der Trainer. Die Rolle des Herausforderers sei die beste Situation, um dort anzutreten. „Diese Rolle lieben wir, darin läuft’s im Moment gut für uns.“

Die Spieler waren etwas enttäuscht, die Verantwortlichen übten sich in Realismus nach dem 1:1 im Spitzenspiel der Europaliga-Gruppe C gegen den RSC Anderlecht. Es hat erneut nicht gereicht für den ersten Heimsieg im Europapokal, obwohl es nach dem furiosen Start in diese Partie in der Opel Arena danach ausgesehen hatte, als sollten die Profis des FSV Mainz 05 mit ihrem beherzten Power-Fußball das Duell um die Tabellenführung gewinnen können. Doch das international erfahrene und erprobte Top-Team aus Belgien erwies sich als starke, geschlossene Mannschaft mit viel fußballerischer Qualität und intensivem Defensivvermögen, die ebenfalls ihre Möglichkeiten hatte, um drei Punkte aus Mainz mitzunehmen. „Man kann uns sicher nicht absprechen, dass wir nicht alles versucht hätten. Wir haben viel den Ball laufen lassen, haben Lücken gesucht. Anderlecht ist aber eine Mannschaft, die weiß, um was es geht im Fußball. Die standen kompakt, haben nicht viel zugelassen und waren immer gefährlich mit ihren Kontern. Nach dem Spielverlauf muss man mit dem Punkt zufrieden sein“, sagte Niko Bungert nachher.

Fabian Frei durfte sich am Donnerstag noch schonen. Im Spiel auf Schalke wird der Schweizer wohl wieder mit Jean-Philippe Gbamin das zentrale Mittelfeld-Duo der 05er bilden. So, wie beim Auswärtssieg in Augsburg. Foto: ImagoSowohl der Trainer, als auch der Sportdirektor strichen am Ende die Fakten heraus. Die internationale Konkurrenzfähigkeit ist vorhanden. Die Mainzer bleiben auch im dritten Spiel ungeschlagen in diesem Wettbewerb, in dem für das Team bei drei punktgleichen Vereinen noch alles drin ist. Martin Schmidt verwies auf die doch beachtliche Attraktivität dieser Partie und darauf, dass sein Team eine insgesamt gute Leistung gegen diesen starken Gegner hingelegt hatte. In der Tat ist es beachtlich, mit welchem Selbstverständnis der Europapokal-Neuling in diesem Wettbewerb antritt und sich schlägt. Und dass die Mainzer in ihrer Personalplanung vieles richtig gemacht haben müssen, dass sie auch auf internationalem Level inzwischen derart aufspielen und sich auf Augenhöhe behaupten können, stellt sich mehr und mehr heraus. Egal, mit welcher Aufstellung der Coach in die einzelnen Begegnungen geht.

Dass die Mainzer in etlichen Spielen nach gut einer Stunde regelmäßig den Faden verlieren, das hohe Anfangsniveau nicht mehr halten können, ist für Rouven Schröder unterdessen noch kein Anlass, sich grundsätzliche Gedanken zu machen. „Wir hatten in den letzten zehn Minuten noch einmal eine Phase, in der wir in der Lage waren, den Gegner nochmal anzupacken, den Gegner nochmal versucht haben in dessen Hälfte zu drücken. Wir waren da zwar nicht so effektiv, haben nicht die klaren Möglichkeiten rausgespielt, aber man hatte immer das Gefühl die Mannschaft will nochmal“, sagt der 41-Jährige. „Das ist sicher ein Prozess. Jedes Spiel ist auch nochmal anders, ich will trotzdem da keinen roten Faden sehen, der sich durch die Saison zieht. Ich glaube einfach, dass wir unter dem Strich einen sehr ordentlichen Start hingelegt haben und auch gegen Anderlecht in einem nicht einfachen Spiel hinten raus noch genügend Körner hatten, um das noch ganz positiv zu gestalten. Von daher mache ich mir da aktuell keine Sorgen“, sagt Schröder. Das könne am Sonntag auch schon wieder anders aussehen.

Der Plan ist halb fertig

Am Sonntag stehen die 05er beim FC Schalke 04 auf der Matte. Bei einem Gegner, der in der Bundesliga mit sieben Punkten schlechter dasteht als die 05er, bisher so seine Schwierigkeiten hatte und unter großem Erfolgsdruck steht. Im Europapokal präsentiert sich der Revier-Klub allerdings souverän. Die Schalker haben ihre drei Gruppenspiele alle gewonnen, am Donnerstag mit 1:0 in Krasnodar. Das Team von Markus Weinzierl hatte dabei eine lange Anreise in den Süden Russlands. Ein Vorteil für die Mainzer? „Das ist immer die Frage“, sagt Schmidt. „Hat uns der tiefe Platz im Starkregen mehr gefordert, oder sind es bei Schalke die Reisestrapazen? Ich denke es wird pari sein. Beide Teams hatten ihre mentale Anspannung durch die Spiele unter der Woche. Beide hatten aber frische Spieler draußen, beide haben rotiert und schon mit einem Auge aufs nächste Spiel geschaut. Wir befassen uns nicht groß damit, sondern holen ab Freitag den Plan raus für Schalke, den wir schon halb fertig haben. Sicher nehmen wir ein gewisses Selbstbewusstsein mit, um unseren positiven Weg weiter gehen zu wollen.“

Die Europapokal-Aufstellung der Gelsenkirchener hat den 05-Trainer darin bestätigt, dass der kommende Gegner bereits das Spiel am Sonntag im Hinterkopf hatte. Weinzierl rotierte gleich auf sieben Positionen. „Die haben schon mit einem Auge auf uns geschielt. Ihre Aufstellung hatte sehr viel mit uns zu tun. Das wird eine ganz spannende Sache werden.“ Auch Schmidt hat diese Rotations-Möglichkeiten fürs Auswärtsspiel. Fabian Frei war gar nicht im Kader für die Anderlecht-Partie. „Er war nach der Verletzungspause noch nicht bereit für die Startelf. Ihn reinzuwerfen, das Risiko wollte ich nicht eingehen. Wir wollen ihn für Sonntag heranführen, er wird im Plan sein für Schalke“, sagt Schmidt. Der Schweizer dürfte wieder als Sechser in die Startelf zurückkehren. Jairo steht als Joker zur Verfügung. Levin Öztunali spielte nur wenige Minuten am Donnerstag und sollte ein Startelf-Kandidat sein. In der Offensive hat der 05-Trainer sowieso etliche Optionen. Ebenso wie in der Innenverteidigung. Gegen die Belgier spielte Bungert an der Seite von Stefan Bell. Leon Balogun wäre ebenfalls bereit gewesen. Alexander Hack erhielt eine Pause.  „Leon ist wieder fit, ich wollte ihn eigentlich einwechseln, es hat sich aber nicht ergeben. Bei mir spielt auch die Hierarchie eine Rolle und da ist Balogun einfach weiter vorne als Alexander“, erklärt Schmidt. „Hack hat jetzt einige gute Spiele am Stück gemacht. Ihm hat die Pause sicher gut getan.“ Er habe aber auch den Kapitän auf dem Platz haben wollen, der seit Wochen sehr gut trainiere. „Niko hat auch jetzt ein gutes Spiel geliefert. Er war sehr aggressiv, gut in den Kopfbällen und Zweikämpfen. Er hat die Nominierung absolut bestätigt. Ich habe vier gute Innenverteidiger. Warum nicht ab und zu mal wechseln?“

Dass es mit dem Sieg gegen Anderlecht nicht funktioniert hat, tut der Zuversicht und dem Selbstvertrauen der 05er offenbar keinen Abbruch. „Ich finde, mit dem Sieg gegen Darmstadt haben wir in der Bundesliga eine Situation geschaffen, in der wir unbekümmert zum Spiel auf Schalke fahren können“, sagt Schmidt. „Unser Ziel ist ganz klar dort zu punkten. Ich denke schon, dass wir als Herausforderer dort spielen, das ist die Rolle, die uns passt und die beste Situation, um dort anzutreten. Diese Rolle lieben wir, darin läuft’s im Moment gut für uns. Ich hoffe, dass wir wieder in diese Rolle hineinfinden.“     

 

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