Am Ende rettet der Kapitän

Christian Karn. Mainz.
Erstaunlich früh wirkte der FSV Mainz 05 zufrieden mit einem Pünktchen gegen den 1. FC Köln. Vor dem sicheren Torwart Jonas Lössl spielte eine stabile Defensive, vorne waren die Mainzer ohne ihre beiden besten Angreifer der Hinrunde zwar aktiver als der FC, auch torgefährlicher, aber letztlich einfach nicht gefährlich genug, um (verdient) in Führung zu gehen. Und Sekunden vor dem frühen Abpfiff hätte der Punkt verloren gehen können. Niko Bungert rettete das 0:0 gegen Leonardo Bittencourt.

FSV Mainz 05 - 1. FC Köln 0:0

Sonntag, 22. Januar 2017, 29.314 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Lössl - Brosinski, Bell, Bungert, Bussmann - Öztunali, Frei, Latza, Jairo (77. Bouziane) - Muto (89. Gbamin), de Blasis.
Reserve: Huth, Donati, Rodríguez, Ramalho, Seydel. Trainer: Schmidt.

1. FC Köln: Kessler - Sörensen, Maroh, Heintz - Olkowski, Höger, Hector, Rausch - Clemens (74. Bittencourt), Osako - Modeste.
Reserve: S. Müller, Jojic, Rudnevs, Zoller, Özcan, Klünter. Trainer: Stöger.

Schiedsrichter: Brych (München).

Gelbe Karten: Bussmann - Sörensen.

Wer Felix Brych kennt, der weiß: Nachspielzeiten mag der Mann nicht. Den Spielern des FSV Mainz 05 und des 1. FC Köln wird in der 89. Minute klar gewesen sein: Ein paar Sekunden noch, dann ist Schluss. Ein letzter langer Pass von Levin Öztunali in die gegnerische Hälfte ging verloren, ein letzter Angriff des FC kam über dessen rechte Seite. Pawel Olkowski flankte aus dem Hintergrund (89:54). Leonardo Bittencourt lauerte im Strafraum auf der Abseitslinie, der eifrige, aber glücklose Torjäger Anthony Modeste leitete den Ball auf den U21-Nationalspieler weiter, der bis dahin total souveräne Jonas Lössl musste ein letztes Mal hoffen, das kurze Eck schließen zu können (89:56). Vielleicht wäre es gut gegangen. Vielleicht nicht. Es musste nicht gut gehen: Mit langem Bein sprang von hinten links Niko Bungert dazwischen, der Kapitän spitzelte Bittencourt den Ball weg, quer zum offenen, aber vom FC auch nicht weiter bedrohten Tor (89:57). Daniel Brosinski sicherte den Ball, Brych pfiff ab (90:01). 0:0. Ein Punkt zum Jahresauftakt, weil der Kapitän in der fünftletzten Sekunde sein Team vor der möglichen Niederlage rettete.

Mainz 05 hatte die erweiterte Rückrunde ohne vier Stammspieler begonnen: Yunus Malli spielte ja bereits am Samstag für den VfL Wolfsburg, Jhon Córdoba ist auch nächste Woche noch gesperrt, außerdem setzte Martin Schmidt Jean-Philippe Gbamin und zum ersten Mal in dieser Saison Giulio Donati auf die Bank, ebenso den U23-Stürmer Mounir Bouziane. Daniel Brosinski verteidigte rechts, Fabian Frei spielte neben Danny Latza im Zentrum, Yoshinori Muto und Pablo de Blasis stürmten.

Der Japaner war bei seinem Comeback nach langer Verletzung an der ersten Torchance beteiligt. Nach seiner Balleroberung weit in der Kölner Hälfte schoss Levin Öztunali dem Kölner Ersatztorwart Thomas Kessler aus spitzem Winkel hart auf die Fäuste (10.). Die zweite gute Szene hatte Jairo Samperio, der nach einem Sololauf quer zum Strafraum aus der Drehung hoch auf den rechten Winkel schoss, wieder klärte Kessler zur Ecke. Latza hatte den Ball grundsätzlich gern übernommen, blieb aber weg, anstatt Jairo umzurennen (13.). Die Anfangsoffensive der Kölner, die in der 4. und 5. Minute zwei im Ansatz gute Angriffe nicht zu Ende gespielt hatten, war längst vorbei.

Der Schlüsselmoment fünf Sekunden vor Schluss: Niko Bungert ist vor Leonardo Bittencourt am Ball und sichert das 0:0. Foto: imagoAber wenn auch die 05er weiterhin die etwas aktivere Mannschaft waren, passierte auch vor dem Kölner Tor nach Jairos Schuss nicht mehr viel. Meistens blieb das Spiel irgendwo in der Mitte stecken, weniger zwischen den Strafräumen als an den Seitenlinien. Interessant war's, die Bewertung von Córdoba-Zweikämpfen mal andersherum zu beobachten; Kölns Mittelstürmer Anthony Modeste hätte ein Klon des Kolumbianers sein können. Felix Brych pfiff diese Wühl- und Wucht-Aktionen häufig ab, gab mal dem FC, mal den 05ern den Freistoß. Jonas Lössl musste erst in der 33. Minute den ersten Kölner Torschuss halten und das war genauso einfach wie zwei Minuten darauf beim Kopfball von Yuya Osako.

Es war der Beginn der obligatorischen Macht-mal-Phase, die die 05er in jeder Halbzeit haben, der Phase, in der sie am Spiel kaum teilnehmen, das Tor zustellen, dem Gegner die Initiative überlassen. Aber sie kamen zurück ins Spiel, hatten in den letzten fünf Minuten vor der Pause nochmal Chancen. Latza schoss aus über 20 Metern knapp rechts vorbei, de Blasis' Fallrückzieher fast von der 16er-Linie war nicht platziert genug, um gefährlich zu sein (40., 42.).

Man hatte schon schlechteren Fußball gesehen in der Arena, aber auch schon besseren. Immerhin: Die 05er hatten die Partie unter Kontrolle. Der FC griff fast nur über Standards an, Lössl holte sich alle Flanken ohne Mühe, war aber auch im laufenden Spiel aufmerksam: In der 64. Minute musste der Torwart weit ins Feld stürmen; 20 Meter vor dem Strafraum nahm er den Ball mit der Brust an Modeste vorbei mit, spielte den sicheren Pass, zog sich in Ruhe wieder ins Tor zurück.

Zweimal hätte bis dahin das Mainzer Führungstor fallen können. De Blasis' Kopfball nach einem fiesen halbhohen Eckball von Levin Öztunali war aber wiederum nicht gut platziert (50.) und schoss nach dem schönsten Angriff der 05er vorbei: Latza und Jairo hatten mit zwei kurzen Steilpässen den Ball gut durchs Mittelfeld gebracht, Innenverteidiger Dominique Heintz gegen Muto die Orientierung verloren. Kessler war schon zu nah, blockte den Ball, de Blasis verpatzte den Nachschuss (52.).

Viel mehr passierte in der letzten halben Stunde nicht. Muto reklamierte kurz auf Elfmeter, war aber in der 68. Minute von zwei Mann fair abgeklemmt worden. Lössl hielt einen Osako-Schuss aus ungünstigem Winkel (83.). Bittencourt schoss vorbei (89.). Und Bungert beendete den letzten Angriff.

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