Aufbauhilfe von den Fan-Klubs

Jörg Schneider. Mainz.
Der FSV Mainz 05 zeigt Geschlossenheit im Abstiegskampf seiner beiden gefährdeten Mannschaften. Fünf Spieler aus dem Profi-Kader wirkten am Mittwochabend mit beim 2:0-Auswärtssieg im Drittliga-Derby in Wiesbaden. Trainerstab und Bundesliga-Team saßen zur moralischen Unterstützung auf der Tribüne. Im Heimspiel am Sonntag gegen den FC Schalke 04 sollten sich die Profis zu einem ähnlichen Kraftakt aufschwingen. „Unsere Situation ist eindeutig“, sagt Martin Schmidt. „Wir müssen die Punkte zurückholen, die wir haben liegen lassen. Wir haben einen Bock gebaut. Das müssen wir wieder Zurechtbiegen, ein Jetzt-erst-recht-Gefühl entwickeln.“

Suat Serdar war einer von fünf 05-Profis, die beim Derby-Sieg der U23 in Wiesbaden aushalfen. Der Rest vom Bundesliga-Kader saß als moralische Unterstützung auf der Tribüne. Foto: Mainz 05Das Negativ-Erlebnis aufarbeiten, die schmerzliche Niederlage in Darmstadt eingehend analysieren, die richtigen Schlüsse daraus ziehen, eng zusammenrücken, sich in dieser Woche mit Vehemenz, aber konzentriert und gezielt in die Arbeit stürzen, den Frust kanalisieren in eine positive Reaktion. Das sind die Themen dieser Tage am Bruchweg vor dem richtungsweisenden Heimspiel am Sonntag in der Opel Arena gegen den Tabellennachbarn FC Schalke 04. Und vor allen Dingen Geschlossenheit zeigen. Am Mittwochabend begleitete der Profikader des FSV Mainz 05 und dessen Trainerteam die eigene U23 zum Auswärtsderby nach Wiesbaden zur moralischen Unterstützung. Und das Drittligateam der 05er setzte ein deutliches Zeichen mit dem wichtigen 2:0-Erfolg beim SV Wehen Wiesbaden, schöpfte neuen Mut und neue Energie im Abstiegskampf. Die Mannschaft von Sandro Schwarz entwickelte über die richtige Mentalität die nötige Widerstandskraft, entwickelte fußballerische Qualität über diese Einstellung, holte sich mit der frühen Führung durch Rückkehrer Petar Sliskovic Selbstbewusstsein, legte mit dem Treffer von Mounir Bouziane nach und schlug einen Gegner, der die vergangenen vier Spiele hintereinander gewonnen hatte. Ein perfekter Anschauungsunterricht für die zuletzt so wankelmütig aufgetretenen Bundesliga-Profis.

„Unsere Situation ist eindeutig“, sagt Martin Schmidt. „Wir müssen die Punkte zurückholen, die wir haben liegen lassen. Wir haben einen Bock gebaut. Das müssen wir wieder Zurechtbiegen. Ein Jetzt-erst-recht-Gefühl entwickeln.“ Der 05-Trainer hat die Trainingswoche mit einer eingehenden Analyse des Darmstadt-Unfalls begonnen. Alle Punkte dieser Partie sind mit der Mannschaft aufgearbeitet worden. Eine spielerische Bestandsaufnahme dessen, was schief gelaufen ist. Warum die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen so groß waren. Warum die 05er Defizite hatten im Zweikampfverhalten, im eigenen Spielaufbau nicht in die bespielbaren Zonen fanden, die der Tabellenletzte anbot. Aber auch eine gedankliche Aufarbeitung der Probleme, die Einstellung und Mentalität betrafen. Warum die Mannschaft offenbar gedanklich nicht mit dem notwendigen Abstiegskampf-Feuer diese Partie bestritten hat. Schmidt hat sich mit seinen Spielern viel Zeit dafür genommen und ist überzeugt davon, dass dieses Thematik spätestens seit dieser Woche komplett drin ist im Seelenleben des gesamten Kaders. „Das nimmt das Team voll an“, sagt der 49-Jährige. „Hier weiß jeder, dass das einfach nicht gut war und dass nun eine Reaktion kommen muss.“

Der Druck, der nun auf der Mannschaft lastet, ist jedenfalls größer geworden. Durch dieses 1:2 am Böllenfalltor sind die Mainzer nun mitten drin in der Gefahrenzone. Die Partie gegen die nur um einen Punkt besser dastehenden Schalker wird ein Schlüsselspiel und ein Härtetest dafür, ob diese Mannschaft die Zeichen wirklich erkannt hat und reagieren kann. „Für uns geht es darum, jetzt alles drumherum auszublenden. Nicht hektisch werden, sondern die Herausforderung so annehmen wie sie ist“, betont Schmidt, der den kommenden Gegner am vergangenen Wochenende hat beobachten lassen und auch heute Abend beim Europaliga-Spiel der Schalker in Mönchengladbach vor Ort sein wird.

Den Gegner zu analysieren und einzuschätzen, die Mannschaft darauf vorzubereiten, ist das eine. Doch die 05er wissen, dass in diesem Heimspiel wieder einmal vieles von ihnen selber abhängt. Wie sie mit der Kritik umgehen, wie sie der düsteren Stimmung begegnen, die sich im Umfeld breit macht. „Die Sorgen der Anhänger sind uns natürlich bewusst“, sagt der Trainer. „Aber wenn wir uns zu stark damit beschäftigen, verlieren wir den Fokus. Wir müssen uns auf das Spiel und unsere Inhalte konzentrieren, das nächste Spiel gewinnen und alles andere wegblenden. Wir dürfen solche Emotionalitäten nicht an uns heranlassen, sondern müssen uns konzentrieren. Zusammenrotten, Kraft entwickeln, Gespräche führen und hart arbeiten.“ Dennoch habe gerade das Treffen am vergangenen Sonntag mit den verschiedenen Fan-Klubs viel bewirkt. „Die Spieler kamen zurück und waren alle begeistert. Die gingen dahin und sagten nachher, sie wurden aufgebaut, wurden motiviert. Der Tenor war: Wir kommen da wieder zusammen raus. Wir gingen nicht zu bösen Fans, sondern zu Leuten, die uns sehr aufgebaut haben. Das hatte eine sehr wichtige Wirkung auf die Mannschaft. Wenn man in den Medien liest, was man alles nicht kann, dann ist es gut, wenn man aufbauende Worte hört, die mental gut tun. Wir wissen aber trotzdem, dass wir das Signal geben müssen am Sonntag gegen Schalke, dass wir vorlegen müssen, dann wird das Stadion uns helfen, dann werden die Fans hinter uns sein. Die Kraft des zwölften Mannes haben wir in Darmstadt selbst erleben können. Durch unsere Körpersprache müssen wir nun das Stadion sofort hinter uns kriegen.“

Auch der Trainer selbst spürt die Kritik und den steigenden Druck. Doch das sei normal, dem setze man sich als Coach einer Bundesliga-Mannschaft immer aus. „Den größten Druck machst du dir sowieso selber. Vor jedem Spiel“, sagt Schmidt. „Das war auch letztes Jahr nicht anders, als es am Ende Richtung Europaliga ging. Man sagt immer, das ist positiver Druck, aber das ist nicht unbedingt so. Verlieren ist immer verlieren. Als wir in Frankfurt verloren haben und die Fans haben gerufen: Ihr zerstört uns unsere Träume, das geht nicht einfach an uns und an mir vorbei. Ich spüre jetzt denselben Druck. Du weißt, wenn du nicht punktest, wird es in jedem Spiel schwieriger. Doch du musst positiv bleiben und das Team anschieben. Vor allem musst du aber in der Arbeit und den Inhalten bleiben, alles Äußere abprallen und nicht an dich herankommen lassen.“

Unterdessen gibt es auch positive Signale. Karim Onisiwo, der seit Ende des vergangenen Jahres wegen einer hartnäckigen Fußverletzung pausieren musste, ist wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Der Stürmer soll die Belastung nun sukzessive steigern und am kommenden Freitag, im Testspiel gegen den Karlsruher SC in der Länderspielpause, seinen ersten Einsatz erhalten. Gaetan Bussmann, in Darmstadt wegen Adduktoren-Schmerzen nicht dabei, war in dieser Woche noch einmal zur Kontrolle in der Klinik und soll nun wieder zügig ins Training einsteigen. Nicht mit dem Bundesligateam trainieren derzeit Jannik Huth, Suat Serdar, Aaron Seydel, Gerrit Holtmann und Marion Sverko. Das Quintett ist seit einer Woche zur U23  versetzt, hilft dort im Abstiegskampf aus und bleibt bis nach dem Heimspiel am Samstag gegen Holstein Kiel im Drittliga-Kader.  

 

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