Aufmüpfig nach der Kinderpunsch-Fete

Jörg Schneider. Mainz.
Die angepeilte 20-Punkte-Marke hat der FSV Mainz 05 mit diesem 3:1-Sieg im letzten Heimspiel des Jahres gegen den Hamburger SV erreicht. Doch die Arbeit vor Weihnachten ist noch nicht getan. Am Dienstag wartet zum Abschluss noch das brisante Derby bei Eintracht Frankfurt, das die 05-Profis mit neuem Selbstbewusstsein bestehen wollen. Deshalb war zumindest für die Spieler auf der nachfolgenden Weihnachtsfeier des Klubs am Abend Enthaltung angesagt. Man feiere mit Kinderpusch und gehe um halb zwölf nach Hause, sagte Martin Schmidt scherzhaft. „Wir brauchen noch was“, betonte der 49-Jährige. „Wir wollen in Frankfurt gewinnen und nicht nur auf einen Punkt gehen.“

Begeisterung bei Martin Schmidt, der Danny Latza und André Ramalho nach dem Sieg umarmt. Eine ausufernde Weihnachtsfeier gab es bei den 05ern trotz des Erfolges aber nicht. Foto: ImagoNormalerweise wäre es der richtige Tag gewesen, um „sich die Kante zu geben“, wie Danny Latza, der überragende Mann und umjubelte Matchwinner es nachher ausdrückte. Rückstand wettgemacht. 3:1 gegen den Hamburger SV gewonnen im letzten Heimspiel des Fußball-Jahres. Die 20-Punkte-Marke in der Bundesliga erreicht. Drei Bilderbuchtore geschossen in seinem dritten Anlauf nach monatelanger Verletzungspause. Doch der Trainer des FSV Mainz 05 hatte klare Regeln vorgegeben für die abendliche Weihnachtsfeier des Klubs, die nach dem befreienden Erfolg auf der Laubenheimer Höhe angesagt war. Freuen, loben, zusammensitzen. Denen im Verein danken und ein Geschenk machen, die nicht so im Rampenlicht stehen wie die Profis. Und um halb zwölf dann heim ins Bett. Ein Bier, einen Wein, Feierabend. Nicht so, wie Martin Schmidt selbst das aus seinem früheren Leben kennt. „Wenn du nach einem solchen Erfolg mittwochs von der Weihnachtsfeier nach Hause kommst.“

Die Mainzer haben nach drei Niederlagen in Folge mit diesem 3:1-Sieg in der Opel Arena einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan, aber die Arbeit für dieses Jahr ist noch nicht zu Ende. Bereits am Dienstagabend steht zum Abschluss noch das brisante Derby bei Eintracht Frankfurt auf dem Programm. Nicht der richtige Moment also, um nach einer ausufernden Feier etwas herzuschenken. „Wir haben ein wichtiges Spiel gewonnen. Wir wussten, dass dies gegen den HSV für den weiteren Saisonverlauf eine wegweisende Partie werden würde. Ohne den Sieg wären wir Gefahr gelaufen, dass das Punktekonto zum Relegationsplatz schmilzt und wir eine ganz spezielle Weihnachtspause erleben“, sagte Schmidt. „Nach dem Spiel habe ich gemerkt, dass im Umfeld die großen Steine von den Herzen gefallen sind, die Freude riesig war. Wir haben nach dem Rückstand fünf Minuten neben der Spur gestanden, waren fehlerhaft. Dann kamen wir wieder rein. Das 1:1 zur Pause war der richtige Wachmacher“, sagte der 05-Trainer, dessen Ansprache in der Halbzeit klar nach vorne gerichtet war. „Dass wir schon so viele Führungen in diesem Jahr verdaddelt haben und dass wir jetzt mal das Ding drehen. Das haben wir geschafft. Es ist auch wichtig, dass wir wissen, wir können das. 20 Punkte sind ein wichtiges Zwischenziel. Deshalb gibt’s eine Weihnachtsfeier mit Kinderpusch. Wir haben am Dienstag ein wichtiges Spiel. Da werden wir mutiger sein als zuletzt und ein aufmüpfiger, kerniger Gegner sein. Darauf freuen wir uns.“

Trainer klatschte mit dem Publikum

Rouven Schröder dürfte nach dem Erfolg auf den Kinderpunsch verzichtet und sich mehr als ein Glas Bier gegönnt haben. Auch der Sportdirektor war erleichtert nach dem 3:1. „Es war enorm wichtig nach drei Niederlagen in der Bundesliga. 20 Punkte heißt, dass wir noch zwei Spiele haben in der Hinrunde, um noch mehr Punkte holen zu können. Von daher war es ein sehr wichtiger Schritt. Ein guter Spieltag. Für den Verein elementar wichtig. Wir wissen alle, wie eng das war. Wenn der Ball in der ersten Halbzeit zum 2:0 für den HSV reingeht, stehen wir nicht so gelöst hier“, sagte der Sportdirektor erleichtert.

Vielleicht war es die Leistung seiner Mannschaft in der zweiten Halbzeit, in der die Hamburger der 05-Power wenig entgegenzusetzen hatten, die Befreiung vom Druck, der durch die souveräne Führung auch vom Coach abgefallen war, dass sich Schmidt von der Festtags-Stimmung in der Arena einfangen ließ und dies zum Ausdruck brachte. Der 49-Jährige stand in den letzten Minuten der Partie an der Seitenlinie, nahm den Rhythmus des Publikums auf und klatschte begeistert mit den Zuschauern im Takt.  Zum einen gefalle ihm die Hofsänger-Hymne „Olé, olé Fiesta“, besonders gut, sagte der Schweizer hinterher. „Du liegst 3:1 vorne. So oft gibt’s ja nichts zu feiern in der Bundesliga. Vielleicht zehn, elfmal pro Saison. Ich denke, da darf man sich freuen. Da habe ich mitgeklatscht. Ich bin auch nur ein Mensch und möchte auch zeigen, wenn ich mich freue. Ich glaube nicht, dass das despektierlich dem Gegner gegenüber war. Ich habe mich mit den Menschen im Stadion gefreut. Und das war natürlich auch ein wichtiger Sieg für mich als Trainer. Das hat so gepasst. Deshalb mag man mir das verzeihen“, erklärte Schmidt.

Doch bei aller Freude über diesen Erfolg, das Jahresziel sieht der 05-Trainer noch nicht erreicht. „20 Punkte sind eine wichtige Schiene, aber wir wollen die Punktausbeute wie im letzten Jahr. Die lag bei 17 Spielen, 24 Punkten in der Vorrunde. Jetzt sind wir bei 15/20. Wir brauchen noch was“, betonte der 49-Jährige. „Mit einem Punkt in Frankfurt wäre das ganz gut erledigt, aber wir wollen das Derby gewinnen und nicht nur auf einen Punkt gehen. Wir wollen auch zeigen, dass wir besser Spiele und Niederlagen wegstecken können als andere. Dass wir fit sind. Dass wir konkurrenzfähig sind. Im Wissen, dass Frankfurt eine sehr gute Saison spielt.“ Die Erfahrungen der Hochbelastungs-Wochen in der Europaliga könnten dem Team nun nachträglich zu Gute kommen in der letzten Englischen Woche des Jahres, glaubt der 05-Trainer. „Ich denke, der Europapokal-Rhythmus wird uns helfen. Wir wissen, wie wir schnell regenerieren. Die Spieler wissen, was sie erwartet und dass die Kraft ausreicht, um drei Tage nach dieser intensiven Partie wieder topfit zu sein, wir uns keine Gedanken über den Kraftverlust machen müssen. Wir kennen ja diese Englischen Wochen“, sagte Schmidt und fügte scherzhaft hinzu: „Wir haben uns ja fast gelangweilt letzte Woche.“

 

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