Aufsichtsrat hat Fragen an Kaluza

Detlef Rehling. Mainz.
Unmittelbar nach der Wahl am Sonntag trat der neue Aufsichtsrat des FSV Mainz 05 zu seiner konstituierenden Sitzung an und bestimmte Detlev Höhne zu seinem Sprecher. Das Kontrollgremium muss nun in den nächsten Tagen den künftig hauptamtlichen Vorstand des Klubs besetzen, dessen Honorierung einschließlich des nach der Satzung ehrenamtlichen Vorstandvorsitzenden festlegen. Höhne kündigte zudem ein Gespräch mit Johannes Kaluza, dem neuen Vereinsvorsitzenden an, um grundlegende Fragen zu erörtern.

Voristzender Johannes Kaluza (rechts) und der neue Aufsichtsrat von Mainz 05, der in den kommenden Tagen den hauptamtlichen Vorstand bestellen muss. Foto: Ekkie VeyhelmannMainz 05 hat gewählt. Der Neubeginn nach fast 29 Jahren der Ära Harald Strutz und Mitstreiter spülte mit Johannes Kaluza einen Mann an die Spitze, der seine Qualität in den nächsten Monaten erst beweisen muss. Platte Sprüche wie am Sonntag reichen nicht. Macht und Bedeutung kommt dem neu geschaffenen Aufsichtsrat zu. Das neunköpfige Kontrollgremium kam gleich nach der Wahl zur Sache, konstituierte sich und schickt den angesehenen Chef der Stadtwerke, Detlev Höhne, als Sprecher an die Front. Wichtigster Tagesordnungspunkt in den nächsten Tagen ist die Besetzung des Vorstandes einschließlich der Honorierung der hauptamtlichen Kräfte einschließlich des nach der Satzung ehrenamtlichen Vorstandsvorsitzenden.

 „Wir sind uns der Verantwortung bewusst", sagte Detlev Höhne. Der AR-Sprecher, seine beiden Stellvertreter Engelbert Günster und Eva-Maria Federhenn sowie die übrigen Mitglieder Sven Hieronymus, der mit 677 die meisten Stimmen erhielt, Volker Baas, Cäcilia Alsfasser, Michael Häfner, Michael Schuhmacher und Fan-Vertreter Christian Viering müssen für ihre wichtige Tätigkeit erst einmal Strukturen schaffen, um erfolgreich zum Wohle des Vereins arbeiten zu können.

Personelle Entscheidungen sind zu treffen. Denn mit der Wahl von Johannes Kaluza zum Vereinsvorsitzenden ist der Vorstand nicht komplett. Gefunden werden müssen die hauptamtlichen Vorstände. Als Favoriten gelten der amtierende Sportdirektor Rouven Schröder, Dag Heydecker (Marketing, Vertrieb) und Christopher Blümlein (Finanzen, Controlling). Zuvor soll aber das Gespräch mit Kaluza gesucht werden. „Wir müssen wissen, welche Rolle er einnimmt, welche Felder er für sich beansprucht", erklärte Höhne. Dem Aufsichtsrat obliegt auch die Aufgabe, den finanziellen Rahmen für Kaluza und die Vorstandskollegen abzustecken. Die Kontrolleure wissen, was sie bekommen. 1000 Euro ist den Mitgliedern der Aufwand wert, zusätzlich gibt es für die neuen Räte für die Heimspiele eine Dauerkarte für alle Bereiche der Arena.

Erreichtes bewahren und Weiterentwicklung

Harald Strutz hatte am Ende seiner ausführlichen und emotionalen Abschiedsrede einen Ratschlag für seine Nachfolger parat. Erreichtes zu bewahren und dabei die Weiterentwicklung nicht zu vergessen, hinterließ der 66-Jährige.  Moderner und jugendlicher, sogar ein Stück weit provokativer müsse Mainz 05 werden, erklärte Strutz. Das Image müsse geschärft werden, der Ausgliederung der Fußball-Abteilung müsse sich der Verein stellen, will man finanziell nicht komplett den Anschluss verpassen. „Nur dann ist Mainz 05 interessant für Investoren."

Ob Kaluza solche Wort schmecken, ist fraglich. Der in der Essigbranche erfolgreiche Unternehmer, der sich nach eigenen Angaben Anfang Juli aus dem Geschäftsleben zurückzieht, wettert mit Vorliebe gegen den „überschäumenden Kommerz im Fußballsport", setzt lieber auf Tradition und die Mitglieder, denen der Verein zu 100 Prozent gehöre. Per Umfrage will der neue starke Mann der 05er die Stimmung bei den Fans ergründen. „Ich werde euch zuhören, ich werde euch ernstnehmen", sagte Kaluza. Die Nähe zu den Ultras ist bereits vorhanden. Die Stimmen dieser Fans, die auch gerne auch mal zur verbotenen wie gefährlichen Pyrotechnik greifen, waren ausschlaggebend für den Sieg im zweiten Wahlgang gegen den bisherigen Vize-Präsidenten Jürgen Doetz. Wenig erhellend Kaluzas Meinung zu Pyro („Ich habe noch kein abschließendes Bild"), wenig erhellend auch seine Beziehung zum früheren Mainzer Marketingchef Klaus Drach, der zu seinem Beraterteam zählen soll. Immerhin wissen die 05er jetzt, dass Kaluza gerne Golf spielt, weil er dort eine ganze Reihe von Leuten treffe, die im Fußball tätig seien.

Der 62-jährige Unternehmer will für den Neuanfang ohne Altlasten stehen. Seine Vorgänger hinterlassen als Mitgift einen kerngesunden Verein. Harald Strutz und später auch Finanzmann Christopher Blümlein präsentierten für das in wenigen Tagen zu Ende gehende Geschäftsjahr das beste Ergebnis der Historie. Der Umsatz stieg auf 109,5 Millionen Euro, knapp fünf Millionen mehr als im vergangenen Jahr. Vor Steuern wird der Gewinn auf mehr als zehn Millionen Euro steigen. Beindruckende Zahlen für das mittelständische Unternehmen Mainz 05, das mit bald mehr als 30 Millionen Euro Eigenkapital  Vorbild für viele Konkurrenten ist.

Kaluza wird gegen Vorurteile ankämpfen müssen. Platte Sprüche wie  „ich bin für Mainz 05 24 Stunden am Tag da. Und wenn die nicht reichen, dann auch in der Nacht", "kein Ringelpiez mit Helene Fischer" oder "Eintracht Frankfurt hat im Wappen einen Adler, aber der richtige Adler fliegt jetzt hier. Das war der Königstransfer", sorgen nicht für das Image, das der Mann an der Spitze braucht.  Die 05er stehen vor aufregenden Zeiten.

 

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