Aus fünf mach zwei

Jörg Schneider. Mainz.
Durch den überzeugenden Auftritt von André Ramalho als Innenverteidiger beim 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg hat sich in der Abwehr des FSV Mainz 05 eine neue, verschärfte Konkurrenz-Situation ergeben. Martin Schmidt muss am Samstag aus fünf Innenverteidigern zwei fürs Heimspiel gegen den SV Werder Bremen auswählen. „Es in den Kader zu schaffen, ist derzeit schwierig“, sagt der 05-Trainer, der mit Stefan Bell, Niko Bungert und Ramalho drei Stopper hat, die in Form sind. Dazu Leon Balogun und Alexander Hack, die ebenfalls um einen Einsatz kämpfen. „Da wird es im Moment eng um die Plätze.“

Dass der Konkurrenzkampf in der Offensive im Moment besonders groß ist und sich durch die Verpflichtungen von Bojan Krkic sowie Robin Quaison noch einmal verschärft hat, ist bekannt und ersichtlich. Beim 2:0 gegen den FC Augsburg saß beispielsweise ein Leistungsträger wie Pablo De Blasis bis in die Nachspielzeit hinein auf der Bank. Yoshinori Muto kam erst nach 70 Minuten aufs Feld, Aaron Seydel ersetzte ganz am Ende Jhon Cordoba. Dadurch, dass Quaison angeschlagen war, Karim Onisiwo sich noch im Aufbautraining befindet und Emil Berggreen erst ab März im Mannschafstraining steht, war es für den Trainer des FSV Mainz 05 nicht ganz so schwer seine Entscheidungen zu treffen. Inzwischen ist allerdings in der Abwehr des Bundesligisten eine ähnliche Situation entstanden. Dadurch, dass sich André Ramalho als zusätzlicher Innenverteidiger aufgedrängt hat, steht Martin Schmidt vor dem Heimspiel am Samstag gegen Werder Bremen vor der großen Auswahl: Stefan Bell, Niko Bungert, Ramalho, Alexander Hack, Leon Balogun. Fünf Profis für zwei Positionen.

André Ramalho und Stefan Bell harmonisierten zuletzt sehr gut als Innenverteidiger. Startet das Duo auch am Samstag gegen Werder Bremen? Foto: Ekkie VeyhelmannBungert, der nach seinen Nackenproblemen, die sich der Kapitän im Auswärtsspiel in Hoffenheim in einem Luftduell zugezogen hatte, wegen Trainingsrückstandes gegen die Augsburger nur auf der Bank saß, drängt ebenso ins Team, wie Balogun, der seine Verletzung überwunden hat und seit geraumer Zeit wieder komplett trainiert. „Wenn er es in den Kader schafft, könnte er spielen“, sagt Schmidt. „Aber es in den Kader zu schaffen, ist derzeit schwierig. Durch einen wiedererstarkten Bungert, der sehr gut in die Rückrunde gekommen ist und wieder fit ist sowie Ramalho, der dahinten spielen kann und gut spielt , ist die Situation eine neue. Bello, Niko und André, da haben wir drei Spieler, die in Form sind. Da wird es eng um die Plätze.“ Ein Opfer dieses gewaltigen Konkurrenzdruckes ist Hack, der sich vor der Winterpause mit guten Leistungen festgespielt zu haben schien. Der 23-Jährige musste zuletzt häufiger in der U23 aushelfen. „Für ihn sind diese Spiele wichtig“, erklärt der Coach, der in einigen der vier Begegnungen des neuen Jahres gar keinen Innenverteidiger auf der Bank hatte. „Weil wir mit André einen auf dem Platz hatten als Sechser, der beides spielen kann. Das ist gut, wenn du solch komplexe Spieler hast, dann kannst du vier Offensive mit in den Kader nehmen. Auch Jean-Philippe Gbamin könnte hinten spielen. Ich kann im Moment mit drei Sechsern ins Spiel gehen, von denen zwei faktisch Innenverteidiger spielen können. Dadurch kann die Bank anders zusammengebaut werden“, beschreibt der 49-Jährige die Lage. Wobei Balogun beispielsweise auch als rechter Verteidiger in den Konkurrenzkampf eingreifen könnte.

Schmidt verneint unterdessen, dass die Misstöne im Trainingslager in Marbella dazu geführt haben, dass Alexander Hack derzeit hinten anstehen muss. Der Abwehrspieler hatte sich im Training und vor allem im Testspiel gegen ADO Den Haag etwas zu leichtsinnig präsentiert und die entsprechenden Anregungen zur Korrektur wohl nicht richtig angenommen. Schmidt hatte den Profi eingewechselt und kurze Zeit wieder vom Platz genommen. „Die Geschichte ist schon lange vorbei. Hack hat die weiteren Testspiele absolviert, als er fit war. Momentan ist es wirklich so, dass Niko, der so lange nicht stabil geworden ist, zurück ist und wir hinten gut bestückt sind. André macht das ebenfalls gut. Er gibt uns was Zusätzliches dahinten drin. Er hat ein gutes Auge. Er hat ein anderes Zweikampfverhalten, was uns sehr gut tut. Auch im Spielaufbau ist er gut. Er ist beidfüßig, hat sowohl den Diagonalball als auch den Flachpass drauf.“

Ausgeliehen mit Kaufoption

Der Brasilianer fällt bei allem Engagement halt immer wieder mit ein paar eingestreuten Szenen auf, die unter seinem Niveau liegen. „Er hatte so lange nicht hinten gespielt. Er ist ein Spieler, der frisch und absolut fit sein muss, sonst macht er Fehler“, sagt Schmidt. „Wir sind mit seiner Leistung soweit zufrieden. Im Zentrum fehlte ihm in dem einen oder anderen Spiel etwas die Handlungsschnelligkeit. Mittlerweile wird er von Woche zu Woche besser. Wenn er diese Spitzen und Schwankungen hin und wieder nicht hätte, wäre wohl Bayer Leverkusen auch nicht bereit gewesen, ihn abzugeben.“ Ramalho, der am Donnerstag seinen 25. Geburtstag feiert, ist bis Saisonende ausgeliehen. Die 05er haben eine Kaufoption.

Am Wochenende waren es Hack und Torhüter Florian Müller, die zur U23 abkommandiert waren und die Mannschaft von Sandro Schwarz beim 2:1-Sieg in Osnabrück unterstützten im Abstiegskampf. „Ich habe mich riesig über den Sieg gefreut“, sagt der Trainer der Profis, der auch in den kommenden Wochen das Nachwuchsteam personell unterstützen wird. So auch am Freitagabend im Heimspiel gegen Spitzenreiter MSV Duisburg. Doch Schmidt will die Anzahl der Spieler, die zur U23 gehen, gering halten. „Nur was sinnvoll ist“, sagt er. „Es ist sicherlich sinnvoll, Spieler wie Hack, wie Suat Serdar, wie Marin Sverko oder Gerrit Holtmann da hin und wieder spielen zu lassen, um ihnen Spielpraxis zu geben und die Mannschaft im Abstiegskampf zu unterstützen, indem die eine oder andere Position vielleicht qualitativ höher besetzt wird. Das ist schon ein Ziel, aber es wird nicht so sein, dass diejenigen, die oben nicht spielen, dazu stoßen.“

Denn die Erfahrung zeigt, dass zu viel Profi-Unterstützung auch negativ wirken kann. Das weiß Schmidt selbst am besten aus seiner Zeit als Coach der U23. „Ich habe damals Statistiken geführt und daraus gelernt, dass wir die meisten Punkte geholt haben, wenn zwei bis drei Spieler maximal runterkamen. Wenn es vier bis fünf waren, haben wir weniger gepunktet. Du kannst schnell auch zu viel stückeln und Automatismen aufbrechen.“  Schwarz braucht einen eingespielten und mental auf die Situation eingestellten Kader. „Die Spieler, die runter gehen, sind nicht im Abstiegskampf. Da musst du sensibilisiert sein. Deshalb sind Leute wie Florian Müller oder Aaron Seydel, die sich noch in der U23-Kabine umziehen, die noch mit dem Team leben die ganze Woche über, viel mehr drin in der Thematik. Die Spieler, die dort zum Einsatz kommen, müssen emotional gebunden sein für den Abstiegskampf. Nur dann bringt es was“, erklärt der Trainer. „Wir wollen mit aller Macht, dass die Mannschaft drin bleibt. Weil wir den Drittligafußball für die Förderung unserer Talente brauchen. Die Mannschaft ist jetzt nicht mehr so weit weg und muss jetzt am besten nachlegen. Die Saison geht noch lang. Da ist noch alles möglich.“

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