Ausgewogen in die Englische Woche

Jörg Schneider. Mainz.
Die Vorbereitung strebt so langsam ihrem Höhepunkt entgegen. Noch zwei Arbeitswochen hat der FSV Mainz 05 nach der Rückkehr aus dem Trainingslager zur Verfügung bis zum ersten Pflichtspiel, der Partie im DFB-Pokal bei Energie Cottbus. Um den Ernstfall zu simulieren, hat sich der Klub selbst eine Englische Woche verordnet: Am Mittwoch kommt Lazio Rom zum Testspiel ins alte Stadion, am Samstag folgt der Abschluss der Testspielserie auf der Insel beim Zweitligisten Rotherham United. Unterdessen hat Neuzugang Henrique Sereno seine erste komplette Trainingseinheit mit den 05ern absolviert.

Erste Zweikämpfe am Bruchweg: Neuzugang Henrique Sereno (Mitte) hatte keine Anpassungsprobleme. Foto: Jörg Schneider Am Bruchweg beginnt so langsam der Countdown für den Saisonstart. Am Vormittag stand für den Kader die erste richtige Trainingseinheit nach der Rückkehr aus dem Trainingslager auf dem Programm. Und Martin Schmidt simuliert mit den Profis des FSV Mainz 05 schon mal den Ernstfall. Englische Woche für den Bundesligisten mit dem Testspiel am Mittwochabend im Bruchwegstadion (19.30 Uhr) gegen das italienische Top-Team von Lazio Rom. Am Freitag geht‘s dann mit dem Flieger nach England, wo am Samstag der Abschlusstest beim Zweitligisten Rotherham United auf dem Plan steht. Vom gesamten Ablauf her behandeln die 05er diese Partie wie ein Auswärtsspiel. Das steht dann eine Woche später an mit der ersten Runde im DFB-Pokal bei Energie Cottbus.

Personell kann der 05-Trainer auch bald wieder aus dem Vollen schöpfen. Florian Niederlechner, der am Genfer See wegen Beschwerden im Leistenbereich am Ende der Trainingstage pausieren musste, ist ab heute Nachmittag wieder mit dabei. Niko Bungert hat bereits wieder Lauftraining absolviert nach seiner Wadenzerrung und soll im Laufe der Woche ganz in die Thematik einsteigen. „Der Plan für ihn ist, dass er In England spielt“, sagt Schmidt. Für das Lazio-Spiel ist der Innenverteidiger noch kein Thema.

Das gilt auch für den jüngsten Neuzugang. Henrique Sereno hat heute sein erstes Mannschaftstraining in Mainz bestritten und einen guten Eindruck hinterlassen. Unaufgeregt und mit sichtbarer Routine fügte sich der 30-jährige Portugiese problemlos ein in die Gruppe, muss allerdings noch ein paar Fitness-Rückstände aufholen gegenüber den Kollegen. „Wir haben vom Anforderungsprofil genau so einen gesucht wie ihn“, betont der 05-Trainer. „Ein bisschen älter. Wir wollten keinen Nachwuchsspieler, sondern einen Herausforderer für  die zwei etablierten Innenverteidiger. Damit wir, wenn es dazu kommt und wir ihn brauchen, er die nötige Ernsthaftigkeit und Erfahrung auf internationalem Niveau einbringen kann.“

Für die Spät-Einsteiger Pierre Bengtsson (links) und Ja-Cheol Koo stand am Wochenende Zusatz-Training auf dem Programm. Foto: Jörg Schneider

Sereno habe viele Erstligaspiele in mehreren europäischen Ländern bestritten. „Da musst du keine Angst haben, den kannst du mal reinwerfen“, sagt Schmidt. Was den Neuzugang ausmacht? „Henrique ist sehr schnell. Ein sprung- und schnellkräftiger Innenverteidiger. Er kann auch außen spielen. Er ist ruhig am Ball, sicher im taktischen Verhalten, sichert immer ab, ist gut in den Räumen. Das ist ein kompletter Innenverteidiger, der uns vom seinem Profil her ergänzt.“

Der vierte Innenverteidiger, mit dem die Mainzer die Saison angehen wollen, wird nun doch aus dem Nachwuchsbereich kommen und soll Erfahrungen sammeln im Profitraining. Weil die 05er ihren Kader nicht weiter vergrößern wollen, könnte dies gegen Gonzalo Jara sprechen, der im Moment ebenfalls als Back-up fürs Zentrum oder Außen geführt wird. „Jara hat hier Vertrag“, stellt Schmidt klar. „ Angebote sind keine da, deshalb nehmen wir den ganz klar als Spieler, der dazugehört.“ Doch der Trainer schränkt auch ein. „Dann werden wir im Zuge der nächsten Wochen sehen, wie das weitergeht. Denn, dass wir hinten jetzt einen zu viel haben, ist auch klar.“

Der Schweizer ist insgesamt zufrieden mit den Fortschritten seiner Mannschaft nach dem Trainingslager. Auch das Dienstagtraining zeigte, dass die Profis bei entsprechender Konzentration auf einem beachtlichen Level arbeiten. „Das Training sieht sehr homogen aus, auf einem guten ausgeglichenen Niveau. Was jetzt im Moment noch fehlt, sind die Ausreißer nach oben. Die drei, vier Spieler, von denen man schon sagen kann, die erschießen gerade alles oder gewinnen jeden Zweikampf. Das sieht gefällig aus. Aber so ein paar Aktionen, wie Yoshi Muto sie heute hatte, die fehlen etwas.“

Ein Großteil des Teams sei jetzt nach den Strapazen von Evian müder als vor zwei Wochen. „Da steckt es nun so richtig in den Knochen. Das muss jetzt etwas raus. Die Trainingseinheiten werden jetzt nicht mehr so lang und so hart sein. Jetzt wird es spielnaher und schneller“, erklärt der Coach.  

Bei einigen Leistungsträgern wie Ja-Cheol Koo, Yunus Malli, Pierre Bengtsson oder Joo-Ho Park könne man den Rückstand erkennen, bedingt durch das spätere Einsteigen in die Vorbereitung. „Denen fehlen noch Inhalte, denen fehlt noch Ballzeit.“ Gerade dieses Quartett fahre derzeit noch ein höheres Programm als der Rest. „Die hatten am Sonntag und am Montag Zusatz-Training. Wir werden sie nebenher näher ran führen.“ Mit dabei in dieser Woche ist schon wie im Trainingslager Lucas Höler, der Dreifach-Torschütze vom 4:0-Auftaktsieg des Mainzer Drittligateams bei Holstein Kiel. „Es war geplant, dass er in der Vorbereitung zu uns kommt. Im Moment brauchen wir ihn sowieso, da uns mit Pablo De Blasis und Niederlechner die Neuner fehlen“, erklärt der Coach. „Aber es fällt auf, dass Lucas auch hier im Training Tore schießt. Er ist beim Geläuf. Man soll junge Spieler nicht bremsen, wenn sie gut drauf sind.“

Am heutigen Nachmittag kriegen die 05er Besuch von Dr. Jochen Drees. Der DFB-Schiedsrichter hält am Bruchweg die vor einer Saison obligatorische Regelschulung ab. „Ich bin mal gespannt, was es wieder Neues gibt“, sagt Schmidt.