Auswärts ein anderes Gesicht zeigen

Jörg Schneider. Mainz.
Nach 21 Spieltagen belegt der FSV Mainz 05 mit 25 Punkten Platz zwölf in der Bundesliga. Für Martin Schmidt ist diese Platzierung trotz des bitteren Rückschlages im Heimspiel gegen Werder Bremen noch immer eine realistische und halbwegs normale Situation in dieser komplizierten Saison. „Die 25 Zähler sind eine gute Vorlage, aber dass wir noch zwölf bis 15 Punkte brauchen, das wissen wir. Um das wird es jetzt gehen“, sagt der Trainer zum Auftakt der Trainingswoche. „Wir befinden uns immer noch im Bereich unseres Minimalziels. Trotzdem müssen wir konstanter werden, stabiler in allen Bereichen und auswärts ein anderes Gesicht zeigen.“

Gespräch zwischen Trainer und Spielerrat nach dem Trainingsauftakt bei Mainz 05 am Dienstag. Foto: Jörg SchneiderDer Bundesliga-Kader des FSV Mainz 05 ist am Dienstagmorgen in die neue Trainingswoche gestartet. Der Trainer berichtete anschließend in der üblichen Medienrunde am Bruchweg, dass die Stimmung ein paar Tage nach der bitteren 0:2-Niederlage im Heimspiel gegen den Tabellen-Drittletzten Werder Bremen wieder ganz in Ordnung sei. „Trotzdem sind alle noch etwas nachdenklich. Jeder weiß, dass er jetzt gefordert ist“, sagt Martin Schmidt. Über die Mängel, besonders über die der ersten Halbzeit, ist ausgiebig geredet geworden, die Analyse ist abgeschlossen. Ab sofort sind alle Bemühungen auf das Auswärtsspiel am Fastnachtssamstag gerichtet. „Die Köpfe sind gelüftet, jetzt geht‘s auf Bayer Leverkusen los. Als Fußballer musst die Niederlagen schnell wegstecken können und im Tagesgeschäft fokussiert bleiben. Nicht zu viel Frust und Niedergeschlagenheit mitnehmen in die neue Woche. Kopf hoch, Körperspannung, Positivität rein, sonst verplemperst du schon die ersten zwei Trainingstage, die du unbedingt brauchst.“ Das Thema lautet zielgerichtet arbeiten, an den Mängeln arbeiten und neu ausrichten. Schmidt betont, dass die Reaktion der Mannschaft in der zweiten Halbzeit dafür wichtig gewesen sei. Eine klare Steigerung in allen Mannschaftsbereichen, auch wenn der Tag insgesamt gebraucht war.

Zielgerichtet sei allerdings auch schon die Vorbereitung auf die Bremen-Partie gewesen. Doch alle Hinweise seitens der sportlichen Leitung auf die Stärke des Gegners, auf das, was dagegen zu tun gewesen wäre und wie groß die eigene Chance hätte sein können, wurden jedoch offenbar von den Profis erst einmal auf die leichte Schulter genommen. Als dann ein billiger Zuordnungsfehler zum Rückstand, ein Sonntags-Freistoß zum 0:2 führte, war die Sache für diesen Tag gelaufen. „Das sind so Spiele, in denen du nachher als Trainer denkst, habt ihr meine Zeichen, meine Ansprache, meine Vorbereitung nicht ernstgenommen“, sagt Schmidt, der diesen Punkt noch immer nicht ganz versteht. „Nach dem Abschlusstraining hätten wir alle drauf gewettet, dass wir das Spiel gewinnen. Denn das Abschlusstraining war das Beste im Jahr bisher. Unheimlich aggressiv, willig, total motiviert. Da haben wir gedacht, morgen wird‘s knallen.“ Geknallt hat’s dann ja. Nur, der Schuss ging nach hinten los. Das wolle man Team intern nicht auf sich sitzen lassen und nicht noch einmal in dieser Form erleben. „Die Mannschaft ist jetzt schon überzeugt davon, dass es am Samstag ein anderes Spiel wird, dass sie sich anders präsentiert. Diese Überzeugung muss in Leverkusen rein in unser Spiel.“

Noch zwölf bis 15 Punkte

25 Punkte, Platz zwölf lautet die aktuelle Tabellensituation. Sechs Zähler beträgt der Vorsprung auf die Gefahrenzone. Die Lage ist noch nicht dramatisch, doch wie bewertet der Coach das aktuelle Bild? „Die Frage kannst du auch Schalke, Gladbach, Wolfsburg oder Augsburg stellen. Ob 26 Punkte oder 22, da ist keiner zufrieden. Jeder von denen sagt, ich hätte gerne 34. Für Mainz 05 ist ein Platz zwischen acht und zwölf realistisch. Das muss für uns immer realistisch sein. In einem guten Jahr hast du einen einstelligen Tabellenplatz, in einem Jahr, in dem es schwieriger und kompliziert wird, hast du einen zwölften oder 13. Platz. Das ist der Stand der Dinge. Dort versuchen wir uns jetzt festzukrallen. Das ist immer noch realistisch und gehört zu Mainz 05 in dieser Saison“, sagt der 49-Jährige. In einer Spielzeit, in der wichtige Spieler ersetzt, neue Spieler weiterentwickelt werden mussten und müssen. „In einem Spitzenjahr wie dem vergangenen landest du dann mal auf dem sechsten Platz, aber es ist auch durchaus möglich, dass du auf dem 13. landest. Das empfinde ich für Mainz 05 immer noch nicht als Beinbruch.“

Das übergeordnete Ziel bleibe immer, den Klassenverbleib zu sichern. Wenn mal alles optimal laufe, könne man nach vorne auf den einstelligen Platz schielen. „Im Moment sind die 25 Punkte noch im Soll. Wir hätten natürlich die drei Punkte von Bremen gerne dazu genommen, aber Bundesliga ist ein hartes Geschäft. Man sieht, wie die Teams unten aufspielen. Man sieht im Moment keinen Absteiger spielen. Ich sehe uns in den Spielen gegen Augsburg, Köln, Dortmund oder auch zweite Halbzeit gegen Bremen auch nicht als Absteiger. Aber da müssen wir uns fragen, wer steigt denn am Ende ab? Es ist eine unheimlich komplizierte Saison. Deshalb müssen wir den Kampf annehmen“, erklärt der Schweizer. „Wenn’s am Schluss ein zwölfter Platz wird in einem Jahr mit Euroliga, mit wichtigen Spielern, die wir ersetzen mussten, dann ist es solide, auch wenn wir uns einstellig gewünscht hätten. Doch dafür müssen wir kämpfen. Die 25 Zähler sind eine gute Vorlage, aber dass wir noch zwölf bis 15 Punkte brauchen, das wissen wir. Um das wird es jetzt gehen.“

Wohin die Reise der Mainzer geht, wird sich in den nächsten fünf Begegnungen herausstellen. Leverkusen, dann zu Hause Wolfsburg, auswärts in Darmstadt, Heimspiel gegen Schalke 04 und auswärts in Ingolstadt. „Dann wissen wir mehr“, sagt der 05-Trainer. „Wir müssen nicht träumen, sondern realistisch bleiben. Das Ziel ist weiterhin, dass wir uns zwischen acht und zwölf festkrallen. Wir geraten nicht in Hektik, trauern nicht den Dingen nach, aber wir erkennen die Zeichen in der Liga.“ Gladbach, Schalke und Wolfsburg, so der Coach, hätten sich das ebenfalls einfacher vorgestellt, weiter nach vorne zu kommen. „Aber es ist nicht einfach. Wir müssen die richtigen Spiele gewinnen. Darum geht’s. Ich empfinde die Situation immer noch als Normalität für Mainz 05. Die Erwartungshaltung an uns ist natürlich immer höher. Das muss auch so sein, denn man will von seinem Verein immer das Bestmögliche. Wir befinden uns jedoch immer noch im Bereich unseres Minimalziels. Trotzdem müssen wir konstanter werden, stabiler in allen Bereichen.“

Man könne in dieser Liga nicht davon ausgehen, dass man alle wichtigen Spie in der Saison gewinne, aber man werde weiterhin intensiv daran arbeiten. Genauso wie an der gravierenden Auswärtsschwäche. In der Auswärtstabelle stehen die 05er mit ihren sieben Punkten auf dem vorletzten Platz der Liga. Punktgleich übrigens mit dem ambitionierten FC Schalke 04. Die Gladbacher sind einen Zähler besser. Nur die Darmstädter, die noch keinen Punkt aus fremden Stadien entführt haben, sind schlechter. „Ganz klar“, sagt Schmidt, „wir müssen auswärts dringend zulegen, ein anderes Gesicht zeigen. Es geht jetzt darum, wirklich auswärts mehr zu punkten. Vor allem weil wichtige Auswärtsspiele kommen in Darmstadt, Ingolstadt oder Hamburg. Deshalb müssen wir uns dafür in Form bringen und schnellstmöglich damit beginnen, auswärts zu punkten.“ Ein gewonnener Zähler in Leverkusen wäre schon mal ein guter Anfang.   

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