„Beister steht noch zu viel auf der Bremse“

Jörg Schneider. Mainz.
Der Trainer des FSV Mainz 05 ist im Moment nicht sonderlich zufrieden mit der Entwicklung von Maximilian Beister. Nach dem ersten Training dieser Länderspielpause gab es von Martin Schmidt eine deutliche Ansage an den Flügelstürmer, der aufgrund seiner Fähigkeiten in der aktuellen Verletzungsmisere dringend gebraucht würde. Der aber nach überstandener Verletzung und gezieltem Aufbautraining derzeit offenbar Gefahr läuft, vom U23-Angreifer Julian Derstroff überholt zu werden.

Länderspielpause in der Bundesliga heißt immer auch neue Gelegenheit für Reservisten oder Spieler im Aufbautraining sich in den Vordergrund zu spielen und für weitere Aufgaben anzubieten. Beim FSV Mainz 05 ist in dieser Hinsicht vor allen Dingen Maximilian Beister gefordert. Martin Schmidt ist nicht ganz zufrieden mit der Entwicklung des Außenstürmers, der in der momentanen Verletzungsmisere aufgrund seiner Veranlagungen dringend gebraucht würde. Doch die Leistung des 25-Jährigen stagniert offenbar.

Maximilian Beister (hier im Duell mit Jhon Cordoba) kämpft um den Anschluss und läuft Gefahr, von Julian Derstroff (im Hintergrund) überholt zu werden. Foto: Jörg SchneiderSchon in der letzten Liga-Pause war Beister nach überstandener Verletzung und intensivem Aufbautraining auf dem Sprung in den Kader. Doch große Fortschritte hat der vom HSV nach Mainz gewechselte Profi in den vergangenen Wochen anscheinend nicht gemacht. Der 05-Trainer fordert den Flügelmann. Und zwar nicht nur im bevorstehenden Testspiel am Donnerstagnachmittag gegen den SV Sandhausen sich stärker einzubringen, auch in der täglichen Arbeit.

Nach dem Trainingsauftakt am Dienstagmorgen thematisierte der 05-Coach Beisters Comebackversuche in der kleinen Medienrunde. „Was ihm im Moment fehlt, ist in jedem Training bis ans Limit zu gehen, jedes Training auf hohem Niveau abzuwickeln. Er hat jetzt phasenweise Trainings, die gut sind. Das Testspiel vor ein paar Wochen gegen den FSV Frankfurt und sein U23-Einsatz waren ein kleiner Schritt“, sagt Schmidt. „Jetzt hat er den Körper, jetzt hat er die PS, jetzt muss er richtig draufdrücken. Und zwar in jeder Einheit. Er steht noch zu viel auf der Bremse. Das haben wir in den letzten Wochen gesehen.“

Eine ungewohnt deutliche Ansage des Trainers an einen seiner Profis. Doch Beister läuft offenbar Gefahr, auf seiner Position überholt zu werden. „Da kommt ein Julian Derstroff. Dieselbe Position, dasselbe Training, und der macht den Leon Balogun und den Daniel Brosinski in den Trainings-Spielen weg, schießt Tore, ist von Anfang an voll dabei, und der Maxi winkt ihn fast vorbei“, berichtet Schmidt. Beister müsse sich dagegenstemmen. „Das ist das, was ich von ihm fordere.“ Nach den vielen Verletzungen der Vergangenheit müsse der Profi wieder lernen, sich zu quälen und Stück für Stück ans Limit heranzutasten. „Das ist genau das, was dir abgeht, wenn du über ein, zwei Jahre verletzt warst. Du denkst, wenn du wieder kerngesund bist, dass alle auf dich warten“, sagt der 48-Jährige. „Er muss nicht Geduld haben, bis ich ihn reinstelle, er muss härter an sich und an seiner Situation arbeiten. Wir warten immer bis ein Spieler gesund ist. Wenn es dann so ist, erwarten wir, dass er liefert.“ Jetzt komme wieder ein Testspiel in dem Beister den nächsten Schritt machen müsse. „Ich hoffe, dass wir ihn demnächst wirklich auch mit Schärfe im Training und im Spiel haben. Wir sind geduldig, bis er merkt, um was es geht, aber Maximilian ist gefordert.“

Doch auch Derstroff, der als ganz junger Spieler bereits zwölf Bundesliga-Begegnungen für den 1. FC Kaiserslautern absolvierte, arbeite derzeit an seinen Möglichkeiten, nach guten Leistungen im Drittligateam wieder ganz oben anzugreifen. Weil es dem 05-Spiel aktuell vor allen Dingen aufgrund des Fehlens von Christian Clemens an Tempo am Flügel mangele, habe der fünffache Torschütze der U23 die Perspektive, daran etwas zu ändern. „Der Junge war jetzt zwei Wochen bei uns im Training und hat klasse trainiert. Mit Toren, guten Eins-gegen-eins-Situationen, hohem Tempo. Der ist unheimlich schnell und hat eine brutale Schusstechnik“, sagt Schmidt, der den 23-Jährigen beim 2:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg schon auf die Bank gesetzt hatte. „Weil wir je nach Spielverlauf eventuell einen Linksfuß mit Tempo gebraucht hätten. Julian ist aber in erster Linie bei uns im Training, um zu lernen, wie man als Stürmer auch verteidigt. Er ist ein Spieler mit hohen Anlagen, aber im Spiel gegen den Ball muss er sich verbessern, dann hat er die Fähigkeit Bundesliga zu spielen“, sagt der 05-Trainer. „Er kann diese Chance nutzen.“   

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