Berggreen: Endlich wieder ein Fußballspieler

Jörg Schneider. Mainz.
Keine Generalprobe, aber ein echter Härtetest: Der FSV Mainz 05 hat sein siebtes und letztes Testspiel dieser Vorbereitung gewonnen. In der Partie über dreimal 45 Minuten schlug das Team von Sandro Schwarz den FC Twente Enschede mit 2:0 durch die Treffer von Niko Bungert und Daniel Brosinski. Emotionaler Höhepunkt der Begegnung am Bruchweg war der erste Kurz-Auftritt von Emil Berggreen nach fast zweijähriger Verletzung im 05-Trikot. „Jetzt bin ich endlich wieder ein Fußballspieler und nicht mehr länger ein Reha- oder Trainingsspieler“, sagte der Däne überglücklich und betonte, dass ein Klubwechsel für ihn kein Thema sei.

Emil Berggreen gab ein beachtliches Debüt in seinem ersten Auftritt im 05-Trikot. Der dänische Mittelstürmer war gleich mittendrin im Geschehen. Foto: Ekkie VeyhelmannEs war keine Generalprobe und auch nicht solche gedacht. Doch es war eine harte Prüfung, ein echter Härtetest eine Woche vor dem Auswärtsspiel in der ersten Runde im DFB-Pokal beim Nord-Regionalligisten Lüneburger SK. Der FSV Mainz 05 hat am Samstag das letzte Testspiel dieser Sommer-Vorbereitung gewonnen. Am Ende hochverdient und vielleicht etwas zu dünn gegen den holländischen Erstligisten FC Twente Enschede. 2:0 hieß es am Ende der dreimal 45 Minuten für das Team von Sandro Schwarz. Die Tore von Niko Bungert und Daniel Brosinski im dritten Abschnitt dieser intensiven Partie sicherten den fünften Sieg des Bundesligisten in der siebten Begegnung seines Vorbereitungs-Programms.

Diese 135 Minuten im Bruchwegstadion, die bekanntlich ohne Publikum über die Bühne gingen und in der alle derzeit gesunden Profis eine angemessene Spielzeit erhielten, schrieben eine ganze Menge Geschichten. Beispielsweise die von Gerrit Holtmann, der bereits nach 13 Minuten verletzt ausscheiden musste. Beim Abwehrversuch prallte der Linksverteidiger mit seinem Gegenspieler unglücklich zusammen, wurde hart am Oberschenkel getroffen. Das sah bedenklich aus. „Nichts Schlimmes“, sagte der 22-Jährige aber später. „Ein schmerzhafter Pferdekuss. Ich denke, in zwei, drei Tagen bin ich wieder dabei.“ Oder die Geschichte von Abdou Diallo, der zunächst für Holtmann auf der linken Seite verteidigte und dort ebenso wie später auf der Innenverteidiger-Position ein deutliches Ausrufezeichen setzte , seinem Trainer signalisierte, dass der französische Neuzugang nicht nur zentral ein Anwärter auf einen Stammplatzt sein kann, sondern auch als bärenstarker Außenverteidiger hoch veranlagt ist. Oder das Tor von Niko Bungert, das der Innenverteidiger im dritten Abschnitt erzielte. Der noch amtierende 05-Kapitän war bei seinem Comeback zur Stelle, erzielte das 1:0, nachdem Alexandru Maxim von links geflankt, Pablo De Blasis die Kugel verlängert und Abdou Diallo an die Latte geköpft hatte.

Doch die größte und emotionalste Geschichte dieser Partie schrieb Emil Berggreen. Der dänische Mittelstürmer absolvierte seine ersten 21 Spielminuten für die 05er nach dieser ewig langen Verletzungs- und Leidenszeit. Klar, dass Berggreen nachher im Mittelpunkt stand. Die Mitspieler klatschten den Kollegen der Reihe nach ab, Sandro Schwarz beglückwünschte und lobte den 22-Jährigen in der Kabine vor geschlossener Mannschaft. Der Spieler selbst strahlte vor Glückseligkeit. Denn es war nicht nur ein Kurzeinsatz auf dem Rasen, Berggreen zeigte in den wenigen Minuten auch sein Potenzial. Präsenz im Strafraum, breite Brust bei der Ballannahme, gute Verteilung, eine halbe Torchance, die der Enscheder Keeper am kurzen Pfosten vereitelte. Berggreen ist anspielbar, kann die Bälle behaupten und kann gut mit der Kugel umgehen. Das reicht als erster Eindruck nach fast zweijähriger Abstinenz.

Nur den möglichen  ersten Treffer für seinen Klub, den verweigerte ihm Daniel Brosinski. Berggreen machte Anstalten den Foulelfmeter ausführen zu wollen, doch Brosinski, zuvor nach einem Pass von De Blasis im Strafraum von den Beinen geholt, gelegt, kannte kein Pardon, vollstreckte den Elfmeter selbst zum 2:0-Endstand in der 121. Minute. „Ich bin natürlich glücklich und sehr zufrieden, endlich wieder auf dem Platz zu stehen nach fast zwei Jahren. Jetzt bin ich endlich wieder ein Fußballspieler und nicht mehr länger ein Reha- oder Trainingsspieler“, sagte der Däne nachher. „Ich habe mir keine Gedanken wegen der Verletzung gemacht, hatte keine Angst, war nicht nervös. Ich habe mich nur gefreut.“ Berggreen schob dann auch gleich einen Riegel vor alle Spekulationen um eine mögliche Ausleihe. „Das ist kein Thema“, sagte der 05-Profi. Er wolle in Mainz versuchen, den Anschluss ans Team zu finden. „Es ist sicher schwer, aber ich denke, es wird mit jedem Training besser. Ich fühle mich bereit dafür.“

Trainer Sandro Schwarz war hochzufrieden mit dem Härtetest. Nicht nur wegen des Debüts von Emil Berggreen, auch weil sein Team dem FC Twente keine Torchance ermöglichte. Foto: Ekkie VehelmannDer Trainer war ebenfalls zufrieden mit dem Einstand des bisherigen Sorgenkindes. „Einfach top. Das ist das schönste heute, dass Emil auf dem Platz stand und gute Aktionen hatte im Offensivspiel, in der Ballbehauptung und in der Box die eine oder andere gute Szene hatte. Das freut mich ungemein für ihn, wenn du zwei Jahre verletzt bist und noch nie das 05-Trikot anhattest, dann rundet dies heute den Tag ab“, erklärte Sandro Schwarz.

Der FC Twente Enschede war der optimale Prüfstein für die Mainzer. Die Holländer, eine Woche vor ihrem Saisonstart bei Feyenoord Rotterdam, überzeugten mit einem aggressiven Offensivpressing, schoben ihren Laden oft bis zur Mittellinie vor und machten den Mainzern das Leben schwer. Die 05er fanden dennoch in allen Formationen über drei Durchgänge Möglichkeiten, sich gegen den Druck durchzusetzen, fanden eine gute Spieleröffnung, kamen gefällig im eigenen ballbesitz mit Kombinationen über die Mittellinie. Doch vorne passierte bei aller Dominanz zu wenig. Twente ließ mit seiner gut strukturierten Abwehr und dem bestens eingespielten Defensivverbund über 90 Minuten lang so gut wie keine Torchance zu. Was allerdings auch daran lag, dass den Mainzern das klare Spiel in den Strafraum hinein meist abging, weil die Tiefenpässe nicht ankamen, die 05er sich immer wieder verzettelten vor dem gegnerischen Tor. Auf der anderen Seite muss man ganz klar als großes Plus herausheben, dass die starke 05-Defensive diesem Gegner 135 Minuten lang keine wirkliche Tormöglichkeit gestattete. Das dürfte im Endeffekt der wichtigste Aspekt dieses Härtetests gewesen sein.

„Es war ein sehr intensives Spiel mit hohem Tempo. Gerade in der Arbeit gegen den Ball fand ich uns heute sehr, sehr gut über 135 Minuten“, sagte der 05-Trainer.  „Wir haben sehr gutes Gegenpressing gespielt, waren sehr aktiv in der Vorwärtsverteidigung, hatten viele Balleroberungen. Wir haben viele Dinge sehr gut gemacht heute.“ Natürlich sei das Strafraumspiel ein echtes Manko gewesen, so Schwarz. „Der letzte und der vorletzte Pass, daran hat es heute noch gehapert in den entscheidenden Situationen. Gerade in den zweiten 45 Minuten, in denen wir drückend überlegen waren. Trotz allem in drei Durchgängen kein Gegentor, zwei Treffer noch geschossen, das Spiel gewonnen. Ich bin hoch zufrieden.“

Mainz 05 bis zur 65. Minute: Adler - Onisiwo, Balogun, Bell, Holtmann (21. Diallo) - Latza, Serdar - Jairo (46. Maxim), Quaison, Fischer – Kodro.

Mainz 05 ab der 65. Minute: Adler (91. Zentner) - Donati, Bell (91. Bungert), Diallo (114. Berggreen), Brosinski - Latza (91. Rodriguez), Serdar (77. Klement) - De Blasis, Maxim, Quaison (77. Öztunali) - Muto.

 

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