Bewährungsprobe für Bussmann

Jörg Schneider. Mainz.
Das Testspiel am Donnerstag im Bruchwegstadion gegen den SV Sandhausen dient etlichen Profis des FSV Mainz 05 als Bewährungsprobe und neue Gelegenheit, um sich näher an den Spielkader heranzuarbeiten. Einer der Kandidaten, die gegen den Zweitligisten unter besonderer Beobachtung stehen, ist Gaetan Bussmann. Der französische Linksverteidiger hat nach langer Anlaufzeit den Anschluss gefunden. „Wenn wir im Spiel die Fortschritte sehen, wird er demnächst auf dem Platz sein“, sagt Martin Schmidt.

Als dritter Innenverteidiger war Henrique Sereno im Sommer gekommen, als routinierter Ersatzmann für Niko Bungert und Stefan Bell in der Abwehr. Doch bislang war der 30-jährige Portugiese kein Faktor im Kader des Bundesligisten. Aufgrund von Trainingsrückstand und etlicher Verletzungen kam der Neuzugang lediglich auf zwei Testspiel-Einsätze. Jetzt hat der Abwehrspieler einen weiteren Rückschlag erlitten. Sereno musste sich einem operativen Eingriff im Adduktorenbereich unterziehen und fehlt weitere Wochen im Training des FSV Mainz 05.

Die Verletzungsmisere am Bruchweg zeigt dennoch deutliche Anzeichen von Verbesserung. Sereno und Elkin Soto sind aktuell die einzigen Profis, die noch ein gutes Stück vom Mannschaftstraining entfernt sind; immerhin teilten die die Kniespezialisten in Straubing, die den Kolumbianer nach seiner schweren Verletzung operierten, in der vergangenen Woche mit, dass dessen Reha schneller verlaufe als erwartet. Auch bei den übrigen Ausfällen der vergangenen Wochen geht es aufwärts. Fabian Frei absolviert sein Lauf- und Aufbautraining. Der Schweizer soll noch in diesem Monat wieder einsteigen. Christian Clemens nimmt in dieser Woche wieder die Arbeit mit dem Ball auf,  zunächst noch im Spezial-Training mit dem Reha-Coach. Stefan Bell, der wegen einer Magen-Darm-Erkrankung beim 2:0 gegen den VfL Wolfsburg gefehlt hatte, ist wieder fit und trainiert ab heute mit der Mannschaft. Ebenso Daniel Brosinski, der wegen seiner Zehen-Verletzung bis heute im Regenerations-Programm war.

Leon Balogun muss sich in dieser Woche noch aufs Reha-Training beschränken. Der Verteidiger ist in Abstimmung mit dem nigerianischen Verband nicht zu seiner Nationalmannschaft gereist. Balogun hatte sich gegen Wolfsburg eine Sprunggelenkverletzung zugezogen, wird am Bruchweg aufgebaut und soll bis zur Auswärtspartie in Köln wieder fit sein. Julian Baumgartlinger ist dagegen nach Alicante gefahren. Dort absolviert das österreichische Nationalteam ein Trainingslager und eine Team-Building-Maßnahme vor dem Länderspiel gegen die Schweiz. Der 05-Kapitän, zuletzt wegen Sprunggelenkproblemen nicht einsatzfähig, soll in Spanien leichte Trainingsarbeit verrichten.

Insgesamt sieben Spieler hat der Bundesligist in dieser Länderspielpause für internationale Einsätze abgestellt. Einer davon ist Pierre Bengtsson. Der schwedische Linksverteidiger, der in seiner Nationalmannschaft zuletzt zweimal nicht berücksichtigt worden war, hofft dabei zu sein, wenn es für die Schweden am Samstag und am kommenden Dienstag in den beiden Play-off-Spielen gegen Dänemark um die letzte Chance geht, das Ticket für die Euro 2016 in Frankreich zu lösen. Bengtsson bringt eine gute Form aus der Bundesliga mit und ein gestärktes Selbstbewusstsein, das nicht zuletzt daraus resultiert, dass sich der 05-Trainer auf den 27-Jährigen fürs Erste als Linksverteidiger Nummer eins festgelegt hat.

Gaetan Bussmann hat nach langer Anlaufzeit den Anschluss geschafft. Im Testspiel Donnerstag kriegt der Franzose die Gelegenheit, sich mit Leistung für den Bundesliga-Kader anzubieten. Foto: Mainz 05„Ich will Pierre Bengtsson jetzt stabilisieren“, sagt Martin Schmidt. „Er hat seine Sache in den vergangenen Begegnungen gegen den Ball und defensiv sehr gut gemacht. Sein Offensivspiel und die Pässe nach vorn kommen auch wieder besser, wenn er Ruhe und Selbstbewusstsein kriegt.“ Bengtsson sei ein Spieler, der das Vertrauen brauche. „Er hat zweimal in der Nationalmannschaft nicht gespielt, da war er anschließend geknickt. Die letzten beiden Partien bei uns haben ihm gut getan, auch dass er nach dem Platzverweis im Pokalspiel sofort wieder in der Liga spielen durfte, wir weiter auf ihn gebaut haben, bringt ihn voran.“

Den erhofften Sprung nach vorne hat mittlerweile anscheinend auch Gaetan Bussmann gemacht. Der Franzose, der bislang kein ernsthafter Kandidat für die Besetzung der linken Abwehrseite war, soll am Donnerstag, im Testspiel am Bruchweg gegen den Zweitligisten SV Sandhausen (15 Uhr) seinen aktuellen Leistungsstand als Linksverteidiger demonstrieren. „Gaetan ist jetzt langsam soweit“, sagt der 05-Trainer. „Er braucht jetzt nur etwas Matchglück. Wenn mit Bengtsson etwas passiert wäre, hätte er gegen Wolfsburg schon einen Einsatz bekommen.“

Bussmann, der vom französischen Zweitligisten FC Metz im Sommer nach Mainz gekommen war, musste beim Bundesligisten zunächst vieles aufholen und hatte es schon alleine von seinem Naturell her nicht leicht Fuß zu fassen. Der 24-Jährige Athlet ist keiner, der lautstark und selbstbewusst in den Vordergrund drängt. „Er ist still und zurückhaltend. Auch in der Kabine“, erklärt der 05-Trainer. „Er kommt nicht rein und jeder sagt, aha, der Bussmann ist da. Den musst du suchen. Er muss sich über Leistung beweisen.“ Dazu kamen Sprachprobleme. Im 05-Kader wird überwiegend auf Deutsch und Englisch kommuniziert. Mit beiden Sprachen tut sich der Franzose schwer. „Das Problem ist auch, dass bei uns außer mir keiner ein Wort französisch spricht“, betont Schmidt.

Doch Bussmann hat die Eingewöhnung an die neue Umgebung inzwischen geschafft, auch wenn dies länger dauerte als erwartet. „Gaetan trainiert seit einigen Wochen wirklich stark“, sagt sein Trainer. „Er hat es schwer gehabt mit der Anpassung und im Training. Irgendwann war er im Training förmlich verschwunden. Seine Leistungen waren sehr fehlerhaft, aber jetzt kommt er.“ Das 1,84 Meter lange Kraftpaket zeigt sich in den Einheiten zweikampfstark, physisch und läuferisch stark. Was ihm noch etwas fehle, sei das taktische Verständnis. „Er hat noch das mann-orientierte Verteidigen drin. Das muss raus, weil wir doch sehr viel im Raum arbeiten. Gaetan wird gegen Sandhausen die nächste Bewährungsprobe haben. Wenn wir da die Fortschritte sehen, wird er demnächst auf dem Platz sein. Ich habe bei seiner Verpflichtung gesagt, er braucht wahrscheinlich ein halbes Jahr und habe gehofft, dass es schneller geht“, so Schmidt. Doch Bussmann habe diese Vorrunde benötigt, um den Anschluss zu schaffen. „Er versteht das. Er weiß um seine Schwächen und arbeitet intensiv daran.“

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