Binnen viereinhalb Jahren eine halbe Million Euro

Irmela Heß. Mainz.
Es gibt ein Leben neben dem Sport – auch beim 1. FSV Mainz 05. Sogar ein sehr abwechslungsreiches. Wenige, aber dafür umso engagierter arbeitende Mitarbeiterinnen des Vereins organisieren unterstützt von ehrenamtlichen Helfern jede Menge Aktionen, für Menschen jeden Alters, egal, ob sie Fußballfan sind oder nicht. Die nullfünfMixedZone stellt hier in loser Folge die soziale Arbeit von Mainz 05 vor: vom „05er Kids-Club“ über die „05er Youngsters“ bis zu den „05er Classics“, das „05er Klassenzimmer“ und den eigenen Verein „Mainz 05 hilft“. Das Ganze nennt sich übrigens Corporate Social Responsibility (CSR), das heißt, ein Unternehmen kümmert sich auf freiwilliger Basis auch um soziale und Umweltbelange.

Mainz 05 hilft e.V. - wir kümmern uns!

Altersgruppe: übergreifend
Gegründet: 2010
Mitgliederzahl: rund 130
Aktionen: unterschiedlich, aber häufig
Mitgliedsbeitrag: 105 Euro/Jahr

Kontakt:
Mainz 05 hilft e. V.,
Isaac-Fulda-Allee 5, 55124 Mainz,
06131 – 375500 oder 3755041, 
info@mainz05hilft.de

Wer weithin bekannt ist als funktionierendes Unternehmen, der wird häufig um Hilfe gebeten. Aber nicht immer macht es die Unternehmensform möglich, zum Beispiel durch eine Geldspende gezielt zu helfen. Der FSV Mainz 05 gründete deshalb im Sommer 2010 eine eigene Hilfsorganisation: den Verein „Mainz 05 hilft e.V.“. Sein Ziel: Spenden sammeln und damit hilfsbedürftige Menschen und karitative Einrichtungen unterstützen.

Vorsitzender von „Mainz 05 hilft“ ist 05-Präsident Harald Strutz, Geschäftsführer ist Dag Heydecker, Leiter der 05-Abteilung Marketing und Vertrieb. Seine Mitarbeiterin aus dem Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) Stefanie Reuter fungiert als Projektleiterin. Sie arbeitet mit acht ehrenamtlich Engagierten zusammen. „Wir haben wirklich ein tolles Team“, sagt sie und verweist darauf, dass so jeder gesammelte Euro zu 100 Prozent an Bedürftige weiter gegeben werden kann. Das waren seit Gründung von „Mainz 05 hilft“ immerhin rund eine halbe Million Euro, mit der an über 100 verschiedenen Stellen geholfen wurde.

Wo das Geld her kam und kommt? Da sind zum einen die Beiträge der rund 140 Mitglieder (jedes zahlt 105 Euro pro Jahr), zum anderen gibt es sogenannte Förderpartner, die jeweils 10.000 Euro pro Jahr oder eine entsprechende Sachleistung geben. Etliche Euro kommen auch von privaten Spendern, die zum Beispiel an runden Geburtstagen Geld statt Geschenke gesammelt oder eigene Spendenaktionen initiiert haben. Zusätzlich werden durch verschiedene Veranstaltungen wie Benefizkonzerte Spenden gesammelt.

42.000 Euro im siebten Spiel der Herzen

Und dann gibt es ja auch noch das jährliche „Spiel der Herzen“: Seit 2008 werden – meist am letzten Heimspieltag der Hinrunde – im Stadion blinkende 05-Pins für mindestens zwei Euro verkauft, von freiwilligen Helfern aus dem Verein und der Fanszene. Das Fazit kann sich sehen lassen: Über 200.000 Euro wurden bei den ersten sechs Spielen der Herzen gesammelt und an 14 bedürftige Organisationen aus Mainz und Umgebung verteilt. 2014 fand die Charity-Aktion bereits zum siebten Mal statt - zugunsten dreier Projekte gemeinnütziger karitativer Vereine aus der Region. Und die 05er stellten mit ihren Fans einen Rekord auf: 42.000 Euro kamen zusammen, die zu gleichen Teilen an den Mainzer Flüchtlingsrat, die Initiative kids ahead e. V. sowie die psychosoziale Beratungsstelle der evangelischen Wohnungslosenhilfe Mainz gehen.

„Absolut eindrucksvoll, wie unsere Fans und Partner sowie unsere Mannschaft ihre Solidarität gezeigt haben für diejenigen, die am Rande der Gesellschaft stehen und es nicht so gut haben wie viele von uns“, sagte 05-Präsident Harald Strutz.

Behrouz Asadi vom Mainzer Flüchtlingsrat lobte „ein eindrucksvolles Zeichen der Solidarität und Nächstenliebe. Wir sind ergriffen von der immensen Spendenbereitschaft und freuen uns sehr, dass wir dank der großzügigen Gaben nun insbesondere den Kindern unter den Flüchtlingen hier in Mainz durch die Schaffung eines neuen Spielplatzes einen Ort geben können, in dem sie sich vom Erlebten ablenken und es verarbeiten können.“

Daniel Klein von der gemeinnützigen Einrichtung „kids ahead e. V.“ der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Mainz sagte: „Klasse, dass wir dank der Fans und Freunde der 05er nun unser Klettergarten-Projekt umsetzen und unseren Therapie-Möglichkeiten nun eine weitere, sehr wirkungsvolle Methode hinzufügen können.“

Die evangelische Wohnungslosenhilfe Mainz kann sich dank der Spende neues Mobiliar im Aufenthaltsraum in der Beratungsstelle in der Wallstraße und neues Material für die Hobbygruppen leisten. „Es ist wunderbar zu sehen, wie viel Herzenswärme auch im Winter in Mainz zugegen ist“, sagte Tanja Scherer, Bereichsleiterin der psychosozialen Beratungsstelle.

Fünf bis sechs Anfragen im Monat

2000 Euro gingen im September an den Kinderschutzbund Bad Kreuznach. Foto: FSV Mainz 05.Wer ansonsten Geld von „Mainz 05 hilft“ bekommt, wird alle paar Wochen entschieden. Dann treffen sich die Verantwortlichen des Funktionsteams, um Anfragen zu beantworten, Anträge zu prüfen, Aktionen zu planen, und die Verwendung der gespendeten Gelder zu begleiten, aber auch um zu entscheiden, wer denn jetzt Hilfe am dringendsten benötigt. Bitten und Anfragen gibt es genug: monatlich fünf bis sechs, schätzt Stefanie Reuter. Mit steigender Tendenz.

Im Gründungsjahr gab es 18 Bedürftigkeitsanfragen von einzelnen Personen, von karitativen Organisationen, von Kitas, Schulen, sozialen Initiativen. 2012 waren es bereits 117, in 2013 gingen die Anfragen zurück auf 66, 2014 werden es wieder mehr sein – bis zum 1. Juli waren es bereits 45. 
Doch ganz so einfach ist es nicht, das Geld weiter zu geben. Der Verein hat sich strenge Regularien gesetzt, die eingehalten werden müssen. Zum Beispiel müssen die Spenden projektbezogen verwendet werden. 

Regelmäßig unterstützt „Mainz 05 hilft“ zum Beispiel den Verein „Armut und Gesundheit“, der auf der Mainzer Zitadelle eine medizinische Ambulanz eingerichtet hat, in dem sich Menschen ohne festen Wohnsitz (und ohne Krankenversicherung) behandeln lassen können. „Wir geben eine feste Summe im Jahr für nötige Medikamente“, erklärt Stefanie Reuter. Unterstützt werden unter auch Lesekurse und Sportförderunterricht in einer Mainzer Grundschule, oder es werden Lehrmaterialien bezahlt, die ehrenamtliche Lehrkräfte für Deutschunterricht nutzen können.

Aktiv für „Mainz 05 hilft“ sind auch die Bundesliga-Fußballer. Die Mannschaft spendet nicht nur regelmäßig Geld, sondern einzelne Spieler machen auch bei Aktionen mit. Und noch ein bekannter Mainzer zeigt Einsatz: Der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann wirbt als Schirmherr für die gute Sache.