Bundesliga gegen Bundesliga

Jörg Schneider. Mainz.
Mit der Unterstützung von rund 4500 Anhängern stellt sich der FSV Mainz 05 am Samstag der Aufgabe beim FC Bayern München. Was das Team in der Allianz Arena erwarten könnte, darüber ist in den vergangenen Tagen viel diskutiert worden. „Es ist aber erst einmal so, dass Mainz 05 eine Bundesligamannschaft ist, die gegen eine andere Bundesligamannschaft spielt in einem von noch fünf ausstehenden Spielen und dies sicherlich nicht von vorneherein abschenkt. Wir werden ganz sicher nicht sagen, wir fahren nach München und konzentrieren uns schon auf das Heimspiel nächste Woche gegen Gladbach. Das ist doch klar. Wir machen uns nicht kleiner als wir sind. Wir sind alle ehrgeizig. Sportler möchten Spiele gewinnen und gute Ergebnisse erzielen“, sagt der 05-Sportdirektor.

Das leichteste Spiel der Saison. Oder das schwerste überhaupt. Es lässt sich treffend darüber diskutieren, was den FSV Mainz 05 am Samstag im Auswärtsspiel beim FC Bayern München erwarten könnte. Unter Umständen ein Gegner, der nach dem Aus in der Champions League mit den Gedanken schon mehr beim Pokal-Halbfinale nächste Woche gegen Borussia Dortmund ist. Vielleicht eine Mannschaft, die angesichts der 120 intensivsten Minuten bei Real Madrid und der Verletzungslage im Team nicht die gewohnte Wucht auf den Platz bringt und auch mental etwas müde ist. Möglicherweise aber auch eine Bayern-Elf die extrem gereizt ist, die im Titelrennen der Bundesliga nun erst richtig Vollgas gibt, um den nächsten großen Schritt in Richtung Meisterschaft zu gehen. Die Verantwortlichen am Bruchweg sind auf alles eingestellt, wissen aber vor allen Dingen, dass es vordergründig zu allererst von den 05-Profis selbst und deren Leistung abhängt, ob sie den Rekordmeister vor eine weitere unangenehme Aufgabe in dieser anstrengenden Woche stellen können. Als Kanonenfutter wollen sich die Mainzer dem eigentlich übermächtigen Gegner in der Allianz Arena jedenfalls nicht präsentieren.

Beim Vorrundenspiel in Mainz erzielte Robert Lewandowski zwei Treffer zum 3:1-Sieg der Bayern. Der Torjäger hat in zwölf Spielen gegen die 05er elf Tore erzielt. Sein Einsatz am Samstag ist noch fraglich. Foto: Ekkie Veyhelmann„Wir fangen nicht an zu glauben, dass da bei den Bayern viele Prozente fehlen werden“, sagt Rouven Schröder. „Es ist aber erst einmal so, dass Mainz 05 eine Bundesligamannschaft ist, die gegen eine andere Bundesligamannschaft spielt in einem von noch fünf ausstehenden Spielen und dies sicherlich nicht von vorneherein abschenkt. Wir werden ganz sicher nicht sagen, wir fahren nach München und konzentrieren uns schon auf das Heimspiel nächste Woche gegen Gladbach. Das ist doch klar. Wir machen uns nicht kleiner als wir sind. Wir wissen, dass es der Rekordmeister ist. Wir wissen auch, was Martin Schmidt da letztes Jahr mit der Mannschaft geleistet hat. Wir sind alle ehrgeizig. Sportler möchten Spiele gewinnen und gute Ergebnisse erzielen“, so der 05-Sportdirektor. „Man muss aber auch sehen, dass die Bayern gegen uns einen  wichtigen Schritt hin zur Meisterschaft machen können und entsprechend alles tun werden, um dieses Spiel zu gewinnen. Ich bin kein Hellseher, aber das Spiel geht bei 0:0 los, und wir werden alles dafür tun, ein positives Ergebnis zu erzielen.“

Der 05-Trainer hat sich die 120 Minuten der Bayern bei Real Madrid unter der Woche im Fernsehen angeschaut und mit dem Deutschen Meister mitgefiebert. „Ich habe mich aber auch intensiv mit dem Spiel selbst befasst, habe auf die geschaut, die draußen waren, mir Gedanken gemacht, was das alles mit unserem Spiel zu tun haben könnte“, erzählte Schmidt in der Pressekonferenz. „Die kennen das über viele Jahre, dass sie alle drei Tage spielen müssen. Es wäre fehl am Platz, wenn man darauf hofft, auf einen müden Gegner zu treffen. Die hatten da noch sechs Weltklassespieler auf der Bank, die hundertprozentig frisch sind. Xabi Allonso ist vorzeitig ausgewechselt worden, Vidal musste mit dem Platzverweis ebenfalls vorher runter. Die werden eine Truppe am Start haben, die auf Top-Niveau ist. Es wäre eine Fehleinschätzung, wenn wir uns einbilden würden, es könnte leichter für uns werden, weil die über 120 Minuten gehen mussten.“

Dass Torhüter Manuel Neuer verletzt ausfällt, dass Jerome Boateng und Mats Hummels in Madrid nicht den Eindruck erweckten, sie könnten mit ihren körperlichen Problemen noch ein weiteres Spiel in dieser Woche absolvieren, dass Torjäger Robert Lewandowski eventuell ausfällt. Das alles spielt für Schmidt keine Rolle. „Ich habe den Ulreich gesehen, was der für Dinge hält“, betonte der 50-Jährige. Sven Ulreich stand schon zuletzt im Bayern-Tor, als Neuer am Fuß operiert worden war. Sollten die Innenverteidiger ausfallen und der Bayern-Coach rotieren wird, erwartet der 05-Trainer in der Abwehr dann Rafinha, Martinez, Alaba und Bernat. „Das ist immer noch eine Klasse-Viererkette. Es wird so sein, dass wir zwischen zwei und fünf Torschüssen haben werden, damit müssen wir  den Torhütern vor hohe Hürden stellen. Wir müssen sehr viel richtig machen, um dahin zu kommen und wenn wir vor dem Tor sind, müssen wir die Dinger reinmachen“, betonte Schmidt. „Deshalb weg damit, weg mit allen Gedanken, was der Gegner vielleicht könnte oder nicht, ob er Müdigkeit hat, wer im Team vielleicht gefrustet sein könnte. Sie kennen es nicht anders als zwischen den Wettbewerben hin und her zu switchen. Sie sind jedesmal gierig. Sie werden bereit sein. Wir sind ihr nächster Gegner. Sie werden sich hundertprozentig mit uns befassen. Ich sehe uns nicht als kleinen Lückenbüßer, der da unterschätzt wird.“

4500 Fans fahren mit

Der 1:0-Sieg gegen Hertha BSC am vergangenen Wochenende im eigenen Stadion nach fünf Niederlagen in Folge hat dem 05-Team in jedem Fall neuen Mut gegeben. In der Partie gegen die Berliner haben die Mainzer in jedem Fall gezeigt, dass sie bereit sind, kämpferisch und läuferisch an ihre Grenzen und darüber zu gehen, dass sie in diesem harten Abstiegskampf eine neue Mentalität, Leidenschaft und Willenskraft entwickelt haben. Und dass sie auch fußballerisch verbessert auftraten und die Berliner dominierten, die zugegebenermaßen schwach auftraten. Wobei dabei immer wieder die Frage nach Ursache und Wirkung gestellt werden muss. „Der Erfolg gegen Hertha hat die Arbeit in dieser Woche erleichtert, denn jedes positive Erlebnis hilft dem Team. Vor allem aber diese geschlossene Vereinsleistung, diese Leistung, die aus der Stadt, aus der Region von den Fans kam. Das war eine Riesenleistung, die der Gesamtverein hier erbracht hat. Da war das Team mit drin, genauso wie die Fans“, sagte Schmidt. Rund 4500 Anhänger begleiten die 05er nun zum Auswärtsspiel in der Allianz Arena.

„Die Gelöstheit ist drin im Team. Sie war in diesen Tagen spürbar, genauso wie die Härte und die Aggressivität. Obwohl das Bewusstsein da ist, dass wir nicht viel mehr erreicht haben, als unser Gefühl zu verbessern. Die Tabelle ist geblieben wie sie ist, die Spannung ist hoch. Die Motivation ist groß, das Selbstbewusstsein ist gewachsen. Mit diesem Antrieb werden wir nach München fahren“, so der 50-Järhige.

Wie der Trainer und dessen Team die Aufgabe angehen, mit welcher Herangehensweise sie sich dort etwas erarbeiten wollen, darüber mochte der Schweizer im Vorfeld der Partie nicht reden. „Wir gehen dahin und werden ganz klar unsere Leistung in den Vordergrund stellen“, erklärte Schmidt. „Die physische Leistung, die taktische Leistung, die mentale Leistung, unseren Einsatz und unseren Willen. Das sind Paramater, die in Bayern abgeprüft werden. Je größer unsere Leistung ist, je mehr wir dort gut und richtig machen, desto größer ist unsere Chance, dass wir da mit einem positiven Resultat rauskommen.“ Im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesligaklubs wissen die 05er, wie es dort funktionieren kann. Der 2:1-Sieg der Mainzer in der vergangenen Saison am 24. Spieltag war die einzige Bayern-Niederlage in den zurückliegenden 32 Bundesliga-Heimspielen, die einzige in der vergangenen Spielzeit und der aktuellen Runde. Seine Mannschaft habe noch fünf Spiele, in denen sie die Möglichkeit besitze zu punkten, sagte Schmidt. „Bayern ist das nächste Spiel, das uns die Chance dazu gibt. Das werde ich auch von meinem Team verlangen, dass wir alles, was uns möglich ist, da reinwerfen. Dann können wir einen Strich drunter machen und das Ganze bewerten“, betonte der Coach. „Aber wir werden uns nicht schon vorher kleinreden. Wir fahren dahin, spielen diese Partie, reden uns selbst nichts ein, reden die Bayern nicht klein, sondern sehen uns in aller Positivität. Wenn wir über 100 Prozent gehen wie letztes Jahr, können wir zu träumen beginnen, wenn wir es nicht schaffen, über die 100 zu gehen, brauchen wir uns auch nichts zu erhoffen.“  

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