Christian Heidel: Ein Thema für die Fifa

Jörg Schneider. Mainz.
Nach dem Ende der Vorrunde verabschieden sich drei Profis des FSV Mainz 05 zum Asia Cup 2015. Shinji Okazaki, Ja-Cheol Koo und Joo-Ho Park fehlen dem Bundesligisten in der kompletten Vorbereitung und möglicherweise in den ersten beiden Spielen der Bundesliga-Rückrunde. Das ist ein sportliches Problem. Manager Christian Heidel beklagt jedoch mehr, dass der Klub keine wie beim DFB übliche Abstellungs-Entschädigung erhält und dass die Profis nicht versichert sind, wenn sie bei ihrer Nationalmannschaft sind.

Ab Weihnachten im Trainingslager für den Asia Cup: Ja-Cheol Koo, Shinji Okazaki und Joo-Ho Park verpassen die komplette 05-Rückrunden-Vorbereitung. Foto: Jörg SchneiderDie Rückrunde in der Fußball-Bundesliga beginnt für den FSV Mainz 05 am 31. Januar 2015 mit dem Heimspiel gegen den SC Paderborn. An diesem Tag steigt um 20 Uhr Ortszeit im australischen Sydney das Finale des Asia Cups. Sollte der Zufall ergeben, dass sich in diesem Endspiel Japan und Südkorea gegenüberstehen, dann wären drei 05-Profs an diesem Tag am Start. Aufgrund der langen Rückreise wären sie auch für das zweite Bundesligamatch ihres Klubs am folgenden Dienstag in Hannover noch nicht wieder verfügbar.

Die Landesverbände aus Südkorea und Japan fordern Ja-Cheol Koo und Joo-Ho Park sowie Shinji Okazaki für die Spiele um die Kontinentalmeisterschaft an. Mainz 05 muss die Profis abstellen und hat damit ein veritables Problem. Der Asia Cup, der in Australien ausgespielt wird, beginnt am 9. Januar und endet am 31. Januar. Da die einzelnen Nationalmannschaften jedoch vorher ein zweiwöchiges Trainingslager bestreiten, reist das 05-Trio nach dem abschließenden Vorrundenspiel gegen den FC Bayern München nach Asien und beginnt direkt nach Weihnachten mit dem Nationalmannschafts-Training.

Abgesehen davon, dass die drei Profis im Gegensatz zum Rest des 05-Teams wie schon im Sommer auf ihren Urlaub verzichten müssen, verpassen die Spieler also die komplette Vorbereitung des Bundesligisten, die am 5. Januar beginnt. Und da die Japaner zu den Favoriten des Turniers zählen und sich Südkorea große Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden macht, ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass der Rückrundenstart ohne die drei Leistungsträger über die Bühne geht.

Afrika-Meisterschaft läuft parallel

Den Klub hätte es noch schlimmer treffen können. Ebenfalls im Januar steht auch der Africa Cup auf dem Terminplan der Fifa. Da aber Sami Allagui bekanntlich seinen Rücktritt aus der tunesischen Nationalelf verkündet hat, ist wenigstens der Stürmer verfügbar. Die Terminierung dieser Groß-Turniere ist Sache der Fifa. Die Tatsache, dass der Weltverband zwei solcher Ereignisse parallel zu einem Zeitpunkt austragen lässt, an dem in den meisten europäischen Ländern (und dort spielt eine Vielzahl der betroffenen Profis) der Ligabetrieb läuft, stößt nicht nur in Mainz auf Unverständnis.

Christian Heidel fordert eine Lösung von der Fifa. Foto: Jörg SchneiderNoch mehr aber stört Christian Heidel, dass die abstellenden Vereine nicht dafür entschädigt werden und alle Folgen wie mögliche Verletzungen selbst tragen müssen. „Man muss sich das mal vorstellen“, sagt der 05-Manager. „Wir haben Joo-Ho Park im September vier Wochen lang abgestellt für die Asien-Spiele, jetzt fehlt er uns wieder vier Wochen lang. Wir bezahlen Spieler, die mitten in der Saison zwei Monate nicht da sind.“ Und wenn sich einer verletze, trage der Verein auch die Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall. „Da ist langsam eine Grenze erreicht.“

Der Vorwurf richtet sich an die Fifa. Gegen die Abstellung für ein großes Turnier sei ja nichts zu sagen, zumal die Profis ja auch unbedingt an den Meisterschaften teilnehmen wollten. „Das ist ein Thema für den Verband. Die Fifa kassiert doch überall mit. Also muss sie sich auch Gedanken machen, die Vereine zu entschädigen, wenigstens aber darüber, die Spieler zu versichern.“

Einen Versicherungsschutz im Verletzungsfall von ihrem Landesverband haben die Profis nicht. Der DFB ist der einzige Verband weltweit, in dem das anders geregelt ist. Ein deutscher Nationalspieler ist über den DFB in allen Länderspielen versichert, dazu zahlt der Verband den Klubs eine Abstellungs-Entschädigung. Summen, die der DFB mit den Länderspieleinnahmen wieder reinholt. Der 05-Manager erinnert sich an ein konkretes Beispiel. Manuel Friedrich, dem als Bundesligaprofi des FSV Mainz 05 seinerzeit der Sprung in die Nationalmannschaft gelang, habe sich bei einem Länderspieleinsatz verletzt und sei einige Zeit für den Verein ausgefallen. „Die Abstellungsentschädigung und die Versicherungsleistungen betrugen fast ein halbes Jahresgehalt des Spielers.“

Ein solcher Service übersteigt die Möglichkeiten etlicher kleinerer Verbände in Afrika und Asien, deren Topspieler in europäischen Spitzenklubs unter Vertrag sind. Der 05-Manager will diese Thematik innerhalb der DFL zur Sprache bringen und hofft irgendwann auf eine für die Vereine befriedigendere Lösung seitens der Fifa.

Für die 05er ist das Fehlen der drei Leistungsträger ein echtes Problem. Doch sie stehen damit nicht alleine da. Schalke 04 stellt vier Profis für die beiden Kontinental-Wettbewerbe ab, Borussia Dortmund und Hertha BSC ebenfalls. Für Hannover 96 sind drei Spieler unterwegs. Eintracht Frankfurt, der 1. FC Köln, Augsburg, Leverkusen, Werder und der VfB Stuttgart müssen jeweils auf zwei Spieler in der Vorbereitung verzichten.

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