Clemens-Ausleihe: Die Anzeichen verdichten sich

Jörg Schneider. Mainz.
Das erste öffentliche Mannschaftstraining des FSV Mainz 05 im neuen Jahr nach dem Montag-Start mit Laktattest und einer kurzen Abendeinheit lockte am Dienstag zahlreiche Zuschauer an den Bruchweg. Vorherrschendes Thema am Morgen war allerdings die angeblich kurz bevorstehende Verpflichtung von Christian Clemens vom FC Schalke 04. Christian Heidel mochte einen entsprechenden Medienbericht, wonach die 05er den Offensivmann bis 2016 ausleihen, jedoch (noch) nicht bestätigen. Clemens gehörte jedenfalls nicht zum Schalker Kader, der am Mittag ins Trainingslager nach Katar abreiste.

Erste Trainingsduelle: Pierre Bengtsson (am Ball) gegen Nikolce Noveski und Patrick Pflücke. Foto: Jörg SchneiderDer Manager mochte sich nicht unters Publikum mischen. Etwas abseits, hinterm Zaun stehend, verfolgte Christian Heidel am Dienstagmorgen zusammen mit Teammanager Axel Schuster einen Teil des ersten öffentlichen Mannschaftstrainings des FSV Mainz 05 im neuen Jahr am Bruchweg. Nein, sagte der 05-Manager, er könne diese Meldung von „Sport Bild“ weder kommentieren noch bestätigen. Dennoch weisen die Reaktionen und Indizien verstärkt daraufhin, dass die Informationen des Blattes stimmen. Dass Heidel fündig geworden ist auf der Suche nach einer sofortigen Verstärkung für die zuletzt kränkelnde Offensivreihe des Bundesligisten.

Christian Clemens soll demnach von den 05ern bis 2016 ausgeliehen werden. Der 23-jährige Rechtsaußen vom FC Schalke 04 ist offenbar am Dienstag nicht mit dem Kader des Bundesligisten ins Trainingslager nach Katar gereist. Wie der „Kicker“ erfahren haben will, soll Clemens am Nachmittag bereits den Medizincheck in Mainz absolviert haben. Clemens, der auf Schalke einen Vertrag bis 2017 besitzt, war vor anderthalb Jahren für die Ablösesumme von 3,5 Millionen Euro vom 1. FC Köln nach Gelsenkirchen gewechselt, kam aber aufgrund von diversen Verletzungsproblemen insgesamt auf nur 19 Bundesliga-Einsätzen für den Champions-League-Klub. Vom Alter, vom Profil her erscheint eine solche Verpflichtung absolut sinnvoll und würde durchaus ins gängige Beuteschema der 05er passen. Zumal Heidel schon einmal an dem Spieler interessiert war. Ein junger, deutscher, talentierter Spieler, der seine Bundesligatauglichkeit nachgewiesen hat, aber in einem Top-Konkurrenzbetrieb wie Schalke so seine Probleme hat zum Stammspielerkreis zu gehören, das entspricht genau Heidels Vorstellungen und den finanziellen Möglichkeiten des 05-Managers. Einen offensiven Stammspieler von einem guten Bundesligaklub kann sich Heidel nicht leisten. Und ein solcher Spieler würde im Winter zudem kaum zu einem Verein wechseln, für den es in der Rückrunde verstärkt um Abstiegskampf geht.

Julian Baumgartlinger und Jonas Hofmann (im Hintergrund) arbeiten am Comeback. Foto: Jörg SchneiderWieder auf dem Platz nach langer Pause: Jonas Hofmann. Foto: Jörg SchneiderVon daher erscheint auch ein Leihvertrag über anderthalb Jahre durchaus gängige 05-Praxis. Clemens gilt als schneller, durchsetzungsfähiger Offensivspieler, der wenig Gewöhnungszeit benötigen dürfte und im Mainzer Kader schnell seinen Platz finden müsste.

Darauf hofft auch Pierre Bengtsson, auf den sich das Interesse bei der Morgenarbeit richtete. Der neue Linksverteidiger erlebte seine erste Zwei-Stunden-Einheit unter Trainer Kasper Hjulmand, für den der schwedische Zugang, der vom FC Kopenhagen zum Bruchweg wechselte, kein Unbekannter ist. „Wir haben auf dieser Position hinten links Bedarf, deshalb ist Pierre eine gute Idee für die Zukunft. Ich kenne ihn bereits seit seiner Jugend. Er passt aufgrund seiner Persönlichkeit und seines Könnens perfekt zu uns“, sagte der Coach nach dem Training.

Hjulmand, der schon als Assistenztrainer beim FC Nordsjaelland mit dem jetzigen 05-Zugang gearbeitet hat, beschreibt den schwedischen Nationalspieler als einen Top-Profi, der permanent auf hohem Niveau arbeite. „Bengtsson spielt seit Jahren fast immer über 90 Minuten. Er ist gut ausgebildet, gibt im Training immer alles und ist aufgrund seiner taktischen Möglichkeiten für uns eine echte Verstärkung“, sagte Hjulmand.

„Er hat einen extrem starken linken Fuß, ist eine Waffe bei Standardsituationen und Flanken vom Flügel aus und hat viel internationale Erfahrung mit der Nationalmannschaft und im Europapokal gesammelt. Ein starker Spieler für uns.“ Der nach Auffassung des Dänen auch keine große Anlaufzeit braucht. „Man muss natürlich immer etwas Geduld haben, wenn ein Spieler in eine neue Umgebung, in ein für ihn fremdes Land kommt, aber von seiner Mentalität her, glaube ich nicht, dass er viel Zeit braucht, um sich bei uns einzugewöhnen und an die Bundesliga anzupassen.“

Hjulmand lobte überhaupt die Qualität, mit der sich sein Kader nach der dreiwöchigen Pause im Training präsentierte. Auch wenn elf Feldspieler nicht auf dem Platz standen. Bekanntlich fehlen das Asien-Trio, der grippekranke Junior Diaz sowie die Rekonvaleszenten. Doch auch in diesem Bereich gibt’s Fortschritte. Im Stadion absolvierten parallel zum Mannschaftstraining Julian Baumgartlinger und Jonas Hofmann ein Spezialprogramm mit Ball unter der Leitung von Reha-Coach Axel Busenkell. Ein echter Lichtblick in der angespannten Personalsituation am Bruchweg.

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