Curci geht. Rodríguez auch?

Christian Karn. Mainz.
Rouven Schröder würde lieber mit Fakten arbeiten, "aber das ist schwierig", sagt der Sportdirektor des FSV Mainz 05, "wenn ein Verein mehr verkündet, als zu verkünden ist." Den offenbar bevorstehenden Abgang von José Rodríguez, von dem beim Málaga CF ausführliche Rede ist, dementiert Schröder nicht. Statt dessen spricht er im Konjunktiv mit viel "wenn" und "dann" - der Spanier wird wohl heute oder morgen nach Andalusien verliehen. Auf jeden Fall kein 05er mehr ist der vom zweiten zum vierten Torwart abgerutschte Gianluca Curci. Sein ursprünglich noch bis Sommer laufender Vertrag wurde heute aufgelöst.

José Rodríguez kennt man in Mainz fast nur aus Pokal- und Testspielen. Offenbar wird sich das vorerst nicht ändern; der Spanier steht vor einer Ausleihe nach Málaga, die aber noch nicht abschließend vereinbart ist. Foto: imagoAngedeutet hatte Rouven Schröder das schon längst - "gut möglich, dass bis zum 31. Januar noch etwas passiert". Der 31. Januar ist morgen, da ist immer noch Luft. Schon am 30. Januar hat der 05-Sportdirektor etwas Platz im Kader geschaffen, am hinteren Ende einen Spieler von der Liste streichen können, ein weiterer wird folgen: Der Vertrag des niemals in Pflichtspielen eingesetzten und inzwischen vom zweiten zum vierten Torwart abgerutschten Gianluca Curci wurde vorzeitig aufgelöst; im Sommer wäre der Kontrakt ohnehin ausgelaufen. Und der Abgang von José Rodríguez nach Malaga steht offenbar kurz bevor.

"Dementieren muss man das nicht", sagt Schröder. "Und trotzdem gehen die Gefühle beim eventuell annehmenden Verein ein bisschen durch. José und wir beschäftigen uns generell mit dem Abgang, das ist kein Geheimnis. Aber wir sind noch nicht so weit, wie das öffentlich dokumentiert worden ist. Da gibt es noch einige Gespräche zu führen." Schröder spricht von einem klaren Zeitrahmen, "es wird sich nicht mehr ziehen. Es kann sein, dass er uns verlässt. Aber das ist Spekulation. Ich würde lieber mit Fakten arbeiten. Aber das ist schwierig, wenn ein Verein mehr verkündet, als zu verkünden ist."

Zu den Fakten gehört, dass der Spanier im 05-Kader nicht den größten Stellenwert hat. In den Pokalwettbewerben hat Rodríguez dreimal von Anfang an gespielt, in der Bundesliga war er nur viermal im Kader. Zweimal blieb er draußen, zweimal wurde er sehr spät eingewechselt, einmal sah er Rot für ein auf den ersten Blick heftiges Foul, für das er sicherlich etwas zu lang gesperrt wurde. Weniger die fünf Bundesligaspiele, in denen er dadurch nicht aufgestellt werden konnte, dürften sein Problem gewesen sein; in diese Phase fielen zwei der drei Pokalspiele. Sondern der völlige Mangel an Spielpraxis; bereits beim Ex-Klub Galatasaray hatte Rodríguez im letzten halben Jahr vor dem Wechsel nach Mainz kaum noch gespielt. Der Málaga FC - sofern Rodríguez tatsächlich dorthin wechseln wird - wird einen Spieler bekommen, der ein Jahr lang zwar trainiert, aber ansonsten fast nur zugesehen hat. Und der bei den 05ern hinter dem wiedergenesenen Danny Latza, hinter dem Senkrechtstarter Jean-Philippe Gbamin, hinter dem Strategen André Ramalho, hinter dem Routinier Fabian Frei und dem nicht mehr ewig verletzten Talent Suat Serdar in einem Team, das nur noch in einem Wettbewerb antritt, der sechste Spieler auf seiner Position war. Das ist jetzt im Nebenjob wieder Daniel Brosinski, der wiederum in der Außenverteidiger-Hierarchie weit vorne steht.

Gianluca Curci bleibt sogar nur aus Testspielen in Erinnerung. Ohne je in einem Wettbewerbsspiel dabei gewesen zu sein, verlässt der Italiener die 05er. Foto: imagoGanz hergeben wollen (oder können?) die 05er den auch gerade mal 22-jährigen Rodríguez noch nicht. "Wenn wir das Wort 'wenn' benutzen, würden wir ihn ausleihen", sagt Schröder. Bis 2020 steht Rodríguez bei den 05ern unter Vertrag, vielleicht würde er nach einem ordentlichen halben Jahr in Málaga in der Hierarchie steigen. Vielleicht ist dann der bisher ausgeliehene Ramalho wieder weg. Vielleicht wäre eine Ausleihe nach Málaga der erste Schritt in einem längeren Abschied auf Raten.

Endgültig ist der Abschied von Curci. Der italienische Torwart verlässt die 05er nach eineinhalb Jahren in Mainz, in denen er nur in Testspielen eingesetzt wurde. Curci hatte sich bereits erfolglos beim englischen Drittligisten Bristol Rovers vorgestellt; auch das Probetraining beim Zweitligaklub Cardiff City führte offenbar zu nichts. "Sportlich hat sich die Zusammenarbeit für beide Seiten nicht wie erhofft entwickelt", sagt Schröder. "Die einvernehmliche Trennung ist für beide Seiten die beste Lösung. Gianluca Curci hat nun alle Freiheiten, sich um seine weitere Karriere zu kümmern. Dafür wünschen wir ihm alles Gute."

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