„Da kann uns alles erwarten“

Jörg Schneider. Mainz.
Das Aus des FC Bayern München im Viertelfinale der Champions League bei Real Madrid dürfte die Aufgabe für den FSV Mainz 05 im Auswärtsspiel in der Allianz Arena nicht gerade einfacher gemacht haben. Auch wenn der Rekordmeister 120 harte Minuten in den Knochen, erhebliche Verletzungsprobleme und wohl noch eine Weile am Scheitern zu knabbern hat. „Da kann uns alles erwarten“, sagt Rouven Schröder, der keine Ahnung hat, wie sich das alles auf das Duell mit den 05ern auswirkt. „Klar ist nur, dass wir uns keine Gedanken machen müssen über die Bayern-Besetzung. Sie haben einen exzellenten Kader, können mit jeder Mannschaft Meister werden. Mit uns rechnet dort mal keiner. Wir sind und bleiben der absolute Außenseiter.“

Es war ein wunderbares Fußballspiel. Ein Vollgas-Duell zweier großer Mannschaften über 120 Minuten auf höchstem europäischem Level. Und wer das Niveau dieser Partie gesehen hat, dem muss eigentlich zunächst einmal angst und bange werden um den FSV Mainz 05. Die Mannschaft von Martin Schmidt steht nun vor der undankbaren Aufgabe, sich am Samstag in München mit diesem FC Bayern auseinanderzusetzen. Mit einem Klub, der extrem gereizt sein dürfte nach dieser Nacht von Bernabeu mit dem Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League bei Real Madrid. Mit einem Team, das sich nach diesem Abschied von der europäischen Bühne nun voll und ganz auf die nationalen Ziele konzentriert. Der Meistertitel sollte den in der Bundesliga übermächtigen Bayern nicht zu nehmen sein. Bezeichnend dafür war, dass nach der 2:4-Niederlage von Madrid niemand beim Rekordmeister das anstehende Bundesliga-Spiel gegen die 05er thematisierte, sondern alle durchweg schon auf den Pokal-Knüller nächste Woche gegen Borussia Dortmund abhoben.

Welche Auswirkungen das Aus des FC Bayern in der Champions League auf die Partie am Samstag gegen die 05er haben wird, weiß auch Rouven Schröder nicht. Für den Sportdirektor ist aber klar, dass die Münchner in jedem Fall eine exzellente Mannschaft aufbieten werden. Foto: Imago  Könnte das ein Vorteil sein, dass die Bayern mit den Gedanken vielleicht schon mehr beim Pokal-Halbfinale sind und die Begegnung mit den 05ern eher im Vorbeigehen abhaken wollen? Oder legen die Münchner nun einen besonderen Ehrgeiz hin, um den Meistertitel so schnell wie möglich zu sichern? Wie stark fällt die Tatsache ins Gewicht, dass sich die Mannschaft von Carlo Ancelotti in Unterzahl durch die Verlängerung kämpfen musste? Und wie schwer wiegen die Verletzungsprobleme? Die Fuß-Fraktur von Manuel Neuer, der acht Wochen lang ausfällt. Die angeschlagenen Jerome Boateng, Mats Hummels und Robert Lewandowski, die möglicherweise am Samstag nicht auflaufen werden. „Man muss einfach mal festhalten, dass das ein sehr gutes Spiel auf hohem Niveau war“, sagt Rouven Schröder. „Welche Auswirkungen das hat auf die Partie gegen uns, ist schwer zu sagen.“ Man wisse einfach nicht, so der 05-Sportdirektor, wie der FC Bayern auftreten werde, mit welcher Besetzung, mit welcher Einstellung und mit welchen Gedanken im Kopf. „Da kann uns alles erwarten“, vermutet der 41-Jährige.

„Klar ist in jedem Fall, dass wir uns hier keine Gedanken machen müssen über die personelle Besetzung, mit der das  Bayern-Team am Samstag antritt. Sie haben einen exzellenten Kader, können mit jeder Mannschaft Meister werden.“ Und in jeglicher Zusammenstellung die Mainzer schlagen. „Das sind im Endeffekt Themen, die die Bayern beantworten müssen. In unserer Situation hat sich wenig geändert. Mit uns rechnet dort mal keiner. Wir sind und bleiben der absolute Außenseiter.“ Schröder hütet sich zudem davor, mit markigen Worten oder allzu selbstbewussten Aussagen, den Gegner dahin zu bringen, dass er hellhörig wird und dieser Partie mehr Aufmerksamkeit widmet als dies ohnehin der Fall sein wird. Dass die Mainzer in der vergangenen Saison einen überraschenden Auswärtssieg in der Allianz Arena feierten, wird dieser Tage mit Sicherheit sowieso noch einmal ein Thema sein in Ancelottis Spiel-Vorbereitung.

„Wir müssen auf uns gucken, müssen alles in die Waagschale werfen. Wir brauchen in jedem Fall einen überragenden Tag, an dem vieles für uns läuft. Wir brauchen Glück und können nur hoffen, dass die Bayern mit ihren Gedanken vielleicht doch schon oder noch woanders sind“, erklärt der Sportdirektor. „Wir werden uns auf das Spiel dort freuen. Wir wollen der Herausforderer sein und haben dort nichts zu verlieren.“

Die Partie beim Rekordmeister ist das fünftletzte Saisonspiel. Danach folgt das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach, ehe es auswärts zum Hamburger SV geht. Es folgt das Derby zu Hause gegen Eintracht Frankfurt, bevor dann die Partie beim 1. FC Köln diese Bundesligarunde abschließt - hoffentlich mit einem guten Ende für die Mainzer. „Wir müssen von den letzten fünf Spielen auf jeden Fall zwei gewinnen, das ist unser Weg“, sagt der 05-Trainer. „Wenn es uns in Bayern nicht gelingt, ein Pünktchen abzuknapsen, dann geht’s weiter zu Hause und im nächsten Auswärtsspiel. Wenn wir die Heimspiele gewinnen, sind wir auf einem sehr guten Weg.“ Das Selbstbewusstsein der 05-Profis ist nach dem 1:0-Erfolg gegen den Tabellenfünften Hertha BSC Berlin gewachsen. Die Mannschaft zeigte alte Tugenden in Sachen Vorwärtsverteidigung, Kampf und Aggressivität, Pressing. Und die 05er zeigten sich zudem fußballerisch verbessert gegenüber den Vorwochen, auch wenn es im gegnerischen Strafraum nach wie vor hapert, die Torausbeute für die Überlegenheit im Spielverlauf gegen die Berliner zu gering war. „Wir müssen ein Spiel nach dem anderen angehen, den Fokus auf die eigene Leistung haben und auf das Ziel, das wir erreichen wollen. Wir müssen nach vorne gucken und uns um unserer eigenen Punkte kümmern“, betont Schmidt. Das Team werde dafür kämpfen, erklärte Alexander Hack, der Innenverteidiger, nach dem Erfolg gegen die Berliner. „Wir geben alles. Wer sagt denn, dass wir nicht wieder für eine Überraschung sorgen können?“.

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