„Dann aber auch bitte Elfmeter“

Jörg Schneider. Mainz.
Das Sportgericht des DFB hat Jhon Cordoba für die Rote Karte im Derby am Dienstagabend bei Eintracht Frankfurt für drei Spiele gesperrt. Der Bundesligist hat am Mittag nach der 0:3-Niederlage sofort Berufung eingelegt und sieht sich gut aufgestellt, um in der nächsten Instanz, spätestens aber in der mündlichen Verhandlung, eine Reduzierung der Sperre zu erreichen. Martin Schmidt ist unterdessen die Begründung im Urteil sauer aufgestoßen. Rouven Schröder warf Schiedsrichter Günter Perl im persönlichen Gespräch mangelnde Derby-Vorbereitung vor.

Am Bruchweg ist Weihnachtsruhe eingekehrt. Die Profis des FSV Mainz 05 haben am Mittwoch noch ein Auslauftraining absolviert, die Analyse der 0:3-Derby-Niederlage bei Eintracht Frankfurt über sich ergehen lassen, haben gewisse Themen und Hausaufgaben mit auf den Weg bekommen und sich dann in den Urlaub bis zum 3. Januar verabschiedet. Der Trainer und der Sportdirektor hatten vor dem Ferienbeginn noch etliche Termine am Nachmittag. Unter anderem ein längeres Fazit-Gespräch mit den Medien im kleinen Kreis, in dem es um das Gewesene und das Bevorstehende in diesem Winter ging und über das die NullfünfMixedZone in den kommenden Tagen natürlich umfassend berichten und die Thematik aufarbeiten wird.

Alle Beschwörungen nützen nichts, Günter Perl hat Rot gezogen und Jhon Cordoba soll für drei Spiele gesperrt werden. Rouven Schröder hat Einspruch eingelegt und wirft dem Schiri mangelnde Derby-Vorbereitung vor. Foto: ImagoUnd dann gibt es da noch den Fall Jhon Cordoba. Der Mittelstürmer sah im Derby bekanntlich die Rote Karte nach einer Aktion gegen David Abraham. Am Mittwoch flatterte dann ein Urteil auf den Tisch der 05er, mit dem die Verantwortlichen ganz und gar nicht einverstanden sind. Das DFB-Sportgericht verurteilte den Kolumbianer in erster Instanz zu drei Spielen Sperre. „Wir haben direkt Berufung eingelegt“, sagt Rouven Schröder. „Weil es eine Situation war, die keine Tätlichkeit darstellt. Das ist ja klar zu sehen. Von daher sind drei Spiele definitiv mindestens eins zu viel. Wir hoffen, dass wir in nächster Instanz Recht bekommen, was eh schon schlimm genug ist. Darauf warten wir jetzt.“ Der Verein habe genügend Bilder zum Vorlegen, auf denen man sehe, dass es einen „klaren Abdruck gegeben hat“, wie sich der 05-Sportchef ausdrückte. „Für mich ist das aber nicht aktiv, kein Tritt keine Tätlichkeit. Aktiv, heißt bewusst auszuholen und zu treten. Da gibt es genügend Gegenbeispiele in der Bundesliga in den vergangenen Wochen, die anders beurteilt worden sind. Wir haben etliches Material in Vorbereitung, falls es zu einer mündlichen Verhandlung kommen sollte. Da fühlen wir uns gut gerüstet. Wir kriegen den Spieler nicht frei und sicher nicht nur für ein Spiel gesperrt, aber drei ist maßlos überzogen“, so der 41-Jährige, der von einem Gespräch mit dem Schiedsrichter unmittelbar nach der Partie in dessen Kabine berichtet. „Es ist überzogen, weil ich mit Herrn Perl gesprochen habe, der Schiri-Beobachter dazu kam und sagte, er verstehe, dass wir uns ärgern. Man könne es so entscheiden, aber man könne auch Gelb geben. Wir warten jetzt ab, wie die sich dazu äußern beim DFB.“

Schröder fügte hinzu, dass er dem Unparteiischen einen klaren Vorwurf gemacht habe. „Ich habe Herrn Perl auch gesagt, genau wie ein Trainer sich auf ein Spiel vorbereitet, erwartet man auch vom Schiedsrichter, dass er das tut. Man weiß um die Konstellation Cordoba und Abraham. Man wusste um die Konstellation Cordoba, Abraham und Russ im vergangenen Jahr.“ Abraham habe schon in der ersten Hälfte theatralisch im Gesicht rumgefummelt, wo gar nichts gewesen sei. Daran sehe man schon, dass in Frankfurt gesprochen worden ist und es zumindest eine Animation für den Spieler gegeben habe. „Das liegt ja auf der Hand. Da muss man feinfühliger umgehen mit der Situation als Schiri“, sagt Schröder. „Was er geantwortet hat, sage ich jetzt besser nicht.“

Begründung: Verführen lassen nach Foul

Für Martin Schmidt ist das Ganze ohnehin ein schlechter Witz. „Wenn ich die Formulierung in diesem Urteil lese, dann heißt es da, dass sich Jhon zum Nachtreten verführen lässt nach einem vorangegangenen Foul an ihm. Was ist denn das? Dann muss es ja doch zuerst mal Elfmeter geben. Das heißt ja, Abraham hat ihn zuerst niedergerissen. Du kannst ihm Rot geben, dann aber auch bitte einen Elfmeter.“ Nichtsdestotrotz bleibt das Thema Disziplin für den Trainer auf der Tagesordnung. Darüber hat und wird es Gespräche mit dem Team geben. „Ich habe das schon heute klar angesprochen“, sagt Schmidt. „Das ist nicht Mainz 05, diese Platzverweise. Wir sind keine Treter. Wir haben in Frankfurt acht Fouls gemacht, eines davon ist eine Rote Karte. Wir lassen uns aber anscheinend zu oft hinreißen. Frankfurt ist ja bekannt für solche Vorkommnisse, das ist ja nicht das erste Mal. Letztes Jahr ist Leon Balogun vom Platz geflogen nach vorheriger Provokation, jetzt Jhon. Davor kennen wir die Geschichte mit Okazaki und dem damaligen Innenverteidiger. Wir wehren uns auch. Aber wir wollen hart und fair in den Wettkampf gehen.“

Der Trainer nimmt Cordoba dennoch nicht raus aus der Verantwortung. „Jhon hat sich provozieren lassen, aber wir sehen auch, dass er unheimlich verbissen geworden ist. Er will unbedingt ein Tor erzielen. Ihm fehlt die Torquote. Er sieht, dass andere treffen und ihm das nicht so leicht von der Hand geht im Moment. Die große Chance blank vor dem Tor, die macht er normal, aber jetzt denkt er zu viel. Dann kommt ein harter Verteidiger dazu, Frust, theatralisches Liegenbleiben von Abraham, dann lässt du dich hinreißen und schadest der Mannschaft.“ Deshalb gab es auch eine Ansage an Giulio Donati, der nach dem Studium der Bilder aus Frankfurt sogar zweimal Gefahr gelaufen war, Rot zu sehen. „Darüber sprechen wir auch. Vor allem, wenn man dann die Bilder sieht. Wenn sich ein Spieler hinreißen lässt, den Arm auszufahren, muss man das durchdiskutieren.“

Schmidt ist bewusst, dass einige der Gelb-Roten Karten, wie die beiden Platzverweise gegen Jean-Philippe Gbamin, auch etwas mit dem eigenen Spielstil und der nicht immer optimalen Defensivorganisation zu tun hat. „Die Gelb-Roten Karten provozieren wir natürlich auch durch unsere Offensivausrichtung. Wenn wir hoch in der Hälfte stehen und uns einen Ballverlust erlauben, geht’s oft durch. Bei Gbamin war vor bei beiden Platzverweisen die erste Gelbe jeweils ein taktisches Foul, um den Gegner am Umschalten zu hindern. Beim zweiten Foul fliegt er vom Platz.“ Die Forderung des 49-Jährigen lautet: „Wir müssen das Frustpotenzial runter schalten, wenn es nicht läuft bei uns. Ich glaube, dass wir in der Rückrunde durch mehr Frische, weniger Müdigkeit und Kopfbelastung wieder ruhiger in die Spiele gehen. Das wird man abstellen können, denn das ist ja nicht normal.“

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