Dann wird der Kleine ganz groß…

Jörg Schneider. Mainz.
Kasper Hjulmand, das ist inzwischen bekannt, wollte ihn nicht haben und hätte den Stürmer am liebsten im Winter wieder weggeschickt. Doch Pablo De Blasis hat sich durchgesetzt beim FSV Mainz 05 und den Sprung aus Griechenland in die Bundesliga geschafft. Der kleine Argentinier verkörpert mit seiner Spielweise alles, was das Spiel der 05er derzeit ausmacht und wird dafür vom Mainzer Publikum geliebt. De Blasis müsse noch ein paar Dinge und Abläufe lernen, sagt Martin Schmidt: „Dann wird der Kleine ganz groß.“

Kleiner Mann ganz groß: Pablo de Blasis zeichnet sich auch durch große Sprungkraft aus und scheut kein Luftduell (hier gegen Max Kruse).Da gibt es keinen Zweifel: Pablo De Blasis ist der Spieler der Stunde beim FSV Mainz 05. Ein Hoffnungsträger im Abstiegskampf, der alles das verkörpert, was sich eigentlich jeder Trainer in schwierigen Saisonphasen wünscht. Emotion. Mut. Kampf bis zur totalen Erschöpfung. Unerwartete Dinge im Spiel. Ein Mann, der mit seinen 165 Zentimetern in jedes Kopfballduell geht, selbst gegen baumlange Abwehrhünen. Der kleine Argentinier mit dem großen Herzen steht für alles, was das Mainzer Spiel derzeit ausmacht und hat es damit innerhalb kürzester Zeit geschafft, von den Anhängern geliebt zu werden.

Kaum vorstellbar, dass die Verpflichtung des Stürmers seinerzeit gescheitert wäre, wenn der 05-Manager auf seinen Trainer gehört hätte. Christian Heidel hat inzwischen eingeräumt, dass Kasper Hjulmand gegen den Transfer des 27-Jährigen vom Mainzer Europapokal-Bezwinger Asteras Tripolis gewesen sei. Heidel setzte sich durch. Hjulmand setzte den Argentinier auf die Bank oder auf die Tribüne und war willens, den Profi im Winter wieder wegzuschicken. Eine fatale Fehleinschätzung. Hjulmand, von dem man mittlerweile weiß, dass der Däne offenbar keine reelle Vorstellung hatte von der Finanzkraft eines Bundesligisten Marke Mainz 05 und Heidel animieren wollte, lieber einige teure Profis mehr einzukaufen, soll auf die Frage des Managers, warum er De Blasis nicht öfter einsetze, geantwortet haben: „Das ist nicht mein Spieler.“

Erst im letzten Vorrundenspiel gegen Bayern München, als die Personalnot am größten war, erbarmte sich der Coach. De Blasis spielte von Beginn an. Seitdem ist der Dauerläufer, der sich in allen Situationen etwas zutraut, Stammspieler und Leistungsträger. Und einer, der nach dem bemerkenswerten 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach mit gemischten Gefühlen vom Platz ging. De Blasis hatte mit seinen Aktionen und seiner Art zu spielen, die gegnerische Verteidigung zu beschäftigen und dem Gegner so richtig auf die Nerven zu gehen, großen Anteil daran, dass die Partie nach dem Rückstand gekippt war. „Es klingt blöd nach dem 0:2, aber mit dem einen Punkt kann ich trotzdem nicht zufrieden sein“, sagte der Argentinier nachher. „Wir wollen zu Hause unsere Spiele gewinnen und haben auch gezeigt, wie wir das machen können. Am Ende haben wir aber nur einen Punkt. Für mich ist das ein bisschen enttäuschend, denn wir hätten noch gewinnen können.“

Doch De Blasis, der mit seinem Tor und dieser auffällig-unorthodoxen Spielweise den 05ern im Sommer den ersten Saison-Tiefschlag versetzt hatte, bleibt optimistisch. „Wie wir zurückkommen sind, gibt uns allerdings viel Mut und Überzeugungskraft. Egal, ob daheim oder auswärts, wir müssen so weiter machen und unsere Punkte holen. Es war in jedem Fall wieder ein kleiner Schritt nach vorne.“

Mit einem guten Eindruck nach Hause

Alles, was mit Rennen und Kämpfen zu tun habe, bereite ihm keine Probleme, hat der Südamerikaner kürzlich im Interview mit der nullfünfMixedZone verraten. Er arbeite täglich daran, besser zu werden, ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft zu sein, um zu helfen, wo er gebraucht werde. Und das einzubringen, was die 05er sich von dem quirligen Stürmer erwarteten.

„Wenn man Pablo sieht, geht man nach einem Spiel nach Hause mit dem guten Eindruck, was der Junge alles macht, wie er spielt, wie er sich reinhaut“, sagte Martin Schmidt nach dem Spiel gegen den Tabellendritten. „Das ist auffällig bei ihm. Gut in eins-gegen-eins-Situationen, immer unterwegs. Es  ist sehr, sehr fies, so einen wie Pablo zu verteidigen.“ Die 05er übertrafen in ihrer Laufleistung die laufstärkste Mannschaft der Liga in dieser Partie um mehr als zwei Kilometer. „Und man hatte den Eindruck, die Hälfte davon war De Blasis“, sagte der 05-Trainer lachend.

Im Moment arbeite er im Defensivverhalten noch sehr intensiv mit dem Stürmer. „Nach Ballverlust braucht es Ordnung, da braucht es Spiel gegen den Ball. Und da ist er noch dran, die Abläufe zu lernen. Da machen wir auch intensives Video-Training mit ihm. Um ihm zu zeigen, wie er einrücken muss. Er muss auch gegen die Sechs vom Gegner arbeiten“, so der 05-Trainer. „Wenn Pablo das noch hinkriegt und das noch verbessert, dann wird der Kleine ganz groß.“

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