Das 05-Kalenderblatt: 10. bis 12. Februar.

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Diesmal geht es um Kloppos kleinen Freund, um ein überragendes Abwehrtalent, einen Mittelstürmer und um einen Vorlagengeber, der vielleicht heute gegen die 05er spielt.

10. Februar  

Heute vor 91 Jahren kam Friedel Reichert zur Welt. Der Angreifer war lange Zeit der älteste Mainzer Neuzugang: Im Alter von fast 32 Jahren und sechs Monaten kam er erst zu den 05ern; zuvor hatte er schon für Eintracht Frankfurt und Eintracht Bad Kreuznach 36 Oberligatore geschossen. In Mainz wurde der Routinier kein Torjäger, sollte er auch gar nicht. Dennoch war er mit nur acht Saisontoren 1959/60 der beste Mainzer Schütze; ein Zeichen dafür, dass die Mainzer im ersten Jahr mit ihrem innovativen Trainer Heinz Baas im Angriff dramatisch unterbesetzt waren. In seinen beiden Jahren als 05er war Reichert vor allem als kleiner, giftiger Außen- und Mittelfeldspieler für den Aufbau zuständig.

Jürgen Menger hätte in den 1980ern eigentlich der 05er sein müssen, der es in die Bundesliga schafft. Der Libero wird heute 56 Jahre alt.Jürgen Menger wird heute 56 Jahre alt. Der Libero war eins der größten Talente, die es lange in Mainz gab. Als 19-Jähriger kam "Schorsch" Menger 1980 von der kleinen TuS Schornsheim zu Mainz 05 und war sehr schnell Stammspieler in einer Oberliga-Spitzenmannschaft. Der junge Kicker war ein glänzender Techniker, extrem leichtfüßig, elegant, mit Überblick, ihm fehlte eigentlich nichts, was man für eine Bundesligakarriere brauchte. Wie ein paar Jahre später Michael "Schorsch" Müller kam Menger aber nie ganz oben an. Zwar verließ er die Mainzer nach vier erfolgreichen Jahren mit zwölf Toren in 112 Spielen, einer Südwestmeisterschaft, einem Südwestpokalsieg und dem großen Erfolg in der Deutschen Amateurmeisterschaften und wechselte zum Zweitligisten SC Freiburg, was aber eigentlich nur eine Zwischenstation auf dem Weg zur Bundesliga werden sollte, war am Ende sein Karrierehöhepunkt. Drei Jahre lang war Menger so etwas ähnliches wie ein Stammspieler, aber richtig funktionierte das nicht. Schon mit 26 Jahren verabschiedete sich Menger vom Profifußball, wechselte zum SV Wiesbaden, später zum SV Wehen, bei dem er nach dem Karriereende 1994 noch einige Jahre Juniorentrainer war.

Gernot Ruof wird 52 Jahre alt.Gernot Ruof wird 53 Jahre alt. Der Pfälzer, einst Schüler von Robert Jung am Gymnasium, war in den 1980ern eine Zeit lang ein guter Torjäger des damaligen Zweitligisten Alemannia Aachen. Ruof war nicht besonders groß, aber bullig, nicht der feinste Fußballer, aber ein Strafraumstürmer, der wusste, wie man Tore macht. Mit dem riesigen Günter Delzepich, der ihm jeden Weg freiblockte, hatte Ruof in Aachen den perfekten Nebenmann; als er nach kurzen Stationen in Belgien, Saarbrücken und Kassel 1990 zu Mainz 05 kam, dem Klub seines Ex-Lehrers Jung, fehlte ihm so ein Sturmpartner. Ruof hatte trotzdem seine Bedeutung im ersten Jahr nach dem Wiederaufstieg der Mainzer, wurde oft eingewechselt, schoss seine Jokertore, wurde nach Charly Mähns Verletzung im März auch Stammspieler. Letztlich war der fleißige Wühler und Arbeiter aber schon etwas zu altmodisch für den Fußball der 1990er, zu abhängig von Vorlagen seiner Mitspieler. Bereits mit 29 Jahren verabschiedete er sich vom Profifußball, war noch eine Zeitlang Spieler und Trainer in Amateurligen. Sein Studium, durch das er nun auch selbst Lehrer wurde, begann Ruof schon als 05-Profi.

18 Jahre alt wird Nik Rosenbaum, Allrounder in der aktuellen Mainzer U19-Mannschaft.

Und heute vor zehn Jahren schoss Mohamed Zidan den ersten von mittlerweile fünf Mainzer Bundesliga-Hattricks - dank seines Trainers. Beim Stand von 1:0 - Debütant Elkin Soto hatte nach sieben Minuten das Führungstor von Leon Andreasen vorbereitet - verzockte der Ägypter mal wieder am gegnerischen Strafraum ohne Not den Ball, Konter, Ausgleich. Worauf Jürgen Klopp den Stürmer zu sich zitierte, in den Arm nahm, ihm einen Spruch ins Ohr flüsterte - "I give you all my power" - und ihn zurück aufs Feld schickte, direkt in den Steilpass von Fabian Gerber auf den Weg zum 2:1. Per Elfmeter (eigentlich ein Job von Andreasen, der Zidan drohte: "Wenn Du nicht triffst, schieße ich Dir den Kopf ab") erhöhte Zidan auf 3:1, nach einem sagenhaften Diagonalball von Ruman schoss er noch das 4:1.

He gave him all his power und bekam heute vor zehn Jahren den ersten Mainzer Bundesliga-Hattrick: Jürgen Klopp freut sich mit seinem Torjäger Mohamed Zidan. Foto: imagoWeitere Ergebnisse am 10. Februar:

1935: Opel Rüsselsheim - FSV Mainz 05 2:1  
1952: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 2:4  
1957: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 1:0  
1963: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 2:1  
1974: FSV Mainz 05 - FK 03 Pirmasens 3:3  
1980: 1. FC Kaiserslautern (A) - FSV Mainz 05 6:0  
2008: FSV Mainz 05 - SpVgg Greuther Fürth 1:2  
2013: FC Augsburg - FSV Mainz 05 1:1  
 

11. Februar  

Robert Fleßers wird morgen 30 Jahre alt. Der defensive Mittelfeldspieler kam 2008 21-jährig, nach 13 Jahren bei Borussia Mönchengladbach, zu den 05ern, sollte schon seine Rolle im Zweitligateam spielen, wurde am Ende aber nur zweimal eingesetzt. Fleßers war kein schlechter Kicker, aber für die höheren Ligen reichte es nicht. Nach einem Jahr war er schon wieder weg, spielte für die Drittligisten aus Ingolstadt und Ahlen, war von 2011 bis 2013 Stammspieler beim Wuppertaler SV und seither bei Rot-Weiß Oberhausen, jeweils in der Regionalliga.

Patrick Walther, von 2006 bis 2009 Mittelfeldspieler der 05-Amateure, wird 29 Jahre alt.

Ergebnisse am 11. Februar:

1951: VfL Neustadt/Weinstraße - FSV Mainz 05 1:0  
1968: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 1:1  
1979: FSV Mainz 05 - Röchling Völklingen 2:2  
2001: Arminia Bielefeld - FSV Mainz 05 4:1  
2002: Hannover 96 - FSV Mainz 05 2:0  
2006: Hamburger SV - FSV Mainz 05 1:0  
2012: FSV Mainz 05 - Hannover 96 1:1  
 

12. Februar 

Aufstiegsjubel anno 2009: Markus Feulner hat soeben beim entscheidenden 2:0 in Fürth das vorentscheidende Führungstor geschossen. Elkin Sotos 2:0 bereitete er eine halbe Stunde später auch noch vor. Foto: imagoAm Sonntag wird Markus Feulner 35 Jahre alt. Der Mittelfeldspieler hatte sich durchaus schon einen Namen im Profifußball gemacht, als er vor zehneinhalb Jahren zu Mainz 05 kam. Der Franke war sechs Jahre lang bei Bayern München ausgebildet worden, hatte dort als junger Profi ein paar Mal in der Champions League gespielt, beim 1. FC Köln weitere Bundesligaerfahrung gesammelt. Nach dem Abstieg des FC wechselte Feulner 2006 zu Mainz 05.

Die 05er brauchten damals einen Nachfolger für Toni da Silva, der in der beginnenden Saison tatsächlich mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister wurde. Feulner hätte der Kopf der 05-Offensive werden sollen; dass das nicht klappte, war nicht der entscheidende Faktor, aber ein Faktor für den Abstieg. Der Neue hatte eine gute Präsenz auf dem feld, eine sehr gute Technik, Zug zum Tor. Aber auf die Torgefahr musste man lange warten; im ersten Jahr schaffte Feulner nur drei Vorlagen und zwei eigene Treffer, diese am letzten und vorletzten Spieltag, als der Abstieg bereits nicht mehr realistisch zu verhindern war. Das Strategische fehlte dem Allroundspieler letztlich.

In der 2. Bundesliga war Feulner tatsächlich eine entscheidende Figur für die Mannschaft. Jürgen Klopp stellte ihn in seinem letzten Jahr als 05-Trainer noch auf offensive Mittelfeldpositionen, unter Jörn Andersen war der Franke immer noch gelegentlich ein Zehner, aber auch häufig ein Sechser mit Offensivqualitäten in der vorderen Viererkette. Und mit sieben Toren und 15 Vorlagen einer der Schlüsselspieler, unter anderem schoss er beim aufstiegsentscheidenden 2:0 in Fürth das erste Tor und legte Elkin Soto das zweite auf. Dennoch hätte man sich von Feulner immer eine etwas größere Standfestigkeit gewünscht; nicht bei allen Freistößen und Elfmetern, die er herausholte, war er wirklich gefoult worden.

Nach dem Aufstieg verließ Feulner die 05er. Bei Klopps Borussia Dortmund hatte er keine große Bedeutung; der BVB war eine Nummer zu groß für ihn. In Nürnberg spielte er eine bessere, aber keine Hauptrolle. In Augsburg wurde Feulner inzwischen zum offensivstarken Linksverteidiger umgeschult. Sollte der FCA-Trainer Manuel Baum den Ex-05er heute in Mainz auf dem Platz sehen wollen - es wäre das zweite Mal in dieser Saison - wäre es Feulners 205. Bundesligaspiel; viele seiner Kategorie haben nicht so viele geschafft. Aber auch Feulners Karriere hätte noch größer sein können; das Talent war da.

Philipp Eisele, der 2003/04 ein Regionalligaspiel für die 05-Amateure bestritt, wird 33 Jahre alt.

Ergebnisse am 12. Februar:

1928: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 5:2  
1933: FSV Mainz 05 - Karlsruher FC Phönix 1:3  
1950: SG Weisenau - FSV Mainz 05 0:2  
1967: FSV Mainz 05 - SV Alsenborn 2:0  
1977: 1. FC Sobernheim - FSV Mainz 05 1:1  
1978: FC Rodalben - FSV Mainz 05 3:2  
1984: FSV Mainz 05 - FK 03 Pirmasens 2:1  
1989: VfL Osnabrück - FSV Mainz 05 2:1  
2000: Offenbacher Kickers - FSV Mainz 05 2:2 
2016: FSV Mainz 05 - FC Schalke 04 2:1

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