Das 05-Kalenderblatt: 11. bis 13. April

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Heute geht es um zwei mal mehr, mal weniger erfolgreiche Trainer, eine ganze Reihe von Linksfüßen und um ein großes Talent.

11. April

Vierter von links in der Abwehrmauer: Geburtstagskind Christian Hock. Foto: imagoHeute hat Christian Hock seinen 47. Geburtstag. Der Linksaußen aus Aschaffenburg wechselte 1994 mit der Erfahrung von einem Bundesligaspiel von Borussia Mönchengladbach zu den 05ern. Neun Jahre lang - von einer langwierigen Verletzung in der Rückrunde 1996/97 abgesehen - war Hock mehr oder weniger Stammspieler; zwar holten die 05er immer mal wieder einen Nachfolger, aber keiner von ihnen kam an Hock vorbei. In 234 Zweitligaspielen für die 05er schoss Hock 24 Tore und bereitete 41 vor; gefürchtet war er für seine kurzen Eckbälle, bekannt für seine Vorliebe für Nutella: 05-Zeugwart Walter Notter soll immer einen Vorrat im Schrank gehabt haben. Christian Hocks Trainerkarriere kam nie richtig in Gang: Nach dem Karriereende bei den Offenbacher Kickers trainierte der Ex-Profi zunächst zwei Jahre lang den SV Wehen, mit dem er in die 2. Bundesliga aufstieg, dann Rot Weiss Ahlen, mit denen er aus der 2. Liga abstieg. Weitere Trainerstationen: FC Homburg (5 Monate), Hessen Kassel (6 Monate), TSV Schott Mainz (9 Monate, bis Sommer 2013). Bereits als Schott-Trainer war Hock Chef des Nachwuchsleistungszentrums des SV Wehen, daher wechselte er in der Sommerpause 2013 über den Rhein und wurde zusätzlich U19-Trainer in Wehen.

Sebastian Kress wird heute 31 Jahre alt. Der Mittelfeldspieler war im ersten U19-Bundesligahalbjahr der 05er Stammspieler, kickt seitdem für verschiedene Oberligisten.

Und Suat Serdar wird heute 20 Jahre alt. Der Binger könnte momentan das spannendste Talent der 05er sein. Der U19-Nationalspieler spielte in der vergangenen Saison als A-Junior in dieser Saison bereits zwölfmal in der Bundesliga, wurde fast nur eingewechselt, nie vor der 76. Minute, sonst immer später, zeigte da aber aber eine Fähigkeit, die man von Spielern in diesem Alter und mit diesen Einsatzzeiten nicht pauschal erwarten kann: Der Mittelfeldspieler war immer sofort auf der Höhe des Spielgeschehens, hatte sogar in kürzesten Einsätzen seine Szenen - zeigte wiederum bei den ersten beiden Startelf-Einsätzen, dass immer noch ein bisschen fehlte. 2016/17 hätte Serdars Saison werden können. In der Bundesliga und in der Europa League war der junge Fußballer ein vollwertiger Teil der Startelf-Rotation - dann aber verletzte er sich beim Spiel in Leipzig, verpasste fast 20 Spiele, kommt jetzt über einen Kurzeinsatz in Ingolstadt und das eine oder andere Drittligaspiel zurück in eine angeschlagene Mannschaft. Es besteht aber Hoffnung, dass halt 2017/18 Serdars Saison wird. In Mainz? Sein Vertrag läuft jedenfalls bis 2021. In der Bundesliga? Das werden die nächsten Wochen zeigen.

Ergebnisse am 11. April:

1954: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 3:4 
1965: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 2:1 
1977: FSV Mainz 05 - FV Speyer 5:0 
1981: FC Ensdorf - FSV Mainz 05 1:0 
1987: FSV Mainz 05 - SC Birkenfeld 0:1 
1992: FSV Mainz 05 - VfB Leipzig 1:2 
1999: FSV Mainz 05 - SSV Ulm 1846 1:1 
2003: Karlsruher SC - FSV Mainz 05 0:0 
2004: FSV Mainz 05 - FC Erzgebirge Aue 1:1 
2008: FC Augsburg - FSV Mainz 05 2:1  
2015: FSV Mainz 05 - Bayer Leverkusen 2:3
 

12. April

Wohin Martin Schmidt die 05er in diesem Jahr führen wird, wird sich im Laufe der nächsten Wochen herausstellen. Fest steht: Den Spaß, den er im ausklingenden 49. Lebensjahr mit seiner Truppe hatte, hat der 05-Trainer kurz vor seinem 50. Geburtstag nicht. Foto: VeyhelmannAm Mittwoch wird Martin Schmidt sein 50. Lebensjahr vollenden. Der Schweizer kam 2010 als U23-Trainer zum FSV Mainz 05, stieg 2014 mit der höchsten Mainzer Nachwuchsmannschaft in die 3. Liga auf, wurde an Fastnacht 2015 Nachfolger von Kasper Hjulmand als 05-Trainer und ist es noch, wenn auch alle Welt am vergangenen Wochenende fest davon ausging, dass die 05er ihn umgehend beurlauben würden.

Vor einem Jahr schien Schmidt auf dem besten Wege, sich in die Abfolge der Mainzer Spitzentrainer einzuordnen. Wolfgang Frank war der Wegbereiter, Jürgen Klopp der Musterschüler und Motivator und Thomas Tuchel, der Asket, der Nerd, müsste eigentlich der beste deutsche Trainer dieser Tage sein, neigt halt mit seiner Kopflastigkeit dazu, sich selbst im Weg zu stehen. Und Schmidt, der Vielseitige, der Nahbare, der assimilierte Mainzer, hatte die Chance, Tuchel tabellarisch noch zu übertreffen. Platz 5 ist bisher Rekord, 58 Punkte das Beste, was Mainz 05 jemals in der Bundesliga erreicht hat. Schmidt hätte im vergangenen Frühjahr Vierter werden können, wurde immerhin Sechster. Erreichte als erster 05-Trainer die Gruppenphase der Europa League. Die aktuelle Saison hat das glanzvolle Bild jedoch zerkratzt. Nicht in der Drei-Wettbewerbe-Phase, sondern in der Rückrunde sind die 05er in der Tabelle dramatisch abgestürzt, stecken so tief im Abstiegskampf wie seit zehn Jahren nicht mehr. Schmidt wird von vielen Seiten angezählt, taktische Defizite, Eindimensionalität, Wankelmut werden ihm vorgeworfen. Am Ende wird es aber wohl so aussehen, dass die aktuelle Misere nicht nur die Schuld des Trainers ist, der Erfolg der vergangenen Saison nicht nur sein Verdienst. Wie alles wird auch diese Sache komplizierter sein.

Schmidt ist jedenfalls genau 21 Jahre älter als einer seiner ehemaligen Linksverteidiger, der schwedische Nationalspieler Pierre Bengtsson, der in der Winterpause 2014/15 vom FC Kopenhagen zu den 05ern wechselte. Bengtsson war ein Jahr lang relativ konkurrenzlos und damit mehr oder weniger gesetzt auf der linken Abwehrseite der 05er. Ein Jahr nach seinem Transfer aber, um den vergangenen 2015/16 herum, verlor der Schwede seinen Stammplatz an den geduldig aufgebauten, druckvolleren, französischen Sommer-Neuzugang Gaetan Bussmann. Bengtsson verlor auch seinen Platz im Nationalmannschaftskader und im 05-Kader, wurde früh in der Saison zum SC Bastia ausgeliehen. Beim Letzten der französischen Liga, der jedoch noch engen Kontakt zu den Nichtabstiegsplätzen hat, ist der Schwede Stammspieler

Der große 05er Gerd Higi verstarb am Mittwoch vor 27 Jahren.An Bengtssons zweitem Geburtstag verstarb eine der wichtigsten Persönlichkeiten des FSV Mainz 05, der ehemalige Spieler, Trainer und Scout Gerd Higi. Der am 8. Februar 1919 geborene Higi debütierte 1936 als 17-jähriger Außenstürmer im ersten 05-Team und bereitete bereits im ersten Spiel, dem 3:0 im Derby beim SV Weisenau, sein erstes Tor vor. Als einer von wenigen Vorkriegsspielern lief Higi auch in der Nachkriegs-Oberliga für die 05er auf. Bis 1951 bildete er in 115 Oberligaspielen mit Jupp Amadori die Mainzer Innenverteidigung. Irgendwann in der Saison 1954/55 - der genaue Termin lässt sich nicht feststellen - wurde Gerd Higi 05-Cheftrainer; im Sommer 1957 musste er wegen beruflicher Verpflichtungen das Traineramt niederlegen. Nachdem er bis 1971 für die Jugendabteilung des 1. FC Kaiserslautern Talente gesichtet hatte, war Higi in den 1970ern für insgesamt sechs Spiele 05-Interimstrainer. Auch sein Stammklub profitierte von Higis hervorragendem Auge für junge Fußballer: 1977 standen die A-Junioren (mit Rudi Collet, Ali Oehrlein, Günther Martin, Werner Reinhard, Siggi Iser und Axel Brummer) und die B-Junioren mit dem Rechtsaußen Charly Mähn im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft.

Ergebnisse am 12. April:

1953: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern 1:4 
1959: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 3:4 
1964: SV Niederlahnstein - FSV Mainz 05 2:5 
1970: FSV Mainz 05 - FC Homburg/Saar 2:0 
1971: FSV Mainz 05 - FV Speyer 2:2 
1975: FSV Mainz 05 - FC Homburg/Saar 2:5 
1982: Eisbachtaler Sportfreunde - FSV Mainz 05 2:2 
1996: FSV Mainz 05 - Fortuna Köln 2:0
1998: Stuttgarter Kickers - FSV Mainz 05 1:2
2014: FSV Mainz 05 - Werder Bremen 3:0  
 

13. April

Am Donnerstag vor auch schon 94 Jahren kam Heinz Baas zur Welt, und wenn eben gerade von Spitzentrainern die Rede war, müsste eigentlich auch er genannt werden. Das Einzige, was den Innovator der frühen 1960er von Frank, Klopp, Tuchel und vielleicht Schmidt unterscheidet: Nach seiner Ära kam jahrelang nichts mehr.

Der Rheinländer Baas, als Aktiver Torjäger bei Eintracht Frankfurt und den Offenbacher Kickers, wurde am Bruchweg 1959 Nachfolger von Josef Kretschmann. Baas war ein Reformer, ein Revolutionär, in Mainz allerdings seiner Zeit deutlich voraus. Zwar führte der neue Trainer sofort ein modernes, lateinamerikanisch geprägtes 4-2-4-System ein, mit dem die 05er theoretisch den meisten Gegnern hoch überlegen waren. Bis er aber auch den Kader beisammen hatte, der dieses Überzahl-vorne-überzahl-hinten-Umschaltspiel beherrschte, dauerte es Jahre. Immerhin hielt Baas die 05er damit lange aus dem Abstiegskampf der Oberliga Südwest heraus. Und machte sie in der 1963 gegründeten Regionalliga zu einem Spitzenteam, dem jedoch die Krönung versagt blieb: Beste Platzierung war der dritte Rang 1965/66, zwei Punkte hinter dem zweiten Qualifikationsplatz zur Bundesliga-Aufstiegsrunde. Im Pokal hingegen brachte Baas die 05er mit Siegen gegen Werder Bremen und den TSV München 1860 erstmals (und bis 1999 zum einzigen Mal) ins Viertelfinale. Vor der Bruchweg-Rekordkulisse von 24.000 Zuschauern - ermöglicht durch eine Zusatztribüne hinter der damals noch nicht überdachten Gegengerade - unterlagen die 05er dem 1. FC Nürnberg 0:3.

Heinz Baas 1965 mit seinen Pokalhelden.Im Frühjahr 1966 eskalierte ein Streit um den Trainer. Dieser hatte wie jedes Jahr seinen Vertrag fristgerecht gekündigt, um einen neuen, in der Regel besser dotierten Kontrakt auszuhandeln. Der Vorstand akzeptierte aber diesmal schlicht die Kündigung und machte sich auf die Suche nach einem Nachfolger. Die Mannschaft schrieb einen offenen Brief, um Baas zu behalten. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Anfang März, bei der der Trainer für seine Erörterung langanhaltenden Applaus bekam, wäre der Vorstand beinahe gestürzt worden; die Mitglieder warfen diesem (sicher nicht zu Unrecht) vor, die Kündigung zu nutzen, um den beliebten, aber teuren Trainer elegant von der Gehaltsliste zu bekommen, und zogen den Abwahlantrag erst nach stundenlangen Debatten zurück. Nach sieben Jahren war die Ära Baas daher tatsächlich vorbei; bis Jürgen Klopp ihn 2008 überbot, war der Solinger der 05-Trainer mit der längsten Amtszeit.

Seine weiteren Trainerstationen waren der FSV Frankfurt (1966-68), der SV Wiesbaden (1968/69, 1974/75), Hessen Kassel (1969-71, 1973/74), der Karlsruher SC (1971-73) und zuletzt nach dreijähriger Pause der SC Freiburg (1978/79).

25 Jahre alt wird am Mittwoch Marco Senftleben, der 2008/09 Stammspieler in der Innenverteidigung der Mainzer U17 war.

Ergebnisse am 13. April:

1952: VfR Frankenthal - FSV Mainz 05 4:3  
1958: FSV Mainz 05 - TuRa 1882 Ludwigshafen 3:0  
1969: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 1:1  
1980: FSV Mainz 05 - SV Leiwen 6:0  
1986: FSV Mainz 05 - FSV Saarwellingen 5:0  
1991: FSV Mainz 05 - Eintracht Braunschweig 1:4  
1997: FSV Zwickau - FSV Mainz 05 0:0  
2009: FSV Mainz 05 - SC Freiburg 1:2  
2013: FSV Mainz 05 - Hamburger SV 1:2 

► Alle Artikel zur Historie

► Zur Startseite