Das 05-Kalenderblatt: 11. bis 13. Juli

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Die früheste Saison von allen fing an, außerdem kamen zur Welt: ein Erfolgstrainer, ein Senkrechtstarter, ein Kunstschütze, ein Fast-Nationalspieler, ein Verteidiger mit Turban in Vereinsfarben, ein Ersatztorwart.

11. Juli  

Frank Möller wird heute 49 Jahre alt, ...Einer der letzten richtigen Senkrechtstarter der 05er wird heute 49 Jahre alt: Frank Möller kam 1989 aus dem tiefsten Amateurfußball von Alemannia Laubenheim zu den 05ern, wurde im ersten Spiel nur eingewechselt, war aber ab dem zweiten Spiel im besten Team der Oberliga-Historie auf dem rechten Flügel unumstrittener Stammspieler. Auch in der 2. Bundesliga verpasste Möller eineinhalb Jahre lang kaum ein Spiel. Und schon in der Winterpause 1991/92 wechselte er in die Bundesliga. Mit Eintracht Frankfurt verpasste Möller erst am letzten Spieltag die Deutsche Meisterschaft. Von Februar bis April war er sogar in dieser überragenden Mannschaft Stammspieler. Wegen Verletzungen spielte Möller ab 1992 jedoch nur noch drei Bundesligapartien für die Eintracht und acht Zweitligaspiele für den 1. FC Nürnberg. 1995 musste er seine Karriere im Alter von nur 27 Jahren beenden.

...Jairo Samperio 23 Jahre.Ein weiterer talentierter Flügelspieler wird heute 23 Jahre alt - und hat in diesem jungen Alter bereits die Europa League gewonnen. Den Durchbruch in den Profifußball hat Jairo Samperio Bustara spätestens in der vergangenen Saison geschafft. Bei Real Santander und dem FC Sevilla hat der Spanier bereits regelmäßig gespielt, oft aber nur als Joker. Zwei Tore und sechs Vorlagen im ersten Bundesligajahr waren aber schon einmal ein gute Basis für den damaligen Rechtsaußen, die Jairo im zweiten Jahr als Stammspieler auf dem linken Flügel mit sieben Treffern (alle auswärts) und acht Vorlagen noch einmal deutlich übertraf. Die Höhepunkte: der spektakuläre Heber im Sitzen in Hamburg, der sogar im kolumbianischen Fernsehen außerhalb der normalen Bundesliga-Berichterstattung gezeigt wurde, und das Führungstor zum Auswärtssieg bei den Bayern. Weitere Entwicklungsmöglichkeiten sind beim jungen Spanier immer noch vorhanden - und auch mit Karim Onisiwo und Gerrit Holtmann inzwischen zwei Prätendenten, die mit ihm um die Position vorne links konkurrieren.

Auch ein Torjägertalent, dessen Profi-Chancen aber noch nicht seriös eingeschätzt werden können, hat heute Geburtstag: Jonathan Burkhardt, der in der vergangenen Saison für die U17 der 05er in der Bundesliga nur viermal, aber im gleichen Jahr für die U16-Nationalmannschaft in fünf Spielen fünfmal traf, wird 16 Jahre jung. Burkhardt kann noch ein weiteres Jahr in der B-Junioren-Liga spielen.

Heute vor 24 Jahren erreichte die bislang größte Revolution im Fußball auch die 05er: Ab Saisonbeginn 1992/93 durften die Torhüter Rückpässe nicht mehr mit der Hand aufnehmen, was zu bizarrsten Szenen führte. So knieten die Abwehrspieler des Wuppertaler SV beim 3:1-Sieg des Aufsteigers gegen die 05er am Strafraum nieder und ließen sich vom Torwart anschießen. Denn abgeprallte Bälle durfte dieser weiterhin in die Hand nehmen - am Donnerstag werden wir diese Geschichte noch einmal aufgreifen. Dass überhaupt so früh schon wieder gespielt wurde - bis heute ist dieses 1:3 das früheste Ligaspiel der 05-Historie - liegt an der Einbindung der Ostvereine in den gesamtdeutschen Spielbetrieb. 1990/91 hieß die DDR-Oberliga bereits NOFV-Oberliga; sie begann in der DDR und endete in der Bundesrepublik Deutschland. 1991/92 spielten die beiden besten Ostklubs in der Bundesliga, sechs weitere wurden in die 2. Liga eingebaut, die in zwei Zwölferstaffeln mit 22 normalen Spieltagen und anschließender Auf- und Abstiegsrunde spielte. 1992/93 schließlich wurde es richtig wild in der 2. Bundesliga: Die intensivste Saison des deutschen Fußballs ließ 24 Zweitligisten an 46 Spieltagen gegeneinander spielen. Es gab fünf englische Wochen in den ersten zwei Monaten, 25 Spieltage vor der Winterpause und sieben Abstiegsplätze. Diese zumindest bleiben der Bundesliga in der bald beginnenden Saison 2016/17 erspart, aber dank der Europa-League-Qualifikation wird die Hinrunde für die 05er ähnlich stressig: Selbst im Falle eines sofortigen Ausscheidens aus dem DFB-Pokal sind den 05ern 23 Pflichtspiele von Ende August bis Ende Dezember garantiert.
 

12. Juli  

Holger Greilich, Roland Nagy, Gianluca Curci (oben v.l.), Zouhair Bouadoud, Dennis Franzin und Linus Radau haben am Dienstag Geburtstag.Einer der erfolgreichsten 05-Spieler der 1990er wird am Dienstag 45 Jahre alt: Holger Greilich, 1991 als 19-Jähriger aus Ingelheim verpflichtet, ab 1992 Stammspieler in der Mainzer Innenverteidigung. 1995 wechselte Greilich in die Bundesliga zum TSV München 1860. Ein echter Stammspieler war der Manndecker bei den "Löwen" selten, dennoch kam er auf 114 Bundesligaspiele - für 05er seiner Generation eine absolute Ausnahme. Selbst Berti Vogts interessierte sich bald für Greilich; nur eine Verletzung verhinderte seine Berufung in die A-Nationalmannschaft. Nach sieben Jahren bei den Münchnern und jeweils einer Saison für Omonia Nikosia und den Regionalligisten 1. FC Saarbrücken, für den er nur noch dreimal spielte, beendete Greilich 2004 seine Karriere.

Am gleichen Tag wie der Mainzer Verteidiger kam im rumänischen Arad Roland Nagy zur Welt. Als hin und wieder eingesetzter Defensivspieler, der dreimal die rumänische Meisterschaft gewonnen hatte, kam Nagy im Laufe der Saison 1997/98 von Steaua Bukarest zu den 05ern. Legendär wurde sein zweites Spiel: Im Derby gegen Eintracht Frankfurt hatte der Mainzer Libero früh wegen einer Platzwunde einen dicken weißen Verband am Schädel, der nach und nach rot wurde. Weil Nagy trotzdem furchtlos in jedes Kopfballduell ging. Den Durchbruch in Deutschland schaffte Nagy nicht: Für die 05er spielte er nur 15 Mal in der 2. Bundesliga, für Darmstadt 98 anschließend 37 Mal in der Regionalliga.

31 Jahre alt wird Gianluca Curci, der zweite Torhüter der 05er. Der gebürtige Römer kam im vergangenen August von seinem Stammklub, der AS Roma, nach Mainz. In seiner Jugend galt Curci als großes Talent, das belegen unter anderem 22 U21-Länderspiele. In seiner Profikarriere war Curci hin und wieder Stammspieler verschiedener italienischer Erstligisten, in Rom eher ab und zu eingesetzter Ersatztorwart. Pflichtspiele für die 05er hat Curci noch nicht bestritten, in Testspielen war oft ein gewisser Hang zum Risiko, ein gewisser Leichtsinn zu erkennen, aber in schnellem Wechsel mit spektakulären Paraden - so verursachte der Italiener gegen den Karlsruher SC zwei Elfmeter, den ersten hielt er, der zweite flog am Tor vorbei. Jannik Huth musste Curci in der Bundesliga hin und wieder als Ersatztorwart vertreten, auch der junge Florian Müller dürfte ihn in absehbarer Zeit angreifen.

Zouhair Bouadoud wird 30 Jahre alt. Der Elsässer schoss 2006/07 beim 4:0 von Eintracht Trier gegen die 05-Amateure drei Tore und wechselte im folgenden Sommer nach Mainz. Mit fünf Toren in den ersten drei Oberligaspielen der 05er kam Bouadoud überragend in die neue Saison, aber er ließ schnell nach. Bereits nach einem Jahr wechselte er zum Drittligisten VfR Aalen, bei dem er keine große Rolle spielte, später zu Wormatia Worms, den SV Elversberg, den Karlsruher SC und zuletzt 2013 zu den Spfr. Siegen, bei denen er 2015 offenbar seine Karriere beendete.

Dennis Franzin wird 23 Jahre alt. Der von Waldhof Mannheim ausgebildete Flügelstürmer spielt seit dem Winter 2013/14 in der Mainzer U23. Zuletzt fehlte Franzin lange wegen eines Schienbeinbruchs. Das Comeback ist in Form zweier Einwechslungen am Ende der vergangenen Saison gelungen.

Helmut Schneider, einer der erfolgreichsten deutschen Trainer der späten 1950er, kam am Mittwoch vor 103 Jahren zur Welt. Foto: imagoLinus Radau schließlich feiert seinen 21. Geburtstag. Bis 2014 war der Linksaußen Stammspieler in der U19 der 05er. Nachdem diese ihn nicht in die U23 übernahmen, wechselte er - wie einige weitere 05-Junioren - zum ehemaligen Mainzer U19-Trainer Stefan Sartori in die U23 des Karlsruher SC.
 

13. Juli

Am Mittwoch vor 103 Jahren kam Helmut Schneider zur Welt. Der gebürtige Altriper, einst aktiv bei Bayern München, dem SV Waldhof und der SpVgg Fürth, viermaliger Gauliga- und einmal Oberliga-Meister sowie Nationalspieler mit einem A-Länderspiel-Einsatz beim 13:0 der zwei Jahre zuvor erzwungenen und nie recht zusammengewachsenen großdeutschen Nationalmannschaft, war von 1946 bis 1948 der erste Nachkriegstrainer und gleichzeitig der Abwehrchef der 05er. Nach seinem Abschied aus Mainz wurde Schneider einer der erfolgreichsten deutschen Trainer der 1950er: Von 1956 bis 1960 gewann er jedes Jahr die Meisterschaft seiner Oberliga-Staffel. 1956 und 1957 wurde er mit Borussia Dortmund anschließend auch Deutscher Meister, in den folgenden Jahren scheiterte er zwar mit dem FK Pirmasens in den Gruppenspielen um den nationalen Titel, stand aber im Südwesten jedes Mal vor dem renommierten 1. FC Kaiserslautern. Anschließend trainierte Schneider Bayern München, den 1. FC Saarbrücken, den Karlsruher SC, Wormatia Worms und noch einmal den FKP und den BVB. Schneider verstarb 1984 im Alter von 70 Jahren in Mannheim.

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