Das 05-Kalenderblatt

Christian Karn. Mainz.
Wie jeden Donnerstag hat die nullfünfMixedZone in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche weiteren Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Auf dem Fußballplatz passierte vom 16. bis zum 22. Juli wenig von nachhaltiger Bedeutung; in Erinnerung geblieben ist bestenfalls ein effektiver Doppelwechsel. Aber gleich eine ganze Reihe von 05ern mit WM-Erfahrung hat Geburtstag, darunter einer der populärsten Mainzer Spieler dieses Jahrhunderts.

16. Juli  

Am heutigen Donnerstag haben Gerd Schmidt und Peter Van der Heyden Geburtstag.Nächstes Jahr haben zwei alte 05er am 16. Juli runde Geburtstage. Heute wird zunächst Gerd Schmidt 69 Jahre alt. Der gebürtige Wiesbadener kam 1971 vom FSV Frankfurt an den Bruchweg und war knapp vier Jahre lang der Spielmacher im linken Mittelfeld. Erst 1974/75 wurde Schmidt vom fünf Jahre jüngeren und deutlich torgefährlicheren Werner Nickel verdrängt - Schmidt selbst war ein guter Vorbereiter, aber traf selbst nicht oft. Nach 79 Regional- und 25 Zweitligaspielen wechselte der kleine Techniker zu Germania Wiesbaden.

39 Jahre alt wird heute Peter Van der Heyden. In Belgien hat der Linksverteidiger vielleicht keinen Legendenstatus; dazu fehlte ihm möglicherweise ein bisschen die Extravaganz. Aber mit 280 Erstligaspielen, die große Mehrheit für den FC Brügge, 51 Einsätzen in der Champions- und Europa-League und 21 Länderspielen, zwei Meistertiteln und zwei Pokalsiegen ist Van der Heyden eine große Nummer in seinem Heimatland. Der Eindruck, den der Abwehrspieler in Deutschland hinterließ, ist nicht ganz so groß. 2008 verpflichteten die 05er Van der Heyden vom VfL Wolfsburg, der ihn nach 43 Bundesligaspielen ausgemustert hatte. Bis zu einer schweren Verletzung kurz nach der Winterpause war der Belgier als Nachfolger von Marco Rose und Benjamin Weigelt Stammspieler und durchaus ein wichtiger Leistungsträger. Nach dem Aufstieg kam er zu acht weiteren Bundesliga-Einsätzen, ehe er sich im Winter wieder dem FC Brügge anschloss. Beim Viertligisten R. Knokke FC spielt der WM-Teilnehmer von 2002 heute noch.

17. Juli  

Helmut Schneider war in den 1950ern einer der erfolgreichsten jungen deutschen Trainer. Von 1946 bis 1948 war Schneider Spielertrainer bei Mainz 05. Foto: imagoEiner der ersten großen deutschen Nachkriegstrainer würde am Freitag 102 Jahre alt werden: Helmut Schneider kam am 17. Juli 1913 in Altrip zur Welt. Als Spieler des SV Waldhof hatte Schneider zwischen 1934 und 1940 bereits viermal die Gauliga Baden bzw. Nordbaden gewonnen. Im September 1940 bestritt Schneider beim 13:0 gegen Finnland in Leipzig sein einziges Länderspiel. Nachdem er als Wehrmachtssoldat in den letzten Kriegsjahren in Franken stationiert war und für die SpVgg Fürth gespielt hatte, kam Schneider unmittelbar nach dem Krieg für ein weiteres Jahr nach Mannheim zurück. Von 1946 bis 1948 war er Spielertrainer bei den 05ern, die er in der neuen Oberliga stabilisierte. Seine weitere Karriere führte Schneider noch einmal nach Fürth, zum VfR Mannheim, zum jungen 1. FC Köln, nach Pirmasens, Dortmund und noch einmal Pirmasens, zum aufstrebenden FC Bayern München, nach Saarbrücken, Karlsruhe, Worms und zum Abschluss noch einmal nach Pirmasens und Dortmund.

Mit Fürth stieg Schneider in die Oberliga auf und wurde schon im ersten Jahr Südmeister. Mit dem FKP griff er bereits 1954 die Dominanz des 1. FC Kaiserslautern an. Mit dem BVB gewann er 1956 und 1957 die Deutsche Meisterschaft. Nach seiner Rückkehr in die Südpfalz wurde der FK Pirmasens - verstärkt durch den Dortmunder Meisterspieler Helmut Kapitulski - 1958, 1959 und 1960 Südwestmeister; auch das vierte Jahr beendete "die Klub" vor dem FCK. Mit den Bayern verpasste Schneider die Bundesliga-Qualifikation nur haarscharf: Nach dem Punkteschlüssel, der 1963 die 16 Startplätze für die neue Liga vergab, wäre der heutige Rekordmeister dabei gewesen. Weil aber der DFB in der Debüt-Saison nur einen Klub pro Stadt zuließ, die Meister der letzten Saison der fünfgleisigen Oberliga gesetzt waren und der TSV 1860 Südmeister wurde, mussten die Bayern in die Regionalliga.

Daniel Brosinski (unten) wird am Freitag 28 Jahre alt. Foto: imago

Helmut Schneider verstarb am 13. Februar 1984 in Mannheim.

Im Trainingslager feiert am Freitag Daniel Brosinski seinen 27. Geburtstag. Der Karlsruher hatte in der vergangenen Saison die schwierige Mission, dem in seinem letzten Mainzer Jahr überragenden Zdenek Pospech nachzufolgen und machte das nicht schlecht. Freilich war der Neuzugang aus Fürth als Rechtsverteidiger konkurrenzlos. Ein ernsthaftes Backup hatten die 05er nicht. Nun ist Leon Balogun da, der Brosinski zum Zweikampf um die Position rechts hinten herausfordert. Das Leben bleibt interessant!

18. Juli  

Am Samstag vor 83 Jahren verloren die 05er eine der wichtigsten Figuren ihrer ersten Jahrzehnte: Im Alter von nur 37 Jahren verstarb am 18. Juli 1932 der Mainzer Fußballpionier Hugo Ries an den Spätfolgen einer im 1. Weltkrieg erlittenen Gasvergiftung. Ries kam 1906 zu den 05ern, als sein FC Viktoria komplett dem jungen Verein beitrat. Ab 1912 spielte der Stürmer über 300 Mal in der ersten Mannschaft. Obwohl er sich 1926 - mittlerweile als Verteidiger - aus dem Spitzensport zurückzog, hängt die erste Blütezeit der 05er in den späten 1920ern unmittelbar mit Ries zusammen: Kurt Diemer (Karriereende 1927), Otto Freitag (Karriereende 1930) und Willi Freitag (Karrieende 1932), die jener 1919 aus Berlin, wo er nach Kriegsende zunächst hängengeblieben war, nach Mainz mitbrachte, waren jahrelang wichtige Stützpfeiler der Mainzer Defensive. Zudem war Ries ein wichtiger Lehrer für den jungen Paul Lipponer, der bald der überragende Torjäger der 05er wurde. Im Alter von 32 Jahren wechselte Ries zum SV Weisenau, den er 1929 als Spielertrainer in die zweithöchste Liga brachte. Als passives Mitglied war Ries bis zu seinem Tod eine große Respektsperson bei den 05ern.

Am Samstag vor 23 Jahren gewannen die 05er durch ein Tor von Vlado Kasalo das Zweitligaspiel bei der SpVgg Unterhaching 1:0.

19. Juli  

Die große Saison 2001/02, die mit dem berüchtigten 1:3 bei Union Berlin endete, begann am Sonntag vor 14 Jahren mit einem 2:0 in Aachen. Entscheidend war ein Doppelwechsel in der 77. Minute: Jürgen Klopp brachte Andrey Voronin und den Neuzugang Dennis Weiland ins Spiel; Sekunden später bereitete Voronin Weilands Führungstor vor. Auch zu Blaise Nkufos 2:0 gab der Ukrainer die Vorlage.

20. Juli  

Am Montag liegt die Geburt von Heinz Brand 95 Jahre zurück. Der elegante Mittelläufer kam 1948 von Tennis Borussia Berlin zu den 05ern, spielte eine wichtige Rolle in der Defensivzentrale, war aber schon nach wenigen Monaten wieder weg. Über den FK Pirmasens und Nordstern Basel kam Brand 1952 zurück nach Berlin, wo er für den BFC Viktoria, den BFC Nordstern und den SC Wacker 04 spielte. Acht seiner 133 Oberligaspiele bestritt Brand für Mainz 05.

21. Juli  

05-Spieler mit WM-Erfahrung sind immer noch nicht allzu zahlreich; gleich zwei von ihnen haben am am Dienstag Geburtstag.

Rajko Tavcar wird am Dienstag 41 Jahre alt......Andrey Voronin 36 Jahre. Foto: imagoRajko Tavcar wird 41 Jahre alt. Der Slowene, der seine komplette Karriere in Deutschland - und mit Ausnahme dreier kurzer Stationen in Bayern - gespielt hat, sollte 2003/04 als Neuzugang von Wacker Burghausen die linke Abwehrseite der 05er verstärken, spielte aber, nachdem der von Hannover 96 ausgeliehene Marco Rose wider Erwarten doch gehalten werden konnte, kaum eine Rolle. Nach sieben Einsätzen in der 2. Bundesliga (und fünf im Regionalligateam) schloss sich Tavcar 2004 der SpVgg Unterhaching an, bei der er 2007 seine Karriere beendete. Siebenmal hatte der Linksverteidiger für die slowenische A-Nationalmannschaft gespielt; sein letzter Einsatz war das Gruppenspiel gegen Paraguay bei der Weltmeisterschaft 2002.

36 Jahre alt wird Andrey Voronin. Der Ukrainer galt bei Borussia Mönchengladbach bereits als untauglich für den Profifußball, entwickelte sich aber ab 2001 rasant zu einem überragenden Zweitligastürmer. 2002/03, im letzten seiner drei Jahre bei Mainz 05, wurde Voronin Torschützenkönig - der Beginn einer Karriere, der zwar jegliche weiteren Titel fehlten, die den Angreifer aber unter anderem zum FC Liverpool und zur WM 2006 brachte und immer ein 05-Fan bleiben ließ. Ausführlicher hat die 05MixedZone einen der populärsten 05-Spieler dieses Jahrhunderts hier gewürdigt.

Außerdem gewannen die 05er am Dienstag vor 23 Jahren 1:0 gegen Hansa Rostock. Uwe Diether schoss kurz nach seiner Einwechslung das Tor des Tages.

22. Juli  

In den späten 1990ern ein starkes Duo in der Mainzer Innenverteidigung: Miroslav Tanjga (am Ball) und Peter Neustädter. Foto: imagoAm Mittwoch wird Miroslav Tanjga 51 Jahre alt. Der große, eher schlaksige als wuchtige, aber kantige Jugoslawe kam 1996 als fast 32-Jähriger von Hertha BSC zu den 05ern und war als Nachfolger des großen "Schorsch" Müller sofort ein Leistungsträger in der Innenverteidigung; zu den legendären Momenten der 05er in den 1990ern gehören die Kopfballduelle gegen den kleinen Meppener Marko Myyry, die Tanjga im Stehen gewann. Der etwas jüngere Peter Neustädter bildete mit Tanjga drei Jahre lang eine ungeheuer routinierte Innenverteidigung, mit der die 05er 1997 nah an die Bundesliga kamen; auseinandergerissen wurde das Bollwerk im April 1999 in einem berüchtigten Spiel beim FC St. Pauli. Die 05er verloren in Hamburg ihren jugoslawischen Verteidiger und ihren Torwart Dimo Wache mit schweren Verletzungen und waren anschließend nicht gut zu sprechen auf den Schiedsrichter Bernd Hauer, der die Behandlung des offensichtlich nicht mehr spielfähigen Wache minutenlang nicht zugelassen hatte, und den gegnerischen Trainer Willi Reimann, der dem Torwart Schauspielerei unterstellte. Wache konnte nach monatelanger Pause seine Karriere fortsetzen, der bereits 34-jährige Tanjga nicht. Mit den 05ern blieb der zweimalige jugoslawische Meister (1989 mit Vojvodina Novi Sad, 1992 mit Roter Stern Belgrad) als Chefscout für Osteuropa bis heute verbunden.

Als Pressingmonster ein Schlüsselspieler in der ersten Mainzer Bundesligasaison: Niclas Weiland.Seinen 43. Geburtstag feiert Niclas Weiland. Der ältere Weiland kam 2001 mit seinem Bruder nach Mainz - "Nick" von Tennis Borussia Berlin, Dennis Weiland vom VfL Osnabrück. Letzterer erwischte zwar den besseren Start, nicht nur beim Debüt in Aachen, sondern insgesamt in seinen ersten beiden Jahren, aber Niclas Weiland hinterließ den nachhaltigeren Eindruck: Nachdem er die komplette Hinrunde seines zweiten Jahres wegen einer schweren verletzung verpasst hatte, meldete der Rechtsaußen sich mit zwei Toren und einer Vorlage beim 5:1 in Mannheim zurück. 2004 schoss er das erste Tor nach dem 1:3 in Fürth; das Führungstor beim 4:1 gegen den MSV Duisburg, das den Endspurt einleitete, der die 05er doch noch in die Bundesliga brachte. Dort war "Nick" Weiland als Pressingmonster und viermaliger Torschütze im ersten halben Jahr ein Schlüsselspieler; anschließend hatte der 32-Jährige immer wieder kleinere Verletzungen und verlor den Status als unumstrittener Stammspieler. 2006 beendete Niclas Weiland seine Karriere.

27 Jahre alt wird schließlich Tufan Tosunoglu. Der ehemalige türkische U21-Nationalspieler aus Hessen ist eine der tragischeren Figuren der 05er in der jüngeren Vergangenheit. Nach einer starken Drittligasaison mit den Offenbacher Kickers verpflichteten die 05er den Angreifer 2010 auf Probe - sie wollten die Vorbereitung abwarten, um zu entscheiden, ob Tosunoglu besser zu den Profis oder zum Regionalligateam passt, und ließen ihn, als es für die Bundesliga nicht reichte, direkt zum Zweitligisten FSV Frankfurt ziehen. Wegen mehrerer Kreuzbandrisse spielte der Stürmer nur zweimal für die Bornheimer. Über den SV Niederauerbach und Wormatia Worms wechselte Tosunoglu 2014 zum Verbandsligisten Türkgücü Friedberg.

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