Das 05-Kalenderblatt: 14. bis 16. Dezember

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der ersten Hälfte dieser Woche geht es um einen großartigen Rechtsverteidiger, einen Trainer mit wenig Geduld, einen torgefährlichen Offensivallrounder, einen Grandseigneur aus Berlin und eine Reihe von Talenten.

14. Dezember

Am Montag vor 76 Jahren kam Gerd Menne zur Welt. Der Birkenfelder spielte in der Abwehr des FSV Frankfurt und des VfB Stuttgart, für den er von 1963 bis 1969 in 121 Bundesligaspielen acht Tore schoss. Als Trainer war Menne zunächst für die Stuttgarter Kickers und Eintracht Bad Kreuznach verantwortlich, unter anderem in der Regionalliga. Im Oktober 1974 verpflichteten die 05er den damals 34-Jährigen als Nachfolger des nach wenigen Spielen von der Mannschaft gestürzten Uwe Klimaschefski. Menne hatte in Mainz keinen großen Erfolg, hatte es allerdings auch überhaupt nicht leicht: Der luxuriöse Kader war nicht gerade pflegeleicht, dazu kamen etliche Verletzungen. Anfang Dezember 1975 trat Menne unter zunächst unklaren Umständen zurück. Erst im Laufe des Tages stellte sich heraus, dass er sich beim Abstiegskandidaten FC Augsburg bessere Arbeitsbedingungen erhoffte. Im Laufe der Hinrunde 1976/77 wurde Menne beim FCA entlassen. Seither war er nur noch im Amateurfußball tätig, unter anderem erneut in Bad Kreuznach (1978-83) und bei Hassia Bingen (1983-87) in der Oberliga Südwest.
 
Derek Arndt wird heute 44 Jahre alt.Derek Arndt wird am Montag 44 Jahre alt. Arndt war ein kleiner, giftiger Rechtsverteidiger, der aus Nordhessen stammte, kurzzeitig bei Eintracht Frankfurt zur Amateurmannschaft gehörte, aber bisweilen auch in Profi-Testspielen eingesetzt wurde. Im Winter 1993/94 wechselte Arndt zu den 05ern, wo er sich aber nicht dauerhaft durchsetzte. Nach immerhin 20 Spielen in eineinhalb Jahren, die meisten von Anfang an, wollte Arndt nach Österreich wechseln; weil der aufnehmende Verein den Transfer nicht gut organisiert hatte, kam er schnell nach Deutschland zurück und spielte noch lange in den höheren hessischen Amateurligen.
 
37 Jahre alt wird am Montag Zdenek Pospech. Der Tscheche war ein sehr erfahrener Profi, hatte im Alltag nur in mittleren Ligen gespielt, allerdings auch 26 Mal in der Champions League; ein Resultat einer an Titeln reichen Karriere: Pospech gewann mit Baník Ostrava, Sparta Prag und dem FC Kopenhagen fünf Meisterschaften und vier nationale Pokale.
 
Noch unterliegt Jan Rosenthal dem Irrglauben, er könnte Zdenek Pospech einholen. Aber gleich bereitet der Tscheche das Siegtor gegen die Eintracht vor. Foto: imagoDie 05er entdeckten Pospech in Kopenhagen, als dieser schon 32 Jahre alt war und sie eigentlich jemand ganz anderen beobachteten, waren aber vom Tschechischen Routinier so beeindruckt, dass sie ihn 2011 nach Mainz holten. Ein Jahr - in dem er dennoch oft spielte - brauchte Pospech zur Eingewöhnung; in seiner zweiten und vor allem dritten Bundesligasaison war er vielleicht der beste Rechtsverteidiger, den die 05er je hatten, im dritten Jahr vielleicht einer der besten Rechtsverteidiger der Bundesliga. Pospech brachte das komplette Programm nach Mainz mit: Er war ein geschickter Defensivspieler, zweikampfstark, aber kein Grätscher, sondern ein Abläufer mit hervorragendem Stellungsspiel. Mit kurzen Pässen konnte er das Spiel konstruktiv eröffnen, im Mittelfeld spielte er geschickt, überragend aber waren vor allem seine langen Sprints und flachen Hereingaben in den Strafraum. Pospech schoss zwar nur ein einziges Bundesligator in seinen 91 Einsätzen, bereitete aber im ersten Jahr einen Treffer, im zweiten Jahr vier und im dritten Jahr kaum fassbare neun Tore vor. Dann verabschiedete er sich im Sommer 2014 mit 35 Jahren zurück in seine Heimatstadt Opava, um seine Karriere in der zweiten tschechischen Liga zu Ende zu bringen. Die 05er bedauerten das sehr; Pospech hatte bis dahin keinerlei Verschleißerscheinungen gezeigt und zumindest eine weitere Bundesligasaison auf hohem Niveau hätten ihm viele zugetraut.
 
Chadli Amri wird heute 31 Jahre alt.Chadli Amri schließlich wird heute 31 Jahre alt. Der aus Algerien stammende Franzose kam 2006 aus Saarbrücken zu den 05ern. Amri, ein offensiver Flügelspieler, war extrem schnell, blieb aber das ewige Talent, brachte seine vorhandenen Fähigkeiten nicht auf Dauer auf den Platz und setzte sich schließlich nicht durch. Nach vier Jahren, immerhin 78 Ligaspielen und sieben Toren, verließ Amri die 05er; beim 1. FC Kaiserslautern und beim FSV Frankfurt (wo er freilich durch einen Kreuzbandriss lange außer Gefecht gesetzt war) brachte er kein Bein auf den Boden. Beim FC Homburg spielt der ehemalige algerische Nationalspieler inzwischen wieder eine Rolle.
 
Weitere Ergebnisse am 14. Dezember:
 
1952: FSV Mainz 05 - Phönix Ludwigshafen 1:3
1958: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 3:0
1969: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 1:3
1974: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 3:2
1997: FSV Mainz 05 - SV Meppen 3:0
2003: FSV Mainz 05 - Jahn Regensburg 1:1
2007: FC St. Pauli - FSV Mainz 05 1:0
2008: Rot-Weiß Oberhausen - FSV Mainz 05 2:1
2013: FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 0:0
 

15. Dezember

Mainz 05 anno 1975. Zweiter von rechts in der hinteren Reihe ist Sigi Köstler, schräg vor ihm steht Gerd Menne, der einen Tag vor ihm Geburtstag hat.Am Dienstag wird Siegfried Köstler 65 Jahre alt. Der flexible Offensivspieler kam zum Zweitliga-Auftakt 1974 vom FC St. Pauli nach Mainz. Für Borussia Dortmund hatte der Ostwestfale 1971/72 26 Mal in der Bundesliga gespielt. In Mainz machte Köstler zunächst Herbert Renner Konkurrenz auf der linken Angriffsseite; der Neue spielte dort 24 Mal, Renner elf Mal - und in etlichen weiteren Spielen als Rechtsaußen oder Mittelstürmer. Mit fünf Toren und sieben Vorlagen erfüllte Köstler die Hoffnungen jedoch noch nicht restlos. Wechselnd zwischen Linksaußen, Sturmzentrum und dem linken Mittelfeld war er hingegen im zweiten Jahr mit 13 Toren hinter Gerd Klier und knapp vor Werner Nickel und Erwin Hohenwarter der zweitbeste 05-Torschütze; Renner war inzwischen zu Bayern Hof gewechselt. Letztlich war Köstler jedoch auch Teil des großen Problems, das die 05er (wie manch anderer Zweitligist) in jenen Jahren hatten: Der Kader war viel zu teuer, die Einnahmen viel zu gering, das Publikumsinteresse blieb weit unter den Erwartungen. Als sie sich als erster Zweitligist freiwillig nach unten verabschieden - weitere folgten in den Jahren darauf - trennten sich die 05er von etlichen Einkäufen der vergangenen beiden Jahre, darunter von Köstler, der zu Darmstadt 98 wechselte und später für den TSV München 1860 weitere neun Bundesligaspiele machte.
 
Kurt Diemer, der Grandseigneur der 05er in den frühen 1920ern, verstarb am Dienstag vor 62 Jahren.Eine der frühen großen 05-Legenden, der Verteidiger Kurt Diemer, verstarb am Dienstag vor 62 Jahren in Marburg. Der in vier A-Länderspielen eingesetzte Ex-Nationalspieler, Jahrgang 1893, war einer der Spieler, die der Mainzer Fußballpionier Hugo Ries 1919 aus Berlin in die Heimat mitbrachte. Neun Jahre lang war der als "eleganter, trotzdem wuchtiger, katzenschneller und dabei überlegener Verteidiger mit eisernem Willen", aber auch als ein Mensch, "der das Leben nie so recht meistern konnte und doch immer so etwas von einem Grandseigneur an sich hatte" charakterisierte Diemer der unumstrittene Abwehrchef der 05er und eins der großen Mainzer Fußballidole der 1920er.
 
Weitere Ergebnisse am 15. Dezember:
 
1929: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 2:0
1935: SV Weisenau - FSV Mainz 05 0:1
1957: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 1:0
1963: FSV Mainz 05 - TSC Zweibrücken 7:1
1968: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 2:1
1984: 1. FC Kaiserslautern (A) - FSV Mainz 05 2:3
1985: ASC Dudweiler - FSV Mainz 05 2:0
1991: FSV Mainz 05 - TSV München 1860 3:1
1999: FSV Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 0:0
2012: FSV Mainz 05 - VfB Stuttgart 3:1
 

16. Dezember

Zwei Geburtstagskinder am Mittwoch: Tobias Reifenscheid und Dragan Georgiev.Am Mittwoch wird Tobias Reifenscheid 40 Jahre alt. Der Verteidiger aus Kastel spielte in der ersten Hälfte der 1990er für die 05-Nachwuchsteams, wurde zweimal in Testspielen der Profis eingesetzt und durfte 1994 aufs Mannschaftsbild.
 
Dragan Georgiev wird 25 Jahre alt. Der pfeilschnelle mazedonische Außenstürmer wurde im Sommer 2010 nach einem längeren Probetraining von den 05ern verpflichtet und sofort nach Paderborn ausgeliehen. Der damals 19-Jährige spielte allerdings auch beim Zweitligisten nur einmal und kam nicht nach Mainz zurück, sondern spielt seither in der mazedonischen Liga nicht die schlechteste Rolle. Dreimal wurde Georgiev in A-Länderspielen eingesetzt.
 
Weitere Ergebnisse am 16. Dezember:
 
1928: FSV Mainz 05 - TG Höchst 7:2
1934: SV Flörsheim - FSV Mainz 05 1:3
1951: FSV Mainz 05 - VfR Frankenthal 2:1
1956: VfR Frankenthal - FSV Mainz 05 1:0
1962: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 1:0
1978: VfB Dillingen - FSV Mainz 05 0:4
1979: SG Ellingen-Bonefeld - FSV Mainz 05 3:2
1990: Hannover 96 - FSV Mainz 05 3:1
2000: FSV Mainz 05 - SSV Reutlingen 05 1:1
2001: FSV Mainz 05 - Union Berlin 1:0
2006: FSV Mainz 05 - Bayern München 0:4
2014: 1. FC Köln - FSV Mainz 05 0:0 

► Alle Artikel zur Historie

► Zur Startseite