Das 05-Kalenderblatt: 15. bis 18. Oktober

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der zweiten Hälfte dieser Woche geht es um zwei Dritt- und einen Zweitligatrainer, zwei Ersatztorhüter, einen Abwehrchef und den feinsten Fuß des Burgenlands.

15. Oktober  

Am heutigen Donnerstag vor 89 Jahren kam Erich Gehbauer zur Welt. Als Aktiver war der Rechtsaußen aus Lampertheim keine große Nummer im Fußball; bei Wormatia Worms spielte er in den frühen 1950ern gelegentlich in der ersten Mannschaft, der größte Teil seiner Karriere fand jedoch bei verschiedenen hessischen Klubs unterhalb der Oberliga statt. Einen Namen - auch bei Mainz 05 - machte sich Gehbauer als Trainer. Mit 37 Jahren übernahm er den Regionalligisten SV Weisenau, den er in seine erfolgreichste Ära führte: In den Derbies war die Elf von der Bleichstraße ein sehr ernstzunehmender Gegner für die 05er, 1967 standen die Weisenauer noch am vorletzten Spieltag nur einen Punkt hinter dem zweiten Aufstiegsrundenplatz.

Nach einer Saison bei Südwest Ludwigshafen wechselte Gehbauer 1969 zu den 05ern. Erfolg hatte er zunächst nicht; vor allem fehlte ihm nach dem Wechsel von Georg Tripp nach Frankreich ein fähiger Rechtsaußen, auch das Sturmzentrum war mit Jürgen Richter - eher ein Mittelfeldspieler - nicht ideal besetzt. Im zweiten Jahr aber stellte Gehbauer den Kern der Mainzer Erfolgsmannschaft der 1970er zusammen: Aus Weisenau kam der erfahrene Libero Walter Ziehmer, aus Gimbsheim der damalige Stürmer Herbert Scheller, der sich schnell als einer der überragenden Verteidiger der Südwestliga etablierte, aus Gau-Algesheim mit Jürgen Janz ein weiterer starker Abwehrspieler, aus Saarbrücken und Kriftel die Offensivspieler Peter Scherer und Jockel Jakobi, aus der eigenen Jugend der große Torwart Wolfgang Kneib - die Zutaten für den siebten Platz.

Die 05er hatten große Pläne mit Gehbauer, wollten mit ihm den Bundesliga-Aufstieg angehen. Tatsächlich wurden sie 1973 Südwestmeister, allerdings ohne Gehbauer, der den Verein schon 1971 verlassen hatte. Als Beamter der Bundesbahndirektion in Frankfurt konnte er die Mannschaft nicht hauptamtlich betreuen. Gehbauer wechselte zum FSV Frankfurt, wurde mit den Bornheimern schon 1972 Deutscher Amateurmeister und führte sie 1973 in die Regionalliga. Später trainierte Gehbauer noch den VfR Groß-Gerau, den SV Wiesbaden und Viktoria Aschaffenburg.

Der ehemalige 05-Abwehrchef Heinz Kirchner kam heute vor 86 Jahren zur Welt.Vor 86 Jahren wurde Heinz Kirchner geboren. Kirchner kam 1955 aus Groß-Gerau zu den 05ern. Eigentlich sollte der Verteidiger nur eine Alternative für die eingespielte Abwehr Hans Nebelung/Franz Mattes/Alfred Höfer sein. Da sich aber Nebelung schon am dritten Spieltag bei einer Karambolage mit dem eigenen Torwart Otto Schedler schwer verletzte, spielte sich Kirchner schnell als Mittelläufer fest. Mit 27 Einsätzen spielte der Abwehrchef eine gute Saison; im zweiten Jahr aber war er selbst immer wieder verletzt und wurde vom Mittelfeldspieler Walter Sonnenberger verdrängt. 1957 verließ Kirchner die 05er nach elf weiteren Einsätzen. 1957/58 spielte er für Wormatia Worms in der Oberliga - einmal gegen die 05er. Bei jenem 5:2 der Wormatia verursachte der Ex-Mainzer einen Handelfmeter, den Fritz Kleemann vergab, und schoss in der 88. Minute das Eigentor zum Endstand.

Andreas Ivanschitz wird heute 32 Jahre alt. Der Spielmacher aus dem Burgenland galt zeit seines Fußballerlebens als größtes österreichisches Talent seiner Generation, die Fortsetzung der Dynastie großer Spielmacher von Mathias Sindelar über Schneckerl Prohaska bis Andreas Herzog, vielleicht das Bindeglied zwischen jenem und David Alaba. "Andy" Ivanschitz spielte schon 16 Jahren in der österreichischen Bundesliga, war mit 17 Stammspieler, mit 19 Kapitän der Nationalmannschaft, mit 20 Österreichs Fußballer des Jahres. Und wechselte 2009 mit 25 von Panathinaikos Athen zu Mainz 05.

Sein Einstand in Mainz war großartig: Im ersten und zweiten Spiel jeweils eine Torvorlage für den Aufsteiger, im dritten und im achten ein Tor, im fünften, sechsten, zehnten, elften je ein Tor und eine Vorlage. Nach einem Drittel der Saison war Ivanschitz mit je sechs Toren und Vorlagen Erster der Scorerliste der Bundesliga. 

Andreas Ivanschitz auf seinem Zenit: In seinen ersten elf Spielen für die 05er war der Österreicher an zwölf Toren beteiligt, unter anderem beim 2:1 gegen Bayern München. Foto: imagoNatürlich hat es Gründe, wenn so ein guter Spieler nicht im gehobenen Weltfußball spielt, sondern nur beim kleinen FSV Mainz 05. Bei Ivanschitz lag das an dessen fataler Genügsamkeit. Der Österreicher kam nie aus sich heraus, reizte nie sein Limit aus. Seine Trainer, sei es im Verein, sei es in der Nationalmannschaft, reizten ihn, ärgerten ihn, provozierten ihn, quälten ihn, waren gemein zu ihm, immer in der vergeblichen Hoffnung, den Zugang zu ihm zu finden, auf dass er der überragende Spieler werde, der er hätte sein können. Bereits in seiner ersten Saison folgte dem wunderbaren ersten Drittel in den 16 weiteren Einsätzen: Eine Vorlage. Die 05er gaben schließlich auf und verlängerten den 2013 auslaufenden Vertrag des ungeheuer populären Ivanschitz einfach nicht. 

In 104 Bundesligaspielen hatte der bis dahin 19 Tore vorbereitet und 22 Tore geschossen - fast immer das erste der 05er im jeweiligen Spiel; fast immer der Grundstein zu einem Punktgewinn. Das unwichtige Ivanschitz-Tor gab es nicht, bis er in seinem letzten Heimspiel für die 05er in der Nachspielzeit mit einem Elfmeter zum 2:4 die Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach unwesentlich erträglicher machte, es hätte das Doppelte sein können. Ivanschitz verbrachte die folgenden beiden Jahre mit überschaubarem Erfolg beim valencianischen Zweitklub Levante UD in der Primera División und spielt nun für die Seattle Sounders in der US-Profiliga. Und Yunus Malli soll jetzt zeigen, dass er die Rolle besser spielt als sein Vorgänger.

Weitere Ereignisse am 15. Oktober:

1933: FSV Frankfurt - FSV Mainz 05 4:1  
1950: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 3:0  
1960: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 2:0  
1961: FSV Mainz 05 - TuRa Ludwigshafen 0:0  
1972: FSV Mainz 05 - Phönix Bellheim 8:1  
1978: FSV Mainz 05 - Eisbachtaler Sportfreunde 6:2  
1988: FC 08 Homburg/Saar - FSV Mainz 05 2:0  
1989: FSV Saarwellingen - FSV Mainz 05 1:2  
1994: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 1:1  
2005: FSV Mainz 05 - Bayer Leverkusen 3:1  
2011: FSV Mainz 05 - FC Augsburg 0:1  

16. Oktober  

Am Freitag wird Gordon Wild 20 Jahre alt. Der Angreifer aus Stuttgart spielte von 2011 bis 2013 für die U17 und U19 der 05er.

Weitere Ereignisse am 16. Oktober:

1932: Viktoria Urberach - FSV Mainz 05 0:2  
1949: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 0:3  
1955: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern 3:4  
1966: FSV Mainz 05 - Phönix Bellheim 3:0  
1977: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 2:3  
1983: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 1:1  
1993: Waldhof Mannheim - FSV Mainz 05 1:0  
2004: FSV Mainz 05 - Werder Bremen 2:1  
2010: FSV Mainz 05 - Hamburger SV 0:1  

17. Oktober  

Am Samstag vor 73 Jahren kam Peter Richter zur Welt. Der Mittelfeldspieler aus dem eigenen Nachwuchs spielte von 1961 bis 1963 23 Mal in der Oberliga für die 05er, setzte sich aber nicht dauerhaft durch.

Auch zwei Ersatztorhüter der 05er haben am Samstag Geburtstag. Zoran Zeljko wird 47 Jahre alt. Der Kroate spielte von 1985 bis 2009 fast ausschließlich für etliche Vereine im Raum Kassel, unter anderem 1986/87, von 1990 bis 1992 und von 2001 bis 2005 für den KSV Hessen. 1994 absolvierte er sechs Bundesligaspiele für den MSV Duisburg, von Januar bis Dezember 1996 saß er bei den 05ern auf der Bank. Eingesetzt wurde Zeljko nie; lediglich beim legendären 2:1 der Mainzer in Nürnberg am 6. April 1996 machte er sich nach Dimo Waches Platzverweis für die Einwechslung fertig, wurde aber auf die Bank zurückgeschickt: Die 05er hatten schon dreimal ausgewechselt und gewannen mit dem Innenverteidiger Uwe Stöver im Tor.

Tom Eilers, der 45 Jahre alt wird, spielte immerhin 56 Mal in der 2. Bundesliga, meist jedoch für Darmstadt 98. 1993, nach dem Abstieg der Lilien, wechselte Eilers zu den 05ern. Bis zu seiner Rückkehr nach Darmstadt zwei Jahre später vertrat er achtmal Stephan Kuhnert und "Moppes" Petz.

Sandro Schwarz, Ex-Profi der 05er und Erfolgstrainer der U23, wird am Samstag 37 Jahre alt.Ein Aufsteiger und mittlerweile mehr als nur ein Trainertalent aus dem eigenen Stall wird am Samstag 37 Jahre alt. Sandro Schwarz war als Zweitligaprofi bei den 05ern der Brachialtechniker, ein Dazwischenhauer im defensiven Mittelfeld, der aber auch mit dem Ball viel anfangen konnte, eine dominante Persönlichkeit, die sich nie versteckt hat, früh Verantwortung wollte. Das grundsätzliche Können für die Bundesliga hätte Schwarz sicherlich gehabt; mehrere Kreuzbandrisse an der Schwelle vom Jugend- zum Profifußball kosteten ihn allerdings das entscheidende Stück Spritzigkeit und Leichtfüßigkeit. Als die 05er 2004 den Aufstieg nach dem Fiasko von Fürth aufgaben, war Schwarz, der bis dahin in 100 Spielen zwei Tore geschossen und sechs vorbereitet hatte, einer der Handvoll Spieler, die keinen neuen Vertrag mehr angeboten bekamen. Die 05er stiegen schließlich doch noch auf, luden bis auf Michael Thurk, der schon in Cottbus unterschrieben hatte, alle Ausgemusterten ein, doch in die Bundesliga mitzukommen. Schwarz wusste jedoch auch selbst, dass er keine großen Einsatzchancen hätte und wechselte zum Zweitliga-Aufsteiger Rot-Weiss Essen.

Beim SV Wehen entwickelte sich Schwarz vom Zweitligaprofi zum Trainer. Den FC Eschborn führte er inmitten der Dauerinsolvenz in die Regionalliga, dann übernahm er die U19 der 05er. Nach der Beförderung von Martin Schmidt zu den Profis löste er diesen bei der U23 ab. Mit seiner neuen Mannschaft schaffte Schwarz in der vergangenen Saison den Nichtabstieg souveräner, als manch einer vor der Saison erwartet hätte. Dass die U23 aktuell ein Spitzenteam der 3. Liga ist, hat in hohem Maße mit ihrem Trainer zu tun, der sicherlich eines Tages noch größere Aufgaben bekommen wird.

Weitere Ereignisse am 17. Oktober:

1926: SV Trier - FSV Mainz 05 1:6  
1948: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 1:4  
1965: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 1:1  
1971: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 1:1  
1992: FC 08 Homburg/Saar - FSV Mainz 05 0:0  
1997: Energie Cottbus - FSV Mainz 05 2:2  
1999: FSV Mainz 05 - Alemannia Aachen 4:2  
2009: 1. FC Köln - FSV Mainz 05 1:0  

18. Oktober  

Zwei Geburtstagskinder in der Freistoßmauer: Ganz links Jürgen Kramny, als Dritter mit der Nummer 4 auf dem Hosenbein Sandro Schwarz. Foto: imagoJürgen Kramny wird am Sonntag 44 Jahre alt. Der Schwabe war acht Jahre lang ein wichtiger Mann bei den 05ern, zunächst im rechten Mittelfeld, hin und wieder auch als Libero, unter dem Trainer Jürgen Klopp im Zentrum. Die hochklassige Ausbildung beim VfB Stuttgart war dem U15- bis U21-Nationalspieler, der als junger Profi mit dem VfB Deutscher Meister 1992 wurde, immer anzusehen. Kramny war ein ganz hervorragender Fußballer, hatte eine gute Schusstechnik, war ein Stratege mit gutem Passspiel, hatte das Talent für eine große Bundesligakarriere - nur fehlte ihm der letzte Fanatismus. Kramny war ein ruhiger, zurückhaltender Typ und hatte das Pech, bei seiner zweiten Bundesligastation in Nürnberg abzusteigen. Vielleicht war das der Bruch in seiner Karriere, durch den der Schwabe auch langfristig ein Zweitligaspieler wurde. Die 05er holten Kramny 1997 vom Regionalligisten 1. FC Saarbrücken an den Bruchweg. Nach 197 Zweitligaspielen für die 05er und 27 Toren stieg er mit den Mainzer elf Jahre nach dem Abstieg mit dem "Club" wieder in die Bundesliga auf und war als verkappter Spielmacher, der im Mittelkreis seinen Feldherrenhügel aufbaute und das Spiel dirigierte, dort aber nicht festgenagelt war, in seinem letzten Profijahr auch auf diesem Niveau noch einmal ein wertvoller Spieler.

Die Saison 2005/06 verbrachte Kramny zunächst beim Regionalligisten Darmstadt 98 und dann im Mainzer Oberligateam. Dann begann nahtlos seine Trainerkarriere: Zwei Jahre mit der Mainzer U19, ein Jahr bei den Profis als Co-Trainer von Jörn Andersen, ein Jahr bei der U19 des VfB Stuttgart. Seit 2011 ist Kramny für die Drittligamannschaft des VfB zuständig.

Am Sonntag vor 19 Jahren überstanden die 05er eine denkwürdige Partie beim SV Meppen nicht gerade gut. Dabei waren allerdings eine Menge ungünstiger Umstände im Spiel. Die Grippe hatte die Mannschaft erwischt, außerdem fehlte Kapitän Lars Schmidt wegen einer Gelbsperre. Meppen führte schon nach einer Viertelstunde durch einen Hattrick von Christian Claaßen 3:0. Bereits in der 17. Minute holte Wolfgang Frank zwei Verteidiger vom Platz, den kranken Marek Lemsalu und den gerade erst von einem Kreuzbandriss zurückgekommenen Jürgen Klopp, für den das Spiel zu früh kam. Lemsalus Ersatzmann, der Amateurverteidiger Lars Meyer, kam so zu seinem einzigen Zweitligaspiel, Klopps Einwechselspieler Guido Erhard schoss das 1:3 und das 4:5 in Meppen. Sven Demandt wäre in den gut zehn Minuten nach Erhards zweitem Tor fast noch der Ausgleich gelungen. Knapp acht Monate später verloren die 05er übrigens noch einmal mit dem gleichen ungewöhnlichen Ergebnis - es war das Aufstiegsendspiel in Wolfsburg. Und am gleichen Tag veranstalteten die Meppener mit dem Zweitliga-Meister aus Kaiserslautern in einem Spiel, in dem es wirklich um überhaupt nichts mehr ging, ein 6:7-Spektakel.

Weitere Ereignisse am 18. Oktober:

1925: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 2:2  
1931: FSV Mainz 05 - Alemannia-Olympia Worms 4:2  
1936: Hassia Bingen - FSV Mainz 05 7:1  
1953: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:3  
1959: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 2:0  
1964: FSV Mainz 05 - Germania Metternich 3:0  
1970: VfB Theley - FSV Mainz 05 1:2  
1986: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 3:1  
1987: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 3:0  
1989: 1. FC Kaiserslautern (A) - FSV Mainz 05 1:3  
1998: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 3:0  
2014: FSV Mainz 05 - FC Augsburg 2:1  

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