Das 05-Kalenderblatt: 16. bis 18. Oktober

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Heute geht es um einen mehr und einen weniger erfolgreichen Trainer, die einst in der gleichen Freistoßmauer standen, zwei Ersatztorhüter, einen Majorleaguer und eine torreiche Niederlage.

16. Oktober

Zoltán Stieber spielte nicht oft für Mainz 05.Heute hat Zoltán Stieber Geburtstag; der ungarische Nationalspieler wird 29 Jahre alt. Der am Ende seiner Juniorenzeit in England ausgebildete Flügelstürmer hatte gerade mit Alemannia Aachen die 05er aus dem Pokal geworfen, dabei das Führungstor des Ex-05ers Benjamin Auer vorbereitet, und galt insbesondere wegen seiner vielen Torvorlagen als einer der Topspieler der 2. Bundesliga, als die 05er ihn 2011 als einen potenziellen Nachfolger ihres Toptalents André Schürrle verpflichteten. Es funktionierte nicht: In neun Pflichtspielen - fast alle in der Hinrunde - bereitete Stieber immerhin zwei Tore vor, doch gaben die 05er ihn schon nach einem Jahr wieder ab. Für die SpVgg Greuther Fürth und den Hamburger SV bestritt der Ungar tatsächlich noch eine ganze Reihe von Bundesligaspielen, ohne sich aber jemals ernsthaft in der höchsten Liga zu etablieren. Nach eineinhalb Zweitligajahren in Nürnberg und Kaiserslautern wechselte Stieber mittlerweile in die USA zu D.C. United.

Ergebnisse am 16. Oktober:

1932: Viktoria Urberach - FSV Mainz 05 0:2  
1949: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 0:3  
1955: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern 3:4  
1966: FSV Mainz 05 - Phönix Bellheim 3:0  
1977: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 2:3  
1983: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 1:1  
1993: Waldhof Mannheim - FSV Mainz 05 1:0  
2004: FSV Mainz 05 - Werder Bremen 2:1  
2010: FSV Mainz 05 - Hamburger SV 0:1  
2016: FSV Mainz 05 - SV Darmstadt 98 2:1

17. Oktober  

Am Dienstag vor 75 Jahren kam Peter Richter zur Welt. Der Mittelfeldspieler aus dem eigenen Nachwuchs spielte von 1961 bis 1963 23 Mal in der Oberliga für die 05er, setzte sich aber nicht dauerhaft durch.

Auch zwei Ersatztorhüter der 05er haben am Dienstag Geburtstag. Zoran Zeljko wird 49 Jahre alt. Der Kroate spielte von 1985 bis 2009 fast ausschließlich für etliche Vereine im Raum Kassel, unter anderem 1986/87, von 1990 bis 1992 und von 2001 bis 2005 für den KSV Hessen. 1994 absolvierte er sechs Bundesligaspiele für den MSV Duisburg, von Januar bis Dezember 1996 saß er bei den 05ern auf der Bank. Eingesetzt wurde Zeljko nie; lediglich beim legendären 2:1 der Mainzer in Nürnberg am 6. April 1996 machte er sich nach Dimo Waches Platzverweis für die Einwechslung fertig, wurde aber auf die Bank zurückgeschickt: Die 05er hatten schon dreimal ausgewechselt und gewannen mit dem Innenverteidiger Uwe Stöver im Tor.

Tom Eilers, der 47 Jahre alt wird, spielte immerhin 56 Mal in der 2. Bundesliga, meist jedoch für Darmstadt 98. 1993, nach dem Abstieg der Lilien, wechselte Eilers zu den 05ern. Bis zu seiner Rückkehr nach Darmstadt zwei Jahre später vertrat er achtmal Stephan Kuhnert und "Moppes" Petz.

2004 entschied sich Sandro Schwarz dagegen, mit den 05ern in die Bundesliga mitzugehen. 13 Jahre später ist der ehemalige 05-Profi angekommen, nicht als Aktiver, dafür in umso verantwortlicherer Rolle. Foto: imago39 Jahre alt wird schließlich der Cheftrainer. Sandro Schwarz war als Zweitligaprofi bei den 05ern der Brachialtechniker, ein Dazwischenhauer im defensiven Mittelfeld, der aber auch mit dem Ball viel anfangen konnte, eine dominante Persönlichkeit, die sich nie versteckt hat, früh Verantwortung wollte. Das grundsätzliche Können für die Bundesliga hätte Schwarz sicherlich gehabt; mehrere Kreuzbandrisse an der Schwelle vom Jugend- zum Profifußball kosteten ihn allerdings das entscheidende Stück Spritzigkeit und Leichtfüßigkeit. Als die 05er 2004 den Aufstieg nach dem Fiasko von Fürth aufgaben, war Schwarz, der bis dahin in 100 Spielen zwei Tore geschossen und sechs vorbereitet hatte, einer der Handvoll Spieler, die keinen neuen Vertrag mehr angeboten bekamen. Die 05er stiegen schließlich doch noch auf, luden bis auf Michael Thurk, der schon in Cottbus unterschrieben hatte, alle Ausgemusterten ein, doch in die Bundesliga mitzukommen. Schwarz wusste jedoch auch selbst, dass er keine großen Einsatzchancen hätte und wechselte zum Zweitliga-Aufsteiger Rot-Weiss Essen.

Beim SV Wehen entwickelte sich Schwarz vom Zweitligaprofi zum Trainer. Den FC Eschborn führte er inmitten der Dauerinsolvenz in die Regionalliga, dann übernahm er die U19 der 05er. Nach der Beförderung von Martin Schmidt zu den Profis löste er diesen bei der U23 ab. Mit der höchsten Mainzer Nachwuchsmannschaft schaffte Schwarz den Nichtabstieg zweimal souveräner, als manch einer es erwartet hatte. Dass die U23 im dritten Jahr abstieg, hing in erster Linie an den vielen Abgängen aus dem Stammteam, für die die 05er keinen adäquaten Ersatz fanden. Daher ging die Skepsis derer, die nicht verstanden, wie ein Drittliga-Absteiger in die Bundesliga kommen konnte, am Thema vorbei - und zehn Punkte in sechs Spielen nach dem nicht ausschließlich selbstverschuldet verpatzten Saisonstart zeigen, dass Sandro Schwarz in den Wochen vor seinem 39. Geburtstag und 13 Jahre nach dem Abschied aus Mainz mit den 05ern in der Bundesliga angekommen ist.

Ergebnisse am 17. Oktober:

1926: SV Trier - FSV Mainz 05 1:6  
1948: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 1:4  
1965: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 1:1  
1971: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 1:1  
1992: FC 08 Homburg/Saar - FSV Mainz 05 0:0  
1997: Energie Cottbus - FSV Mainz 05 2:2  
1999: FSV Mainz 05 - Alemannia Aachen 4:2  
2009: 1. FC Köln - FSV Mainz 05 1:0  

18. Oktober  

Zwei Geburtstagskinder in der Freistoßmauer: Ganz links Jürgen Kramny, als Dritter mit der Nummer 4 auf dem Hosenbein Sandro Schwarz. Foto: imagoJürgen Kramny wird am Mittwoch 46 Jahre alt. Der Schwabe war acht Jahre lang ein wichtiger Mann bei den 05ern, zunächst im rechten Mittelfeld, hin und wieder auch als Libero, unter dem Trainer Jürgen Klopp im Zentrum. Die hochklassige Ausbildung beim VfB Stuttgart war dem U15- bis U21-Nationalspieler, der als junger Profi mit dem VfB Deutscher Meister 1992 wurde, immer anzusehen. Kramny war ein ganz hervorragender Fußballer, hatte eine gute Schusstechnik, war ein Stratege mit gutem Passspiel, hatte das Talent für eine große Bundesligakarriere - nur fehlte ihm der letzte Fanatismus. Kramny war ein ruhiger, zurückhaltender Typ und hatte das Pech, bei seiner zweiten Bundesligastation in Nürnberg abzusteigen. Vielleicht war das der Bruch in seiner Karriere, durch den der Schwabe auch langfristig ein Zweitligaspieler wurde. Die 05er holten Kramny 1997 vom Regionalligisten 1. FC Saarbrücken an den Bruchweg. Nach 197 Zweitligaspielen für die 05er und 27 Toren stieg er mit den Mainzer elf Jahre nach dem Abstieg mit dem "Club" wieder in die Bundesliga auf und war als verkappter Spielmacher, der im Mittelkreis seinen Feldherrenhügel aufbaute und das Spiel dirigierte, dort aber nicht festgenagelt war, in seinem letzten Profijahr auch auf diesem Niveau noch einmal ein wertvoller Spieler.

Die Saison 2005/06 verbrachte Kramny zunächst beim Regionalligisten Darmstadt 98 und dann im Mainzer Oberligateam. Dann begann nahtlos seine Trainerkarriere: Zwei Jahre mit der Mainzer U19, ein Jahr bei den Profis als Co-Trainer von Jörn Andersen, ein Jahr bei der U19 des VfB Stuttgart. Seit 2011 war Kramny für die Drittligamannschaft des VfB zuständig, in der zweiten Hälfte der Saison 2015/16 sogar Cheftrainer bei seinem Heimverein und dessen Abstiegstrainer. Auch das viermonatige Engagement bei Arminia Bielefeld in der vergangenen Saison ging nicht gut aus für Kramny.

Am Mittwoch vor 21 Jahren überstanden die 05er eine denkwürdige Partie beim SV Meppen nicht gerade gut. Dabei waren allerdings eine Menge ungünstiger Umstände im Spiel. Die Grippe hatte die Mannschaft erwischt, außerdem fehlte Kapitän Lars Schmidt wegen einer Gelbsperre. Meppen führte schon nach einer Viertelstunde durch einen Hattrick von Christian Claaßen 3:0. Bereits in der 17. Minute holte Wolfgang Frank zwei Verteidiger vom Platz, den kranken Marek Lemsalu und den gerade erst von einem Kreuzbandriss zurückgekommenen Jürgen Klopp, für den das Spiel zu früh kam. Lemsalus Ersatzmann, der Amateurverteidiger Lars Meyer, kam so zu seinem einzigen Zweitligaspiel, Klopps Einwechselspieler Guido Erhard schoss das 1:3 und das 4:5 in Meppen. Sven Demandt wäre in den gut zehn Minuten nach Erhards zweitem Tor fast noch der Ausgleich gelungen. Knapp acht Monate später verloren die 05er übrigens noch einmal mit dem gleichen ungewöhnlichen Ergebnis - es war das Aufstiegsendspiel in Wolfsburg. Und am gleichen Tag veranstalteten die Meppener mit dem Zweitliga-Meister aus Kaiserslautern in einem Spiel, in dem es wirklich um überhaupt nichts mehr ging, ein 6:7-Spektakel.

Weitere Ergebnisse am 18. Oktober:

1925: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 2:2  
1931: FSV Mainz 05 - Alemannia-Olympia Worms 4:2  
1936: Hassia Bingen - FSV Mainz 05 7:1  
1953: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:3  
1959: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 2:0  
1964: FSV Mainz 05 - Germania Metternich 3:0  
1970: VfB Theley - FSV Mainz 05 1:2  
1986: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 3:1  
1987: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 3:0  
1989: 1. FC Kaiserslautern (A) - FSV Mainz 05 1:3  
1998: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 3:0  
2014: FSV Mainz 05 - FC Augsburg 2:1  

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