Das 05-Kalenderblatt: 16. bis 19. Juni

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Diesmal stehen vor allem Trainer im Mittelpunkt: Ein Meistertrainer mit, einer (im weiteren Sinne) aus Mainz, ein Stratege, der seiner Zeit voraus, und ein Feuerwehrmann, dessen große Zeit vorbei war.

16. Juni

Eine der wichtigsten Figuren in der Historie des FSV Mainz 05 wird heute 49 Jahre alt. 18 davon - also immer noch mehr als die Hälfte seines Erwachsenenlebens - spielte er die eine oder andere Hauptrolle bei den 05ern. Die Rede ist von Jürgen Klopp.

Neben dem wuchtigen Offensivkopfball eins von zwei Markenzeichen des Rechtsverteidigers Jürgen Klopp: die eingesprungene Grätsche. Die beherrschte "Kloppo" mit und ohne Gegenspieler. Foto: imagoAls junger Stürmer scheiterte der Schwarzwälder 1990 mit Rot-Weiß Frankfurt in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga an den 05ern. Nicht viel später wechselte Klopp an den Bruchweg, weil der Aufstiegstrainer Robert Jung noch einen kopfballstarken Offensivmann wollte. Ein Angreifer blieb "Kloppo" jedoch nicht lange, trotz seiner vier Tore beim 5:0 in Erfurt in der Saison 1991/92. Ziemlich schnell sortierten ihn die diversen 05-Trainer immer weiter nach hinten; den Großteil seiner langen Spielerkarriere war Klopp ein dynamischer, kopfballstarker und durchaus vorne torgefährlicher Rechtsverteidiger, der seine Karriere erst nach knapp elf Jahren nach 325 Zweitligaspielen (05-Vereinsrekord in dieser Liga) und 52 Toren (bei den 05ern in der 2. Liga nur von Sven Demandt übertroffen) beendete.

Das geschah sehr überraschend: Zwar hatten die 05-Trainer René Vandereycken und Eckhart Krautzun nicht mehr den allergrößten Wert auf den längst etwas morsch gewordenen Klopp gelegt, aber man war davon ausgegangen, dass er - soweit fit - zumindest die Saison zu Ende spielen würde. Statt dessen beförderten die 05er den Routinier an Fastnacht nach der Entlassung Krautzuns kurzerhand zum Interimscoach und nach zwei Siegen in zwei Spielen zum Cheftrainer. In dieser Rolle wurde Klopp schnell auch außerhalb der Stadtgrenzen populär: Im ersten halben Jahr hielt er die 05er souverän in der 2. Bundesliga. 2001/02 brach er mit seiner Mannschaft etliche Zweitligarekorde, verpasste aber den Aufstieg erst knapp und 2003 knapper. 2004 kamen die 05er endlich in der Bundesliga an und benahmen sich trotz einer Serie von neun Spielen ohne Sieg im Winter überhaupt nicht wie ein klassischer Abstiegskandidat. Klopp wurde parallel zu seinem Trainerjob bald eine umschwärmte Werbefigur und Fernseh-Fußballexperte. Nachdem er im dritten Bundesligajahr den Verlust einiger Stammspieler nicht kompensieren konnte, stieg Klopp mit den 05ern ab; über die folgende Saison hinaus wäre er nur im Fall des direkten Wiederaufstiegs geblieben. Den verpassten die 05er. Mit den Worten "Alles, was ich kann, alles, was ich bin, habt Ihr mich werden lassen" verabschiedete sich der große Volksredner und Mainzer Volksheld von seinen Fans.

Auch bei Borussia Dortmund brauchte Klopp ein paar Jahre, um seine Serie des Scheiterns am letzten Spieltag loszuwerden: Den UEFA-Pokal verpasste der BVB knapp, die Champions League verpasste er knapp - dann wurde er 2011 und 2012 zweimal Deutscher Meister und einmal DFB-Pokalsieger; 2013 stand er im Champions-League-Finale. Warum die Saison 2014/15 für den BVB lange so katastrophal lief, ist aus der Distanz schwer seriös zu beurteilen. Dass Klopp nach sieben Jahren beim BVB darum bat, in der Sommerpause aus seinem Vertrag entlassen zu werden, war keine riesengroße Überraschung.

Bei etlichen Vereinen im großen bis riesengroßen Fußball wurde Klopp schnell mehr oder weniger ernstzunehmend ins Gespräch gebracht. Nicht bereits zur (damals) neuen Saison, aber dann doch früher als erwartet, nämlich Anfang Oktober 2015, stieg er beim Liverpool FC ein. Der hatte unter Brendan Rodgers seinen Saisonstart sicherlich nicht völlig vermasselt, aber im Spätsommer und frühen Herbst zu viele 1:0-Führungen nicht verteidigt. Klopp übernahm die "Reds" auf dem zehnten Tabellenplatz, hatte keine leichte Saison, viele Verletzungsprobleme, ein nicht allzu klug zusammengestelltes Team, machte im Saisonverlauf immerhin zwei Plätze gut und führte Liverpool ins Europa-League-Finale, das er gegen den Seriensieger Sevilla FC 1:3 verlor. Aber das Scheitern im ersten Versuch gehört offenbar dazu bei Jürgen Klopp. Läuft es so wie immer, wird es ab 2018 Titel geben. Dann endet sein jetziger Vertrag in Liverpool. In Mainz und Dortmund ist Klopp der Trainer mit der längsten Amtszeit. In Liverpool wird er den Rekord nicht so schnell brechen: In jüngerer Vergangenheit stehen Gérard Houiller und Rafa Benítez (jeweils sechs Jahre) weit vorne. Bill Shankley war ab 1959 15 Jahre lang für die "Reds" verantwortlich, den absoluten Rekord aber hält Tom Watson mit 19 Jahren ab 1896.

Rückkehr in den Profifußball

Obwohl aber Klopp als ewiger 05er gilt, war sein 21. Geburtstag kein doppelter Feiertag für ihn: Dass die 05er an diesem Tag zwölf Jahre nach dem Lizenzverzicht die Rückkehr in die 2. Bundesliga klar machten, dürfte den damaligen Stürmer der Amateure Eintracht Frankfurts nicht allzu sehr interessiert haben. Der FV Weinheim war an jenem 16. Juni 1988 Gast am Bruchweg und verlor vor offiziell 9.000, tatsächlich wahrscheinlich weit über 10.000 Zuschauern 0:2. Nach Michael Müllers Führungstor in der 33. Minute war der Erfolg lange gefährdet; Patrick Mohr beseitigte in der 88. Minute die letzten Zweifel am Aufstieg. Aber auch sonst wäre die Rückkehr in den Profifußball wohl nur Formsache gewesen; es war erst der vorletzte Spieltag der Aufstiegsrunde.

Drei Jahre später gewannen die 05er am letzten Zweitligaspieltag 3:2 bei Preußen Münster; das hat Klopp sicher eher interessiert: Der Stürmer bereitete Michael Schuhmachers 1:1 vor. Mit Olaf Kirns 2:1 und Norbert Hönnscheidts 3:2 hatte Klopp nicht unmittelbar zu tun. Die Partie hatte ein kurioses Nachspiel: Wegen einer bemerkenswerten Naivität, was die schriftliche Fixierung von Sponsorenvereinbarungen betraf, verweigerte der DFB den 05ern die Lizenz für die kommende Zweitligasaison. Erst als der Verein auf die Schnelle aus mündlichen Abmachungen schriftliche Verträge machte und diese nachreichte, ließ der DFB ihn im Profifußball weiterspielen. Hätte das Urteil Bestand gehabt, wäre anstelle der 05er zweitklassig geblieben: Preußen Münster.

Der Geburtstag eines großen Trainers ist jedoch auch der Todestag eines anderen: Josip Kuze verstarb heute vor drei Jahren im Alter von 60 Jahren in Zagreb. Der Kroate war von Sommer 1992 bis Herbst 1994 Chefcoach der 05er.

In der Chronologie der 05er war Kuze nur der indirekte Vorgänger von Wolfgang Frank, von der Bedeutung her hätte er sein unmittelbarer Vorgänger sein müssen. Der langjährige Verteidiger von Dinamo Zagreb (384 Spiele und 14 Tore von 1971 bis 1981) machte schon 1991/92 bei Rot-Weiß Erfurt auf sich aufmerksam: Der Saisonstart der Thüringer in ihrer ersten Saison im gesamtdeutschen Fußball missriet dermaßen, dass der Abstieg früh fest stand, aber was die Erfurter in der zweiten Saisonhälfte spielten, war so beeindruckend, dass die 05er Kuze frühzeitig als Nachfolger für Robert Jung anheuerten.

Kuze war ein großer Taktiker, zu dieser Zeit mit Sicherheit ein Revolutionär. Legendär waren seine Taktikspiele am Kaffeetisch mit Milchkännchen, Zuckerwürfeln und allem, was gerade zur Hand war. Bereits 1992 wollte Kurze die Viererkette einführen, zog es aber nicht durch. Letztlich spielten die 05er weiterhin mit Libero und Manndeckern, aber hatten schon ein paar Raumdeckungselemente in ihrem Spiel. Das hielt die Mainzer Mannschaft gut über Wasser; im Abstiegskampf, in dem man sie hätte erwarten können, war sie nie.

Große Disziplin forderte der hochintelligente studierte Jurist nie. Seine Spieler durften sich Dinge erlauben, die heute unvorstellbar wären, auch damals schon außerhalb des Normalen lagen. In Mainz hätte Kuze länger bleiben können; er selbst sagte allerdings, es hätte zu viele Kroaten in der Stadt gegeben. Kuze, wie sein legendärer Libero Vlado Kasalo ein Zocker, hatte schließlich hohe Wettschulden und war für den Verein nicht mehr tragbar.

Neben verschiedenen kroatischen Vereinen trainierte Kuze in den folgenden Jahren Gamba Osaka, die Nationalmannschaften von Ruanda und Albanien und kurzzeitig den Chemnitzer FC.
 

17. Juni

Am Freitag vor 34 Jahren gab es für die 05er zum ersten Mal einen überregionalen Titel zu feiern: Durch zwei Tore von Charly Mähn und eines von Ludwig Scherhag schlugen sie im Endspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft die zweite Mannschaft von Werder Bremen 3:0. Erst 27 Jahre später gab es mit der U19-Meisterschaft den zweiten großen Titel für Mainz 05.

Horst Franz wird morgen 76 Jahre alt.Horst Franz wurde an jenem Tag 42 Jahre alt. Der gebürtige Berliner war bereits ein erfahrener, vielleicht schon ein zu altmodischer Trainer, als er die 05er 1995 im Abstiegskampf übernahm. Franz' Karriere hatte in Gütersloh und Österreich begonnen, später wurde er ein Feuerwehrmann in der deutschen Bundesliga, Retter von Arminia Bielefeld (1981) und Borussia Dortmund (1984), aber auch Absteiger mit Schalke (1988). In Mainz wurde Franz fürs letzte Drittel der Saison 1994/95 Nachfolger des für diese Phase vielleicht zu freundlichen Horst Hummels. Der neue Trainer hielt die 05er einen Tag nach seinem 55. Geburtstag - sieh unten - furios in der Liga, stellte dann aber für die neue Saison eine untaugliche Mannschaft zusammen. Der Start ging fürchterlich schief mit einem Punkt und 0:13 Toren (zugegeben: Gegen Hannover 96 hatten die 05er am ersten Spieltag zweimal getroffen, weil aber Thomas Ziemer ohne Spielberechtigung dabei war, wurde das Spiel 0:2 gewertet). Franz wurde entlassen, Wolfgang Frank wurde sein Nachfolger, der lange, komplizierte Aufstieg der 05er in die Bundesliga und in den Europapokal begann. Franz wiederum wird morgen 76 Jahre alt.

Weitere Ergebnisse am 17. Juni:

1973: FC St. Pauli - FSV Mainz 05 2:2
1990: FSV Mainz 05 - SSV Reutlingen 05 2:3
1999: FSV Mainz 05 - Tennis Borussia Berlin 0:3
 

18. Juni  

Am Samstag vor 75 Jahren geboren: Gerhard Görlach, einst Regionalliga-Verteidiger der 05er.Am Samstag vor 88 Jahren wurde Rudi Naffin geboren. Der Verteidiger spielte in der Saison 1948/49 zweimal für den FSV Mainz 05, später unter anderem für die SG Weisenau und Wacker 04 Berlin.

Genau zehn Jahre jünger ist der Stürmer Günter Sauerzapf, der am 9. September 1956 beim 0:2 in Andernach sein einziges Ligaspiel mit der ersten Mannschaft der 05er absolvierte und später für die FVgg Mombach 03 spielte. Sauerzapf verstarb ab 30. Oktober 2013 im Alter von 75 Jahren.

Gerhard Görlach, am Samstag vor 75 Jahren geboren, hatte eine größere Karriere: Der damalige 05-Nachwuchsspieler debütierte bereits 1959 im Oberligateam der 05er, ab dem Frühjahr 1963 spielte er regelmäßig. Zunächst wurde Görlach auf verschiedenen Mittelfeldpositionen eingesetzt, gelegentlich sogar als Außenstürmer. 1965/66 war Görlach in jedem Spiel dabei: In der Hinrunde vertrat er den verletzten Carlo Storck als Libero, in der Rückrunde war er zentraler Manndecker bei den 05ern. Im Frühjahr 1967 fiel Görlach selbst lange aus; nach 14 Oberliga- und 66 Regionalligaspielen und insgesamt sechs Toren verließ er die 05er anschließend. Für die SpVgg Weisenau absolvierte der Verteidiger bis 1971 weitere 76 Partien in der zweithöchsten Liga.

Der höchste Zweitliga-Sieg

Vor genau 21 Jahren sicherten sich die 05er mit ihrem höchsten Sieg in der 2. Bundesliga mal wieder den Nichtabstieg. Es war ein kurioser Abstiegskampf: Ihren Trainer Josip Kuze hatten die 05er früh in der Saison entlassen. Sein Assistent, der junge Hermann Hummels, wurde Chef, begann gut, hatte aber nicht die notwendige Autorität. Hummels holte den ersten Sieg beim Angstgegner FC Homburg seit 1966, verlor aber, auch weil Manndecker Holger Greilich mit einer Leistenverletzung fehlte, fünf der nächsten sechs Spiele und trat schließlich zurück. Zum ersten, aber nicht zum letzten Mal sprang zunächst Amateurtrainer Manfred Lorenz ein, dann sollte - siehe oben - Horst Franz, ein Trainer ältester Schule, die 05er vom vorletzten Platz auf einen Nichtabstiegsrang führen. 

Wo dieser genau war, war jedoch lange unklar: Am 22. Mai gab es vier Lizenzverweigerungen: Der Erstligist Dynamo Dresden sowie die Zweitligisten 1. FC Saarbrücken, 1. FC Nürnberg und Hertha BSC mussten in die Regionalliga, wodurch es keinen sportlichen Abstieg aus der 2. Liga gab. Jedoch wurden Nürnberg und Hertha am 8. Juni in zweiter Instanz begnadigt. Mit sieben Punkten Vorsprung bei noch zwei ausstehenden Spielen waren die Mainzer damit immer noch vorzeitig gerettet, aber die Gefahr bestand, dass auch Saarbrücken und Dresden die Lizenz doch noch erhalten könnten. Der Drittletzte, der FSV Zwickau, war nur einen Punkt entfernt und gewann prompt gegen die Mainzer.

Um auf jeden Fall sicher zu sein, mussten die 05er den FSV Frankfurt schlagen. Die Bornheimer waren Tabellenletzter mit gewaltigem Rückstand und fast 100 Gegentoren. Schon lange vor dem 22. Mai hatten sie Sprüche gemacht, sie bräuchten nur vier Lizenzverweigerungen, um Zweitligist zu bleiben. Tatsächlich wussten sie, dass der Abstiegskampf längst verloren war, und nahmen das Endspiel am Bruchweg nicht mehr ernst. Ihr Notaufgebot kam mit den Privatautos nach Mainz, der Stammtorwart Thomas Ernst spielte im Feld. Und die 05er überrannten den Gegner einfach: 1:0 nach zwei Minuten durch Hendrik Weiß, 2:0 nach fünf Minuten durch Sergej Schukow, 3:0 nach neun Minuten durch ein Eigentor von Jürgen Klopps Kumpel Alexander Schur, 4:0 nach 17 Minuten durch Abdul Ouakili. 7:1 am Ende durch weitere Treffer von Thomas Ziemer (2) und Sven Demandt sowie Weiß' Eigentor und kurz darauf die Gewissheit: Weil Nürnberg in Rostock verloren hat, haben sich die 05er auch sportlich gerettet. Letztlich war die ganze Aufregung aber ohnehin umsonst. Saarbrücken und Dresden mussten tatsächlich runter, auch Nürnberg und Zwickau blieben Zweitligisten.

Sechs Jahre zuvor, nur der Vollständigkeit halber sei das erwähnt, hatten sich die 05er mit einem 1:1 gegen den VfL Osnabrück aus der 2. Liga vorübergehend verabschiedet.
 

19. Juni  

Am Sonntag würde Bernd Hoss 77 Jahre alt werden. Der damals 32-Jährige wurde 1971 Nachfolger von Erich Gehbauer als Trainer der 05er. Gehbauer hatte eigentlich mittelfristig den Bundesliga-Aufstieg angehen sollen, konnte aber als Beamter der Bundesbahndirektion die 05er nicht hauptamtlich betreuen. Der neue Mann, zuvor Trainer des Schwarzwälder Amateurligisten FV Ebingen, hätte die Mission zwei Jahre später beinahe erfüllt.

Hoss hatte einen luxuriösen Kader, den besten, den die 05er bis dahin je zusammengekauft hatten. Das Geld des neuen Sponsors Blendax ermöglichte die Verpflichtung des Bundesligastürmers Gerd Klier (HSV), der Nürnberger Willi Löhr (Manndecker/Libero) und Herbert Renner (Außenstürmer), des Bornheimer Spielmachers Gerd Schmidt, des Braunschweiger Außenstürmers Manfred Kipp, des dänischen Nationalspielers Torben Nielsen für die Defensive - zusammen mit den lokalen Topspielern Wolfgang Kneib und Herbert Scheller, Jürgen Janz und Jürgen Richter sowie mit Peter Scherer und Paul Göppl, der aus Ebingen mitgekommen war, bildeten die Profis ein Topteam der Regionalliga Südwest.

Schon 1972 hatten die 05er die Aufstiegsrunde zur Bundesliga lange in Reichweite. 1972/73 ergab sich schließlich der spannende Zweikampf mit Röchling Völklingen. Die Saarländer hatten meistens einen geringen Vorsprung, den sie am Saisonende verloren. Im letzten Spiel, dem direkten Duell, reichte den 05ern ein Unentschieden zur Südwestmeisterschaft - für die Aufstiegsrunde hätte auch der zweite Platz genügt. Vor 18.000 Zuschauern ging Völklingen kurz vor der Pause in Führung. Die herausragende Abwehr, die bis dahin 15 Mal zu Null gespielt und in den restlichen Partien erst 18 Tore kassiert hatte, hielt den Vorsprung der Saarländer bis in die 86. Minute. Dann glich die beste Offensive der Liga aus.Peter Scherer schoss die 05er zur Südwestmeisterschaft.

In der Aufstiegsrunde landeten die beiden Südwestteams wie immer in unterschiedlichen Gruppen. Die Völklinger hatten das Pech, Rot-Weiss Essen zum Gegner zu haben. Das Team um "Ente" Lippens wurde der Favoritenrolle vollends gerecht, die anderen vier Teams der Gruppe 2 hatten keine Chance. Die 05er galten zumindest zum Mitfavoriten neben Fortuna Köln und spielten auch so. Am fünften Spieltag ging die Schere auseinander: In einem turbulenten Spiel verloren die 05er 0:3 gegen den Hauptkonkurrenten. In der hitzigen Atmosphäre der 28.000 Zuschauer in der Müngersdorfer Radrennbahn gerieten vor der Pause Herbert Scheller und der Kölner Gerd Zimmermann aneinander. "Beide sind zum Ball gegangen. Hinterher haben beide auf der Erde gelegen. Der Schiedsrichter hat mit der Roten Karte herumhantiert und niemand wusste, was Sache war", erklärte Kapitän Löhr. Zimmermann war draußen, so viel war klar. "Und ich?", muss Scheller seinen Kapitän gefragt haben. Dessen Antwort: "Spiel weiter." Erst vor seinem Anpfiff zur zweiten Hälfte merkte der Schiedsrichter, dass die Mainzer immer noch zu elft waren. Scheller flog endgültig aus dem Spiel und wurde lange gesperrt. Die Kölner schafften schließlich den Aufstieg.

Die 05er 1988 vor dem bedeutungslosen letzten Aufstiegsrundenspiel in Aschaffenburg: Hinten von links Trainer Horst-Dieter Strich, Betreuer Rocky Meyer, André Häuser, Norbert Hönnscheidt, Erik Kunz, Bernd Münch, Bernd Wilhelm, Patrick Mohr, Frank Haun, Michael Schuhmacher, Teamchef Jürgen Gabriel, Präsident Bodo Hertlein. Vorne Masseur Hess, Michael Schmitt, Hendrik Weiß, Micky Becker, Charly Mähn, Manfred Petz, Engin Özdemir, Stephan Kuhnert, Ernst-Ludwig Karsch, Colin Bell, Michael Müller.1974 wollten die 05er Hoss nicht mehr. In einer etwas turbulenteren Qualifikationssaison zur neuen 2. Bundesliga waren sie knapp hinter Völklingen und wieder mit der besten Offensive der Liga Fünfter geworden, das reichte. Hoss trainierte fortan unter anderem den FK Pirmasens, Wormatia Worms, den Karlsruher SC. Mit Blau-Weiß 90 Berlin stieg er 1986 überraschend in die Bundesliga auf, wo er unter anderem den jungen Karlheinz Riedle trainierte. 1990 beendete Hoss nach 34 Erst- und 394 Zweitligaspielen seine Karriere. Anfang Februar verstarb Bernd Hoss nach langer Krankheit in Freiburg.

Marco Tautenhahn wird am Sonntag 31 Jahre alt. Der Mittelfeldspieler schoss von 2005 bis 2010 in 95 Oberliga- und Regionalligaspielen für die zweite Mannschaft der 05er acht Tore.

An Tautenhahns drittem Geburtstag schlossen die 05er die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga mit einem 3:3 in Aschaffenburg ab; als Aufsteiger standen sie bereits vorher fest.
 

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