Das 05-Kalenderblatt

Christian Karn. Mainz.
Wie jeden Donnerstag hat die nullfünfMixedZone in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche weiteren Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Unter anderem feierten die Mainzer in der dritten Augustwoche ihren ersten Bundesligasieg, einen Viererpack in Erfurt und die Geburtstage zweier ganz unterschiedlicher Spielmacher. Aber es gab auch traurige Nachrichten in jenen Tagen.

13. August  

Heute vor zwölf Jahren ist gerade einmal 61-jährig Lothar Emmerich gestorben. Als Bundesligaspieler war Emmerich ein ausgezeichneter Torjäger bei Borussia Dortmund. Die lange Trainerkarriere des WM-Teilnehmers von 1966 und mehrfachen Torschützenkönigs, der seine aktive Karriere bei Kastel 06 beendet hatte, war weniger erfolgreich. Mit dem FSV Mainz 05, seinem zweiten Klub als Trainer, wurde der damals 42-jährige Emmerich, der in der Schlussphase der vorausgegangenen Saison Herbert Dörenberg abgelöst hatte, 1983/84 nur Achter der Oberliga - die schlechteste Platzierung der Vereinshistorie. Nach jener Saison trennten sich die 05er wieder vom ehemaligen Nationalspieler.

Lotfi el Bousidi wird heute 33 Jahre alt.Und der junge Jürgen Klopp schoss an el Bousidis neuntem Geburtstag vier Tore gegen Erfurt.Lotfi el Bousidi wird heute 33 Jahre alt. Der in Mainz zur Welt gekommene und zunächst beim MTV 1817 ausgebildete Marokkaner wechselte als 15-Jähriger zu den 05ern. Ab dem Frühjahr 2001 war der Stürmer ein regelmäßiger Einwechselkandidat bei den 05-Amateuren. Der erhoffte Knipser wurde el Bousidi jedoch nie; in 49 Ober- und Regionalligaspielen traf er nur sieben Mal. Nach jeweils einem Jahr in Bad Kreuznach, Eschborn, Dessau und Klein-Karben landete der Angreifer schließlich beim FC Torrevieja, einem von britischen Touristen und Einwanderern adoptierten spanischen Viertligisten.

Heute vor 24 Jahren gewannen die 05er 5:0 bei Rot-Weiß Erfurt. Hohe Niederlagen waren nicht ungewöhnlich für die in ihrer ersten Saison im gesamtdeutschen Fußball überforderten Erfurter. Bedeutsam wurde das Spiel wegen der vier Tore von Jürgen Klopp, damals noch Stürmer, der binnen 53 Spielminuten das 1:0, 2:0, 3:0 und 5:0 schoss; neben Benjamin Auer, dem Schützen aller Tore bei jenem so tragischen 4:1 in Braunschweig knapp zwölf Jahre später ist Klopp bis heute einer von nur zwei 05ern, die in einer eingleisigen Liga viermal in einem einzigen Spiel trafen.

Weitere Ergebnisse am 13. August:

1961: FSV Mainz 05 - Ludwigshafener SC 1:2  
1967: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 2:1  
1972: FSV Mainz 05 - Gummi Mayer Landau 5:0  
1978: ASC Dudweiler - FSV Mainz 05 2:3  
1988: FSV Mainz 05 - Fortuna Köln 2:2  
1995: FSV Mainz 05 - VfB Leipzig 0:1  
1998: FSV Mainz 05 - Karlsruher SC 4:1  
1999: FSV Mainz 05 - Offenbacher Kickers 1:1  
2000: SSV Reutlingen 05 - FSV Mainz 05 3:2  
2011: SC Freiburg - FSV Mainz 05 1:2  

14. August  

Am Freitag wird Peter Lemanik 75 Jahre alt. Der Torhüter, der 1966 von Mombach 03 zu den 05ern wechselte, war vier Jahre lang die Nummer 2 hinter Kurt Planitzer. Bis 1970 absolvierte Lemanik nur sieben Regionalligaspiele für die 05er, zwei nur über 90 Minuten; das war Ende 1969, als der in solchen Dingen gnadenlose 05-Trainer Erich Gehbauer mit Planitzer nicht mehr zufrieden war, diesen beim 2:2 gegen Saar 05 Saarbrücken im laufenden Spiel demontierte, einen Monat später aber wiederum mitten im Spiel gegen den ASV Landau wieder ins Tor stellte, nachdem auch Lemanik ihn nicht zufriedengestellt hatte.

66 Jahre alt wird Gerd Schwickert. Der Verteidiger war bereits ein recht prominenter Spieler im Südwestfußball, als er 1974 zu Mainz 05 wechselte. Für TuS Neuendorf und den SV Alsenborn hatte Schwickert über 100 Regionalligaspiele absolviert. Nach Mainz kam der Hunsrücker, als die 05er sich für die neue 2. Bundesliga qualifiziert hatten; er war einer der vielen erfahrenen Neuzugänge, die der Verein sich bei genauer Betrachtung gar nicht leisten konnte. Klarer Stammspieler auf der Liberoposition wurde er in Mainz nicht; die beiden Positionen in der Innenverteidigung teilte sich Schwickert mit Jürgen Richter, Herbert Scheller und Willi Löhr.

Als sich die 05er aus der 2. Bundesliga zurückzogen, war Schwickert einer von vielen Abgängen. Seine Zweitligakarriere - 51 Spiele hatte er für die 05er in zwei Jahren bestritten - setzte er beim FC Homburg fort, für den er bis 1986 weitere 158 Meisterschaftsspiele absolvierte, unterbrochen von vier Jahren beim SV Neckargerach. Mit dem Bundesliga-Aufstieg der Saarländer beendete Schwickert seine aktive Laufbahn; als Trainer führte er den FCH 1987 zum Verbleib in der ersten Liga. 1988 stieg Homburg ab und Schwickert wechselte zu Borussia Neunkirchen. Nach dem sofortigen Wiederauf- und Wiederabstieg aber übernahm er die Homburger 1990 erneut. Später war Schwickert auch Trainer in Augsburg, Wehen und Elversberg. Seither ist er Scout des SC Freiburg.

Toni da Silvas Unsterblichkeitsjubel: Mit einem Doppelpack gegen den HSV binnen weniger Minuten hat der Brasilianer gerade den ersten Bundesligasieg des FSV Mainz 05 klar gemacht. Foto: Bernd Eßling.

Bilal Kamarieh wird 19 Jahre alt. Der Flügelspieler aus Berlin, der schon im jüngeren A-Junioren-Jahrgang eine Handvoll Regionalligaspiele für die Hertha absolvierte, war in der vergangenen Saison Stammspieler in der Mainzer U19 und mit neun Torvorlagen (die sich allerdings auf fünf Spiele gegen drei Gegner konzentrierten - eine gegen den FCK, vier in den beiden Partien gegen den 1. FC Saarbrücken, ebenfalls vier in den zwei Spielen gegen den KSC) der erfolgreichste Vorbereiter der 05er. Inzwischen ist Kamarieh ins U23-Team aufgerückt, wo er aber bisher nicht im Kader stand - der Mittelfeldmann musste noch eine aus der Saison 2014/15 übriggebliebene Rotsperre absitzen.

Am Freitag vor genau elf Jahren schließlich wechselte Jürgen Klopp im Heimspiel gegen den Hamburger SV kurz vor der Halbzeit Toni da Silva ein. Eine ausgezeichnete Idee, wie sich herausstellte; der Brasilianer, der eine Woche zuvor beim VfB Stuttgart noch so enttäuscht hatte, traf in der 51. und 53. Minute zum Ausgleich und zur 2:1-Führung - das war gleichzeitig das Endergebnis und der erste Heimsieg der 05er in der Bundesliga. Zum einzigen Mal übrigens war der Bruchweg an jenem Samstag in einem Bundesligaspiel mit 18.700 Zuschauern ausverkauft. Beim folgenden Heimspiel stand bereits eine der beiden Zusatztribünen, beim nächsten standen beide. Das Stadion blieb voll besetzt, aber die Kapazität war nun auf 20.300 gestiegen.

Weitere Ergebnisse am 14. August:

1927: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 3:1  
1932: FSV Mainz 05 - Viktoria Urberach 7:2  
1960: Ludwigshafener SC - FSV Mainz 05 1:1  
1977: Südwest Ludwigshafen - FSV Mainz 05 1:1  
1982: FSV Mainz 05 - FK Clausen 2:0  
1994: Werder Bremen (A) - FSV Mainz 05 0:1 (DFB-Pokal)
2005: FSV Mainz 05 - Werder Bremen 0:2  

15. August  

...und Stefan Frödert.Geburtstagskinder am Samstag: Stefan Kühne...Am Samstag wird Stefan Kühne 35 Jahre alt. Der Mittelfeldspieler - eins von vielen 05-Talenten aus dem Nachwuchs der SpVgg Sonnenberg - war von 1999 bis 2004 ein wichtiger Leistungsträger bei den Mainzer Amateuren. In 152 Spielen in der Ober- und Regionalliga schoss Kühne 43 Tore, 17 allein im Aufstiegsjahr 2002/03. Den Durchbruch bei den Profis schaffte Kühne jedoch nicht; es reichte lediglich zu drei Einwechslungen in der 2. Bundesliga und einer im DFB-Pokal. Ab 2004 machte sich Kühne einen Namen als guter Drittligaspieler für Holstein Kiel, Carl Zeiss Jena (mit den Thüringern stieg er 2006 in die 2. Bundesliga auf), Rot-Weiss Essen und Preußen Münster. Nach einem Jahr als Co-Trainer in Essen wechselte Kühne kürzlich zurück nach Mainz - zum Verbandsligisten Fortuna Mombach.

Genau sechs Jahre jünger ist Stefan Frödert. Der Heppenheimer kam 2005 vom SV Waldhof nach Mainz, spielte aber in der Oberliga nur sechsmal mit und wechselte bald zurück nach Mannheim.

Lothar Buchmann kam am Samstag vor 79 Jahren zur Welt. Buchmann war in den späten 1950ern ein durchaus gefährlicher, allerdings nicht konstanter Offensivspieler, später jahrzehntelang Trainer, auch in der Bundesliga. Im Winter 1955/56 kam Buchmann aus der eigenen Jugend ins Oberligateam der 05er, wo er sofort Tore schoss. 1956/57 hatte der junge Angreifer nochmal einen Durchhänger, in den folgenden beiden Jahren schoss er jeweils mehr als zehn Saisontore, vier allein am 19. April 1959 beim 4:3 gegen Wormatia Worms, dabei ein Hattrick in acht Minuten. Dabei war Buchmann selten Mittelstürmer, meist kam er halbrechts aus dem Rückraum. Erst 1959 - zuvor waren die 05er, die schon 1958 ihren Torjäger Wolfgang Elze verloren hatten, ein Jahr ohne einen adäquaten Mittelstürmer ausgekommen - stellte der neue Trainer Heinz Baas das mittlerweile erfahrene Eigengewächs ins Sturmzentrum, musste aber feststellen, dass diese Position Buchmann nicht besonders gut lag. Dieser hatte die Mainzer 1958 ebenfalls verlassen wollen, 1960 ging er tatsächlich zu Eintracht Bad Kreuznach, wo er zum reinen Mittelfeldspieler umgeschult wurde. Später spielte Buchmann noch für Wormatia Worms und den VfR Bürstadt.

Mainz 05 1956/57 in Aue - unsere Leser kennen das Bild inzwischen gut. Der Lockenkopf in der zweiten Reihe ist der am Sonntag vor sechs Jahren verstorbene Gerhard Bergner, links hinter ihm steht Lothar Buchmann, der am Samstag 79 Jahre alt wird.Von 1976 an trainierte Buchmann binnen 22 Jahren Darmstadt 98 (Bundesliga-Aufstieg 1978), den VfB Stuttgart (Bundesliga), Eintracht Frankfurt (Bundesliga, DFB-Pokalsieg 1981), die Offenbacher Kickers (Aufstieg in die Bundesliga 1983), den VfR Bürstadt, den Karlsruher SC, Viktoria Aschaffenburg und Rot-Weiss Essen (jeweils in der 2. Bundesliga), gegen Ende seiner Karriere die SG Egelsbach, erneut den OFC, Eintracht Bad Kreuznach, noch einmal Bürstadt und schließlich noch einmal Darmstadt 98.

Weitere Ergebnisse am 15. August:

1965: FSV Mainz 05 - Phönix Bellheim 2:0  
1971: Röchling Völklingen - FSV Mainz 05 1:4  
1976: FSV Mainz 05 - VfR Frankenthal 3:2  
1984: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern (A) 3:0  
1992: SC Freiburg - FSV Mainz 05 0:0  
1993: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 2:0  
2008: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern 3:3  
2009: Hannover 96 - FSV Mainz 05 1:1  
2010: Berliner AK 07 - FSV Mainz 05 1:2 (DFB-Pokal)
2014: Chemnitzer FC - FSV Mainz 05 5:5 n.V., 5:4 i.E. (DFB-Pokal)

16. August  

Am Sonntag vor sechs Jahren verloren die 05er zwei ihrer Veteranen. Im Alter von 82 Jahren verstarb am 16. August 2009 der ehemalige rechte Läufer Gerhard Bergner. Der Franke war zu seiner Zeit einer der prominentesten 05er. In Nürnberg war Bergner direkt am alten FCN-Stadion in Zerzabelshof aufgewachsen und hatte schon als Jugendlicher für den "Club" gespielt - gegen den Willen seines Vaters, denn der war Anhänger der SpVgg Fürth. Kurz vor seinem 21. Geburtstag wurde Bergner mit dem 1. FC Nürnberg durch ein 2:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern Deutscher Meister 1948. Der kleine, aber muskulöse, drahtige Mittelfeldrenner spielte 234 Mal in der Oberliga für den "Club", außerdem wurde er einmal in die B-Nationalmannschaft und regelmäßig in die Studenten-Nationalelf berufen. 1956 kam Bergner nach Mainz, um das Sportlehrerexamen abzulegen. Bis 1960 spielte der Aufbauspieler 103 Mal in der Oberliga für die 05er, dabei schoss er acht Tore.

Am gleichen Tag verstarb Werner Sklorz senior im Alter von 81 Jahren. Der pfeilschnelle Linksaußen stammte vom oberschlesischen Spitzenklub Beuthen 09. Über Schweinfurt und Landau kam er 1951 zu Mainz 05, wo er jedoch nur im ersten Jahr Stammspieler war. In insgesamt 37 Spielen schoss Sklorz zehn Tore für die 05er, außerdem bereitete er mit seinen gefährlichen Flanken einige Treffer des ebenfalls schlesischen Mittelstürmers Horst Lebefromm vor. Nach seiner Erstligakarriere engagierte sich Sklorz im Vorstand der FVgg Mombach 03.

Weitere Ergebnisse am 16. August:

1931: VfR Alemannia-Olympia Worms - FSV Mainz 05 3:2  
1959: FSV Mainz 05 - Spfr. 05 Saarbrücken 2:0  
1964: FSV Mainz 05 - Phönix Bellheim 2:1  
1970: VfR Pegulan Frankenthal - FSV Mainz 05 1:1  
1975: FSV Mainz 05 - SV Darmstadt 98 5:2  
1980: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 2:1  
1981: FSV Mainz 05 - FC 08 Homburg/Saar 1:2  
1983: FSV Mainz 05 - VfB Stuttgart 0:1 (DFB-Pokal)
1987: FSV Mainz 05 - SpVgg EGC Wirges 2:0  
1989: FSV Mainz 05 - Hassia Bingen 2:0  
1997: Preußen Münster - FSV Mainz 05 2:2 n.V., 6:7 n.E. (DFB-Pokal)
1998: Arminia Bielefeld - FSV Mainz 05 1:0  

17. August  

Ein guter Kicker, der aber in Deutschland nicht zurecht kam: Wellington Santos da Silva.Eines seiner letzten Spiele für die 05er machte Johannes Geis gegen Schalke 04. Inzwischen spielt der Mittelfeldmann selbst in Königsblau. Foto: Bernd Eßling.Ein spektakulärer Fehleinkauf und ein nicht weniger aufsehenerregender Volltreffer auf dem Transfermarkt haben am Montag Geburtstag. 30 Jahre alt wird Wellington Santos da Silva. Der Linksaußen aus der von Sao Paulo geschluckten Millionenstadt Guarulhos, den die 05er kurz nach seinem 22. Geburtstag von den Corinthians verpflichteten, war sicherlich ein sehr talentierter Spieler, der sich in überschaubarer Zeit zu einem guten Zweitligaprofi hätte entwickeln können, scheiterte aber am Kulturschock: Die Umstellung auf Deutschland gelang dem Brasilianer überhaupt nicht. Ein halbes Jahr lang war Wellington fast immer im 18er-Kader der 05er, wurde aber nur sechsmal eingewechselt, ehe er sich wieder nach Brasilien verabschiedete. 2009 tauchte Wellington noch einmal in der portugiesischen Liga auf, aber auch da setzte er sich nicht durch.

Erst 22 Jahre alt wird Johannes Geis, das große Mittelfeldtalent, das vor zwei Jahren für damals bereits nicht so wenig Geld vom Absteiger SpVgg Greuther Fürth nach Mainz kam, sofort Stammspieler, spätestens im zweiten Jahr auch Schlüsselspieler war und jetzt für noch viel mehr Geld nach Schalke wechselte. Und normalerweise in nicht allzu ferner Zukunft nicht mehr nur in der U21-, sondern auch in der A-Nationalmannschaft spielen müsste.

Weitere Ergebnisse am 17. August:

1957: FSV Mainz 05 - FK 03 Pirmasens 2:7  
1958: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 4:2  
1969: SV Alsenborn - FSV Mainz 05 0:0  
1986: FSV Mainz 05 - FK Clausen 5:0  
2013: SC Freiburg - FSV Mainz 05 1:2  

18. August  

Ein begnadeter, aber letztlich nur in Mainz erfolgreicher Fußballer wird am Dienstag 46 Jahre alt: Thomas Ziemer, der Mainzer Spielmacher, Torjäger und Lebemann der mittleren 1990er. Foto: imagoAm Dienstag wird Thomas Ziemer 46 Jahre alt. Ziemer war in den 1990ern ein begnadeter Fußballer, lediglich nicht der Schnellste, dennoch ein Spieler, der für Mainzer Verhältnisse eigentlich eine Nummer zu groß war. Wahrscheinlich konnten sich die 05er den Spielmacher 1994 aus genau einem Grund leisten: Wie einige Fußballer jener Zeit genoss der Nürnberger die dolce vita etwas zu sehr. Ziemer war zunächst vom TSV München ausgeliehen, im Sommer 1995 wurde er fest verpflichtet (was - wie im Kalenderblatt der letzten Woche beschrieben - dazu führte, dass das 2:2 gegen Hannover als Niederlage gewertet wurde; beim DFB kam das entscheidende Fax nicht an). In Mainz war er ein außergewöhnlicher Fußballer, Spielmacher und Torjäger, überall im offensiven Mittelfeld unterwegs, Bälle fordernd, verteilend, einer, der Tore vorbereitete und selbst schoss - in zweimal 32 Saisonspielen 25 Treffer und mindestens elf Vorlagen.

1996 wechselte Ziemer in die Bundesliga zu Hansa Rostock. Weder dort noch von 1997 an drei Jahre lang bei seiner alten Liebe, dem 1. FC Nürnberg, brachte er vergleichbare Ergebnisse; die Selbstverständlichkeiten des heutigen Profifußballs fehlten Spielern wie ihm. Als Nürnberger wurde er gar wegen Anabolika-Dopings für ein halbes Jahr gesperrt. Der höchste jemals gemessene Anabolikumwert sei bei ihm festgestellt worden...

Ende 2000 kam Ziemer noch einmal nach Mainz - mit dem Handicap, dass es im damaligen 4-4-2 seine Position nicht mehr gab. Aber auch am Bruchweg kam er nicht mehr an die alte Bedeutung heran. Die meisten seiner immerhin 33 Einsätze in gut eineinhalb Jahren waren Einwechslungen. In St. Pauli und in Hannover schoss Ziemer seine letzten beiden Tore im deutschen Profifußball. Eineinhalb Jahre lang spielte Ziemer noch beim österreichischen Zweitligisten Austria Lustenau, seitdem ist er - bis Anfang 2013 immer noch als Spieler - im fränkischen Amateurfußball unterwegs.

Weitere Ergebnisse am 18. August:

1929: FSV Mainz 05 - VfR Alemannia 05 Worms 4:3  
1963: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 2:4  
1968: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 2:0  
1976: Viktoria Herxheim - FSV Mainz 05 2:2  
1982: VfL 07 Neustadt/Weinstraße - FSV Mainz 05 2:2  
1985: FSV Mainz 05 - ASC Dudweiler 2:1  
1990: FSV Mainz 05 - SV Meppen 2:1  
1996: FC Gütersloh - FSV Mainz 05 0:0  
2003: FSV Mainz 05 - 1. FC Nürnberg 2:1  

19. August  

Am Mittwoch vor 94 Jahren kam Heinrich Kohl zur Welt. Der offensive Mittelfeldspieler wechselte 1951 im Alter von fast 30 Jahren vom TSC Zweibrücken nach Mainz, hinterließ am Bruchweg aber keine großen Spuren. Nach einem Jahr und zwölf Einsätzen verabschiedete sich Kohl schon wieder zum VfR Frankenthal.

34 Jahre alt wird Timothy Beck. Der Torwart absolvierte von 2000 bis 2002 elf Oberligaspiele für die 05-Amateure, ehe er seine Karriere im hochklassigen hessischen Amateurfußball fortsetzte.

Weitere Ergebnisse am 19. August:

1928: VfL Neu-Isenburg - FSV Mainz 05 4:2  
1951: FSV Mainz 05 - FK 03 Pirmasens 5:3  
1956: FSV Mainz 05 - Eintracht Trier 2:0  
1961: Phönix Ludwigshafen - FSV Mainz 05 1:2  
1962: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 4:1  
1973: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:1  
1979: VfB Dillingen - FSV Mainz 05 2:2  
1984: ASC Dudweiler - FSV Mainz 05 1:1  
1995: FSV Zwickau - FSV Mainz 05 3:0  
2001: FSV Mainz 05 - Karlsruher SC 1:0  
2006: Borussia Dortmund - FSV Mainz 05 1:1  
2007: SpVgg Greuther Fürth - FSV Mainz 05 3:0  
2012: SV Roßbach/Verscheid - FSV Mainz 05 0:4 (DFB-Pokal)

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