Das 05-Kalenderblatt: 17. bis 19. Oktober

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Diesmal geht es um zwei Drittligatrainer, zwei Ersatztorhüter, ein Spektakel im Emsland, einen Zirkus an der Nahe und die Antwort auf die Frage, warum ein Beinbruch kein Beinbruch sein muss.

17. Oktober

Heute vor 74 Jahren kam Peter Richter zur Welt. Der Mittelfeldspieler aus dem eigenen Nachwuchs spielte von 1961 bis 1963 23 Mal in der Oberliga für die 05er, setzte sich aber nicht dauerhaft durch.

Auch zwei Ersatztorhüter der 05er haben heute Geburtstag. Zoran Zeljko wird 48 Jahre alt. Der Kroate spielte von 1985 bis 2009 fast ausschließlich für etliche Vereine im Raum Kassel, unter anderem 1986/87, von 1990 bis 1992 und von 2001 bis 2005 für den KSV Hessen. 1994 absolvierte er sechs Bundesligaspiele für den MSV Duisburg, von Januar bis Dezember 1996 saß er bei den 05ern auf der Bank. Eingesetzt wurde Zeljko nie; lediglich beim legendären 2:1 der Mainzer in Nürnberg am 6. April 1996 machte er sich nach Dimo Waches Platzverweis für die Einwechslung fertig, wurde aber auf die Bank zurückgeschickt: Die 05er hatten schon dreimal ausgewechselt und gewannen mit dem Innenverteidiger Uwe Stöver im Tor.

Tom Eilers, der 46 Jahre alt wird, spielte immerhin 56 Mal in der 2. Bundesliga, meist jedoch für Darmstadt 98. 1993, nach dem Abstieg der Lilien, wechselte Eilers zu den 05ern. Bis zu seiner Rückkehr nach Darmstadt zwei Jahre später vertrat er achtmal Stephan Kuhnert und "Moppes" Petz.

Sandro Schwarz, Ex-Profi der 05er und Erfolgstrainer der U23, wird heute 38 Jahre alt.Ein Aufsteiger und mittlerweile mehr als nur ein Trainertalent aus dem eigenen Stall wird heute 38 Jahre alt. Sandro Schwarz war als Zweitligaprofi bei den 05ern der Brachialtechniker, ein Dazwischenhauer im defensiven Mittelfeld, der aber auch mit dem Ball viel anfangen konnte, eine dominante Persönlichkeit, die sich nie versteckt hat, früh Verantwortung wollte. Das grundsätzliche Können für die Bundesliga hätte Schwarz sicherlich gehabt; mehrere Kreuzbandrisse an der Schwelle vom Jugend- zum Profifußball kosteten ihn allerdings das entscheidende Stück Spritzigkeit und Leichtfüßigkeit. Als die 05er 2004 den Aufstieg nach dem Fiasko von Fürth aufgaben, war Schwarz, der bis dahin in 100 Spielen zwei Tore geschossen und sechs vorbereitet hatte, einer der Handvoll Spieler, die keinen neuen Vertrag mehr angeboten bekamen. Die 05er stiegen schließlich doch noch auf, luden bis auf Michael Thurk, der schon in Cottbus unterschrieben hatte, alle Ausgemusterten ein, doch in die Bundesliga mitzukommen. Schwarz wusste jedoch auch selbst, dass er keine großen Einsatzchancen hätte und wechselte zum Zweitliga-Aufsteiger Rot-Weiss Essen.

Beim SV Wehen entwickelte sich Schwarz vom Zweitligaprofi zum Trainer. Den FC Eschborn führte er inmitten der Dauerinsolvenz in die Regionalliga, dann übernahm er die U19 der 05er. Nach der Beförderung von Martin Schmidt zu den Profis löste er diesen bei der U23 ab. Mit seiner neuen Mannschaft schaffte Schwarz in den ersten beiden Jahren den Nichtabstieg souveräner, als manch einer vorher erwartet hätte. Dass die umgeformte U23 aktuell Letzter der 3. Liga ist, sollte es nicht verhindern, dass Schwarz eines Tages noch größere Aufgaben bekommen wird.

Ergebnisse am 17. Oktober:

1926: SV Trier - FSV Mainz 05 1:6  
1948: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 1:4  
1965: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 1:1  
1971: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 1:1  
1992: FC 08 Homburg/Saar - FSV Mainz 05 0:0  
1997: Energie Cottbus - FSV Mainz 05 2:2  
1999: FSV Mainz 05 - Alemannia Aachen 4:2  
2009: 1. FC Köln - FSV Mainz 05 1:0  

18. Oktober  

Zwei Geburtstagskinder in der Freistoßmauer: Ganz links Jürgen Kramny, als Dritter mit der Nummer 4 auf dem Hosenbein Sandro Schwarz. Foto: imagoJürgen Kramny wird morgen 45 Jahre alt. Der Schwabe war acht Jahre lang ein wichtiger Mann bei den 05ern, zunächst im rechten Mittelfeld, hin und wieder auch als Libero, unter dem Trainer Jürgen Klopp im Zentrum. Die hochklassige Ausbildung beim VfB Stuttgart war dem U15- bis U21-Nationalspieler, der als junger Profi mit dem VfB Deutscher Meister 1992 wurde, immer anzusehen. Kramny war ein ganz hervorragender Fußballer, hatte eine gute Schusstechnik, war ein Stratege mit gutem Passspiel, hatte das Talent für eine große Bundesligakarriere - nur fehlte ihm der letzte Fanatismus. Kramny war ein ruhiger, zurückhaltender Typ und hatte das Pech, bei seiner zweiten Bundesligastation in Nürnberg abzusteigen. Vielleicht war das der Bruch in seiner Karriere, durch den der Schwabe auch langfristig ein Zweitligaspieler wurde. Die 05er holten Kramny 1997 vom Regionalligisten 1. FC Saarbrücken an den Bruchweg. Nach 197 Zweitligaspielen für die 05er und 27 Toren stieg er mit den Mainzer elf Jahre nach dem Abstieg mit dem "Club" wieder in die Bundesliga auf und war als verkappter Spielmacher, der im Mittelkreis seinen Feldherrenhügel aufbaute und das Spiel dirigierte, dort aber nicht festgenagelt war, in seinem letzten Profijahr auch auf diesem Niveau noch einmal ein wertvoller Spieler.

Die Saison 2005/06 verbrachte Kramny zunächst beim Regionalligisten Darmstadt 98 und dann im Mainzer Oberligateam. Dann begann nahtlos seine Trainerkarriere: Zwei Jahre mit der Mainzer U19, ein Jahr bei den Profis als Co-Trainer von Jörn Andersen, ein Jahr bei der U19 des VfB Stuttgart. Seit 2011 war Kramny für die Drittligamannschaft des VfB zuständig, dessen Profis er in der vergangenen Rückrunde nicht vor dem Abstieg bewahren konnte.

Am Dienstag vor 20 Jahren überstanden die 05er eine denkwürdige Partie beim SV Meppen nicht gerade gut. Dabei waren allerdings eine Menge ungünstiger Umstände im Spiel. Die Grippe hatte die Mannschaft erwischt, außerdem fehlte Kapitän Lars Schmidt wegen einer Gelbsperre. Meppen führte schon nach einer Viertelstunde durch einen Hattrick von Christian Claaßen 3:0. Bereits in der 17. Minute holte Wolfgang Frank zwei Verteidiger vom Platz, den kranken Marek Lemsalu und den gerade erst von einem Kreuzbandriss zurückgekommenen Jürgen Klopp, für den das Spiel zu früh kam. Lemsalus Ersatzmann, der Amateurverteidiger Lars Meyer, kam so zu seinem einzigen Zweitligaspiel, Klopps Einwechselspieler Guido Erhard schoss das 1:3 und das 4:5 in Meppen. Sven Demandt wäre in den gut zehn Minuten nach Erhards zweitem Tor fast noch der Ausgleich gelungen. Knapp acht Monate später verloren die 05er übrigens noch einmal mit dem gleichen ungewöhnlichen Ergebnis - es war das Aufstiegsendspiel in Wolfsburg. Und am gleichen Tag veranstalteten die Meppener mit dem Zweitliga-Meister aus Kaiserslautern in einem Spiel, in dem es wirklich um überhaupt nichts mehr ging, ein 6:7-Spektakel.

Weitere Ergebnisse am 18. Oktober:

1925: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 2:2  
1931: FSV Mainz 05 - Alemannia-Olympia Worms 4:2  
1936: Hassia Bingen - FSV Mainz 05 7:1  
1953: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:3  
1959: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 2:0  
1964: FSV Mainz 05 - Germania Metternich 3:0  
1970: VfB Theley - FSV Mainz 05 1:2  
1975: FSV Mainz 05 - Röchling Völklingen 1:2 (DFB-Pokal)
1986: FK Pirmasens - FSV Mainz 05 3:1  
1987: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 3:0  
1989: 1. FC Kaiserslautern (A) - FSV Mainz 05 1:3  
1998: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 3:0  
2014: FSV Mainz 05 - FC Augsburg 2:1  
 

19. Oktober  

Am Mittwoch vor 64 Jahren gab es auf der gefürchteten Kirner Kyrau mehr als den üblichen Zirkus. Das aggressive Spiel mit vielen Fouls auf beiden Seiten endete 1:1 - dabei musste kurz vor der Pause der Kirner Mittelläufer Anton Picard, zwei Jahre zuvor Deutscher Vizemeister mit den Offenbacher Kickers, nach einem Gerangel mit gebrochenem Bein vom Platz getragen werden. Schiedsrichter Gärtner ließ sich vom hitzigen Publikum beeindrucken und übersah beim Kirner Führungstor ein Foul am Mainzer Torwart Walter Jäschke (45.). Nach dem Platzverweis gegen den Kirner Verteidiger Harry Böcher, der stark nach Konzessionsentscheidung aussah, wurde der Mainzer Trainer Georg Bayerer von Zuschauern blutig geschlagen (60.). Die Polizei musste Bayerer aus dem Stadion holen. Horst Schulz, den wir im nächsten Kalenderblatt vorstellen werden, schoss schließlich das 1:1 (68.).

Im März 1994 kam der frisch verheiratete David Wagner direkt aus den Flitterwochen nach München und schoss kurz nach seiner Einwechslung prompt das entscheidende 2:0 gegen die durch zwei Platzverweise dezimierten Sechz'ger. David Wagner wird am Mittwoch 45 Jahre alt. Der Stürmer aus Geinsheim hatte in den 1990ern eine nicht ganz gewöhnliche Karriere: 1991 kam der damals 19-jährige Wagner, ein sehr schneller, durchaus gefährlicher Angreifer, aber nicht der größte Techniker, von der Ersatzbank Eintracht Frankfurts an den Bruchweg. Als zweite Spitze machte der Deutsch-Amerikaner einige gute Spiele. Wagner hätte sich wohl auch längerfristig in Mainz durchsetzen können, wäre nicht zwei Tage nach seinem 23. Geburtstag in seinem 94. Zweitligaspiel ein Beinbruch dazwischengekommen. Das letzte Bild, das die 05-Fans von ihrem Profi Wagner vor Augen haben, ist daher Thomas Ziemers Tor des Monats im November 1994: Am unteren Bildrand der Fernsehaufzeichnung reißt der verletzte Stürmer vor Freude beide Krücken in die Luft, ohne dabei umzufallen.

Durchaus überraschend wechselte Wagner aus der Reha für viel Geld zum Bundesligisten FC Schalke 04. Ausschlaggebend war natürlich Hubert Neu, bis 1992 Co-Trainer von Robert Jung bei den 05ern, ab 1993 Schalker Co-Trainer. Bei den Schalkern spielte Wagner keine große Rolle, aber er gewann den UEFA-Pokal, schoss zwei Bundesligatore, wurde US-Nationalspieler und verdiente bei der Gelegenheit auch ein bisschen Geld.

1997 wechselte Wagner zum FC Gütersloh. Beim 6:1 im Zweitligaspiel der Ostwestfalen gegen die 05er schoss er drei Tore gegen seinen Ex-Klub. Nach weiteren Jahren bei Waldhof Mannheim und Darmstadt 98 wurde Wagner Trainer. Zunächst war der Lehramtsstudent für die Junioren der TSG Hoffenheim verantwortlich, später holte Jürgen Klopp seinen einstigen Mitspieler zur U23 Borussia Dortmunds.

Weitere Ergebnisse am 19. Oktober:

1930: FSV Mainz 05 - Alemannia Worms 1:2  
1958: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 3:2  
1969: FV Speyer - FSV Mainz 05 1:0  
2001: Waldhof Mannheim - FSV Mainz 05 2:4  
2003: Arminia Bielefeld - FSV Mainz 05 1:0  
2013: Bayern München - FSV Mainz 05 4:1 

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