Das 05-Kalenderblatt: 22. bis 24. Februar

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der ersten Hälfte dieser Woche geht es vor allem um Torjäger: Einen der überragenden Fußballer der späten Vorkriegs-05er, einen aus dem Amateurfußball, der oben selten spielte, aber immer traf, einen aus der U19, der keinen Profikopf hatte, einen eigenwilligen Einwechselknipser und um einen, der bald sehr viel Geld bringen könnte.

22. Februar  

Giorgio del Vecchio aus dem aktuellen U17-Team wird heute 17 Jahre alt.

Ergebnisse am 22. Februar:

1953: FK 03 Pirmasens - FSV Mainz 05 2:0  
1959: Phönix Ludwigshafen - FSV Mainz 05 2:1  
1975: Karlsruher SC - FSV Mainz 05 3:1  
1981: FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern (A) 1:2  
1998: SpVgg Greuther Fürth - FSV Mainz 05 2:2  
2008: FSV Mainz 05 - Carl Zeiss Jena 2:2  

23. Februar  

Ein großer Torjäger kam am Dienstag vor 108 Jahren in Mannheim zur Welt. Heinrich Decker machte sich zunächst beim Waldhof einen Namen, traf unter anderem 1928/29 beim 6:6 und 6:1 gegen die 05er insgesamt dreimal, spielte bereits im nächsten Jahr selbst für die Mainzer.

Heinrich Decker war in den frühen 1930ern einer der überragenden Fußballer der 05er und nach Karl Scherms Abgang der wichtigste Torschütze.Decker war im 05-Team einer der überragenden Fußballer, das erkennt man schon an seinen Positionen: Ebenso wie später der etwas jüngere Jakob Schneider pendelte der Kurpfälzer in unregelmäßigem Rhythmus zwischen den beiden Schlüsselpositionen, war mal Sturmführer (also Offensivchef), mal Mittelläufer (also Abwehrchef). In der Offensivrolle war Schneider zunächst eher ein vierter Mittelfeldspieler und Organisator, bald aber, als Schneider sich hinten etabliert hatte und vorne der "Gaukler" Karl Scherm nicht mehr dabei war, der wichtigste Torschütze der Mainzer. 1934/35 schoss Decker in 20 Saisonspielen 27 Tore, jeweils fünf beim 6:1 in Geisenheim und beim 7:2 in Okriftel. Dort dribbelte er allein beim 2:0 fünf Gegenspieler aus und hätte vielleicht sogar Paul Lipponers Rekord von sieben Treffern in einem Spiel einstellen können, wäre er nicht direkt nach seinem fünften Tor in der 69. Minute nach einem groben Foul verletzt ausgeschieden. Und wahrscheinlich hätten die 05er den direkten Wiederaufstieg in die Gauliga geschafft, hätte Decker nicht in den letzten beiden Saisonspielen gefehlt, darunter beim ungemein unglücklichen 1:2 beim direkten Konkurrenten Opel Rüsselsheim.

In späteren Jahren wurde Decker nur noch sporadisch eingesetzt, wegen seines Berufs hatte er nicht mehr so viel Zeit für den Fußball. 05er blieb er; 1947 war er einer der Wiedergründer der Altherrenmannschaft.

Am Dienstag vor 74 Jahren kam Jürgen Lomp zur Welt. Der Stürmer kam 1960 von der FVgg Mombach 06 zu den 05ern, wurde aber erst in den letzten beiden Saisonspielen eingesetzt - und schoss prompt in beiden sein Tor. Nachdem er auch im folgenden Jahr nur einmal gespielt hatte, wechselte Lomp 1962 zurück nach Mombach.

Toni Reljic, ein ganz feiner Techniker, der an seiner Mentalität scheiterte und sich nach einem sehr guten U19-Jahr 2012/13 in der Mainzer U23 nicht durchsetzte, wird 23 Jahre alt.

Ergebnisse am 23. Februar:

1958: FSV Mainz 05 - VfR Frankenthal 4:1  
1964: SV Weisenau - FSV Mainz 05 0:0  
1985: SpVgg Elversberg - FSV Mainz 05 0:4  
1991: FSV Mainz 05 - SC Freiburg 0:0  
2003: SSV Reutlingen 05 - FSV Mainz 05 1:2  
2013: FSV Mainz 05 - VfL Wolfsburg 1:1  

24. Februar  

Wegen einer langen Verletzung konnte der Kasteler Jochen Dries in seiner einzigen 05-Saison lange nicht mitspielen. Trotzdem schoss er sechs Tore.Am Mittwoch wird Jochen Dries 69 Jahre alt. Der gebürtige Kasteler, der 1972 mit einer gewissen Regionalligaerfahrung (SpVgg Weisenau, Borussia Neunkirchen) zu Mainz 05 kam, war ein unkonventioneller Außenstürmer: Auf dem Platz ein guter Techniker mit wahnsinnigem Schuss, vielleicht ein bisschen unvollendet, was auch mit Verletzungsproblemen zusammenhing: Dries schoss schon im ersten Spiel nach acht Minuten sein erstes Freistoßtor, traf auch in der zweiten Partie, fiel aber bald nach einem Autounfall monatelang aus. In der Zwischenzeit etablierte sich ein weiterer Neuzugang, der im Mittelfeld gestartete Manfred Kipp, fest im Angriff und wurde mit 17 Saisontoren neben Herbert Renner und Gerd Klier ein Teil des berühmten 54-Tore-Sturms; für Dries wurde es schwer, wieder in die Mannschaft zurückzukommen. Seine weiteren vier Tore schoss er als Joker, jeweils zwei beim 4:0 gegen den 1. FC Saarbrücken und beim 5:1 gegen Blau-Weiß 90 Berlin in der Aufstiegsrunde. Im übrigen Leben galt Dries immer als ein bisschen eigenwillig, als Paradiesvogel, unangepasst, dabei aber dennoch seriös, pfiffig, intelligent. Nachdem er in seiner zweiten Mainzer Hinrunde gar keine Rolle gespielt hatte, wechselte Dries im Winter 1973/74 zum Freiburger FC und im folgenden Sommer zum FC Aarau in die Schweiz, wo er jahrzehntelang blieb und nach seinem Karriereende 1977 35 Jahre lang einige zumeist unterklassige Klubs trainierte, hin und wieder auch Erstligisten. 

Yunus Malli gelang im Hinspiel gegen die TSG Hoffenheim alles; der heutige türkische Nationalspieler schoss als dritter 05er einen Bundesliga-Hattrick. Foto: imago24 Jahre alt wird Yunus Malli, der nordhessisch-türkische Zehner der aktuellen 05-Mannschaft. Malli ist neben Stefan Bell das aktuelle Musterbeispiel für die Entwicklung, die Nachwuchsspieler in Mainz nehmen können; stammt allerdings nicht von den eigenen Junioren, sondern kam 2011 aus der U19 von Borussia Mönchengladbach nach Mainz. In Gladbach hatte er bereits als Jugendspieler in der Regionalliga gespielt, war aber nach einem internen Zwist zu den A-Junioren zurückgestuft worden. Auch in Mainz spielte der junge Malli erst einmal sehr erfolgreich im Viertligateam, schoss in acht Einsätzen fünf Tore. Leidlich regelmäßige Bundesligaspiele kamen bald; im zweiten bereitete Malli schon sein erstes Tor vor, aber es dauerte lange, bis er sich endgültig durchsetzte. Auch seine Position war lange unklar; zwar spielte er in diesem zweiten Spiel, seinem Startelfdebüt, bereits anstelle des etablierten Andreas Ivanschitz als Zehner, häufig aber auch auf dem linken Flügel, Thomas Tuchel wollte zwischendrin mal einen Sechser aus dem talentierten, aber noch nicht allzu konstanten Mittelfeldspieler machen.

Fest zum Spieltagskader gehört Malli seit November 2013; vorher schon war er oft mindestens auf der Bank, wurde häufig auch eingewechselt, fehlte aber auch immer wieder im 18er-Aufgebot. Etwa ein Jahr später wurde Malli nach und nach Stammspieler; sechs Rückrundentore in jener Saison - exakt so viele wie in den dreieinhalb Jahren zuvor - spielten dabei nicht die einzige Rolle. An den vergangenen 42 Spieltagen stand Malli genau einmal nicht in der 05-Startelf, das war bei jenem berüchtigten 1:2 gegen Hamburger SV, als er für den schwer verletzten Elkin Soto ins Spiel kam - und den Ausgleich schoss. In der laufenden Saison machte sich der eher als zweite Spitze als als Passgeber auftretende langjährige deutsche Juniorennationalspieler für die türkische Nationalmannschaft interessant, für die er mittlerweile zweimal spielte, ebenso für die Bundesliga-Konkurrenten. Nach acht Toren (drei im Hinspiel gegen die TSG Hoffenheim) und nur einer Vorlage gab es im Winter ein sehr konkretes und lukratives Angebot von Borussia Dortmund; es wäre keine Überraschung, wenn der Spieler, der ein halbes Jahr zuvor ablösefrei hätte gehen können, aber seinen Vertrag um drei Jahre verlängert hatte, im kommenden Sommer die 05er nach fünf Jahren, über hundert Bundesligaspielen und mindestens 20 Toren für viel Geld verlassen würde.

Ergebnisse am 24. Februar:

1952: FSV Mainz 05 - VfL Neustadt/Weinstraße 5:0  
1957: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 0:2  
1980: FSV Mainz 05 - SpVgg EGC Wirges 4:0  
1997: FSV Mainz 05 - Hertha BSC 0:0  
2007: FSV Mainz 05 - 1. FC Nürnberg 2:1  

 

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