Das 05-Kalenderblatt: 22. bis 24. Juli

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Es geht diesmal um einen Trainer, der auf allen seinen Stationen etwas zu unbequem war, um einen Verteidiger, der Kopfballduelle im Stand gewann, um ein Pressingmonster, einen Schwerverletzten, einen Kurzzeittorwart und das erste Pflichtspiel gegen einen Ostklub.

22. Juli  

Der ehemalige 05-Trainer René Vandereycken wird 64 Jahre alt.Heute wird René Vandereycken 64 Jahre alt. Der ehemalige belgische Nationalspieler, Torschütze im verlorenen EM-Finale 1980 gegen Deutschland, war im Herbst 2000 kurzzeitig Trainer der 05er. Die hatten sich viel versprochen von einem international erfahrenen Mann, der zuvor jedoch drei Jahre arbeitslos war, bei seinen vorherigen Vereinen keinen großen Erfolg hatte: Schon bei seiner ersten Trainerstation AA Gent, wo er wie sein indirekter Nachfolger Jürgen Klopp im Laufe seiner letzten aktiven Saison vom Spieler zum Trainer wurde, war Vandereycken als zu defensiv denkend kritisiert worden (er wurde aber erst nach knapp vier Jahren entlassen), die Topklubs Standard Lüttich (eine Saison) und RSC Anderlecht (fünf Monate) hielten es mit ihm nicht so lange aus.

Auch bei den 05ern war bald Schluss für Vandereycken. In zwölf Spielen hatte der Belgier nur ebenso viele Punkte geholt, neun davon durch drei aufeinanderfolgende Siege im September und Oktober. Sein Fehler: Vandereycken nahm keine Rücksicht auf Strukturen im Kader, demontierte Führungsspieler, vor allem den 33-jährigen Klopp. Zugute halten muss man him, dass er die jungen Reservisten Sandro Schwarz und Manuel Friedrich zu Stammspielern und Leistungsträgern machte. Viel mehr funktionierte nicht. "Er wollte alte Zöpfe abschneiden, die ihm zu mächtig geworden sind oder den Anschein erweckt haben, dass sie im Verein, in der Mannschaft Macht ausüben könnten", erklärte später der damalige 05-Profi Jürgen Kramny. "Die Mannschaft war unruhig. Man hat gesehen, dass keine klare Linie da war. Wenn dann die Ergebnisse nicht stimmen, auch noch erfahrene Spieler unzufrieden auf der Bank oder auf der Tribüne sitzen, Klopp nicht im Kader ist, mobilisieren sich die Leute dagegen. Dann hat ein Trainer keine lange Haltbarkeit im Verein."

Auf die Entlassung im November reagierte der Belgier tief verletzt. Erst vor Gericht erzwangen die 05er die Herausgabe des Schlüssels für die dem Verein gehörende, vom Trainer genutzte Wohnung. Als Nachfolger kam Eckhard Krautzun, besser wurde es nicht. Erst Jürgen Klopp bekam ab Februar die Mannschaft in den Griff und aus dem Abstiegskampf.

Vandereycken galt auch bei seinen folgenden Trainerstationen als unbequeme Figur. Der Belgier legte sich mit seinen Vorständen, mit Kollegen, mit Schiedsrichtern an - und wurde 2006 dennoch Nationaltrainer seines Heimatlands. Nach dem Scheitern in der Qualifikation zur EM 2008 stand er schon Ende 2007 kurz vor dem Rauswurf - die Abstimmung des zuständigen Verbandsgremiums endete mit 11:10 Stimmen zu seinen Gunsten. Im Laufe der folgenden WM-Qualifikation, die für die Belgier früh außer Reichweite geriet, war schließlich Schluss für den vor allem im wallonischen Teil Belgiens umstrittenen Trainer, der schon seit einiger Zeit die französischsprachigen Medien weitgehend boykottiert hatte.

In den späten 1990ern ein starkes Duo in der Mainzer Innenverteidigung: Miroslav Tanjga (am Ball) und Peter Neustädter. Foto: imagoMiroslav Tanjga wird 53 Jahre alt. Der große, eher schlaksige als wuchtige, aber kantige Jugoslawe kam 1996 als fast 32-Jähriger von Hertha BSC zu den 05ern und war als Nachfolger des großen "Schorsch" Müller sofort ein Leistungsträger in der Innenverteidigung; zu den legendären Momenten der 05er in den 1990ern gehören die Kopfballduelle gegen den kleinen Meppener Marko Myyry, die Tanjga im Stehen gewann. Der etwas jüngere Peter Neustädter bildete mit Tanjga drei Jahre lang eine ungeheuer routinierte Innenverteidigung, mit der die 05er 1997 nah an die Bundesliga kamen; auseinandergerissen wurde das Bollwerk im April 1999 in einem berüchtigten Spiel beim FC St. Pauli. Die 05er verloren in Hamburg ihren jugoslawischen Verteidiger und ihren Torwart Dimo Wache mit schweren Verletzungen und waren anschließend nicht gut zu sprechen auf den Schiedsrichter Bernd Hauer, der die Behandlung des offensichtlich nicht mehr spielfähigen Wache minutenlang nicht zugelassen hatte, und den gegnerischen Trainer Willi Reimann, der dem Torwart Schauspielerei unterstellte. Wache konnte nach monatelanger Pause seine Karriere fortsetzen, der bereits 34-jährige Tanjga nicht. Mit den 05ern blieb der zweimalige jugoslawische Meister (1989 mit Vojvodina Novi Sad, 1992 mit Roter Stern Belgrad) als Chefscout für Osteuropa weiterhin verbunden.

Als Pressingmonster ein Schlüsselspieler in der ersten Mainzer Bundesligasaison: Niclas Weiland.Seinen 45. Geburtstag feiert Niclas Weiland. Der ältere Weiland kam 2001 mit seinem Bruder nach Mainz - "Nick" von Tennis Borussia Berlin, Dennis Weiland vom VfL Osnabrück. Letzterer erwischte zwar den besseren Start, nicht nur beim Debüt in Aachen, sondern insgesamt in seinen ersten beiden Jahren, aber Niclas Weiland hinterließ den nachhaltigeren Eindruck: Nachdem er die komplette Hinrunde seines zweiten Jahres wegen einer schweren Verletzung verpasst hatte, meldete der Rechtsaußen sich mit zwei Toren und einer Vorlage beim 5:1 in Mannheim zurück. 2004 schoss er das erste Tor nach dem 1:3 in Fürth; das Führungstor beim 4:1 gegen den MSV Duisburg, das den Endspurt einleitete, der die 05er doch noch in die Bundesliga brachte. Dort war "Nick" Weiland als Pressingmonster und viermaliger Torschütze im ersten halben Jahr ein Schlüsselspieler; anschließend hatte der 32-Jährige immer wieder kleinere Verletzungen und verlor den Status als unumstrittener Stammspieler. 2006 beendete Niclas Weiland seine Karriere.

29 Jahre alt wird schließlich Tufan Tosunoglu. Der ehemalige türkische U21-Nationalspieler aus Hessen ist eine der tragischeren Figuren der 05er in der jüngeren Vergangenheit. Nach einer starken Drittligasaison mit den Offenbacher Kickers verpflichteten die 05er den Angreifer 2010 auf Probe - sie wollten die Vorbereitung abwarten, um zu entscheiden, ob Tosunoglu besser zu den Profis oder zum Regionalligateam passt, und ließen ihn, als es für die Bundesliga nicht reichte, direkt zum Zweitligisten FSV Frankfurt ziehen. Wegen mehrerer Kreuzbandrisse spielte der Stürmer nur zweimal für die Bornheimer. Über den SV Niederauerbach und Wormatia Worms wechselte Tosunoglu 2014 zum Verbandsligisten Türkgücü Friedberg.
 

23. Juli  

Am Sonntag hat Martin Wagner Geburtstag - nicht der in Mainz immer bemerkenswert unbeliebte Mittelfeldspieler aus Kaiserslautern, sondern der Darmstädter Torwart, der in der Saison 1999/00 bei den 05ern auf der Bank gesessen hat. Sein einziges Zweitligaspiel dauerte für Wagner gut eine Minute plus Nachspielzeit: Am letzten Spieltag wurde er als Abschiedsgeschenk in der 89. Minute für Dimo Wache eingewechselt. Der Torhüter wird nun 45 Jahre alt. Der 05-Spieler mit der kürzesten Profikarriere ist er übrigens nicht: Fabian Liesenfeld kam in seinem einzigen Zweitligaspiel erst in der Nachspielzeit auf den Platz.
 

24. Juli  

Am Montag schließlich jähren sich nur zwei Mainzer Zweitligaspiele. Das 1:1 gegen den 1. FC Saarbrücken anno 1988 hatte als Höhepunkt immerhin eine schöne Rudelbildung mit zwei Platzverweisen. Das 0:0 gegen den Chemnitzer FC drei Jahre später ist sportlich eher belanglos. Als erstes Pflichtspiel der 05er gegen eine ehemalige DDR-Mannschaft hat es dennoch seine Nische in der 05-Chronik gefunden.

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