Das 05-Kalenderblatt: 25. bis 27. April

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Ums Wochenende herum geht es um zwei Oberliga-Defensivallrounder, Ärger mit der Polizei, einen Kontersprinter und um einen, der nur dachte, das Golden Goal geschossen zu haben.

25. April  

Heute vor 94 Jahren kam Hermann Ronde zur Welt...Heute vor 94 Jahren kam Hermann Ronde zur Welt. Der kleine Mittelfeldspieler kam 1950 schon im recht fortgeschrittenen Fußballeralter von 27 Jahren vom SV Zeilsheim zu den 05ern, war aber noch fünf Jahre lang regelmäßig dabei, ohne jemals eine Stammposition zu haben: Die meisten seiner 120 Oberligaspiele für Mainz 05 bestritt Ronde im linken Mittelfeld, aber auch etliche auf der rechten Seite, in der Abwehr und als Flügelstürmer. Ronde war ein Auffüllspieler, ein Allrounder, der, wenn er seinen Stammplatz verlor, anderswo auf dem Feld weiterhin gegen den Mann und im eigenen Aufbau wertvoll war.

...vor 76 Jahren Horst Schuch...Und damit kommen wir zu Horst Schuch, Heute vor 76 Jahren geboren und ähnlich vielseitig. Als der damals 18-Jährige 1959 aus der 05-Jugend ins Oberligateam übernommen wurde, war er bereits Rechtsverteidiger, wurde bei seinen noch recht wenigen Einsätzen aber auch auf allen anderen Positionen auf der rechten Seite eingesetzt, dreimal auch als Innenverteidiger. Im zweiten Jahr spielte Schuch immer noch nicht regelmäßig, inzwischen meist im Abwehr- oder Mittelfeldzentrum. Schuchs Durchbruch kam, als 1961 die Stammspieler Helmut Müllges und Norbert Liebeck oft fehlten, wodurch sich die ganze Statik der 05-Abwehr verschob, erst rechts und dann in der Mitte lange ein Platz frei wurde für den Nachwuchsmann. Schuch setzte sich rechts schließlich fest und war drei Jahre lang Stammspieler.

Durch die Verpflichtung Heinz Wassermanns im Sommer 1964 verlor der Verteidiger den Stammplatz, drei Jahre lang war er unregelmäßiger dabei, in der starken Mannschaft der Saison 1967/68 noch einmal gesetzt. Bis zum Ende seiner Profikarriere im Sommer 1970 spielte Schuch insgesamt 204 Mal in der Liga und im DFB-Pokal für Mainz 05, dabei schoss er fünf Tore.

...vor 42 Jahren Marcio Rodrigues.42 Jahre alt wird heute Marcio Rodrigues Machado, einer der ersten Brasilianer bei Mainz 05. Marcio kam 1998 von Internacional Santa Maria nach Mainz und wurde nie der Torjäger, den die 05er sich erhofft hatten, traf in 39 Zweitligaspielen nur viermal, war daher meist nur ein Einwechselspieler. Der Regionalligist Offenbacher Kickers konnte anschließend auch nicht viel mit Marcio anfangen. Und doch hat der Brasilianer einen gewissen Legendenstatus in Mainz. Das hängt zusammen mit dem Pokalspiel gegen Hertha BSC am 30. November 1999. In einem bis dahin unansehlichen Spiel hatte der Champions-League-Teilnehmer nach einer guten Stunde das 1:0 geschossen, durch Michael Thurks erstes Profitor aber das 1:1 kassiert. Verlängerung - und Überzahl für die Berliner, die nun kurzen Prozess machen wollten, die 05er kaum noch von deren Strafraum wegließen. Jedoch spielte im ersten Mainzer Entlastungsangriff in der 99. Minute Sirous Dinmohammadi einen seiner fabelhaften Steilpässe auf Marcio, der das 2:1 für die 05er schoss - und einen vermeintlich fatalen Fehler machte: Offenbar im Irrglauben, er habe gerade das Golden Goal geschossen und das Spiel sei vorbei, riss sich der Brasilianer das Trikot vom Leib, schwenkte es über dem Kopf. Schiedsrichterbetreuer Rocky Mayer, Schlimmstes ahnend, versuchte noch, Marcio einzufangen, purzelte in seinem Entsetzen kopfüber über die Werbebande. Denn Marcio hatte schon Gelb gesehen. "Und es tat mir in der Seele weh", sagte zwar Schiedsrichter Helmut Fleischer, aber Gelb-Rot musste er trotzdem zeigen, ging nicht anders.

Jürgen Klopp, so geht zumindest die Legende, bekam nicht viel mit von dem, was anschließend passierte. Marcio soll ihn aus Versehen in der Kabine eingeschlossen haben, Klopp habe sich auf das verlassen müssen, was durch die dünnen Wände von den Tribünen an sein Ohr drang. Und es war laut am Bruchweg. Die 05-Fans wurden tatsächlich der zehnte Mann, der die Unterzahl wenigstens ein bisschen wettmachte. Hertha stürmte. Belagerte den Strafraum. Die 05er zogen sich zurück in ein 4-4-0-System mit Thurk als Rechtsverteidiger. An der Seitenlinie standen Wolfgang Frank und Serjik Teymourian, der iranische Ersatzspieler, synchrongestikulierend. Bälle flogen in den Strafraum und wurden - vor allem von Steffen Herzbergers Schädel - wieder hinausbefördert. Beim Anstoß zur zweiten Hälfte der Verlängerung waren nur zwei Mainzer nahe der Mittellinie, die den Ball einfach in Richtung Eckfahne schlugen und sich in die Abwehr zurückzogen. Dimo Wache boxte einen Ball aus dem Winkel, den Sterbliche normalerweise nicht erreichen können. Hertha ließ überhaupt keine Entlastung zu, bis in die 121. Minute, in der Thurk um ein Haar das 3:1 geschossen hätte. Die Mainzer Mauer hielt. Der Ausgleich fiel nicht mehr. Neun Mainzer Spieler brachten das 2:1 gegen elf Berliner über die Zeit. Und in gewisser Weise war Marcios Treffer wirklich ein Golden Goal.

Ergebnisse am 25. April:

1965: FSV Mainz 05 - Ludwigshafener SC 1:2  
1971: FC Homburg/Saar - FSV Mainz 05 2:2  
1992: TSV München 1860 - FSV Mainz 05 1:1 
 

26. April  

Morgen wird "Kontermarco" Grevelhörster 47 Jahre alt.Marco Grevelhörster wird am Mittwoch 47 Jahre alt. Der Stürmer war in den späten 1990ern ein 05er. Grevelhörster kam 1995 nach dem Abstieg mit dem FSV Frankfurt nach Mainz; beim 1:4 am Bornheimer Hang gegen die 05er im Winter hatte er den Ausgleich geschossen - und Rot gesehen wegen Beleidigung des Linienrichters. Die 05er wurden mit Grevelhörster nie so ganz glücklich. Sie hatten einen ausdauernd schnellen Sprinter gefunden, der aber nie ein Torjäger wurde; Grevelhörster konnte in die Tiefe starten, Verteidiger abhängen, aber die Torgefahr fehlte ihm. Sechs Tore in der Hinrunde 1996/97 und drei in den ersten beiden Spielen der folgenden Saison waren Ausnahmephasen. So könnte der 15. Mai 1998 der Karriere-Höhepunkt von "Kontermarco" gewesen sein: 5:0 gewannen die 05er gegen Carl Zeiss Jena, dabei schoss Sven Demandt seinen einzigen Hattrick für die Mainzer und dabei sein hundertstes Zweitligator. Die Tore fielen immer wieder nach dem gleichen Muster: Langer Ball aus der Abwehr auf die rechte Seite, Grevelhörster rannte weg, spielte quer, bereitete so Jürgen Kramnys 1:0 sowie das 2:0 und 4:0 von Demandt direkt vor. 1999 verließ der Stürmer die 05er zu den Offenbacher Kickers, wegen Verletzungsproblemen musste er seine Karriere bald beenden.

24 Jahre alt wird Jan-Lucas Dorow. Der Südpfälzer, der beim 1. FC Kaiserslautern ausgebildet wurde, spielte Anfang 2015eine kleine Nebenrolle in der Mainzer Drittligamannschaft.

18 Jahre alt wird schließlich ein interessantes Abwehrtalent der 05er. Ahmet Gürleyen kam im Winter 2015/16 in eine wegen Verletzungen nicht gut aufgestellte U17-Mannschaft. Der Innenverteidiger war zuvor schon U17-Bundesliga-Stammspieler bei Tennis Borussia Berlin, eine körperlich beeindruckende Erscheinung, aber ohne jeden Feinschliff in der Ausbildung. Wie der im gleichen Winter verpflichtete Vitus Scheithauer war Gürleyen sofort Leistungsträger in der Mainzer U17, anschließend auch schnell in der U19.

Ergebnisse am 26. April:

1953: Hassia Bingen - FSV Mainz 05 2:7  
1959: Saar 05 Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:2  
1964: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 0:2  
1970: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 2:1  
1975: FSV Mainz 05 - VfR Mannheim 1:1  
1977: VfR Kirn - FSV Mainz 05 2:1  
1983: FSV Mainz 05 - Eisbachtaler Sportfreunde 4:1  
1987: FSV Mainz 05 - SSV Überherrn 1:1  
1998: 1. FC Nürnberg - FSV Mainz 05 1:0  
2009: FC Ingolstadt 04 - FSV Mainz 05 3:4  
2014: FSV Mainz 05 - 1. FC Nürnberg 2:0  

27. April

Marco Rose (links) war vor neun Jahren einer der Rädelsführer bei den Protesten gegen einen fragwürdigen Elfmeter. Weil der gesperrte Profi den Schiedsrichter nichts anging, warf die Polizei ihn mitsamt dem verletzten Torwart Dimo Wache auf die Tribüne. Foto: imagoAm Donnerstag ist es neun Jahre her, dass Marco Rose und Dimo Wache Ärger mit der Osnabrücker Polizei hatten. Der verletzte Torwart und der gesperrte Linksverteidiger standen beim Auswärtsspiel der 05er gegen den VfL zunächst hinter Daniel Ischdonats Tor, regten sich nach einer guten halben Stunde dermaßen auf über den fragwürdigen Elfmeter zur Osnabrücker Führung, dass die Polizisten sie aus dem Innenraum warfen. "Ein Wort ergab das andere und wir mussten auf die Tribüne", berichtete Rose. Dort brachten sie den 05ern mehr Glück: Noch in der ersten Hälfte trafen Neven Subotic (Oder Nikolce Noveski? Oder beide? Es war nicht zu erkennen) und Félix Borja zum 2:1-Auswärtssieg.

Weitere Ergebnisse am 27. April:

1952: FSV Mainz 05 - FV Engers 5:2  
1969: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:1  
1980: FK 03 Pirmasens - FSV Mainz 05 2:2  
1986: FSV Salmrohr - FSV Mainz 05 2:0  
1989: FSV Mainz 05 - Blau-Weiß 90 Berlin 0:2  
1996: FSV Mainz 05 - VfL Wolfsburg 2:2  
2003: Alemannia Aachen - FSV Mainz 05 3:0 

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