Das 05-Kalenderblatt: 26. bis 28. April

Christian Karn.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. In der Mitte dieser Woche geht es vor allem um zwei legendäre Verteidiger, Ärger mit der Polizei und einen Kontersprinter.

26. April  

Heute wird "Kontermarco" Grevelhörster 46 Jahre alt.Marco Grevelhörster wird heute 46 Jahre alt. Der Stürmer war in den späten 1990ern ein 05er. Grevelhörster kam 1995 nach dem Abstieg mit dem FSV Frankfurt nach Mainz; beim 1:4 am Bornheimer Hang gegen die 05er im Winter hatte er den Ausgleich geschossen - und Rot gesehen wegen Beleidigung des Linienrichters. Die 05er wurden mit Grevelhörster nie so ganz glücklich. Sie hatten einen ausdauernd schnellen Sprinter gefunden, der aber nie ein Torjäger wurde; Grevelhörster konnte in die Tiefe starten, Verteidiger abhängen, aber die Torgefahr fehlte ihm. Sechs Tore in der Hinrunde 1996/97 und drei in den ersten beiden Spielen der folgenden Saison waren Ausnahmephasen. So könnte der 15. Mai 1998 der Karriere-Höhepunkt von "Kontermarco" gewesen sein: 5:0 gewannen die 05er gegen Carl Zeiss Jena, dabei schoss Sven Demandt seinen einzigen Hattrick für die Mainzer und dabei sein hundertstes Zweitligator. Die Tore fielen immer wieder nach dem gleichen Muster: Langer Ball aus der Abwehr auf die rechte Seite, Grevelhörster rannte weg, spielte quer, bereitete so Jürgen Kramnys 1:0 sowie das 2:0 und 4:0 von Demandt direkt vor. 1999 verließ der Stürmer die 05er zu den Offenbacher Kickers, wegen Verletzungsproblemen musste er seine Karriere bald beenden.

23 Jahre alt wird Jan-Lucas Dorow. Der Südpfälzer, der beim 1. FC Kaiserslautern ausgebildet wurde, spielte in der Rückrunde der vergangenen Saison eine kleine Nebenrolle in der Mainzer Drittligamannschaft.

17 Jahre alt werden schließlich zwei Spieler der aktuellen Mainzer B-Junioren-Mannschaft: Max Pflücke, Verteidiger, Bruder von Patrick Pflücke, ist nur Ergänzungsspieler, Ahmet Gürleyen seit seinem Wechsel von Tennis Borussia Berlin nach Mainz in der Winterpause ein wichtiger Leistungsträger in der Innenverteidigung.

Ergebnisse am 26. April:

1953: Hassia Bingen - FSV Mainz 05 2:7  
1959: Saar 05 Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:2  
1964: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 0:2  
1970: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 2:1  
1975: FSV Mainz 05 - VfR Mannheim 1:1  
1977: VfR Kirn - FSV Mainz 05 2:1  
1983: FSV Mainz 05 - Eisbachtaler Sportfreunde 4:1  
1987: FSV Mainz 05 - SSV Überherrn 1:1  
1998: 1. FC Nürnberg - FSV Mainz 05 1:0  
2009: FC Ingolstadt 04 - FSV Mainz 05 3:4  
2014: FSV Mainz 05 - 1. FC Nürnberg 2:0  

27. April

Morgen ist es acht Jahre her, dass Marco Rose und Dimo Wache Ärger mit der Osnabrücker Polizei hatten. Der verletzte Torwart und der gesperrte Linksverteidiger standen beim Auswärtsspiel der 05er gegen den VfL zunächst hinter Daniel Ischdonats Tor, regten sich nach einer guten halben Stunde dermaßen auf über den fragwürdigen Elfmeter zur Osnabrücker Führung, dass die Polizisten sie aus dem Innenraum warfen. "Ein Wort ergab das andere und wir mussten auf die Tribüne", berichtete Rose. Dort brachten sie den 05ern mehr Glück: Noch in der ersten Hälfte trafen Neven Subotic (Oder Nikolce Noveski? Oder beide? Es war nicht zu erkennen) und Félix Borja zum 2:1-Auswärtssieg.

Weitere Ergebnisse am 27. April:

1952: FSV Mainz 05 - FV Engers 5:2  
1969: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:1  
1980: FK 03 Pirmasens - FSV Mainz 05 2:2  
1986: FSV Salmrohr - FSV Mainz 05 2:0  
1989: FSV Mainz 05 - Blau-Weiß 90 Berlin 0:2  
1996: FSV Mainz 05 - VfL Wolfsburg 2:2  
2003: Alemannia Aachen - FSV Mainz 05 3:0  
2008: VfL Osnabrück - FSV Mainz 05 1:2  

28. April  

Eine 05-Legende: Carlo Storck.Zwei überdurchschnittliche 05-Verteidiger haben am Freitag Geburtstag, einer aus der älteren, einer aus der jüngeren Vergangenheit: Carlo Storck wird 78 Jahre alt, Nikolce Noveski 37 Jahre.

Storck kam 1959 als 21-Jähriger von Germania Bieber in die Oberliga. Anfangs drängte er sich nur gelegentlich auf, im Herbst 1960 aber schaffte der nicht allzu schnelle, aber im Stellungsspiel und Zweikampf exzellente Innenverteidiger den Durchbruch. Meist als Manndecker, hin und wieder im defensiven Mittelfeld, ab 1961 auch hinter der Abwehr war Storck jahrelang eine Stütze der Mannschaft; 1965 wurde er Nachfolger von Norbert Liebeck als Libero - indirekt: Wegen langwieriger Leistenprobleme verpasste der inzwischen routinierte Stammspieler die Hinrunde fast komplett, aber ab der Rückrunde war er jahrelang unumstritten. Von Januar 1966 bis Dezember 1969 verpasste Storck nur ein einziges Spiel.

Der neue Trainer Erich Gehbauer beendete Anfang 1970 die Karriere des inzwischen fast 32-jährigen Veteranen. Storck war über seinen Zenit hinaus, hatte im Februar schon einmal wegen einer Verletzung gefehlt - jahrelang schien so etwas undenkbar. Beim 2:3 gegen den FV Speyer Ende März wechselte Gehbauer den Libero direkt nach dem 0:2 in der 17. Minute aus; der damalige 05-Rekordspieler wurde im restlichen Saisonverlauf noch hin und wieder im Mittelfeld eingesetzt, aber nie wieder auf seiner alten Position. Im Sommer 1970 war er einer von mehreren alten Leistungsträgern, die keinen neuen Vertrag mehr bekamen. Bis dahin hatte Carlo Storck in 290 Spielen für die 05er 18 Tore geschossen und eine viel größere Zahl an Gegentoren verhindert; nur elf Mann spielten noch öfter als er für Mainz 05.

Noch eine 05-Legende: Nikolce Noveski.Einer davon ist Nikolce Noveski - und die eine oder andere Parallele zu Storcks Karriere ist offensichtlich. Auch der große Mazedonier musste noch ein bisschen dazulernen, ehe er aufgestellt wurde, Stammspieler, Leistungsträger, Abwehrchef, Kapitän wurde. Auch er stellte einen Langzeitrekord auf. Und auch er bekam nach elf Jahren keinen neuen Vertrag mehr; wieder zählen Verletzungsprobleme, Alterserscheinungen und ein Trainerwechsel zu den Gründen.

Der FC Erzgebirge Aue, so heißt es, soll 2004 schon darüber nachgedacht haben, Noveski aus Mainz zurückzuholen, als dieser nach seinem Transfer zum Bundesliga-Aufsteiger wochenlang nicht mal auf der Ersatzbank auftauchte. Wie der Innenverteidiger doch in die Startelf kam, ist hinlänglich bekannt; im Training war sein Arm stärker als der Schädel von Stammspieler Tamás Bódog. Der Ungar fiel nach der Kollision mit Noveski monatelang aus, der Platz neben Manuel Friedrich war damit frei. Und wenn Noveski auch die Defizite in der Spieleröffnung nie ganz wettmachte, gab er als zweikampfstarker, kopfballstarker, willensstarker und gleichzeitig nie aus der Ruhe zu bringender Fels in der Brandung von da an ein Jahrzehnt lang seine Position nicht mehr her.

Kurios: Eine 34-Spiele-Saison schaffte Noveski nie. Irgendwas kam immer dazwischen. Eine Gelbsperre im zweiten Jahr. Drei kleinere Wehwehchen im dritten. Beides sowie eine Rotsperre im vierten, verschiedener Kleinkram (darunter Noveskis Klassiker, die Platzwunde am Kopf) im fünften, und sechsten, noch eine Rotsperre im siebten. Im achten Jahr, 2011/12, erstmals eine größere Verletzung, in deren Folge nochmal ein kurzes Formtief, durch das der Verteidiger erstmals seit September 2004 ein paar Wochen auf der Bank saß. Danach aber noch zwei volle Jahre nahezu durchspielte. Sechs Eigentore - Bundesligarekord zusammen mit Manfred Kaltz - hat dem Verteidiger niemand angekreidet; man war stolz auf ihn, als er mit zwei Missgeschicken Eintracht Frankfurt in den ersten fünf Minuten eine 2:0-Führung gegeben, diese aber persönlich wieder aufgeholt hatte, mit dem Tor zum 1:2, mit seinem unbändigen Willen, das Ding zu drehen, mit ein bisschen Hoffnung in der 90. Minute, die Petr Ruman beim Ausgleichstor geholfen haben muss.

Dabei wäre Noveski nach wenigen Jahren beinahe weggewesen. Nach dem Mainzer Abstieg im Sommer 2007 hätte er nach Stuttgart, Frankreich oder England wechseln können, die Angebote waren lukrativ. Der 1. FC Köln hatte sogar schon die Zusage Noveskis, den im letzten Moment wohl der Mut verließ; den nahezu sicheren Transfer ließ der Verteidiger doch noch platzen. Und die 05er bauten Noveski schließlich ein Denkmal - einen Pappkameraden unter der Fantribüne der Coface Arena.

Unter Kasper Hjulmand verlor Noveski 2014 seinen Stammplatz; bei Tuchel hätte das freilich auch passieren können. Der Kapitän war nicht fit, als die Saison begann, wurde von Niko Bungert, Stefan Bell, Gonzalo Jara abgehängt, spielte unglücklich, als er doch mal gebraucht wurde, durfte sich aber am Ende doch noch mit ein paar erstklassigen Leistungen in Freiburg und gegen den 1. FC Köln verabschieden. Noveski wäre durchaus noch länger geblieben, aber die 05er stellten klar: Die Tür stehe immer offen für den Mainzer Rekord-Bundesligaspieler, der seinen ersten Platz in der Rangliste noch jahrelang, vielleicht ewig, halten wird, aber nicht mehr als Spieler. Weil sich auch verschiedene andere Kontakte zerschlugen, ist Noveskis Karriere wohl vorbei. Das versprochene Abschiedsspiel und die angekündigte Ernennung zum Ehrenspielführer gab es bislang nicht.

Außerdem haben am Freitag zwei Nachwuchsspieler Geburtstag: Marcel Hammann, 2013/14 ambitionierter Stammspieler im defensiven Mittelfeld der U19, 2014/15 wegen einer langwierigen Verletzung nur Zuschauer in der U23, wird 21 Jahre alt, Niclas Judith, der auf der rechten Angriffsseite der aktuellen U19 inzwischen gesetzt ist, 19 Jahre.

Ergebnisse am 28. April:

1929: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 1:4  
1957: FSV Mainz 05 - VfR Frankenthal 3:1  
1963: FSV Mainz 05 - SV Niederlahnstein 2:1  
1968: SSV Mülheim - FSV Mainz 05 1:5  
1974: Südwest Ludwigshafen - FSV Mainz 05 2:3  
1993: FSV Mainz 05 - Hannover 96 1:1  
1997: Eintracht Frankfurt - FSV Mainz 05 1:0  
2001: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 1:1  
2002: FSV Mainz 05 - SpVgg Greuther Fürth 1:1  
2007: FSV Mainz 05 - Hannover 96 1:2  
2012: Hamburger SV - FSV Mainz 05 0:0  
2013: FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt 0:0  

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