Das 05-Kalenderblatt: 27. Juni bis Saisonende

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Die Kalenderblätter sind kurz und dünn beschrieben in diesen Tagen, viel ist nicht passiert, so kurz vor dem Saisonwechsel. Und dennoch gibt es auch heute Geschichten. Über einen reuigen Sünder, einen Defensivallrounder und über einen Gaukler.

Vier Tage noch, dann ist in jeglicher Hinsicht die Saison 2016/17 vorbei und ein neues Spieljahr beginnt. Dann geht die Transferperiode auf, dann sind René Adler und Kenan Kodro, beispielsweise, auch offiziell Spieler von Mainz 05. Dann gibt es den Spielplan.

Trotzdem: Vier Tage sind's noch in der Saison 2016/17, und diese letzten Tage waren noch nie von größerer Bedeutung. Dennoch beginnt auch dieses Kalenderblatt mit einer Spielszene! Und zwar vom:
 

27. Juni

Genau genommen vom 27. Juni 2007, heute vor neun Jahren. Als nicht noch, sondern schon wieder Fußball gespielt wurde. Der SV 07 Kriftel feierte sein 100. Vereinsjubiläum und hatte den FSV Mainz 05 eingeladen. Der hatte schon drei Tage zuvor seine Vorbereitungsspielserie mit einem 18:0 in Bischofsheim eröffnet. Torjäger der ersten Tage war Ranisav Jovanovic, im Mittelfeld war der Brasilianer Marco Tulio Lopes Silva vom ungarischen Meister Debreceni VSC zu Gast und überzeugte nicht. Und Petr Ruman schund in den letzten Minuten des Spiels einen Elfmeter, bekam ihn auch, dann aber packte den Stürmer das schlechte Gewissen. Ruman gestand die Schalbe, der Schiedsrichter nahm den Elfmeterpfiff zurück, Ruman bekam Gelb.

Das ist die offizielle Version. Näher an der Wahrheit ist jedoch, dass beim Stand von 12:0 für die 05er der trotz der vielen Gegentore überragende Krifteler Torhüter beim Abwehrversuch nicht den Ball, sondern tatsächlich Rumans Fuß erwischt hatte. Und dass der Schiedsrichter die Rote Karte schon in der Hand hatte, als der Stürmer dazwischen ging, den Torwart mit einem völlig offensichtlich falschen Geständnis rettete. Gelb bekam er im wörtlichen Sinne - die Karte steckte Ruman ein.

Auch eines ihrer eigenen Jubiläumsspiele hatten die 05er am 27. Juni bestritten: 2005 gewannen sie 14:0 gegen den FC Germania Gustavsburg, der schon hundert Jahre zuvor ihr allererster Gegner im allerersten Spiel der Vereinsgeschichte war. Im Laufe dieses Jahrzehnts gab's außerdem ein 5:0 am Bruchweg gegen den SV Gonsenheim sowie ein 16:0 und ein 13:0 beim SV Guntersblum.
 

28. Juni  

Gegen den 1. FC Köln feierte Leon Balogun in der Rückrunde 2015/16 sein erstes Bundesligator.Morgen wird Leon Aderemi Balogun 29 Jahre alt. Der Berliner versuchte mit seinem Wechsel zu Mainz 05 vor zwei Jahren zum vierten Mal, sich in der Bundesliga zu etablieren, und endlich ist es gelungen. Für Hannover 96 hatte Balogun von 2008 bis 2010 schon dreimal in der ersten Liga gespielt, für Werder Bremen 2010/11 ebenfalls dreimal, für Fortuna Düsseldorf 2012/13 sogar 17 Mal. Aber den richtigen Durchbruch schaffte der Sohn eines Nigerianers und einer Deutschen italienischer Abstammung auch bei der Fortuna nicht; die Düsseldorfer ließen den Vertrag des damals verletzten Verteidigers ein Jahr später auslaufen.

Nach ein paar Monaten ohne Vertrag stellte sich Balogun in Darmstadt ins Schaufenster, stieg mit den "Lilien" völlig überraschend auf, wechselte daraufhin ablösefrei zu den 05ern. Diese stellten ihn vor als "sympathischen, intelligenten Typ, der unsere Mannschaft nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine bereichern wird" - stimmt - und als "physisch starken, dynamischen Rechtsverteidiger, der auch Innenverteidiger spielen kann" - stimmt, wie sich herausstellte, nicht ganz. Als Außenverteidiger spielte der einst offensiv ausgebildete Balogun nicht oft und nicht so überzeugend, wie die 05er sich das vorgestellt hatten. Als aber nach der Winterpause 2015/16 Niko Bungert mit einigen Wehwehchen zu kämpfen hatte, immer wieder im Training und in der Bundesliga pausieren musste, nutzte der Neuzugang seine Chance. In der Rückrunde war der kopfballstarke, eher elegante als brachiale Abwehrspieler unumstrittener Stammspieler und Leistungsträger in der Innenverteidigung.

Diesen Stellenwert hat Balogun inzwischen schon wieder verloren. Neben dem gesetzten Stefan Bell musste er sich den zweiten Platz in der Innenverteidigung mit André Ramalho, Alex Hack und eben Bungert teilen, nicht nur wegen Verletzungen spielte er wettbewerbs-übergreifend nur 20 Mal mit. Im sicherlich flexibleren Fußball von Sandro Schwarz wird er aber sicher wieder seine Chancen bekommen - gerade in Spielen, in denen eine Dreier-/Fünferkette benötigt wird.

Auch fünf Testspiele gegen unterklassige Gegner gab es schon am 28. Juni, aber weil die 05er in keinem einzigen überzeugten, seien die unter den Teppich gekehrt - mit einer Ausnahme: Johannes Geis schoss zwar 2013 beim 0:0 gegen den SV Wiesbaden einen Elfmeter in die Wolken, deutete aber bei seinem zweiten Einsatz für die 05er an, sofort eine große Rolle spielen zu können. Beim Debüt, dem erwähnten 16:0 in Guntersblum, hatte der Neuzugang noch per Elfmeter getroffen.
 

29. Juni

Am 29. Juni steht nichts von Bedeutung im 05-Kalender.
 

30. Juni

Smart im Anzug, unaufhaltsam im Fußballdress: "Gaukler" Karl Scherm, der einzige 05er, der mehr Tore schoss, als er Spiele absolvierte.Der Freitag schließlich ist der 40. Todestag von Karl Scherm. Der gelernte Schuhmacher, 1904 in Nürnberg geboren, hatte 1926 zwei Länderspiele bestritten. 1930 war sein Transfer zum damaligen Spitzenklub SpVgg Fürth gescheitert. Dem Stürmer wurde vorgeworfen, für diesen Wechsel ein hohes Handgeld kassiert zu haben, worauf er vom Vertrag zurücktreten musste, um kein sportgerichtliches Verfahren zu riskieren. 1931 schließlich kam der "Gaukler" nach Mainz, worauf die 05er augenblicklich zweimal Hessenmeister wurden. Der kleine, ungeheuer geschickte und trickreiche Dribbler schoss im ersten Jahr 24 Tore in 19 Spielen; wegen einer Verletzung verpasste er den Rest der Saison. Im zweiten Jahr traf Scherm 30 Mal in 31 Spielen, in der einzigen Gauligasaison der 05er schoss er in 21 Einsätzen 23 der 44 Mainzer Tore. In der Summe ergibt das 77 Treffer in 71 Einsätzen - Scherm ist der einzige 05er, der im Schnitt mehr als ein Tor pro Spiel erzielte. In der ewigen Torjägerliste der 05er steht er auf Platz fünf und ist der einzige Spieler, der sich mit weniger als 100 Spielen in die Top 24 schoss.

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