Das 05-Kalenderblatt: 28. April bis 1. Mai

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. An diesem Wochenende geht es um einen integrativen Ungarn, einen talentierten Ingelheimer, einen schnellen Finanzdienstleister und eine lustige Bildergeschichte - vor allem aber um zwei legendäre Verteidiger.

28. April  

Eine 05-Legende: Carlo Storck.Zwei überdurchschnittliche 05-Verteidiger haben heute Geburtstag, einer aus der älteren, einer aus der jüngeren Vergangenheit: Carlo Storck wird 79 Jahre alt, Nikolce Noveski 38 Jahre.

Storck kam 1959 als 21-Jähriger von Germania Bieber in die Oberliga. Anfangs drängte er sich nur gelegentlich auf, im Herbst 1960 aber schaffte der nicht allzu schnelle, aber im Stellungsspiel und Zweikampf exzellente Innenverteidiger den Durchbruch. Meist als Manndecker, hin und wieder im defensiven Mittelfeld, ab 1961 auch hinter der Abwehr war Storck jahrelang eine Stütze der Mannschaft; 1965 wurde er Nachfolger von Norbert Liebeck als Libero - indirekt: Wegen langwieriger Leistenprobleme verpasste der inzwischen routinierte Stammspieler die Hinrunde fast komplett, aber ab der Rückrunde war er jahrelang unumstritten. Von Januar 1966 bis Dezember 1969 verpasste Storck nur ein einziges Spiel.

Der neue Trainer Erich Gehbauer beendete Anfang 1970 die Karriere des inzwischen fast 32-jährigen Veteranen. Storck war über seinen Zenit hinaus, hatte im Februar schon einmal wegen einer Verletzung gefehlt - jahrelang schien so etwas undenkbar. Beim 2:3 gegen den FV Speyer Ende März wechselte Gehbauer den Libero direkt nach dem 0:2 in der 17. Minute aus; der damalige 05-Rekordspieler wurde im restlichen Saisonverlauf noch hin und wieder im Mittelfeld eingesetzt, aber nie wieder auf seiner alten Position. Im Sommer 1970 war er einer von mehreren alten Leistungsträgern, die keinen neuen Vertrag mehr bekamen. Bis dahin hatte Carlo Storck in 290 Spielen für die 05er 18 Tore geschossen und eine viel größere Zahl an Gegentoren verhindert; nur elf Mann spielten noch öfter als er für Mainz 05, ein zwölfter ist momentan noch weit und breit nicht in Sicht.

Noch eine 05-Legende: Nikolce Noveski.Einer dieser elf Mann ist Nikolce Noveski - und die eine oder andere Parallele zu Storcks Karriere ist offensichtlich. Auch der große Mazedonier musste noch ein bisschen dazulernen, ehe er aufgestellt wurde, Stammspieler, Leistungsträger, Abwehrchef, Kapitän wurde. Auch er stellte einen Langzeitrekord auf. Und auch er bekam nach elf Jahren keinen neuen Vertrag mehr; wieder zählen Verletzungsprobleme, Alterserscheinungen und ein Trainerwechsel zu den Gründen.

Der FC Erzgebirge Aue, so heißt es, soll 2004 schon darüber nachgedacht haben, Noveski aus Mainz zurückzuholen, als dieser nach seinem Transfer zum Bundesliga-Aufsteiger wochenlang nicht mal auf der Ersatzbank auftauchte. Wie der Innenverteidiger doch in die Startelf kam, ist hinlänglich bekannt; im Training war sein Arm stärker als der Schädel von Stammspieler Tamás Bódog. Der Ungar fiel nach der Kollision mit Noveski monatelang aus, der Platz neben Manuel Friedrich war damit frei. Und wenn Noveski auch die Defizite in der Spieleröffnung nie ganz wettmachte, gab er als zweikampfstarker, kopfballstarker, willensstarker und gleichzeitig nie aus der Ruhe zu bringender Fels in der Brandung von da an ein Jahrzehnt lang seine Position nicht mehr her.

Kurios: Eine 34-Spiele-Saison schaffte Noveski nie. Irgendwas kam immer dazwischen. Eine Gelbsperre im zweiten Jahr. Drei kleinere Wehwehchen im dritten. Beides sowie eine Rotsperre im vierten, verschiedener Kleinkram (darunter Noveskis Klassiker, die Platzwunde am Kopf) im fünften, und sechsten, noch eine Rotsperre im siebten. Im achten Jahr, 2011/12, erstmals eine größere Verletzung, in deren Folge nochmal ein kurzes Formtief, durch das der Verteidiger erstmals seit September 2004 ein paar Wochen auf der Bank saß. Danach aber noch zwei volle Jahre nahezu durchspielte. Sechs Eigentore - Bundesligarekord zusammen mit Manfred Kaltz - hat dem Verteidiger niemand angekreidet; man war stolz auf ihn, als er mit zwei Missgeschicken Eintracht Frankfurt in den ersten fünf Minuten eine 2:0-Führung gegeben, diese aber persönlich wieder aufgeholt hatte, mit dem Tor zum 1:2, mit seinem unbändigen Willen, das Ding zu drehen, mit ein bisschen Hoffnung in der 90. Minute, die Petr Ruman beim Ausgleichstor geholfen haben muss.

Dabei wäre Noveski nach wenigen Jahren beinahe weggewesen. Nach dem Mainzer Abstieg im Sommer 2007 hätte er nach Stuttgart, Frankreich oder England wechseln können, die Angebote waren lukrativ. Der 1. FC Köln hatte sogar schon die Zusage Noveskis, den im letzten Moment wohl der Mut verließ; den nahezu sicheren Transfer ließ der Verteidiger doch noch platzen. Und die 05er bauten Noveski schließlich ein Denkmal - einen Pappkameraden unter der Fantribüne der Coface Arena.

Unter Kasper Hjulmand verlor Noveski 2014 seinen Stammplatz; bei Tuchel hätte das freilich auch passieren können. Der Kapitän war nicht fit, als die Saison begann, wurde von Niko Bungert, Stefan Bell, Gonzalo Jara abgehängt, spielte unglücklich, als er doch mal gebraucht wurde, durfte sich aber am Ende doch noch mit ein paar erstklassigen Leistungen in Freiburg und gegen den 1. FC Köln verabschieden. Noveski wäre durchaus noch länger geblieben, aber die 05er stellten klar: Die Tür stehe immer offen für den Mainzer Rekord-Bundesligaspieler, der seinen ersten Platz in der Rangliste noch jahrelang, vielleicht ewig, halten wird, aber nicht mehr als Spieler. Weil sich auch verschiedene andere Kontakte zerschlugen, war Noveskis Karriere vorbei. Das versprochene Abschiedsspiel und die angekündigte Ernennung zum Ehrenspielführer gab es bislang nicht, was offenbar auch am legendären Wankelmut des großen Zweiflers liegt.

Ergebnisse am 28. April:

1929: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 1:4  
1957: FSV Mainz 05 - VfR Frankenthal 3:1  
1963: FSV Mainz 05 - SV Niederlahnstein 2:1  
1968: SSV Mülheim - FSV Mainz 05 1:5  
1974: Südwest Ludwigshafen - FSV Mainz 05 2:3  
1993: FSV Mainz 05 - Hannover 96 1:1  
1997: Eintracht Frankfurt - FSV Mainz 05 1:0  
2001: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 1:1  
2002: FSV Mainz 05 - SpVgg Greuther Fürth 1:1  
2007: FSV Mainz 05 - Hannover 96 1:2  
2012: Hamburger SV - FSV Mainz 05 0:0  
2013: FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt 0:0  
 

29. April  

Markus Kreuz wird am Samstag 40 Jahre alt...Am Samstag wird Markus Kreuz 40 Jahre alt. Der Offensivspieler war in den 1990ern eines der wenigen Mainzer Talente, die in der Bundesliga Karriere machten. Der gebürtige Ingelheimer, der als 14-Jähriger vom VfL Frei-Weinheim in die 05-Jugend wechselte, spielte im Oktober 1995 mit 18 Jahren erstmals in der 2. Bundesliga - und verlor in Jena 1:6. In drei Jahren kam Kreuz nur auf zwölf Zweitligaspiele. Vollwertiger Profi wurde der Mittelfeldspieler von 1997 bis 2000 bei Hannover 96, anschließend spielte er für den 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt vier Jahre lang in der Bundesliga. Über Rot-Weiß Erfurt, Real Murcia, die Offenbacher Kickers und den FSV Frankfurt sowie den damaligen österreichischen Zweitligisten Wolfsberger AC/St. Andrä fuhr Kreuz ab 2004 seine Karriere zurück. Von 2012 bis 2014 spielte der ehemalige U21- und A2-Nationalspieler für den TSV Schott, seitdem wieder für seinen Stammverein in Frei-Weinheim. Insgesamt bestritt Markus Kreuz 81 Bundesligaspiele (8 Tore) und 166 Zweitligapartien (18 Tore).

...Zsolt Löw 38 Jahre.Zwei Jahre jünger ist Zsolt Löw. Der ungarische Linksverteidiger wechselte 2002 vom Újpest FC zu Energie Cottbus. Über Hansa Rostock und die TSG Hoffenheim kam Löw im Winter 2008/09 zu Mainz 05 - gerade rechtzeitig, um den Stammspieler Peter Van der Heyden zu vertreten, der sich kurz darauf verletzte. Löw war ein total integrativer Typ, der immer in Mannschaftsdimensionen dachte, der seine Position taktisch sehr gut kannte, ohne grätschen zu müssen gut verteidigte, im Mittelfeld ein zweckmäßiges Passspiel hatte, am Strafraum gute kurze Flanken schlug, immer wusste, was notwendig war und was nichts brachte - ein vollwertiger Bundesligaspieler, wenn auch in Mainz vielleicht schon ein bisschen über seinen Zenit hinaus. Ein Jahr lang war Löw Stammspieler bei den 05ern, dann verletzte auch er sich, worauf wieder ein Winter-Neuzugang sofort einen Stammplatz hatte: der Ex-Nationalspieler Malik Fathi. Nach seinem Karriereende 2011 wurde der ungarische Nationalspieler Trainer in Österreich. Zu seinen Erfolgen als Profi zählen drei Aufstiege in Folge: Mit Hoffenheim 2007 in die 2. und 2008 in die 1. Bundesliga, mit den 05ern 2009 erneut in die höchste Spielklasse.

21 Jahre alt wird schließlich Maurice Neubauer, der im ersten Viertel der nun zu Ende gehenden Saison Stammspieler auf der linken Abwehrseite der Mainzer U23 war, dann aber seinen Platz in der Startelf verlor.

Ergebnisse am 29. April:

1973: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 1:1  
1978: FSV Mainz 05 - VfR Frankenthal 3:0  
1979: Eintracht Bad Kreuznach - FSV Mainz 05 4:2  
1985: FSV Mainz 05 - TuS Mayen 3:0  
1987: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 0:0  
1990: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 1:1  
1995: Hannover 96 - FSV Mainz 05 2:0  
 

30. April  

Am Sonntag jährt sich eins der legendären Mainzer Bundesligaspiele zum elften Mal: Wochenlang hatte der Bochumer Trainer Peter Neururer das Heimspiel seines VfL gegen die 05er zum Schlüsselspiel im Abstiegskampf ausgerufen, keinen Zweifel daran gelassen, dass er die Mainzer an diesem 31. Spieltag in der Tabelle überholen würde. Das war schon vor der Partie nicht mehr möglich; am 30. Spieltag hatten die 05er mit dem 2:0 gegen Hannover 96 den Vorsprung auf den VfL und damit auf den ersten Abstiegsplatz von zwei auf fünf Punkte vergrößert. Den Bochumer Optimismus schmälerte das nicht; im Stadionheft gab es gar einen Fußballcomic von Guido Schröter, in dem der VfL den FSV Mainz 05 mit 6:2 schlug.

Diese gingen mit einer gewissen Sorge in die Partie: Dimo Wache musste sein Comeback kurzfristig absagen, saß nur der Form halber auf der Bank. Christian Wetklo spielte, aber im Ernstfall wäre womöglich Tamás Bódog sein Ersatzmann gewesen.

Benjamin Auer brachte die 05er nach sechs Minuten in Führung. Vratislav Lokvenc glich 20 Minuten später aus. Und in der letzten halben Stunde nahmen die 05er den VfL komplett auseinander: Führung durch Michael Thurks kunstvollen Kopfball (60.). 3:1 durch Fabian Gerber (65.). 4:1 durch Toni da Silvas frechen Freistoß ins völlig offene kurze Eck - Torwart Christian Vander hatte eine Flanke erwartet (68.). 5:1, als der inzwischen völlig verunsicherte Vander Benjamin Weigelts Flanke ins eigene Tor abfälschte (77.). 6:1 durch Conor Casey (84.). Und heute noch glaubt manch ein 05er, Bódog wäre nur deshalb (als Feldspieler) eingewechselt worden, um den Bochumern das zweite Tor zu geben; beim 6:2 fälschte er den Ball zumindest ab. Die 05er waren so gut wie gerettet, der VfL hatte das ungewöhnliche Ergebnis aus dem Stadionheft - nur halt als Niederlage, nicht als Sieg.

Nach dem Schlüsselspiel im ersten Bundesliga-Abstiegskampf und dem bis heute höchsten Auswärtssieg feierten die 05er noch eine Stunde lang am Gästeblock mit ihren Fans. In der ersten Reihe stehen fünf der Torschützen: von links Michael Thurk, Fabian Gerber, Benjamin Weigelt, Toni da Silva und Conor Casey. Foto: imagoWeitere Ergebnisse am 30. April:

1933: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 5:4  
1950: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 1:1  
1960: FSV Mainz 05 - VfR Kaiserslautern 2:2  
1967: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 3:0  
1980: FC Ensdorf - FSV Mainz 05 0:2  
1983: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 4:2  
1986: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 1:0  
2000: SpVgg Greuther Fürth - FSV Mainz 05 2:0  
2004: VfB Lübeck - FSV Mainz 05 1:4  
2011: FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt 3:0
2016: FSV Mainz 05 - Hamburger SV 0:0
 

1. Mai  

Am Montag wird Josef Zinnbauer 47 Jahre alt. Der schnelle Offensivmann spielte in der Hinrunde der Saison 1995/96 für die 05er, in der Regel als Einwechselspieler. Bei Markus Kreuz' Debüt, dem oben erwähnten 1:6 in Jena, schoss er mit dem 1:5 sein erstes Zweitligator, eine Woche später beim 4:2 gegen den Chemnitzer FC sein zweites und letztes. Parallel zu seiner anschließenden Karriere als Trainer im Amateurfußball verdiente Zinnbauer sein Geld als Finanzdienstleister; seine Firma hatte er schon als Profi gegründet. In der vergangenen Saison war Zinnbauer ein halbes Jahr lang Cheftrainer des HSV, den er defensiv zwar stabilisierte, aber nicht von den Abstiegsplätzen wegbekam.

34 Jahre alt wird am Sonntag Florian Herzog, der in ihren ersten beiden Regionalligajahren (2003-05) Einwechselstürmer der 05-Amateure war, aber in 26 Spielen nur ein Tor schoss. Ein Torjäger war Herzog nur in der Oberliga beim SC Idar-Oberstein.

Weitere Ergebnisse am 1. Mai:

1976: FSV Mainz 05 - FC Augsburg 1:3  
1979: Eisbachtaler Spfr. - FSV Mainz 05 0:2  
1985: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 3:1  
1988: VfL Hamm/Sieg - FSV Mainz 05 0:0  
1993: FSV Mainz 05 - MSV Duisburg 1:1  
1994: FSV Mainz 05 - Waldhof Mannheim 2:1  
1998: FSV Mainz 05 - SC Freiburg 0:1  
2010: VfB Stuttgart - FSV Mainz 05 2:2

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