Das 05-Kalenderblatt: 28.2. bis 1.3.

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Diesmal geht es gleich mehrmals um den Umbau von 1970, um einen afrikanischen Stürmer, der nie zum Torjäger wurde, um den ersten Schritt in Richtung Bundesliga, zwei Mann, die auch ohne Geburtstag ein Jahr älter werden, und diverse Siege gegen Leverkusen.

28. Februar  

Heute vor 68 Jahren kam Peter Eichinger zur Welt. Der Vater des späteren Kapitäns der 05-Amateure kam 1968 aus eben dieser Mannschaft ins Regionalligateam. Der damals 19-Jährige war aufgrund der langen Verletzung des Routiniers Horst Schuch schnell mehr oder weniger Stammspieler, brachte aber ebensowenig wie sein direkter Konkurrent Klaus Hammans Sicherheit auf die rechte Abwehrseite. Eichinger gewöhnte sich allerdings bald an die Liga, war 1969/70 klarer Stammspieler; Schuch fand nicht mehr dauerhaft zurück in die Startelf. Die Regionalligakarriere des jungen Verteidigers endete dennoch schnell; 1970 kauften die 05er in großem Stil ein, holten unter anderem die Verteidiger Walter Ziehmer und Herbert Scheller und brauchten Eichinger nicht mehr in der ersten Mannschaft und delegierten ihn wieder ins Reserveteam. In 64 Regionalligaspielen hatte er bis dahin ein Tor geschossen - den Siegtreffer im Derby gegen den SV Weisenau, der die 05er Anfang Februar 1970 vom Abstiegsplatz holte.

Bert Balte wird heute 53 Jahre alt. Der viele Jahre lang als Trainer im Mainzer Amateurfußball tätige Niederländer spielte von 1986 bis 1989 für die 05er, ohne aber die größten Spuren zu hinterlassen. Balte war ein Linksaußen mit guten Fähigkeiten am Ball, aber letztlich ohne die Durchsetzungsfähigkeit, die er in einer Oberliga-Spitzenmannschaft brauchte, die sich anschickte, in den Profifußball zurückzukommen. In 55 Ligaspielen schoss Balte keine Tore, so etwas wie ein Stammspieler war er nur im ersten Jahr.

Heute vor 15 Jahren gewann Jürgen Klopp sein erstes Spiel als 05-Trainer durch ein Tor von Christof Babatz 1:0 gegen den MSV Duisburg. Es war der erste Schritt auf dem langen Weg der 05er aus dem Zweitliga-Abstiegskampf in die Bundesliga. Foto: imagoHeute vor 16 Jahren begann der lange Aufstieg der 05er in die Bundesliga. Gerade erst hatten die Mainzer mal wieder in Fürth verloren, den erfolglosen Trainer Eckhart Krautzun entlassen, in ihrer Not - denn der Zeitdruck war enorm - einen gerade ohnehin nicht einsatzbereiten Spieler zum Interimscoach befördert. Am Aschermittwoch, drei Tage nur nach der Niederlage bei den Franken, führte der dort verletzt ausgewechselte Jürgen Klopp die 05er im Nachholspiel gegen den MSV Duisburg (1:0, Christof Babatz schoss das Tor) zum ersten Sieg seit fast drei Monaten, zum ersten Sieg einer Serie von 19 Punkten aus sieben Spielen. Die Abstiegsgefahr war schnell erledigt, Klopp wurde auch offiziell Cheftrainer, der Rest der Geschichte ist bekannt.

Weitere Ergebnisse am 28. Februar:

1971: Südwest Ludwigshafen - FSV Mainz 05 0:1  
1976: FSV Mainz 05 - 1. FC Schweinfurt 2:1  
1982: FK Clausen - FSV Mainz 05 1:1  
2003: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 1:1  
2015: TSG Hoffenheim - FSV Mainz 05 2:0  
2016: FSV Mainz 05 - Bayer Leverkusen 3:1
 

29. Februar?

Der 29. Februar fällt in diesem Jahr aus. Folglich wird Peter Scherer über Nacht 69 Jahre alt. Der torgefährliche Mittelfeldspieler verewigte sich am 6. Mai 1973 auf einem exponierten Platz in der 05-Historie: Sein Tor zum Ausgleich gegen den direkten Konkurrenten Röchlingen Völklingen machte die 05er zum Südwestmeister; an der Bundesliga-Aufstiegsrunde hätten sie dagegen auch im Fall einer Niederlage teilgenommen.

Scherer stammte ursprünglich aus der Regionalliga West, spielte aber als 20-Jähriger bei Preußen Münster noch keine Rolle. Beim 1. FC Saarbrücken etablierte sich der Mittelfeldspieler bis 1970 im großen Fußball, dann wechselte er - im gleichen Sommer wie einige weitere große Spieler, unter anderem Wolfgang Kneib, Herbert Scheller und Jürgen Janz - zu den 05ern. Der Offensivallrounder war sofort Stammspieler im Zentrum hinter den Spitzen, schos sauf Anhieb neun Saisontore. Im zweiten Jahr als 05er verlor Scherer etwas an Bedeutung; Gerd Klier und Gerd Schmidt und Paul Göppl - der am Dienstag Geburtstag hat - waren neu im Team, Jürgen Richter wurde aus dem Sturmzentrum ins Mittelfeld zurückgezogen, Scherer spielte nicht mehr regelmäßig, kam aber 1972/73 eindrucksvoll zurück. Wieder lag das an einer Verschiebung in der Mannschaft: Linksverteidiger Klaus Rieger und Libero Hennes Schneider waren nicht mehr dabei, das große Mittelfeldtalent Jürgen Janz und Richter wurden zum Außenverteidiger umgeschult, im Mittelfeld wurden wieder Plätze frei. Scherer nutzte die Chance, schoss wiederum acht Tore. Aber wieder war er nur ein Jahr lang Stammspieler. Nach nur elf Einsätzen ohne Torerfolg wechselte der Mittelfeldspieler 1974 schließlich zu Kastel 06; bis dahin hatte die Stimmungskanone im Team in 82 Spielen 20 Tore für die Mainzer geschossen.

Johannes Pfeffer, der bis 2007 in der Mainzer U19 spielte, wird 29 Jahre alt.
 

1. März  

Mainz 05 1973. Hinten zwischen den beiden Torhütern steht Peter Scherer, vorne links neben ihnen hockt Paul Göppl.Morgen wird Paul Göppl 65 Jahre alt. Der nur zufällig im Elsass geborene, eigentlich aus dem Schwarzwald stammende Mittelfeldspieler gehörte der zweiten Neuzugangswelle an, als die 05er ab 1970 ihre Mannschaft erneuerten. 1970 waren, wie erwähnt, Kurt Planitzer, Bimbo Bopp, Horst Klinkhammer, Horst Schuch, Richard Klauss, Heinz Wassermann, Carlo Storck, Waler Gaußmann gegangen, allesamt langjährige Leistungsträger, zuletzt nicht mehr alle wirklich bedeutend. Die Torhüter Wolfgang Kneib und Wolfgang Orben, der Libero Walter Ziehmer, der Rechtsverteidiger Herbert Scheller, die Mittelfelsdpieler Jürgen Janz und Peter Scherer, die Angreifer Bernd Schmitt und Jockel Jakobi waren neu gekommen und sofort Stammspieler. 1971 ging mit dem verletzten Kapitän Helmut Müllges der letzte Spieler aus dem Stamm der mittleren 1960er, neu kamen unter anderem der spätere Kapitän und Innenverteidiger Willi Löhr, der Spielmacher Gerd Schmidt, die Torjäger Gerd Klier und Herbert Renner. Außerdem ein neuer Trainer: Erich Gehbauer, mit dem die 05er eigentlich den Bundesliga-Aufstieg angehen wollten, war als Beamter der Bundesbahndirektion nicht in der Lage, die Mannschaft hauptamtlich zu betreuen. Sein Nachfolger war der 32-jährige Bernd Hoss, der zuvor den Schwarzwälder Amateurligisten FV Ebingen betreut hatte. Von seinem Klub brachte Hoss ein 19-jähriges Toptalent mit: Den 19-jährigen Göppl.

Der kleine defensive Mittelfeldspieler wurde sofort Stammspieler und blieb das - mit gelegentlichen überschaubar langen Unterbrechungen - fünf Jahre lang. Göppl war der Adjutant Gerd Schmidts, in etwa das, was beispielsweise Hacki Wimmer für Günter Netzer war: ein fleißiger Läufer und Arbeiter, ein Umschaltspieler, einer, der einerseits seinem Spielmacher die Drecksarbeit abnahm, für den sich andererseits immer wieder Lücken öffneten, wenn der Gegner sich zu sehr auf Schmidt konzentrierte. Diese nutzte Göppl vor allem in seiner außergewöhnlichen dritten Saison als Mainzer: Nach zuvor sieben Toren in 53 Spielen traf er 1973/74 in 28 Spielen zwölf Mal, war damit drittbester 05-Torschütze hinter Klier (28) und Renner (16). Allein dreimal traf der 22-Jährige beim überraschend hohen 8:0 gegen den freilich schon seit Jahren schwächelnden Südwest-Altmeister SV Alsenborn, jeweils zweimal bei den hohen Siegen gegen die Eisbachtaler Sportfreunde (9:1, 8:3). 

In die 2. Bundesliga war Göppl defensiv stärker gefordert, seine Offensivquote ließ zwangsläufig nach. Der Schwarzwälder - von Scherer mal als der einzige Spieler bezeichnet, der Hoss auch ohne Übersetzer verstand - blieb bis zur Lizenzrückgabe Stammspieler, kam dann nicht mit in die Amateurliga, sondern wechselte zurück in den Süden, erst zum FC Villingen, 1980 schließlich innerhalb der Doppelstadt zum Konkurrenten, dem BSV Schwenningen. 1982 holten die 05er ihren inzwischen 30-jährigen Ex-Profi noch einmal zurück, aber seine Zeit war eigentlich vorbei. Nach wenigen Wochen und nur zwei Einsätzen in der Oberliga ging Göppel aus Berufsgründen zurück nach Schwenningen.

Samuel Ipoua wird morgen 44 Jahre alt. Der Kameruner war beim eingangs erwähnten 1:0 gegen Duisburg dabei, wurde aber zur Halbzeit gegen Blaise Nkufo ausgewechselt. Jener setzte sich durch, auch darum schaffte Ipoua das nicht.Samuel Ipoua wird morgen 44 Jahre alt. Der Stürmer aus Kamerun wechselte im Winter 2000/01 vom FC Toulouse zu den 05ern, schoss in fünf Spielen ein Tor - ein Abstauber gegen den FC St. Pauli - und war dann schon wieder weg. Ipoua war in jener Phase eine der interessantesten Figuren bei den 05ern: Eigentlich ein wirklich fähiger Stürmer, auf Zweitliganiveau sowieso, ein Spieler, dem manch einer sogar noch mehr zutraute, ein Stürmer mit gutem Schuss, gutem Kopfball, guter Technik, gutem Körper. Aber auch einer, der aus diesem Potenzial wenig machte, der den Zugang zum Profifußball nicht fand. Eine Rolle dabei dürfte seine nur scheinbar steile Karriere in den ersten Profijahren gespielt haben: Bereits als 16-Jähriger spielte Ipoua in der dritten französischen Liga für die zweite Mannschaft des OGC Nizza, mit 19 schoss er seine ersten Zweitligatore für die erste Mannschaft, mit 21 stieg er in die erste Liga auf, mit 23 wechselte er nach neun Saisontoren zu Inter Mailand. Das könnte der entscheidende Fehler gewesen sein. Eine Rolle spielte Ipoua bei Inter nämlich nie: Sofort wurde er zum FC Turin ausgeliehen, schnell vom italienischen Zweitligisten zu Rapid Wien weitergegeben, nach einem guten zweiten Jahr von Toulouse verpflichtet, dort nach dem Ab- und Wiederaufstieg ausgemustert, zur zweiten Mannschaft geschickt. Als Ipoua ein halbes Jahr später nach Mainz kam, war er nicht fit, hatte keine Spielpraxis und war bald blockiert durch Blaise Nkufo, der im gleichen Winter kam; beide Mittelstürmer gleichzeitig passten nicht ins System.

Trotzdem wechselte Ipoua bereits im Sommer zum TSV München 1860 in die Bundesliga; ein Zeichen, dass man ihm auch auf höherem Niveau den Durchbruch zutraute. Der kam aber nicht: Unter Werner Lorant spielte Ipoua nur fünf Mal, wurde dann weitergegeben an LR Ahlen, dann ins belgische Tabellenmittelfeld, mit 32 Jahren schließlich nach Luxemburg.

29 Jahre alt wird der ehemalige 05-Nachwuchsverteidiger Dominic Kranz.

Ergebnisse am 1. März:

1953: FSV Mainz 05 - VfR Kirn 3:0  
1959: FSV Mainz 05 - TuRa Ludwigshafen 1:1  
1964: FSV Mainz 05 - BSC Oppau 2:0  
1970: FSV Mainz 05 - SV Alsenborn 0:1  
1975: FSV Mainz 05 - Röchling Völklingen 1:0  
1997: VfB Leipzig - FSV Mainz 05 3:0  
1998: FSV Mainz 05 - FC St. Pauli 0:0  
2002: FSV Mainz 05 - SV Babelsberg 03 2:2  
2014: Bayer Leverkusen - FSV Mainz 05 0:1  

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