Das 05-Kalenderblatt: 29.8. bis 1.9.

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Diesmal geht es um einen, der noch länger dabei ist als Stephan Kuhnert, um einen Erfolgstrainer und einen verletzten Verteidiger, einen südamerikanischen Hitzkopf und einen niedersächsischen Frühstarter.

29. August  

Einer der dienstältesten 05er hat heute Geburtstag und wird 56 Jahre alt: Michael Schmitt wird heute 56 Jahre alt.Michael Schmitt kam 1985, im einem der besten Transfersommer der 05er, als einer von vielen ehemaligen Nachwuchsspielern des 1. FC Kaiserslautern, die in jener Zeit im Südwestfußball unterwegs waren, nach Mainz und ist 31 Jahre später immer noch im 05-Trikot am Ball. Als junger Oberligaspieler war "Schmitti", der zuvor für Südwest Ludwigshafen und Hassia Bingen gespielt hatte, ein sehr guter Rechtsverteidiger für die 05er: Bissig, kompromisslos, aber auch ein guter Fußballer.

Schmitt kam im gleichen Sommer wie Hendrik Weiß, Micky Becker, Michael Müller und dem Rückkehrer Charly Mähn nach Mainz - fünf Mann, die teils bis weit in die 1990er hinein zu den Stützen jener Mannschaft zählten, die zweimal den Aufstieg in die 2. Bundesliga schaffte und die 05er schießlich dort etablierte. Über 1.200 Pflichtspiele absolvierte dieses Quintett in der Summe für die 05er, es wären mehr geworden, hätten nicht zwei von ihnen ihre Karriere wegen schwerer Verletzungen vorzeitig aufgeben müssen.

Mähn schied 1991 aus. Schmitt bereits Anfang Mai 1989 nach einem Totalschaden im Knie: Kreuzband-, Innenband- und Meniskusriss. Was heute noch eine schlimme Nachricht für jeden Fußballer, aber noch nicht zwingend das Karriereende ist, war damals noch irreparabel. Schmitt war nicht der einzige schwer verletzte Mainzer Leistungsträger in jener Zweitliga-Comebacksaison: Torjäger Norbert Hönnscheidt konnte nach einem dreifachen Bänderriss erst ab Oktober spielen, "Schorsch" Müller verpasste wegen Adduktorenproblemen die komplette Rückrunde, Patrick Mohr fehlte nach einem Knöchelbruch von Anfang März bis in den Juni, Micky Becker musste eine Woche vor Schmitt die Saison mit angerissenem Kreuzband vorzeitig beenden. Da außerdem manche Spieler (auch Schmitt) berufsbedingt immer nur am Abschlusstraining teilnehmen konnten und neben Charly Mähn ein weiterer Torjäger fehlte, hatten die 05er in der 2. Liga keine Chance. Das zweite, das erfolgreiche Comeback der 05er erlebte Schmitt nicht mehr auf dem Platz; heute noch spielt der Verteidiger aber für die Traditionself des FSV Mainz 05.

43 Jahre alt wird heute einer der wichtigsten Trainer, die die 05er je hatten, einer, der noch auf seinen ersten Titel im Profifußball wartet, was eigentlich nicht lange dauern sollte - Thomas Tuchel hat halt das Pech, dass ihm die Bayern im Weg stehen.

Thomas Tuchel kam 2008 aus dem Nachwuchs des FC Augsburg nach Mainz. In seinem ersten Jahr bei den 05ern wurde er mit der U19 Deutscher Meister, im Finale gewann sein Team um André Schürrle, Jan Kirchhoff und (den in der Endrunde verletzten) Stefan Bell 2:1 gegen Borussia Dortmund. Als die 05er während des Beginns der folgenden Saison Jörn Andersen feuerten, wurde Tuchel der Nachfolger des Norwegers als Cheftrainer.

Tuchel etablierte die 05er nicht einfach nur in der Bundesliga, sondern erstaunlich weit oben in der Tabelle. Im zweiten Jahr stellte er den Startrekord von sieben Siegen in sieben Spielen ein und wurde schließlich Fünfter, zweimal qualifizierte er sich mit den taktisch ungeheuer flexiblen Mainzern für internationale Pflichtspiele, vor allem aber galt der oft etwas verkopfte, emotional selten durchschaubare Intellektuelle als Garant für das Geschäftsmodell der 05er, junge Talente günstig zu verpflichten und als überdurchschnittliche Bundesligaprofis für viel Geld zu verkaufen - nach dem Musterbeispiel Schürrle brachten auch Anthony Ujah, Eugen Polanski (der mal erzählte, man bräuchte Abitur, um Tuchels Trainingsinhalte zu verstehen), Adam Szalai (der nirgends mehr so effizient spielte wie in Mainz), Nicolai Müller, Shawn Parker, Sebastian Polter, Ja-Cheol Koo, Johannes Geis, Joo-Ho Park und Shinji Okazaki ordentlich Geld auf die 05-Konten, auch Julian Baumgartlinger hätte es ohne Tuchel möglicherweise nicht nach Leverkusen geschafft.

Tuchel verließ die 05-Profis ein Jahr vor Vertragsende nicht gerade im Frieden, wurde von Christian Heidel fürs letzte Vertragsjahr im Grunde gesperrt, wechselte dann zu Borussia Dortmund und brachte die Mannschaft, die im letzten Jahr unter Klopp ihre Saison völlig verpatzt hatte, lange auf den Abstiegsplätzen stand, sich schließlich immerhin auf den siebten Rang rettete, auf Anhieb wieder den Bayern in den Nacken. Die Phase gab es im Frühjahr, in der der BVB den Serienmeister, der gerade gegen die 05er verloren hatte, ernsthaft hätte angreifen können; im direkten Duell gab es nicht den erhofften Sieg, sondern ein 0:0. Auch das Pokalfinale und den Supercup verlor der Tüftler gegen die Bayern.

Gern mal mitten im Getümmel: Gonzalo Jara, der heute 31 Jahre alt wird. Foto: imagoGonzalo Alejandro Jara Reyes wird 31 Jahre alt. Der Chilene spielte eineinhalb Jahre für die 05er, bis er im vergangenen Winter über Nacht in die Heimat zurückwechselte. 

Kurz vor und nach seinem Wechsel vom englischen Zweitligisten Nottingham Forest nach Mainz war Jara zweimal die tragische Figur in einem Elfmeterschießen: Beim chilenischen WM-Aus gegen Brasilien im Achtelfinale und beim Mainzer Pokal-Erstrundenspiel in Chemnitz verschoss der Verteidiger. Bei seinen folgenden 17 Bundesligaspielen wirkte der auf allen Abwehrpositionen eingesetzte Jara hin und wieder defensiv etwas leichtsinnig; im Spielaufbau zeigte er nicht nur bei der überragenden Einleitung des 2:0 gegen den SC Paderborn 07 am 18. Spieltag überdurchschnittliche Fähigkeiten. Dennoch legten die 05er dem Chilenen schon vor seiner unsportlichen Begegnung mit dem Uruguayer Edinson Cavani bei der Copa América, für die Jara fürs restliche Turnier gesperrt wurde, einen Vereinswechsel höflich nahe. Zwar schaffte Jara im Laufe der Hinrunde ein kaum erwartetes Comeback, wurde im defensiven Mittelfeld noch einmal wertvoll für die Mannschaft, aber als er im Winter aus nie so ganz öffentlich gewordenen Gründen nach Chile wollte, wurde ihm das auf kurzem Dienstweg ermöglicht. Heute spielt Jara für den Club Universidad de Chile.

35 Jahre alt wird außerdem Christopher Umbs, der von April 1999 bis zu einer schweren Verletzung Anfang 2000 22 Mal in der Oberliga für die 05-Amateure spielte und seitdem noch lange im höheren Amateurfußball des Rhein-Nahe-Gebiets unterwegs war. Und Konstantin Stengel, 2003/04 der erste 05-Torwart in der U19-Bundesliga, später Oberliga-Keeper in Bad Kreuznach, Hauenstein und Mechtersheim, wird 31 Jahre alt.

Ergebnisse am 29. August:

1954: Borussia Neunkirchen - FSV Mainz 05 0:0  
1965: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 1:4  
1971: Eintracht Trier - FSV Mainz 05 3:3  
1979: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 1:3  
1981: Rot-Weiß Hasborn - FSV Mainz 05 1:1  
1984: SV Leiwen - FSV Mainz 05 1:1  
1992: FSV Mainz 05 - FC Remscheid 1:0  
1993: VfL Bochum - FSV Mainz 05 2:0  
1997: FSV Mainz 05 - FSV Zwickau 2:2  
1998: Spfr. Siegen - FSV Mainz 05 3:1 n.V. (DFB-Pokal)
1999: Energie Cottbus - FSV Mainz 05 3:0  
2008: FSV Mainz 05 - VfL Osnabrück 4:2  
2015: FSV Mainz 05 - Hannover 96 3:0
 

30. August  

Morgen wird Dennis Weiland (in Rot hinter dem grätschenden Robert Nikolic) 42 Jahre alt. Foto: imagoAm Dienstag wird Dennis Weiland 42 Jahre alt. Der jüngere der Weiland-Brüder, die 2001 zu den 05ern wechselten - Dennis aus Osnabrück, Niclas von TeBe Berlin - hatte seine größte Zeit im Mainzer Trikot in der 2. Bundesliga. In seiner ersten Saison schoss "Weilando" fünf Tore (seither kein einziges mehr) - das erste Sekunden nach seiner Einwechslung am ersten Spieltag mit seinem ersten Ballkontakt in einem Ligaspiel der 05er. Im zweiten Jahr bereitete der Niedersachse elf Treffer vor. Bereits in der Aufstiegssaison 2003/04 wurde der Offensivkünstler aber im linken Mittelfeld vom Neuzugang Toni da Silva verdrängt. In der Bundesliga war "Weilando" nur noch ein Ergänzungsspieler. 2006 verließ der Mittelfeldmann die 05er nach 15 Erst- und 78 Zweitligaspielen. Über Eintracht Braunschweig und Waldhof Mannheim wechselte Weiland 2009 zurück in seine Heimatstadt Hannover, nicht jedoch zu den 96ern, sondern zur Arminia. Für sein Studium der Sportwissenschaft kam Dennis Weiland bald wieder nach Mainz; ab 2012 war er zunächst Co-Trainer von Sandro Schwarz beim FC Eschborn, nach dessen Wechsel zu den 05-Junioren 2013/14 sogar Cheftrainer des Hessenligisten.

Ergebnisse am 30. August:

1931: Olympia Lorsch - FSV Mainz 05 2:6  
1953: VfR Frankenthal - FSV Mainz 05 0:3  
1959: FSV Mainz 05 - VfR Frankenthal 0:2  
1964: FSV Mainz 05 - VfR Frankenthal 2:1  
1970: FV Speyer - FSV Mainz 05 4:0  
1975: Eintracht Bad Kreuznach - FSV Mainz 05 3:1  
1986: FSV Mainz 05 - FC Schalke 04 1:0 (DFB-Pokal)
1987: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 1:1  
1989: SC Birkenfeld - FSV Mainz 05 1:2  
1995: FSV Mainz 05 - SV Meppen 0:0  
2002: SpVgg Unterhaching - FSV Mainz 05 1:1 n.V., 4:2 n.E. (DFB-Pokal)
 

31. August  

Am Mittwoch wird Frank Haun 49 Jahre alt. Als sehr junger Profi hatte Haun bereits wenige Bundesligaspiele für den 1. FC Kaiserslautern absolviert, bevor die 05er den Mittelfeldspieler 1987 an den Bruchweg holten. Der 19-Jährige schloss damit eine der drei Lücken, die die Mainzer hinsichtlich der erhofften Rückkehr in die 2. Bundesliga sahen; Torwart Stephan Kuhnert und Mittelstürmer Norbert Hönnscheidt waren die anderen beiden wichtigen Neuen.

Frank Haun (links) und Kristian Zedi haben am Mittwoch Geburtstag.Haun war für damalige Mainzer Verhältnisse ein sehr guter Mann. Vom ersten Spieltag an war er Stammspieler im linken Mittelfeld. Zwar bereitete er das erste Mainzer Saisontor vor und schoss das vierte, unterm Strich war Haun aber eher ein Aufbauspieler als einer, der unmittelbar an Treffern beteiligt war. Die 05er stiegen mit der nun kompletten Mannschaft auf und auch in der 2. Bundesliga war Frank Haun ein wichtiger Stammspieler. Als die Mainzer aus bereits erwähnten Gründen wieder in der Oberliga landeten, war Haun der einzige Abgang, der im Profifußball blieb: 1989/90 spielte er für Waldhof Mannheim weitere 16 Mal in der Bundesliga. Auch mit dem Waldhof stieg der Ludwigshafener jedoch ab; seine weiteren Stationen waren die Oberligisten Wormatia Worms und VfR Mannheim.

42 Jahre alt wird ein großer tragischer Verteidiger: Kristian Zedi, ein Jugoslawe aus dem Ruhrgebiet. Zedi schien bei Fortuna Düsseldorf auf einem sehr guten Weg zum Bundesligaprofi, als ihm zum ersten Mal das Kreuzband riss. Die 05er verpflichteten den Verteidiger 1999 aus der Reha heraus, wissend, dass sie sich einen gesunden Zedi niemals hätten leisten können, hoffend, ihn nach der Verletzung wieder auf das alte Niveau zu bekommen. Das schafften sie nicht: Ein einziges Mal, am 26. März 2000, konnte Zedi ernsthaft mitspielen. Beim 2:2 gegen den Karlsruher SC bereitete er sogar das Führungstor vor. Aber erst im Februar und März 2002 stand der Verteidiger wieder im Aufgebot. Dreimal blieb er auf der Bank, in Ahlen wurde er in der 90. Minute eingewechselt. Und hätte sicherlich das 4:1 geschossen, hätte Michael Thurk im letzten Konter den Querpass auf den mitlaufenden Kollegen gespielt. Thurk schoss das Tor aber selbst. Am Ende jener Saison gab Zedi seine Karriere endgültig auf; ein Jammer, denn ohne die Verletzungen hätte dieser ausgesprochen gute Verteidiger eine sehr schöne Karriere haben können. Zedis Zwillingsbruder Rudolf spielte noch bis 2012 bei Rot-Weiß Erfurt.

Seinen 35. Geburtstag kann Markus Schröder feiern, der Ersatztorwart der 05-Amateure in der Saison 2002/03. 17 Jahre alt wird Raphael Assibey-Mensah, Offensivmann im Mainzer U17-Bundesligateam der vergangenen Saison.

Weitere Ereignisse am 31. August:

1930: FSV Mainz 05 - SV Darmstadt 98 4:1  
1952: 1. FC Saarbrücken - FSV Mainz 05 3:1  
1958: Eintracht Bad Kreuznach - FSV Mainz 05 1:1  
1969: SpVgg Weisenau - FSV Mainz 05 0:2  
1974: Röchling Völklingen - FSV Mainz 05 1:1  
1977: FSV Mainz 05 - SV Horchheim 2:0  
1980: FSV Mainz 05 - MTV Ingolstadt 3:2 (DFB-Pokal)
1991: VfB Leipzig - FSV Mainz 05 1:1  
2003: SSVg Velbert - FSV Mainz 05 0:0 n.V., 5:3 n.E. (DFB-Pokal)
2012: FSV Mainz 05 - SpVgg Greuther Fürth 0:1  
2013: Hannover 96 - FSV Mainz 05 4:1  
2014: FSV Mainz 05 - Hannover 96 0:0  
 

1. September  

Am Donnerstag wird Dezsö Orbán 83 Jahre alt. Orbán war ein ungarischer Handlungsreisender, dessen Beruf seine Fußballkarriere über ganz Europa verstreute: Bis 1960 spielte der Mittelfeldspieler für den VfR Neumünster, dann wurde er von Hamburg nach Frankfurt versetzt und schloss sich den 05ern an. Orbán hatte allerdings Schwierigkeiten, sich in Mainz zu akklimatisieren, hatte auch nicht immer Zeit für Fußball. Dennoch bedauerten es die 05er sehr, als der Ungar im Spätsommer 1961 nach 16 Oberliga-Einsätzen von seinem Arbeitgeber nach Spanien delegiert wurde. Bis dahin hatte Orbán in einem durchaus internationalen Mittelfeld gespielt: Seine Nebenleute waren der Mainzer Werner Sommer und der syrische Student Ali Rahmoun.

Weitere Ereignisse am 1. September:

1929: SV Darmstadt 98 - FSV Mainz 05 3:1  
1957: FSV Mainz 05 - 1. FC Saarbrücken 3:1  
1962: SV Niederlahnstein - FSV Mainz 05 0:1  
1963: FSV Mainz 05 - SV Völklingen 1:0  
1968: Röchling Völklingen - FSV Mainz 05 4:2  
1976: FSV Mainz 05 - SpVgg Andernach 3:0 (DFB-Pokal)
1982: Wormatia Worms - FSV Mainz 05 3:2  
1985: VfL Hamm/Sieg - FSV Mainz 05 3:2  

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