Das 05-Kalenderblatt: 30. Mai bis 1. Juni

Christian Karn. Mainz.
Auch in dieser Woche hat die nullfünfMixedZone wieder tief in die Vereinschronik gegriffen, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche weiteren Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Es geht heute vor allem um einen glücklosen Trainer, um einen Kläger und um ein junges Sturmmonster.

30. Mai  

Drei Ex-05er haben (oder hätten) heute Geburtstag:

Vor bereits 97 Jahren kam Heinrich Stillger zur Welt. Der Stürmer spielte in der unmittelbaren Nachkriegszeit für den FSV Mainz 05; Details sind nicht überliefert, weil Stillger bereits 1948 zum SV Weisenau wechselte und die dünnen Notzeitungen bis dahin keine regelmäßige Berichterstattung über die 05er brachten. Bekannt ist jedoch, dass Stillger beim SVW mit 23 Toren in 71 Spielen bis 1952 ein guter Torjäger war.

Die Imagetour Didi Constantinis durch die Stadt fiel letztlich ein bisschen ins Wasser. Im Stadion saß der Österreicher 1997/98 auch nicht so lange auf der Bank wie erhofft: nach 19 Spielen gab der Schüler Ernst Happels auf. Wolfgang Franks Schatten (nicht im Bild) war zu groß. Foto: imago61 Jahre alt wird ein unglücklicher Trainer. Der Innsbrucker Dietmar Constantini, genannt "Didi", war in den 1970ern und 1980ern Innenverteidiger bei diversen österreichischen Klubs (sowie zwischendrin in Griechenland), mit Wacker Innsbruck gewann er 1977 die Meisterschaft. Als Trainer arbeitete Constantini zunächst vor allem für den österreichischen Verband ÖFB, der große Ernst Happel war sein Mentor. Nach gut vier Jahren als Chefcoach verschiedener österreichischer Bundesligisten wechselte Constantini im Herbst 1997 zu den 05ern. Diese hatten früh in der Saison Reinhard Saftig gefeuert und lange nach einem Nachfolger gesucht.

Constantini verlor nur fünf seiner 19 Spiele. Er gewann aber auch nur vier. "Die Ergebnisse haben einfach nicht gestimmt", erklärte Jahre später Jürgen Kramny. "Er hat umgestellt, gesagt: Viererkette in Mainz geht nicht. Wenn Viererkette gespielt wird, dann mit Libero dahinter. Die taktische Ausrichtung war für diese Mannschaft nicht optimal." Der Österreicher war gar nicht mal unbeliebt in Mainz, scheiterte aber am Ende an den vielen Unentschieden. Für Torjäger Abdul Ouakili, der im Winter als Führender der Torschützenliste in die Bundesliga wechselte, fanden die 05er keinen Ersatz. Auch Spiele, in denen sie hoch überlegen waren, gewannen sie nicht mehr. Nach einem 1:3 gegen Wattenscheid, dem achten sieglosen Spiel hintereinander, trat Constantini am Palmsonntag 1998 zurück. EInen letzten Rat gab er den 05ern: "Euch kann in dieser verdammt schwierigen Situation nur einer helfen: Wolfgang Frank." Der in einer Nacht-und Nebel-Aktion zurückkam und die 05er wieder stabilisierte.

Constantini ging zurück zum ÖFB, war jahrelang Co-Trainer der Nationalmannschaft, dann mehrmals Kurzzeitcoach in der österreichischen Bundesliga; lange Engagements wollte der Coach gar nicht mehr, sie wären mit seinen jährlichen Kinder-Fußballcamps nicht zu vereinbaren gewesen. Erst im März 2009 ließ sich Constantini zum Nationalcoach bestellen; früh in seiner Karriere hatte er diesen Job schon zweimal als Interimstrainer erledigt. Der Innsbrucker war nie ganz unumstritten; einige alte, verdiente Spieler fühlten sich vom neuen Trainer hinausgeekelt; im Rückblick gilt Constantini aber auch als ein Wegbereiter des aktuellen Erfolgs des ÖFB-Teams: "Wer die letzten Jahre verfolgt hat, weiß, wie schwer es ist, ein anerkannter Teamchef zu sein", sagte kürzlich erst Julian Baumgartlinger. "Didi hatte Mut. Er hat viele junge Spieler, auch mich, in die Nationalmannschaft geholt. Die nächste Entwicklung kam mit ihm aber nicht." Die schaffte erst sein Nachfolger Marcel Koller, unter dem die Österreicher zweitbeste Mannschaft der EM-Qualifikation waren.

Ein in Mainz nicht mehr allzu beliebter Spieler wird am Samstag 38 Jahre alt. Heinz Müller kam 2009 aus der zweiten englischen Liga als Herausforderer für Dimo Wache nach Mainz (Wache konterte Müllers Spruch, in Norwegen, wo er einst gespielt hatte, hätte man ihn den "Mann mit vier Armen" genannt, recht unbeeindruckt mit einem trockenen "Und ich bin die Krake aus Brake") und wurde sofort sein Nachfolger - Wache hatte sich schwer verletzt. Müller verursachte mit seinem spektakulären Stil in den ersten beiden Einsätzen zwei Elfmeter (und hielt einen davon), spielte auch insgesamt eine bemerkenswert starke Saison, ließ aber ab dem zweiten Jahr deutlich nach. Der ewige 05er Christian Wetklo verdrängte Müller immer wieder aus der Startelf. Thomas Tuchel strich den immer schnell beleidigten und körperlich nicht mehr stabilen Torhüter schließlich aus dem Bundesligakader, was mittlerweile Rechtsstreit nach sich zog. Ursprünglich ging es um entgangene Prämien, inzwischen lautet die noch nicht letztinstantlich geklärte Frage: Sind befristete Verträge im Profifußball überhaupt zulässig? Eins dürfte klar sein: Wenn die 05er auch einen neuen Stammtorwart brauchen, Müller wird nicht der Nachfolger des Nachfolgers seines eigenen Nachfolgers.

Ergebnisse am 30. Mai:

1993: FSV Mainz 05 - Eintracht Braunschweig 0:2  
 

31. Mai

Ilker Yüksel wird morgen 18 Jahre alt.Morgen hat Ilker Yüksel Geburtstag. Der Stürmer, der vor drei Jahren von Holstein Kiel in die Mainzer U17 kam, beeindruckte dort mit jeweils 20 Toren und Vorlagen in 49 Spielen, mit seiner für diese Altersklasse überdurchschnittlichen Physis und mit seiner ohrenbetäubenden Stimme als Humba-Ansager. Der Übergang in die U19 hat bisher nur leidlich funktioniert, vier Tore sind nicht die allerschlechteste, aber auch keine überragende Ausbeute, siebzehn Einsätze (davon elf Einwechslungen) ebenso. Im zweiten U19-Jahr wird sich nun zeigen, welche Aussichten Yüksel hat. Morgen jedenfalls wird der Stürmer 18 Jahre alt.

Außerdem gab es ein paar Fußballspiele: in der Bundesliga-Aufstiegsrunde 1973 ein 1:1 in Karlsruhe, in der 2. Bundesliga 1975 ein 3:2 gegen den FC Augsburg und bei der Amateurmeisterschaft 1981 ein 1:3 beim FC St. Pauli. Und 1984 ein 4:2 im Testspiel beim SV Sommerloch, womit wir beim Thema wären für den:
 

1. Juni

Denn da gibt es nur zwei Ergebnisse zu melden:

1991: Stuttgarter Kickers - FSV Mainz 05 1:1  
1997: FSV Mainz 05 - Fortuna Köln 2:0  
 

Am 2. Juni wird es wieder ganz anders rund gehen, aber das ist ein Thema fürs nächste Kalenderblatt.
 

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