Das 05-Kalenderblatt: 30.11. bis 4.12.

Christian Karn. Mainz.
Die nullfünfMixedZone hat wieder in der Vereinschronik gekramt, in den Annalen geblättert und nachgeschaut, welche Jubiläen in diesen Tagen anstehen, was es an Besonderheiten und Ergebnissen gegeben hat, was um diese Jahreszeit so alles bei den 05ern passiert ist. Diesmal geht es um die größte Abwehrschlacht von allen, den ersten Mainzer Brasilianer und zwei wichtige 05-Spieler der 1970er.

30. November  

Heute wird Jürgen Janz 66 Jahre alt. Janz war ursprünglich ein technisch guter offensiver Mittelfeldspieler, als er beim großen Umbruch 1970 vom SV Gau-Algesheim zu den 05ern kam. Bereits in der ersten Rückrunde war der Rheinhesse Stammspieler; im folgenden Jahr wurde er jedoch vom ähnlich jungen Neuzugang Paul Göppl aus der Mannschaft verdrängt. Janz' große Zeit bei den 05ern begann mit dem Wechsel von Klaus Rieger zu Wormatia Worms: Auf der linken Abwehrseite wurde ein Platz frei, auf dem sich der umgeschulte Offensivmann sofort festsetzte. Die Flankenläufe des neuen Linksverteidigers waren ein nicht unbedeutender Faktor zur Mainzer Südwestmeisterschaft 1973.

Zwei Geburtstagskinder am letzten Novembertag: Jürgen Janz und Luis Antonio Moraes.Im folgenden Jahr qualifizierten sich die 05er für die neue 2. Bundesliga, Janz aber kam nicht mit, sondern wechselte zum Liga-Konkurrenten Röchling Völklingen. Als die Saarländer 1977, ein Jahr nach den Mainzern, ebenfalls auf eine Zweitliga-Lizenz verzichteten, spielte Janz zunächst in Bingen und bei der zu Geld gekommenen SG Harxheim weiter, ehe ihn die 05er 1980 zurück an den Bruchweg holten. Inzwischen als Vorstopper war der Routinier, der für die 05er 97 und für Völklingen 95 Spiele in der jeweils zweithöchsten Liga absolviert hatte, zwei Jahre lang Teil der überragenden Abwehr der Südwestliga; 1982 gewann er mit den 05ern die Deutsche Amateurmeisterschaft. 1982/83 konnte Janz nicht mehr durchspielen. Die folgende Saison, seine letzte als 05-Spieler, verpasste er komplett. Seine Karriere beendete der Verteidiger schließlich 1988 als Spielertrainer in Harxheim. Als regelmäßiger Zuschauer blieb Jürgen Janz den 05ern treu. 

Luis Antonio Moraes wird heute 46 Jahre alt. Der erste Brasilianer bei Mainz 05 kam Anfang 1997 als großer Hoffnungsträger aus Finnland, wo er gerade mit Jazz Pori zum zweiten Mal Meister und zum zweiten Mal Torschützenkönig geworden war. Moraes war allerdings immer ein Fremdkörper in Mainz. Der Stürmer lernte die Sprache nicht, integrierte sich nicht gut und hatte zudem große fußballerische Defizite. Für die finnische Liga reichte sein Torinstinkt, aber in der 2. Bundesliga reichte das schon damals nicht. Moraes wechselte bereits im folgenden Winter nach 18 Einsätzen für die 05er und ohne ein einziges Pflichtspieltor wieder nach Finnland, wo er weiterhin alles in Grund und Boden schoss, insgesamt in 196 Spielen für Jazz, HJK und MyPa-47 94 Mal traf und anschließend ein durchaus erfolgreicher Trainer wurde.

Patrick Pflücke debütierte gegen die Bayern in der Bundesliga, wartet aber noch auf seinen zweiten Einsatz. Foto: imago20 Jahre alt wird Patrick Pflücke. Der Dresdner Techniker war als 14-Jähriger eins der begehrtesten Talente im ganzen Land, hatte im Grunde die Auswahl zwischen mehr oder weniger allen Spitzenklubs Europas, wechselte aber zum kleinen FSV Mainz 05, der den jungen Pflücke auch damit überzeugte, die ganze Familie nach Mainz zu holen. In der U17, nach kurzer Anlaufzeit auch in der U19 war Pflücke in den folgenden vier Jahren ein spektakulärer Offensivspieler, in 85 Junioren-Bundesligaspielen schoss er 46 Tore und bereitete 37 Treffer vor. Im Erwachsenenfußball ist Pflücke allerdings noch nicht so recht angekommen. Zwar debütierte er bereits in der vergangenen Saison gegen Bayern München bei den 05-Profis, der zweite Bundesliga-Einsatz scheint derzeit jedoch recht weit entfernt. In der 3. Liga gehörte Pflücke zunächst zum Stamm der Mainzer U23, wurde allerdings häufig eingewechselt, war nicht sehr torgefährlich, wurde fußballerisch und in der Bedeutung von manch anderen 05-Talenten überholt. Ob sich der immer etwas introvertiert wirkende Sachse im höheren Fußball festsetzen wird, muss man sehen.

Die größte Abwehrschlacht von allen

Heute vor 17 Jahren schließlich tobte am Bruchweg die größte Abwehrschlacht von allen. Eigentlich war es ein schwaches Spiel zwischen dem Champions-League-Teilnehmer Hertha BSC und dem Zweitligisten Mainz 05, der mal wieder nicht genau wusste, wie ambitioniert er eigentlich gerade war; die Spannung lag vor allem darin, dass es nun mal ein DFB-Pokal-Achtelfinale war. In der 67. Minute erst gingen die Berliner durch den heutigen Hertha-Manager Michael Preetz 1:0 in Führung. Ein paar Minuten später wechselte 05-Trainer Wolfgang Frank mal wieder einen kleinen, schmalen, blonden Stürmer ein, der sich gerade anschickte, über die Oberligamannschaft zu den Profis aufzurücken - in der 82. Minute schoss Michael Thurk tatsächlich sein erstes Profitor zum Ausgleich. Dieser Treffer war es, der Thurk über die Zwischenstation "Herthakiller" den Spitznamen "Killermichel" einbrachte. Einen Rückschlag gab es noch für die 05er, ehe es in die Verlängerung ging: Jürgen Klopp sah kurz nach dem 1:1 Gelb-Rot.

Der Turm in der Abwehrschlacht: Hertha BSC scheiterte 1999 insbesondere an Steffen Herzbergers Kopf. Foto: imagoHertha ärgerte sich an jenem Dienstagabend, dass 90 Minuten nicht ausgereicht hatten, um diesen Zweitligisten zu schlagen. In Überzahl wollten die Berliner nun kurzen Prozess machen. Jedoch spielte im ersten Mainzer Entlastungsangriff in der 99. Minute Sirous Dinmohammadi einen seiner fabelhaften Steilpässe auf Marcio Rodrigues, der das 2:1 für die 05er schoss - und einen vermeintlich fatalen Fehler machte: Offenbar im Irrglauben, er habe gerade das Golden Goal geschossen und das Spiel sei vorbei, riss sich der Brasilianer das Trikot vom Leib, schwenkte es über dem Kopf. Schiedsrichterbetreuer Rocky Mayer, Schlimmstes ahnend, versuchte noch, Marcio einzufangen, purzelte in seinem Entsetzen kopfüber über die Werbebande. Denn Marcio hatte schon Gelb gesehen. "Und es tat mir in der Seele weh", sagte zwar Schiedsrichter Helmut Fleischer, aber Gelb-Rot musste er trotzdem zeigen, ging nicht anders.

Jürgen Klopp, so geht zumindest die Legende, bekam nicht viel mit von dem, was anschließend passierte. Marcio soll ihn aus Versehen in der Kabine eingeschlossen haben, Klopp habe sich auf das verlassen müssen, was durch die dünnen Wände von den Tribünen an sein Ohr drang. Und es war laut am Bruchweg. Die 05-Fans wurden tatsächlich der zehnte Mann, der die Unterzahl wenigstens ein bisschen wettmachte. Hertha stürmte. Belagerte den Strafraum. Die 05er zogen sich zurück in ein 4-4-0-System mit Thurk als Rechtsverteidiger. An der Seitenlinie standen Wolfgang Frank und Serjik Teymourian, der iranische Ersatzspieler, synchrongestikulierend. Bälle flogen in den Strafraum und wurden - vor allem von Steffen Herzbergers Schädel - wieder hinausbefördert. Beim Anstoß zur zweiten Hälfte der Verlängerung waren nur zwei Mainzer nahe der Mittellinie, die den Ball einfach in Richtung Eckfahne schlugen und sich in die Abwehr zurückzogen. Dimo Wache boxte einen Ball aus dem Winkel, den Sterbliche normalerweise nicht erreichen können. Hertha ließ überhaupt keine Entlastung zu, bis in die 121. Minute, in der Thurk um ein Haar das 3:1 geschossen hätte. Die Mainzer Mauer hielt. Der Ausgleich fiel nicht mehr. Neun Mainzer Spieler brachten das 2:1 gegen elf Berliner über die Zeit.

Weitere Ergebnisse am 30. November:

1930: 1. FC Langen - FSV Mainz 05 1:1  
1952: FSV Mainz 05 - Borussia Neunkirchen 5:0  
1958: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 3:3  
1969: FSV Mainz 05 - ASV Landau 0:3  
1974: FC Augsburg - FSV Mainz 05 0:0  
1980: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 0:3  
2001: FSV Mainz 05 - MSV Duisburg 4:4  
2003: FSV Mainz 05 - VfB Lübeck 3:1  
2013: FSV Mainz 05 - Borussia Dortmund 1:3  
 

1. Dezember  

Einer der besten Techniker der ersten Mainzer Zweitliga-Jahre hat am Donnerstag Geburtstag: Erwin Hohenwarter wird 69 Jahre alt.Am Donnerstag wird Erwin Hohenwarter 69 Jahre alt. In gewisser Weise zufällig kam der Österreicher 1973 zu Mainz 05: Der TSV München 1860 musste nach der Verpflichtung der Jugoslawen Fahrija Dautbegovic und Marijan Novak einen Ausländerplatz freiräumen, so dass Hohenwarter auf einmal kurzfristig auf dem Transfermarkt auftauchte und die 05er ihn eine Woche vor Saisonbeginn für sehr wenig Geld ausleihen konnten. Der 25-jährige ehemalige B-Nationalspieler hatte zuvor schon für den Grazer AK, Wacker Innsbruck und den VfR Heilbronn gespielt.

Der glänzende Techniker, Torjäger und Vorbereiter verdrängte schnell Manfred Kipp aus der Startelf. "Bisher hat in meinen Plänen ein solcher Mann gefehlt", freute sich der 05-Trainer Bernd Hoss. Wie viele österreichische Spielmacher war Hohenwarter nicht der Laufstärkste. Aber auf engem Raum war er zu Großem in der Lage; er war beweglich, spielte feine Pässe, schoss in 108 Spielen für die 05er 33 Tore und bereitete 23 vor. Als die 05er sich 1976 aus der 2. Bundesliga zurückzogen, wechselte Hohenwarter zu Röchling Völklingen. Ein Jahr später verabschiedeten sich auch die Saarländer aus freien Stücken aus der teuren und unattraktiven neuen Liga, worauf der Österreicher sich wieder dem GAK anschloss, für den er noch im hohen Fußballalter als Libero spielte.

Thomas Schreier wird 61 Jahre alt. Der Stürmer kam 1980 aus Bad Schwalbach an den Bruchweg. In der Hinrunde fehlte ihm nicht viel zum Stammspieler, schon in der Rückrunde wurde Schreier nicht mehr oft eingesetzt. Bereits nach einem Jahr wechselte der Angreifer wieder nach Hessen zur SG Hoechst. Mit fünf Toren in 17 Einsätzen hat er seinen Anteil an der Mainzer Südwestmeisterschaft von 1981.

Außerdem haben zwei ehemalige Mainzer Nachwuchsspieler am Donnerstag Geburtstag: Der Offensivspieler Johnny Zinram, der sein in der U17-Saison 2007/08 nachgewiesenes Talent wegen mehrerer schwerer Verletzungen in der U19 und U23 nie abrufen konnte und über den SV Gonsenheim und Wormatia Worms inzwischen in Luxemburg gelandet ist, wird 25 Jahre alt, Niclas Kupka, der 2012/13 sechsmal in der U23 spielte, 23 Jahre.

Ergebnisse am 1. Dezember:

1929: SV Wiesbaden - FSV Mainz 05 4:2  
1957: TuRa Ludwigshafen - FSV Mainz 05 0:3  
1963: Spfr. Saarbrücken - FSV Mainz 05 2:0  
1968: FV Speyer - FSV Mainz 05 1:1  
1973: 1. FC Nürnberg - FSV Mainz 05 4:1 (DFB-Pokal)
1985: FSV Mainz 05 - FK Pirmasens 4:1  
1991: FSV Mainz 05 - Waldhof Mannheim 3:1  
1995: Hannover 96 - FSV Mainz 05 0:2  
1996: Fortuna Köln - FSV Mainz 05 1:3  
2002: FSV Mainz 05 - LR Ahlen 1:0  
2006: FSV Mainz 05 - VfB Stuttgart 0:0  
2008: FSV Frankfurt - FSV Mainz 05 1:4  
2012: FSV Mainz 05 - Hannover 96 2:1

2. Dezember  

Am Freitag vor 90 Jahren wurde Erwin Vitzthum geboren. Der Mittelfeldspieler aus der Oberpfalz war 1952/53 ein 05er, spielte aber letztlich keine Rolle und wurde nur fünfmal in der Oberliga aufgestellt.

Ergebnisse am 2. Dezember:

1928: Hassia Bingen - FSV Mainz 05 0:3  
1956: FSV Mainz 05 - Eintracht Bad Kreuznach 2:1  
1962: Spfr. Saarbrücken - FSV Mainz 05 2:1  
1978: SG Ellingen-Bonefeld - FSV Mainz 05 1:1  
1979: Eintracht Bad Kreuznach - FSV Mainz 05 2:3  
1984: FSV Mainz 05 - Wormatia Worms 2:2  
1998: FSV Mainz 05 - Stuttgarter Kickers 2:2 
 

3. Dezember  

Am Samstag vor 97 Jahren kam in Andernach Willi Perse zur Welt. Der Stürmer - für die SpVgg Andernach ein großer Oberliga-Torjäger - war in den Kriegsjahren in Mainz stationiert und spielte für die 05er, bis er nach Paris abkommandiert wurde und im besetzten Frankreich in einer Stadtauswahl deutscher Soldaten kickte.

18 Jahre alt wird heute Joel Richter. Der Rechtsaußen war 2014/15 ein wichtiger, torgefährlicher Spieler in der Mainzer U17 und hat sich nach einem Eingewöhnungsjahr inzwischen auch in der U19 etabliert.

Ergebnisse am 3. Dezember:

1933: FSV Mainz 05 - SV Wiesbaden 3:2  
1950: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 8:2  
1961: FSV Mainz 05 - Saar 05 Saarbrücken 2:1  
1967: FSV Mainz 05 - SSV Mülheim 2:0  
1972: Röchling Völklingen - FSV Mainz 05 3:1  
1983: Röchling Völklingen - FSV Mainz 05 1:3  
1989: FSV Mainz 05 - Südwest Ludwigshafen 5:0  
1994: FSV Mainz 05 - FSV Zwickau 2:2  
2000: FSV Mainz 05 - 1. FC Nürnberg 2:0  
2007: Alemannia Aachen - FSV Mainz 05 0:3  
2011: VfL Wolfsburg - FSV Mainz 05 2:2  

4. Dezember  

Am Sonntag vor 79 Jahren wurde Herbert Reske geboren. Der Verteidiger aus der eigenen Reserve schloss von 1958 bis 1960 gelegentliche Lücken in der Abwehr der ersten Mannschaft. Insgesamt spielte der stille Kämpfer 16 Mal für die 05er in der Oberliga.

Ergebnisse am 4. Dezember:

1927: FSV Mainz 05 - VfL Neu-Isenburg 2:0  
1932: SV Wiesbaden - FSV Mainz 05 2:2  
1955: TuS Neuendorf - FSV Mainz 05 4:0  
1960: FSV Mainz 05 - TuS Neuendorf 0:0  
1966: FC Homburg/Saar - FSV Mainz 05 0:4  
1977: FSV Mainz 05 - VfR Kirn 2:1  
1993: FSV Mainz 05 - Stuttgarter Kickers 4:0  
2005: FSV Mainz 05 - VfL Wolfsburg 5:1  
2010: Eintracht Frankfurt - FSV Mainz 05 2:1 

► Alle Artikel zur Historie

► Zur Startseite